Keep It True Rising V vom 02.10. bis 04.10.2025 in der Posthalle, Würzburg – Tag drei

Red, Hot and Heavy?

Festivalname: Keep It True Rising V – The Final Chapter

Bands: Atlantean Kodex, Helvetets Port, High Spirits, Riot City, Grendel’s Sÿster, Power Surge, Seven Sisters, Lady Beast, Angel Witch, Blaze Bayley, Darkness, Wings Of Steel, Paul Di’Anno Tribute Show, Insult playing Onslaught Power From Hell Set, The Obsessed, Void, Palantyr, Phantom, Risingfall, Antagonizör, Left To Die, Pretty Maids, Ashes Of Ares, Ambush, Destruction

Ort: Posthalle, Würzburg

Datum: 02.10.2025 – 04.10.2025

Kosten: 119,00 Euro plus 29,00 Euro für das Warm Up, 75,00 Euro Tagestickets

Genre: Heavy Metal, Power Metal, Thrash Metal, Hard Rock, Classic Rock, Speed Metal, Death Metal, Doom Metal, NWoBHM

Besucher: ca. 2500 Menschen (grobe Schätzung)

Veranstalter: ME Metal Entertainment GmbH

Link: Keep It True – The traditional Heavy Metal Festival

Keep It True Rising V in der Posthalle, Würzburg – Tag eins
Keep It True Rising V in der Posthalle, Würzburg – Tag zwei

Gefühlt hat das Festival gerade angefangen, da steht bereits das Finale auf dem Programm. Es ist aber kein Finale wie bei vielen anderen Festivals. Das Finale beendet mehr als ein Jahrzehnt Metal in Würzburg und der Posthalle. Am Samstag haben die Geschäfte offen und bereits am Vormittag bevölkern viele Metalheads die Fußgängerzone, auch wenn das Wetter umgeschlagen ist. Schauerwetter mit einer ordentlichen Brise gibt es heute, sodass der Aufenthalt außerhalb der Halle nicht sonderlich attraktiv ist. Wie am Vortag so auch heute: Ab circa 11 Uhr öffnen sich die Pforten, um 12 Uhr startet das Bühnenprogramm mit einer Band, die zumindest die Blicke auf sich zieht.

Antagonizör – Keep It True Rising V 2025

Antagonizör

Aus dem Sonnenstaat Florida in den USA kommen Antagonizör und werfen die Frage auf, wo das Veranstaltungsteam die Truppe aufgegabelt hat. Sind die Metal? Ja, auch, Punk aber ebenso. Wenn ein Drum Slave hinter der Schießbude sitzt, Sarah Antagonizör mit Blackie Lowless-Gedächtnis-Boots das Zepter schwingt und Tzu Wie den Bass zupft, dann steht vor allem die Show im Vordergrund. Was Alice Cooper irgendwann einmal kultiviert hat, treiben die beiden Damen mit ihrem Drummer ein gutes Stück weiter. Schilder wie „Ich bin ein Sklave“ kommen zum Vorschein, der Drummer wird ausgepeitscht und dazu rumpelt sich das Trio metallisch punkig durch ihre circa 45-minütige Spielzeit. Wegen der Musik haben die wenigstens Fans auf die Bühne geschaut. Die Show des Trios ist derart schräg, dass das Spektakel beste Unterhaltung nach dem Frühstück bietet.

Grendel’s Sÿster

Schräg, episch oder einfach komplett drüber? Grendel’s Sÿster und ihr Album Katabasis Into Zhe Abaton / Abstieg In Die Traumkammer, das sowohl als deutsche als auch als englische Variante erhältlich ist und mit Songs wie Die Bürde Des Schwarzkünstlers oder Nachteulenschnabel für Erstaunen sorgte, ist musikalisch anders und auf seine Art einzigartig. Es liegt im Auge beziehungsweise den Ohren der Metalheads, ob einzigartig hervorstechend oder einzigartig daneben – auf jeden Fall gibt es derartige Musik nicht im Dutzend als Neuveröffentlichung jeden Monat.

