Last In Line & Fire Rose am 10.12.2019 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Erinnerungen an längst vergangene Zeiten

Event: European Tour 2019

Headliner: Last In Line

Support: Fire Rose

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 10.12.2019

Besucher: 300

Genre: Heavy Metal, Hard Rock

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch Good News Productions AG https://www.goodnews.ch

Link: https://www.facebook.com/events/2339737156075073/

Setlisten:

Fire Rose:
01. Get It All
02. Fire ’n‘ Ice
03. We Are Wild
04. Touchdown
05. Fades To Grey
06. Wheels On Fire
07. Rain Falls Down
08. Devil On High Heels

Last In Line:
01. Landslide
02. Stand Up And Shout (Dio Cover)
03. Straight Through The Heart (Dio Cover)
04. Year Of The Gun
05. Holy Diver (Dio Cover)
06. Black Out The Sun
07. The Last In Line (Dio Cover)
08. Starmaker
09. Electrified
10. Egypt (The Chains Are On) (Dio Cover)
11. Rainbow In The Dark (Dio Cover)
12. Don`t Talk To Strangers (Dio Cover)
13. Devil In Me
14. We Rock (Dio Cover)


Am 16. Mai 2010 fand durch den Tod von Ronnie James Dio eine große Karriere ein jähes Endes. In den Erinnerungen der Metalheads lebt der kleine große Mann weiter und auch seine Musik bleibt unvergessen und lebt auf der Bühne weiter. Mit der US-amerikanischen Heavy Metal Band Last In Line stehen heute Abend wieder einmal große Namen auf der Bühne der Konzertfabrik Z7, denn mit Gitarrist Vivian Campbell und Drummer Vinny Appice sind zwei Musiker zu Gast, die als damalige Bandmitglieder maßgeblich am großen Erfolg der ersten drei Dio Alben Holy Diver (1983), The Last In Line (1984) und Sacred Heart (1985) beteiligt waren. Mit dem Project Last In Line haben sie den Geist alter Dio Zeiten neu belebt und verwalten das musikalische Erbe. Als Support fungieren die Schweizer Hardrocker Fire Rose, die hier in Pratteln längst keine Unbekannten mehr sind.

Der Dienstagabend ist leider nicht der ideale Konzerttag und so finden heute nicht allzu viele Besucher den Weg in die Konzertfabrik. Zumindest jedoch Fire Rose können sich über ausbleibende Unterstützung nicht beschweren und haben heute eine relativ große Fanbase mit im Schlepptau, die ungeduldig vor der Bühne ausharrt. Das Aufwärmprogramm mit den Jungs aus Sissach beginnt dann auch relativ pünktlich gegen 20:00 Uhr und kaum ist der Fünfer um Frontmann und Sänger Philipp Meier auf der Bühne, bricht unter den Fans lauter Jubel und Gejohle aus. Der Einstieg gelingt mit Get It All recht gut, jedoch ist zu spüren, dass der eine oder andere wohl doch etwas nervös ist, obwohl man das Z7 ja mittlerweile gut kennt und hier schon das eine oder andere Mal für eine größere Band eröffnen durfte. Doch die 2005 gegründete Band zählt nicht umsonst zu den besten Hardrock-Acts der Schweiz und so kriegt man das mit Fire ’n‘ Ice schnell in den Griff und spätestens We Are Wild ist alles im grünen Bereich. We are wild, das trifft aber nicht nur auf die Band zu, denn genauso wild ist auch das Publikum, das die Schweizer feiert wie die allergrößten fuckin` Rockstars. Es wird gebangt und gegrölt, als stände hier gerade der Headliner des Abends auf der Bühne. Geboten wird geballter Power-Hardrock aus stampfenden Songs mit eingängigen Refrains und mit einer großartigen Stimme. Auch der Einsatz und die Laufbereitschaft der einzelnen Musiker stimmen, es wird viel miteinander agiert und auch das Publikum wird immer wieder mit eingebunden und zum Mitmachen animiert. Hier macht das Zuschauen Spaß und ganz offensichtlich fällt vielen das Stillstehen schwer. Nicht ganz unschuldig daran ist natürlich Frontmann Philipp, der sich hier als echte Rampensau entpuppt, aber auch die Saitenfraktion und der Mann hinter der Schießbude macht ordentlich Druck. Wheels On Fire wirbelt dann die ersten Reihen vor der Bühne noch einmal ordentlich durcheinander und das abschließende Devil On High Heels bringt einen ordentlichen Publikums-Chor in Gang. Fire Rose haben einen grundsoliden Job erledigt und Last In Line hätten sich kaum einen besseren Einheizer wünschen können.

