Festivalname: Keep It True Rising V – The Final Chapter
Bands: Atlantean Kodex, Helvetets Port, High Spirits, Riot City, Grendel’s Sÿster, Power Surge, Seven Sisters, Lady Beast, Angel Witch, Blaze Bayley, Darkness, Wings Of Steel, Paul Di’Anno Tribute Show, Insult playing Onslaught Power From Hell Set, The Obsessed, Void, Palantyr, Phantom, Risingfall, Antagonizör, Left To Die, Pretty Maids, Ashes Of Ares, Ambush, Destruction
Ort: Posthalle, Würzburg
Datum: 02.10.2025 – 04.10.2025
Kosten: 119,00 Euro plus 29,00 Euro für das Warm Up, 75,00 Euro Tagestickets
Genre: Heavy Metal, Power Metal, Thrash Metal, Hard Rock, Classic Rock, Speed Metal, Death Metal, Doom Metal, NWoBHM
Besucher: ca. 2500 Menschen (grobe Schätzung)
Veranstalter: ME Metal Entertainment GmbH
Link: Keep It True – The traditional Heavy Metal Festival
Der 3. Oktober 2025 ist mit einem Freitag ein perfekter Brückentag. Klar, dass metallisch orientierte Menschen gerne auf ein verlängertes Wochenende nach Würzburg pilgern. Im Laufe des Tages füllt sich die Posthalle mehr und mehr. Da die Bands sehr unterschiedliche Genres bedienen, sind auch immer genügend Fans eher draußen unterwegs und warten auf die nachfolgende Band, sodass mit ganz wenigen Ausnahmen kaum großes Gedränge in der Halle zu erleben ist. Um 12 Uhr startet bereits das Bühnenprogramm und überraschend viele Metalheads sind bereits vor Ort und stöbern in der Händlermeile oder werfen sich ein zweites Frühstück der bayerischen Art ein. Der Auftakt des Tages ist ein weitgereistes Quartett.
Phantom
Aus Mexiko kommen Phantom, die im April des Jahres ihre zweite Platte Tyrants Of Wrath veröffentlicht haben. Es geht um angeschwärzten, räudigen Thrash- und Speed Metal, wo der Titel der Platte Assoziationen zu Bulldozer und The Day Of Wrath liefert. So ganz von der Hand zu weisen ist der Querverweis nicht. Genauso passen aber auch Venom oder die frühen Sodom-Sachen. Ein Mix aus Speed Metal und Thrash Metal der dunklen Art mit ordentlichem Rumpelfaktor knattert aus den Boxen und sorgt dafür, dass auch der Fan in der hinteren Ecke aufgeweckt wird. Klar, die Art von Musik ist Geschmackssache und der Style passt nicht in jeden Gehörgang. 45 Minuten schütteln Phantom die Fans ordentlich durch, dann ist es Zeit für den ersten Change des Tages.
Palantyr

Weiter geht es nach Frankreich mit klassischem Metal plus speedigen Einflüssen und der Band Palantyr, beziehungsweise Destrukt. Erst im vergangenen Jahr änderte die Truppe ihren Namen und veröffentlichte die EP The Ascent & The Hunger, wobei The Ascent bereits als Destrukt veröffentlicht worden war. Knackpunkt ist der Gesang von Athéna, der wahlweise als kauzig, schräg oder andersartig ausgelegt werden kann. Zumindest gibt es derartige Gesangslinien nicht an jeder Ecke.
Dass die aktuelle EP der Kern des 45-minütigen Auftritts ist, war zu erwarten. Dazu kommen weitere Stücke, die anscheinend für das nachfolgende Release konzipiert sind. Mit La Vallee Des Larmes legen Palantyr auch französischsprachige Kost auf die Bretter, die durchaus Appetit auf mehr macht. Palantyr passen wie Phantom nicht in jeden Gehörgang, sind aber alles andere als uninteressant.
Power Surge