Grendel’s Sÿster – Keep It True Rising V 2025

Genauso stehen Grendel’s Sÿster auf der Bühne. Erstmal zwei Verspieler zum Auftakt, ein missglückter Start, dann läuft der Rhythmus langsam an und Sängerin Caro setzt mit ihrer Stimme der Show die Krone auf. Die Show ist absolut authentisch, von den Ansagen bis zur Performance ist alles live und nicht geschönt oder technisch verändert. Spätestens die deutschen Varianten von Eberzahnhelm und die bereits erwähnte Bürde Des Schwarzkünstlers, wo die Mörderhand den Refrain bestimmt, sorgen für abgehende Fans in den ersten Reihen. Genauso ist zu erwähnen, dass viele Menschen noch gar nicht in der Halle sind und auf den unorthodoxen Auftritt der Grendel’s Sÿster verzichten. Wer auf schrägen, epischen Metal mit einem Kampfhörnchen steht, sollte die aktuelle Platte antesten oder mal ein Ohr in den Auftritt auf dem Keep It True Festival halten. Genau solche Combos machen den Charme eines Spatenfestivals aus.

Void

Vor der Bühne steht die alte Garde der metallischen Musik. Unzählige Festivals und Konzertbesuche auf dem Buckel und doch gibt es immer wieder Bands, die dafür sorgen, dass die Kinnlade einfach runterfällt. Void ist eine blutjunge Truppe aus Louisiana, die erstmals auf dem Keep It True Rising in Übersee spielt. Die Prognose fällt nicht schwer: Das wird nicht der letzte Gig in Europa gewesen sein, wenn die Zukunft halbwegs passabel läuft.

Void – Keep It True Rising V 2025

Die Truppe hat sich bereits als Teenager-Band gefunden und Sänger Jackson Davenport ist gerade einmal 19 Jahre jung, legt aber eine Performance auf die Bretter, die viele alte Hasen der Szene mit staunenden Augen zurücklässt. Void spielen Thrash Metal. Das klingt zunächst nach einer Band von vielen. Was den Unterschied ausmacht, ist zum einen die Bühnenshow, dann aber auch die technische Fertigkeit und vor allem die Musik an sich. Es ist nicht das nächste räudige, angeschwärzte Geballer. Nicht nur einmal fallen die Namen Forbidden oder Annihilator mit Gitarrengott Jeff Waters. Fast ungläubig schauen die Menschen auf die Bühne. Was legen die Jungspunde denn da für ein Brett hin? Okay, das Rüschenhemd von Sänger Davenport passt eventuell nicht ganz zur Musik.

Bei bisher zwei Veröffentlichungen (Horrors Of Reality, Forbidden Morals) erklärt sich das Set von selbst. Das aktuelle Werk hat mit sechs vs. vier Nummern die Nase vorn. Ist es Zufall, dass der Begriff Forbidden im 2025er-Album steckt? Die Fans vor der Bühne feiern die US-Jungspunde völlig zu Recht ab. Void sind die Entdeckung des Festivals. Wenn die Bandbesetzung zusammenbleibt, wird der Weg steil nach oben führen. Es wäre keine Überraschung, sollten Void im kommenden Sommer auch auf größeren Festivals in Europa auftauchen.

Von den positiven Überraschungen zu den negativen Dingen. Riot City sitzen in Stockholm am Flughafen fest. Es gibt keine Möglichkeit, noch im Laufe des Tages nach Würzburg zu kommen. Da so kurzfristig kein Ersatz organisiert werden kann, bekommen die nachfolgenden Bands eine längere Spielzeit. Schade um Riot City, aber gegen höhere Gewalt ist die Organisation eines Festivals machtlos.

Insult

Von den energiegeladenen Jungspunden zu den Thrash-Veteranen aus England. Hinter Insult verbergen sich ehemalige Onslaught-Mitglieder, die eigentlich die komplette Power From Hell angekündigt haben. Allerdings belassen die Herren es bei vier Nummern und ergänzen mit ihrem eigenen Material vom aktuellen Album Reside Infernus. Der Kontrast zu Void könnte kaum größer sein. Die Show wirkt nahezu statisch und die eher gesetzten Herren sind kein Vergleich zu dem Auftritt von Void. Klar, Sachen wie Let There Be Death, Angels Of Death oder Power From Hell gehen immer, aber eingekeilt von zwei Bands, die die Bühne richtig rocken, gehen Insult etwas unter und können das Publikum nicht so mitreißen wie Void oder die nachfolgende Band.

