Kieler Woche 2020: ohne Event-Areale und Bühnen

In den September verschoben und der Fokus liegt wieder auf dem Segelsport

Überall werden Konzerte, Festivals, Volksfeste und Sportveranstaltungen abgesagt. Dies betrifft natürlich auch die Kieler Woche 2020.
Das größte Segelevent Nordeuropas mit dem dazugehörigen Volksfest lockt jährlich rund drei Millionen Gäste aus aller Welt in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt.
Überall in der Stadt sind normalerweise große und kleine Bühnen, auf denen von internationaler Folklore bis hin zu Weltstars aller Musikrichtungen ein vielfältiges Programm geboten wird.

Findet die Kieler Woche normalerweise immer in der letzten vollen Juni-Woche statt, wurde sie aufgrund der Corona-Pandemie schon vor Wochen auf den Zeitraum 5. – 13. September verschoben. Nun wurden das Musikprogramm und das Volksfest gestrichen. Somit finden auch keine Rock- und Metalkonzerte auf der Rathausplatzbühne oder dem Radio-Bob!-Rockcamp statt.

Anbei die Pressemeldung der Stadt Kiel ungekürzt im Wortlaut:

Kieler Woche 2020: Zurück zu den Wurzeln

Segelsport im Fokus – Verzicht auf Event-Areale und große Bühnen

„Zurück zu den Wurzeln“ heißt es in diesem Jahr für die Kieler Woche. Kiels längste Woche des Jahres steht diesmal ganz im Zeichen des Segelsports. In der Zeit vom 5. bis 13. September sollen nationale und internationale Seglerinnen und Segler ihr Können auf den Regattabahnen unter Beweis stellen. Das „KiWo“-Programm an Land wird deutlich anders aussehen als gewohnt – Eventareale und große Bühnen, die viele tausend Menschen anziehen, kann es aufgrund der Corona-Pandemie nicht geben.

Mit der Verschiebung der Kieler Woche von Ende Juni in den September haben die Organisatoren der Landeshauptstadt Kiel und des Kieler Yacht-Clubs Mitte März ein Signal gesetzt. Bereits zum Zeitpunkt dieser Entscheidung waren sich alle Beteiligten einig, dass das Segel- und Sommerfestival wegen der Infektionsgefahr nicht in der bewährten Form stattfinden kann. Welche kulturellen Angebote und kleineren Veranstaltungen möglich sein werden, soll im Laufe der kommenden Monate geplant und je nach aktueller Lage angepasst werden.

„Die Corona-Pandemie wird uns alle noch viele Monate beschäftigen. Das Infektionsrisiko ist bei einem ausgelassenen Fest auch im September zu hoch“, betont Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „In diesem Jahr heißt es deshalb ‚back to the basics‘ und ‚Segeln plus X‘. Wir wollen den Segelsport – und damit das historische Fundament der Kieler Woche – als Signal in den Mittelpunkt rücken. Und wir wollen schauen, was wir den Kielerinnen und Kielern darüber hinaus bieten können.“

Welche Angebote und Inhalte zusätzlich zu den Segelregatten in das „KiWo“-Programm aufgenommen werden können, hängt von der Entwicklung der kommenden Monate ab. „Das ist für uns eine Herausforderung – aber auch eine Chance, punktuell Akzente zu setzen und neue Wege zu gehen. Natürlich hat die Gesundheit aller Beteiligten dabei immer die höchste Priorität“, erklärt Philipp Dornberger, Leiter des Kieler-Woche-Büros. Er und seine Crew arbeiten schon jetzt an einem Positionspapier für ein dynamisches Konzept für die „etwas andere Kieler Woche“. Dieses soll der Kieler Ratsversammlung in ihrer Sitzung im Mai vorgelegt werden.

Für Stadtpräsident Hans-Werner Tovar steht fest: „Gemeinsam mit Gästen aus aller Welt feiern – das ist für mich der Kern der Kieler Woche. In diesem Jahr wird das in der gewohnten Form leider nicht möglich sein. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir den besonderen Geist unserer Festwoche dennoch im September in der Stadt spüren werden.“

Beim Segelprogramm haben sich der Kieler Yacht-Club und die mitveranstaltenden Vereine darauf geeinigt, vor allem den Bootsklassen eine Plattform zu bieten, die in den vergangenen Jahren zum Erfolg der Kieler Woche beigetragen haben. „Wir werden einer angemessenen Zahl von Seglerinnen und Seglern die Möglichkeit geben, in gewohntem Umfang die Kieler Woche zu segeln. Die Beachtung von Vorschriften und Maßnahmen zu Umgang und Hygiene ist dabei selbstverständlich“, erklärt der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten Dirk Ramhorst.

Ramhorst betont: „Eins zu eins können die Regatten nicht wie im Juni durchgeführt werden. Da sind jetzt Flexibilität und neue Ideen gefragt.“ Alle Planungen – zum Beispiel in Hinblick auf Teilnehmerzahlen – sind auf die aktuell bis August laufenden Corona-Beschränkungen abgestimmt. „Das wird voraussichtlich auch dazu führen, dass es in verschiedenen Bootsklassen maximale Meldezahlen geben wird“, so Ramhorst. Darüber hinaus werde das Veranstaltungsgelände in Schilksee rein auf den Segelsport und nicht auf Besucherinnen und Besucher ausgerichtet sein.

Die Geschichte der Kieler Woche begann am 23. Juli 1882, als 20 Boote aus Kiel, Hamburg und Dänemark zu einer ersten größeren Segelregatta auf der Kieler Förde starteten. Die zunächst namenlosen Regatten wurden jährlich wiederholt und zogen immer mehr Segler aus ganz Europa an. 1892 gingen bereits über 100 Boote an den Start. Zwei Jahre später tauchte in der Presse erstmals die Bezeichnung Kieler Woche auf.

Seit 1949 wird das Segelprogramm der Kieler Woche durch ein großes Fest an Land ergänzt. Zuvor wurde bereits in den Jahren 1945 bis 1948 zusätzlich zur „KiWo“ eine „Septemberwoche“ mit kulturellen und gesellschaftspolitischen Veranstaltungen gefeiert. Nach der Zusammenführung von Segel- und Festwoche 1949 wurde immer im Juni die Kieler Woche als gemeinsames Segel- und Sommerfest gefeiert.

Mit der Verlegung in den September und den Fokus auf den Segelsport geht die Kieler Woche 2020 damit gleich in zweifacher Hinsicht zurück zu ihren Wurzeln.

Pressemeldung 281/23. April 2020/ari

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