J.B.O. – Wer Lässt Die Sau Raus?!

Rosarote Franken-Bande hat das Rocken verlernt

Artist: J.B.O.

Herkunft: Erlangen, Deutschland

Album: Wer Lässt Die Sau Raus?!

Spiellänge: 44:04 Minuten

Genre: Fun Metal, Comedy Metal

Release: 28.06.2019

Label: AFM Records

Link: https://www.jbo.de/band/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Hannes „G Laber“ Holzmann
Gesang, Gitarre – Veit „Vito C.“ Kutzer
Bass, Gesang – Ralph Bach
Schlagzeug, Gesang – Wolfram Kellner

Tracklist:
01. Überfall
02. Mach Noch Eins Auf
03. Wer Lässt Die Sau Raus?!
04. Hofen Und Bangen
05. Durst
06. Depp
07. Weil`s Quatsch Ist
08. Schlimmer Geht Immer
09. Die Beste Stadt Der Welt
10. In Meinem Kühlschrank Brennt noch Licht
11. Happy Birthday
12. Hochzeitspunk
13. Hochzeitsmarsch
14. Heavy Metal Baby
15. Hallo Bier

Im Jahr 1989 als reines Spaßprojekt unter dem Namen James Blast Orchester gegründet, feiern die Erlanger J.B.O. in diesem Jahr ihr 30. Bestehen. Als dann 1995 Explizite Lyrik auf den Markt geworfen wurde, da war das neu, da war das witzig, aber seien wir doch mal ehrlich, hat irgendwer damit gerechnet, dass diese rosa Ulknudeln auch 30 Jahre später noch ihren Unfug treiben? An der Band scheiden sich die Geister, für die einen ist es die Partykapelle schlechthin, andere können mit dem Brachialhumor, der hier mit der Brechstange herbeigeführt wird, so gar nichts anfangen. Ich stehe irgendwo dazwischen und muss gestehen, ein paar nette Partykracher hat man mit Satan Ist Wieder Da, Ein Guter Tag Zum Sterben, I Don`t Like Metal, Ich Möcht So Gerne Metal Hör`n, Fränkisches Bier, Bolle… etc. ja hervorgebracht, jedoch der große Fan werde ich wohl nie. Andersrum, 30 Jahre im Namen des Blödsinns erfolgreich unterwegs zu sein, das muss den Jungs erst mal jemand nachmachen. Nun ist es aber doch geschehen, die 30 sind voll und was liegt da näher, als zum rosaroten Jubiläum eine Partyplatte rauszuhauen, auf der keine Kehle trocken bleibt.

Im ersten Durchlauf reißt mich Wer Lässt die Sau raus?! nicht gerade vom Kneipenhocker. Ein paar nette Ideen, ein paar nette Riffs, aber irgendwie wirkt das alles nicht mehr frisch und unverbraucht, eher schal, wie ein abgestandenes Bier von der vorletzten Party. Aber ist das nicht bei fast jedem neuen Werk der Erlanger so? Dann plötzlich, nach drei Kisten Bier zünden die Songs dann doch, und selbst wenn man den Humor der Franken nicht mit Löffeln gefressen hat, hier und da kann man sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. So ist es auch diesmal wieder, die Franken machen das, was sie immer getan haben und am besten können…, Blödsinn! Den kann man mögen, muss man aber nicht…

Der Opener Überfall lässt gar aufhorchen, stampfend metallisch, derbe Riffs, tiefgestimmte Stromgitarren und dennoch unverwechselbarer J.B.O.-Sound. Ein Blastgewitter auf die rosaroten Gehörgänge, definitiv einer der besseren eigenen Songs. Die harte Landung auf dem Boden der Tatsachen folgt direkt im Anschluss. Mach Noch Eins Auf basiert natürlich auf El Professores Dance/Electronic-Hit Bella Ciao. Nun sind Trinklieder im Hause J.B.O. nichts ganz Unbekanntes mehr und zum Jubiläumsanlass würde ich es auch noch durchgehen lassen, aber hier wird`s halt einfach peinlich. Die weichgespülte Melodie von Bella Ciao sorgt nach mehrmaligem Hören garantiert für Ohrenkrebs und das Kitzmann bleibt im Halse stecken. Den Song hätte man ordentlich durch den Fleischwolf drehen und mit ein paar derben Riffs versehen müssen, dann vielleicht, so wirkt die Nummer aber nur unausgegoren und schnell aus dem Hut gezaubert. Der Albumtitel Wer Lässt Die Sau Raus?! entspringt dem Baha Men-Klassiker Who Let The Dogs Out und, um es vorwegzunehmen, es wird auch nun nicht wirklich besser. Während man in der Anfangszeit bekannte Nummern tauglich für Metalpartys aller Art gemacht hat, reicht es diesmal nur als Kneipenbeschallung ab 4,8 Promille. Hier reicht es höchstens zum Fun-Pop, mit Metal hat das nix zu tun.