Wings Of Steel

Wings Of Steel – Keep It True Rising V 2025

Die erste Band mit einer verlängerten Spielzeit sind Wings Of Steel aus Los Angeles. Die Sunset-Boulevard-Metaller haben sich in den vergangenen Jahren in den Vordergrund gespielt und sind Wiederholungstäter bezüglich des Keep It True Festivals. Irgendwo tief in den 80ern verwurzelt, spielen sich Wings Of Steel durch den US-Metal. Oft fallen die Namen Crimson Glory oder Queensrÿche. Die hohe Stimme von Leo Unnermark schielt in Richtung Midnight oder jungen Geoff Tate. Aber genauso sind Glam Metal oder US Power Metal im Cocktail von Wings Of Steel enthalten. Dazu kommt die Show, die durchaus an die 90er-Jahre und Hair Metal anknüpft.

Das Quintett hat eine neue Platte am Start, die etwas unpassend für das Keep It True erst in zwei Wochen auf den Markt kommt. Winds Of Time wird mit dem Titeltrack, We Rise und Burning Sands bereits berücksichtigt. Das neue Material unterstreicht noch deutlicher, dass sich Wings Of Steel quer durch den Heavy-Metal-Garten pflügen. Das macht auch ein Cover, das die Herren heute auf die Bühne bringen, deutlich. Am I Evil, wahlweise von Metallica oder Diamond Head, klingt in der Wings-Of-Steel-Version weniger nach Thrash, sorgt aber für einen großen Chor in der Halle. Dazu kommt die starke Show, die nochmals die Notwendigkeit von jungen Bands, auch auf einem Keep It True, aufzeigt.

Ambush

Ambush – Keep It True Rising V 2025

Gerade ein frisches Album namens Evil In All Dimensions haben Ambush aus Schweden veröffentlicht und sind gemeinsam mit Angel Witch auf Tour. Ein Stopp der Tour ist die Posthalle in Würzburg, in der Ambush ebenfalls von der verlängerten Spielzeit am heutigen Tag profitieren.

Wer die Truppe kennt, der weiß, dass Sänger Oskar Jacobsson und seine Mitstreiter eine starke Bühnenpräsenz abliefern. Schon der Auftakt mit Firestorm sorgt auf der Bühne für die Entfesselung des Heavy-Metal-Sturms, bei dem die Saitenarbeiter immer wieder die Wege kreuzen und um die Wette posen. Die Attitüde ist ein Muss, vor allem, wenn ich das passende Songmaterial dazu habe. Einen mehr als stimmigen Auftritt liefern Ambush, wobei sich von der neuen Scheibe vor allem Heavy Metal Brethren und Maskirovka mit ihren Ohrwurm-Refrains perfekt zu den starken Metallern wie Hellbiter und Nutural Born Killer hinzufügen. Eine knappe Stunde beackern die Schweden die Bühne und zeigen einmal mehr, warum die Truppe bezüglich klassischem Metal eine der angesagten Bands ist.

Angel Witch

Kontrastprogramm! Nach den jungen und wilden Bands kommen die Veteranen der NWoBHM. Angel Witch sind vor allem für ihren Song Angel Witch bekannt. Aber die Truppe um Gründungsmitglied Kevin Heybourne hat mehr zu bieten als nur eine Nummer und ist kein One-Hit-Wonder.

Angel Witch – Keep It True Rising V 2025

Da Angel Witch sowieso gerade auf Tour sind, kann das Quartett die zusätzliche Spielzeit problemlos mit dem Material der Headliner-Tour füllen. Natürlich setzen die Herren primär auf ihr Debüt aus dem Jahre 1980. Atlantis, Sorceress oder White Witch funktionieren auf einem Keep It True Festival nahezu von selbst. Mit Death From Andromeda und The Night Is Calling gibt es auch neueres Material vom 2019er-Release Angel Of Light. Spätestens als die Klassikerrubrik mit Angel Of Death erklingt, ist die Posthalle tief in die NWoBHM eingetaucht. Baphomet und natürlich Angel Witch, bei dem der gesamte Saal den Refrain mitgrölt, sorgen für ausgelassene Stimmung. Trotzdem: Ähnlich wie bei Void und Insult sieht es showtechnisch auch zwischen Ambush und Angel Witch aus. Bei der gemeinsamen Tour mit den Schweden hängen die Trauben für Angel Witch hoch, auch wenn die Stücke unsterblich sind.