Nun wird es international. Power Surge ist eine international besetzte Band, die via FHM Records vergangenes Jahr ihr Debüt Shadows Warning veröffentlicht hat. Waren die ersten beiden Combos schräg, so wird es nun gradlinig mit Power, wo Judas Priest und diverse weitere 80er-Jahre-Bands durchschimmern.
Bei einer Platte mit neun Stücken erklärt sich das Set von selbst. Dreh- und Angelpunkt ist Sänger Roko Nikolić, der während der Show auch die internationale Zusammensetzung erklärt. Die Musik der Truppe erfindet das Rad nicht neu, kann aber sowohl von der Performance als auch von den Melodien die Fans vor der Bühne mitreißen und sorgt für reichlich Absatz am Merchstand. Wie so oft gelingt einer nahezu unbekannten Band ein starker Auftritt, der auf einem Keep It True Festival entsprechend honoriert wird. Doch getoppt wird das am kommenden Tag von einer jungen US-Band, doch dazu später mehr.
Helvetets Port
Weiter geht es nach Schweden und zu einer Band, die mit schräg oder kauzig bestens beschrieben ist. Helvetets Port kommen aus Göteborg und orientieren sich ganz grob an den alten Heavy Load-Nummern, kombinieren diese mit der Epic von Manowar und packen ihre eigene schräge Note dazu. Das betrifft vor allem die Saitenarbeit, aber auch der Gesang ist gewöhnungsbedürftig. Ob die Limitierung grundsätzlich besteht oder bewusst gewählt wird, lässt sich vor der Bühne nicht feststellen. Das aktuelle Album Warlords stellt mit sechs von zehn Stücken den Löwenanteil. Wer in den Fundus der Band eintauchen mag, startet am besten mit Helvetets Port oder dem auf schwedischer Sprache vorgetragenen Helvete På Larvfötter. Die Reaktionen im Publikum schwanken zwischen Kopfschütteln und Erstaunen. Das Quartett verdient sich den Slogan „Love Or Hate It“ mit ihrem Gig beim Keep It True Rising 2025.
Darkness

Nach dem eher schrägen Auftritt der Schweden, kommt eine Runde gradliniger Teutonen-Old-School-Thrash genau richtig. Darkness aus Essen haben eine mehr als 40-jährige Geschichte, konnten aber an den Ruhrpott-Platzhirschen Sodom und Kreator nie vorbeiziehen. Am Material hat es weniger gelegen. Gerade die ersten drei Platten (Death Squad, Defenders Of Justice, Conclusion & Revival) haben durchaus Qualität, konnten sich aber gegen die bereits präsente Konkurrenz nicht durchsetzen. Es folgte eine mehr als zehnjährige Schaffenspause. Seit 2016 gibt es auch wieder neues Material mit einer neuen Bandbesetzung.
Auf dem Keep It True Rising feiern Darkness ihren 40. Bandgeburtstag. Entsprechend rücken die Protagonisten das Debüt Death Squad mit fünf Stücken in den Blickpunkt. Beim Genuss von zum Beispiel Critical Threshold, Burial At Sea oder Iron Force stellt sich nochmals die Frage, warum Darkness in den 80ern der Erfolg nicht vergönnt war. Seit 2015 agiert Oliver „Lee“ Weinsberg am Mikrofon und ist auf der Neueinspielung der alten Nummern unter Death Squad Chronicles zu hören. 45 Minuten reißen Darkness sauber die Bühne ab und lassen sich völlig zu Recht von den Fans feiern. Old-School-Thrash ist eine sichere Bank auf einem Keep It True Festival, was der heutige Tag deutlich unterstreicht.
High Spirits
„Hiiiigh Spiiirits, Hiiiiiigh Spiiirits“: Chris Black und seine Truppe sind noch beim Warmspielen, da schallt der Slogan der Band bereits durch die Posthalle. High Spirits sind eine perfekte Festivalband. Der energetische Gute-Laune-Rock geht immer, passt zwischen jedes Genre, und den Rest besorgen die Menschen auf der Bühne. Das geht mit dem charismatischen Fronter los, der das Publikum ab der ersten Minute sicher im Griff hat. Aber auch die Mitmusiker von Black sind eingespielt und liefern eine ordentliche Show, die in dem Moment gipfelt, als der Übersong High Spirits angestimmt wird. Aber auch Sachen wie This Is The Night, Another Night In The City oder Full Power stehen dem Vorzeigetitel nicht nach. Wer High Spirits auf die Bühne stellt, bekommt genau das, wofür High Spirits stehen. 45 Minuten energetischen Rock, der für beste Laune vor der Bühne sorgt.
The Obsessed

Von der guten Laune geht es zum trockenen, doomigen Aspekt des Tages. The Obsessed aus Maryland haben eine lange Geschichte, die bis in die 70er-Jahre und Warhorse zurückgeht. Seit dem Einstieg von Bandchef Scott „Wino“ Weinrich lärmen sich die Herren über die Bretter, die die Welt bedeuten. Das bedeutsamste Werk stammt aus den 90ern und nennt sich The Church Within.
Der starke Kontrast zwischen High Spirits und The Obsessed sorgt für ein munteres Wechselspiel vor der Bühne und die Anhängerschaft von Doom hat ihre Zeit. Hier liefern die Herren exzellent ab und spielen ausschließlich Material der bereits erwähnten LP The Church Within. Staubtrocken, mit kantiger Saitenarbeit und mit einem bekannten Gesicht an der Schießbude. Bob Pantella von Monster Magnet treibt seine Mitstreiter an. Weinrich und Co. schaffen die perfekte Überleitung zu der nachfolgenden Death-Tribute-Band.
Left To Die