Mit Hoffen Und Bangen wird es dann aber doch noch einmal rockig und all meine Gebete scheinen erhört zu werden. Hier lassen die Franken tatsächlich die Sau raus und auch textlich ist man zurück in der Spur. Witziges Wortspielchen in rockigem Gewand, so darf es gerne weitergehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt! Es gibt Coverversionen, da wünscht man sich das Original zurück, auch wenn man dieses nie gemocht hat. In die Kategorie gehört Durst, das auf Stephan Remmlers Alles Hat Ein Ende, Nur Die Wurst Hat Zwei basiert. Hier wird kurzerhand Alles Hat Ein Ende, Nur Der Durst Hat Keins draus. Von der Aussage her zwar richtig, aber hier braucht man eine Menge Bier, um sich den Song schön zu saufen. Ruhrpott-Saufnase Onkel Tom lässt grüßen. Auch die 80er-Jahre-Nummer Depp von Haindling muss dran glauben, doch da fehlen mir fast die Worte. Jazzige Elemente treffen auf rockige und finden nicht wirklich zusammen. Offenbar sind den Jungs die Ideen ausgegangen und auch der Nerv für witzige Texte.

Und es wird nicht wirklich besser, denn auch MC Hammers You Can`t Touch This hätte eine metallische Generalüberholung gebraucht. Der J.B.O.-Titel des Songs trifft es aber auf den Kopf, Weil`s Quatsch Ist. Ein metallischer Anstrich hätte der Nummer gutgetan, stattdessen bleibt man bei der Originalversion und geht nur einmal mit der Gitarre dran vorbei. Sorry, das reicht nicht aus! Auch mit dem nächsten Songtitel trifft man den Nagel auf den Kopf, Schlimmer Geht Immer. Im Bezug auf ein Gros der Songs dieses Albums passt die Aussage und alleine der Songtitel sorgt für Schweißausbrüche. Hier wird die Nicht-Metal-Fraktion ein wenig gedisst, die Kritik an anderen Künstlern ist definitiv grenzwertig, aber gut! Mit Die Beste Stadt Der Welt ist natürlich Erlangen gemeint, aber da ich der Meinung bin, es gibt hundert geilere Städte, bin ich hier raus. Rockiger Lokalpatriotismus, es hätte schlimmer kommen können.

Zum Schluss hin hatte man dann wohl keine Lust mehr, denn kaum ein Song erreicht noch 2:30 Minuten Laufzeit. Der folgende Block wird in Zukunft bestimmt auf vielen metallisch gefärbten Familienfeiern zu hören sein, denn mit Heavy Metal Baby begrüßen J.B.O. alle neugeborenen Metaller auf der Welt. Auch Happy Birthday bekommt einen neuen Anstrich und alle, die sich in der heutigen Zeit noch trauen, bekommen mit Hochzeitspunk und Hochzeitsmarsch die passende Untermalung. Leider handelt es sich hier nur um Fragmente, wo die eigentliche Idee nicht schlecht, doch die Umsetzung eher mangelhaft ist. Hier hätte jede Familienfeier zu einem echten Highlight werden können, schade! Bei 44 Minuten CD-Laufzeit wäre doch noch Luft nach oben gewesen, wenn schon nicht für komplette Songs, dann vielleicht für weitere Fragmente zu Weihnachten, Ostern, Happy Kadaver, dem Valentinstag, Silvester/Neujahr, Namenstag, Sterbetag, dem Tag des Bieres, des Hundes und der Anti-Baby-Pille.

Der Rausschmeißer Hallo Bier erinnert etwas an Ein Guter Tag Zum Sterben, nur fehlen Witz und Ironie. Für Schlager Metal ist Onkel Tom zuständig, deshalb fliegt die CD vorzeitig raus.

Bleibt mir nur noch eins, schauen, ob bei mir im Kühlschrank das Licht noch brennt und ob das Bier kalt ist…, PROST!!!

J.B.O. – Wer Lässt Die Sau Raus?!
Fazit
Nachdem die Metal-Sau auf dem Cover von Wer Lässt Die Sau Raus?! auf witzige, coole Fun Metalnummern hoffen ließ, kam die Ernüchterung auf dem Fuße, denn über weite Strecken des Albums kommt man über den Pop-Äquator nicht hinaus. Wie Anfangs schon erwähnt, ein paar nette Ideen, ein paar nette Riffs..., viel mehr wird es leider nicht. Haben mich bisher eher die Coverversionen überzeugt, so ist es hier andersrum, einige Tracks wie Hoffen Und Bangen oder Überfall stechen heraus, während die Coverversionen durchfallen. J.B.O. haben offenbar das Rocken verlernt, schade! Die meisten Tracks zünden nicht und wenn doch, dann ist die Luft schnell wieder raus. Partylaune geht leider anders! Bei einigen Songs sind die Grundideen nicht schlecht, aber leider wurden sie nicht konsequent zu Ende gedacht und umgesetzt. Die Kaufempfehlung kann da nur lauten, schlimmer geht immer!

Anspieltipps: Hoffen Und Bangen, Überfall und Schlimmer Geht Immer
Andreas F.
4.5
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Contra
4.5
Punkte
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