Ashes Of Ares

Der Name Ashes Of Ares dürfte vielen Metalfans wenig sagen. Hinter dem Namen stecken der ehemalige Iced-Earth-Sänger Matt Barlow und der kurzzeitige Iced-Earth-Gitarrist Freddie Vidales. Neben dem eigenen Material kümmern sich die beiden Herren auch um die Vergangenheit von Matt Barlow. Barlow und Vidales hatten eine gemeinsame Zeit bei Iced Earth, ehe beide fast zeitgleich die Band verließen. Eine gemeinsame Platte hat das Duo bei Iced Earth aber nicht produziert. Bei The Crucible Of Man (Something Wicked – Part 2) ist Vidales zwar auf dem Bandfoto, das ist aber nach der Einspielung der Instrumente entstanden. Jon Schaffer erledigte die Saitenarbeit im Alleingang.

Ashes Of Ares – Keep It True Rising V 2025

Heute geht es um das Album The Dark Saga aus dem Jahr 1996. Der familiäre Sachverhalt von Barlow und Schaffer ist soweit bekannt, ist aber nur kurzzeitig ein Thema bei dem Auftritt. Barlow erklärt während der Show seine Loyalität bezüglich der Familie, vor allem gegenüber seiner Frau. Nach zwei Stücken vom aktuellen Ashes Of Ares-Album New Messiah startet das um drei Session-Musiker angereicherte Ensemble mit der kompletten The Dark Saga. Dass bei dieser Konstellation die Saitenarbeit nicht an das Original heranreicht, ist vor dem Auftritt klar. Der Gesang von Barlow ist überzeugend und insgesamt zocken die Herren die Scheibe kompetent. Das Highlight ist das Finale mit A Question Of Heaven.

Da noch Spielzeit vorhanden ist, folgt mit Burning Times vom 1998er-Release Something Wicked This Way Comes ein weiteres Iced-Earth-Cover. Der Schlusspunkt geht zum Debüt von Ashes Of Ares und The One-Eyed-King. Der Auftritt von Ashes Of Ares hinterlässt ein zwiegespaltenes Publikum. Barlow und Begleitband covern Iced Earth ist genauso ein Fazit wie das Abfeiern der legendären Scheibe.

Pretty Maids

Red, Hot And Heavy. Das Debüt von Pretty Maids dürfte vor allem bei den älteren Fans einen Legendenstatus haben. Vergangenes Jahr haben die gesetzten Herren aus Dänemark, die aber gerne der NWoBHM zugerechnet werden, bereits einige Shows mit der kompletten LP aus dem Jahr 1984 gespielt. Da muss das Team vom Keep It True schon fast zugreifen. Allerdings haben die 23 vorherigen Bands und die circa zweieinhalb Festivaltage bei dem einen oder anderen Metalhead deutliche Spuren hinterlassen. Es ist nicht mehr so voll, wie noch am Vortag bei Atlantean Kodex.

Pretty Maids – Keep It True Rising V 2025

Im ersten Teil zocken Pretty Maids exakt in der Reihenfolge der LP die Red, Hot And Heavy. Back To Back und Red, Hot And Heavy, zwei Übersongs der Combo, eröffnen das Set. Der Mittelteil der LP reißt die Fans nicht so mit, sodass sich die Halle immer mehr leert. Erst mit dem Thin-Lizzy-Cover Little Darling nimmt die Stimmung wieder Fahrt auf. Der zweite Teil ist ein Best-of, wobei die AOR-Tracks wie Little Drops Of Heaven zum Abschluss eines langen Tages nochmals einen schönen Farbtupfer setzen. Future World mobilisiert die letzten Kräfte der Metalheads, die mit Love Games in die Nacht entlassen werden. Insgesamt ein mehr als würdiger Abschluss mit einem legendären Album, der den Haken an das Keep It True Rising V und die Posthalle setzt.

Die Halle leert sich und es ist Kehrausstimmung in Würzburg. Eine Aftershowparty gibt es nicht und einige Fans verlassen doch wehmütig einen Ort, der in den vergangenen Jahren immer wieder Anlaufpunkt war, egal ob Hammer Of Doom oder Keep It True Rising. Ein paar Minuten nach Mitternacht ist der musikalische Teil zu Ende und die Security räumt verständlicherweise die Halle. Auch die Damen und Herren hätten gerne Feierabend. Am Sonntag verlassen die Kutten und schwarz gekleideten Menschen Würzburg. Ob die Stadt nochmals ein Anlaufpunkt wird? Der nächste Anlaufpunkt ist circa 30 Kilometer weiter in Lauda-Königshofen, wenn das eigentliche Keep It True Festival im April 2026 über die Bühne geht. Tschüss Posthalle und danke an das Organisationsteam für die vielen schönen Konzerte.