Death To All oder Left To Die? Zwei Death-Tribute-Bands haben sich dem Erbe von Chuck Schuldiner angenommen. Death To All sind im November in den USA unterwegs, wo der ehemalige Testament-Drummer Gene Hoglan und der aktuelle Testament-Bassist Steve DiGiorgio aktiv sind. Left To Die setzt sich aus dem aktuellen Obituary und ehemaligen Death-Bassisten Steve Butler, den Gruesome-Members Gus Rios (Drums) und Matt Harvey (Gitarre, Gesang), sowie dem ehemaligen Death-Gitarristen Rick Rozz zusammen. Angekündigt wurde im Vorfeld ein Scream Bloody Gore-Set. Darin unterscheiden sich die beiden Tribute-Bands. Death To All setzt primär auf Leprosy.
Es gibt ein wahres Brett auf die Ohren. Natürlich kann niemand einen Chuck Schuldiner ersetzen. Aber Left To Die schultern das Erbe mehr als würdig. Wie angekündigt, zockt das Quartett die gesamte Scheibe und ändert nur die Reihenfolge etwas bezüglich Zombie Ritual, das an die vorletzte Position des Sets gerutscht ist. Pull The Plug von der Leprosy setzt den Schlusspunkt unter einen denkwürdigen Auftritt auf dem Keep It True Rising. Spätestens heute wird nochmals mehr als deutlich, dass Old-School-Death-Metal mehr als nur prächtig auf dem Keep It True Festival funktioniert.
Atlantean Kodex
Das Ende der Posthalle ist in wenigen Monaten besiegelt. Ein Lokalmatador sind Atlantean Kodex, die beim Hammer Of Doom vor einigen Jahren einen ihrer gefeierten Auftritte in der altehrwürdigen Halle absolvierten. Logisch, dass zur finalen Veranstaltung der Kodex zurückkehrt.

Der Status der Truppe innerhalb der Szene ist bekannt, sodass der entsprechende Andrang vor der Bühne wenig überrascht. Der inoffizielle Headliner ist der Fünfer am heutigen Tag und wird dieser Einstufung auch gerecht. Spätestens ab Lions Of Chaldea läuft die Atlantean-Kodex-Maschine wie geölt. Etwas überraschend ist das frühe Anstimmen der Bandhymne Atlantean Kodex. Aber bei einer Spielzeit von circa 75 Minuten sind Abstriche in der Setlist notwendig. Mit Pattern gibt es sogar einen neuen Song. Sänger Markus Becker verweist nicht auf ein neues Album. Anscheinend wird es noch eine Zeit dauern, bis der Nachfolger von The Course Of Empire in den Plattenläden stehen wird.
Highlights sind und bleiben die Stücke vom Überalbum The White Godess. Heresiarch macht den Anfang, Sol Invictus folgt und Twelve Stars And An Azure Gown beendet die Trilogie. Das Publikum singt große Teile der bekannten Tracks lauthals mit und der Kodex wird seinem Ruf einmal mehr gerecht. Der Schlusspunkt ist The Course Of Empire, wo der Refrain nahezu perfekt zum aktuellen Zeitgeschehen passt. Live sind Atlantean Kodex eine sichere Bank und unterstreichen das einmal mehr auf dem Keep It True Rising. Wer im Norden wohnt, kann das Quintett unter anderem auf dem Hell Over Hammaburg und dem Headbangers Open Air 2026 bewundern.
Destruction

Ein schwerer Stand für den Headliner des Abends. Nach dem starken Gig von Atlantean Kodex und nachdem die Metalheads neben diversen Kaltgetränken bereits neun Bands verköstigt haben, gibt es Old-School-Thrash der Marke Destruction. Einen besonderen Programmpunkt haben die Herren beim heutigen Auftritt im Set, und der nennt sich Infernal Overkill. Schmier und Co. kommen mit einem Old-School-Set nach Würzburg, was zumindest die Thrash-Fraktion nochmals mobilisiert. Wann gibt es schon mal Sachen wie Black Death oder The Ritual live auf der Bühne? Die komplette Infernal Overkill zocken die Herren genau in der Reihenfolge wie auf Platte.
Wer anschließend denkt, dass das Quartett ein Best-of-Set auspackt, der wird positiv überrascht. Sachen wie Curse Of Gods, Mad Butcher, Life Without Sense oder Total Desaster sind Best-of, aber Best-of 80er-Jahre-Destruction. Der 1987er Titeltrack Release Of Agony oder Eternal Ban tauchen tief in die 80er und runden einen starken Tag nahezu perfekt ab. Auch Destruction wissen, was auf ein Keep It True Festival gehört.
Gegen Mitternacht ist der musikalische Teil zu Ende und die Fans verschwinden in Richtung Absacker oder Unterkunft. Zehn Bands gab es auf die Ohren, vom Newcomer aus Mexiko bis zu den alten Thrash-Recken als Schlusspunkt. Der Tag hat gehalten, was er vom Billing im Vorfeld versprach.
Keep It True Rising V in der Posthalle, Würzburg – Tag eins
Keep It True Rising V in der Posthalle, Würzburg – Tag drei















































