Nichtsdestotrotz ist es traurig, dass zwei klasse Hardrock/Heavy Metal Bands an einem Dienstagabend gerade mal gut 300 Leute auf die Beine bringen, noch dazu, wenn zwei Legenden wie Vivian Campbell und Vinny Appice mit auf der Bühne stehen. Die Anwesenden lassen sich jedoch den Spaß nicht nehmen und sind in Feierlaune. Gut drei Jahre ist es schon her, seit ich die Band zuletzt mit Saxon und Girlschool im französischen Straßburg gesehen habe und damals haben sie sie ein beachtliches Konzert gespielt, das noch lange nachgewirkt hat. Damals hatten sie gerade ihr erstes eigenes Material mit dem Album Heavy Crown auf den Markt geworfen, mittlerweile wurde 2019 der Zweitling II veröffentlicht. Der Umbau dauert eine ganze Weile, aber so bleibt wenigstens zwischendurch Zeit, das Merch zu checken und um etwas Flüssiges zu organisieren. Dann ist es aber soweit, die Amis entern die Bühne und steigen mit Landslide vom aktuellen Album schnell und wütend in ihr Set ein. Während das Publikum bei Fire Rose vom ersten Moment an voll dabei war, verhält es sich nun noch etwas abwartend und zurückhaltend, doch die allermeisten warten hier natürlich auf die großen Dio Klassiker. Zwei solche folgen dann direkt im Anschluss an den Opener mit Stand Up And Shout und Straight Through The Heart und von einem Moment auf den anderen steigt der Stimmungspegel enorm an und die Leute feiern die Songs des Meisters. Schon das Eröffnungsriff von Stand Up And Shout legt bei den Besuchern förmlich einen Schalter um: Mitsingen und in Erinnerungen schwelgen ist angesagt. Frontmann Andrew Freemann (Ex-The Offspring, Ex-Lynch Mob) präsentiert eine solide Leistung, allerdings ist er weit von einem Ronnie James Dio Klon entfernt und gerade die Dio Nummern könnten etwas rotziger rüberkommen. Auch fehlt es mir etwas an Ausstrahlung, der Mann wirkt etwas überroutiniert und lustlos, was ihn aber keinesfalls zu einem schlechten Sänger macht. Die richtige Ausstrahlung und vor allem Spielfreude versprüht dagegen Bassist Phil Soussan (Ex-Ozzy Osbourne, Ex-Billy Idol, Ex-Vince Neil Band), der die Bühne für sich einnimmt und jeden Augenblick auf dieser genießt. Auch den beiden ehemaligen Dio Membern, der nordirische Gitarrist Vivian Campbell (Def Leppard, Ex-Thin Lizzy, Ex-Whitesnake) und der amerikanische Schlagwerker Vinny Appice (Ex-Black Sabbath, Ex-Rick Derringer), ist der Spaß an der Sache anzusehen, auch wenn sie sich showtechnisch eher etwas bedeckt halten. Wegen mir könnte man jetzt mit Dio Klassikern endlos fortfahren, doch mit Year Of The Gun wird erneut eine eigene Nummer angestimmt, bevor das ganz große Holy Diver die Besucher ausrasten lässt. Der Song wird aus nahezu allen Kehlen mitgesungen und verbreitet im Z7 ein Feeling längst vergangener Zeiten. Auch ich erinnere mich zurück an ein legendäres Monsters Of Rock Festival auf dem Nürnberger Zeppelinfeld, wo ich Ronnie James Dio ein erstes Mal live erleben durfte und auch damals schon haben wir den Song lauthals mitgegrölt. Natürlich werden mit Black Out The Swan, Starmaker, Electrified und Devil In Me, dem wohl besten eigenen Song, noch einige Selfmade-Nummern serviert, die sich auch gut in das Programm einfügen, aber die ganz große Party steigt natürlich jedes Mal, wenn ein Dio Meilenstein ausgepackt wird. The Last In Line, Egypt, Rainbow In The Dark, Don`t Talk To Strangers und das abschließende We Rock werden gefeiert, wie zu besten Dio Zeiten. Solange es Bands wie Last In Line gibt, braucht es keine Dio Hologram-Shows! Der kleine Mann mit der großen Stimme lebt in den Amis weiter und so erleben wir einen großartigen Konzertabend.

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