Max & Igor Cavalera – Return To Roots + Support am 27.11.2016 im Docks, Hamburg

„Max & Igor Cavalera – Return To Roots + Support am 27.11.2016 im Docks, Hamburg“

Eventname: Max & Igor Cavalera – Return To Roots

Headliner: Max & Igor Cavalera

Vorband: Iron Walrus

Ort: Docks, Hamburg

Datum: 27.11.2016

Kosten: 38 Euro

Genre: Thrash Metal

Besucher: ca. 1.000

Eines der wegweisenden Alben aus der letzten Dekade vor der Jahrtausendwende, Roots von Sepultura, hat 20. Geburtstag. In einer Zeit, die für den Heavy Metal nicht so einfach war (Grunge hatte doch einen großen Einfluss und Techno war in aller Munde), kam mit diesem Album der damaligen brasilianischen Pioniere ein echter Hammer auf den Markt. Sepultura wagten es doch tatsächlich, ihre südamerikanischen Wurzeln in diesem Album mit zu verpacken. Ein Album, dass in einigen Ländern sogar eine goldene Schallplatte bekam. In der Szene wurde Roots sehr abgefeiert, aber natürlich gab es auch damals schon Puristen und Nörgler, die das Album ablehnten.

Aber der Reihe nach. Als akkreditierter Fotograf und Berichterstatter melde ich mich ordnungsgemäß am entsprechenden Schalter am Docks. Alles okay, ich steh auf der Liste, einen Fotopass gibt es auch, sowie den freundlichen Hinweis, dass die Fotografen heute zum Hintereingang geleitet werden. Begründet wird das nicht wirklich, ich soll kurz warten, es ginge gleich los. Nach 15 Minuten Warten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer freundlichen Nachfrage, kommt eine Dame und leitet mich sowie zwei andere Fotografinnen zum Hintereingang, dort angekommen steht ein Security Mann vor einer verschlossenen Tür. Wir kommen erst einmal nicht rein, die Dame muss den Stagemanager suchen. Als der gefunden ist und uns die Tür öffnet, kann er sich nicht den Spruch verkneifen, dass wir doch bitte den Haupteingang nutzen sollen wie alle anderen auch. Daraufhin kann ich mit den Spruch nicht verkneifen, dass wir nicht auf eigenen Wunsch hierher gekommen sind, sondern uns dies als Ansage präsentiert wurde.

Im Fotograben angekommen, bekommen wir dann die nächste Info. Es ist uns nicht gestattet, die Kameras am Mann zu behalten nach den obligatorischen drei Songs. Wir mögen diese doch bitte nach vorne zum Eingang bringen, wo es hinter der Abendkasse einen kleinen Abstellraum gibt. Aha, Equipment aus der Hand geben, da bin ich ja nicht so der Freund von. Was ist die Alternative? Die Kameratasche in die Hand nehmen und vor dem Docks warten. Bei Eiseskälte. Und wer schreibt dann den Bericht? Es gibt also keine Alternative, außer die Kamera bis zum Headliner abzugeben. So ein Quatsch und das bei der Vorband.

Iron Walrus beginnen dann pünktlich ihr Set, das gut vierzig Minuten dauert. Das Quintett aus Osnabrück, bei denen vier der fünf Bandmitglieder lustige Masken mit aufgemalten Walroß-Zähnen tragen, kann mit seinem Mix aus Doom und Sludge Metal ziemlich gut überzeugen. Es dauert nicht lange und in den ersten Reihen im Docks werden Köpfe und andere Körperteile geschüttelt. Die Jungs aus Niedersachsen geben Vollgas und die Songs werden mit einer Kompromisslosigkeit von der Bühne geschmettert, dass es eine wahre Freude ist. Es gibt so gut wie keine Kommunikation mit dem Publikum, ebenso hält sich die Bewegung der Band arg in Grenzen, obwohl die Bühne im Docks recht groß ist. Trotzdem können Iron Walrus überzeugen und begeistern. Ich persönlich werde mich erst einmal mit dem gesamten Material der Band in den nächsten Tagen beschäfigen.

Nach den oben bereits erwähnten drei Songs geht es also für mich und die beiden anderen Fotografinnen quer durchs Docks um die Fototaschen abzugeben. Wir werden aufgefordert, unsere Taschen unter ein hohes Regal zu stellen. Gesagt, getan. Nachdem Iron Walrus ihr Set beendet haben und die Umbaupause sich dem Ende nähert, gehen wir Fotografen zu dem Raum, um unsere Taschen wieder abzuholen. Aber die Taschen stehen nicht da, wo wir sie abgestellt haben. Irgendjemand hat die Taschen auf das Regal gestellt. Oder sind sie heimlich geflogen? Während eine der beiden Fotografinnen sofort anfängt zu pöbeln, inspiziert die andere mit den Worten „So habe ich meine Tasche nicht stehen gelassen“ kurz ihre Tasche, auch ich schaue kurz meine Tasche an, kann aber keine Veränderung feststellen. Es bleibt auch keine Zeit mehr, denn in wenigen Minuten geht der Headliner auf die Bühne. Um es vorweg zu nehmen: Das Umräumen der Taschen hat sehr wohl seine Spuren hinterlassen, denn mindestens eine Tasche samt Inhalt wurde beschädigt. Die Fotografin, die sofort bemerkte, dass ihre Tasche anders aussah, sitzt jetzt auf einem Schaden von knapp EUR 800,-. Vom Docks ist es natürlich keiner gewesen und man bekommt zu hören, dass man ja freiwillig seine Tasche abgegeben hat. Niemand trägt die Verantwortung, niemand trägt die Haftung. Im Klartext bedeutet dies, dass man bei solch einem Ereignis die Bullen holen muss. Und zwar gleich und sofort. Ein Unding und ich drücke der Kollegin die Daumen, dass der Schaden irgendwie noch reguliert wird.

Zurück zum Konzert. Max & Igor Cavalera betreten unter großem Applaus die Bühne. Begleitet werden sie von Johny Chow am Bass und Marc Rizzo an der Gitarre. Es geht ohne große Umschweife gleich los und der Titeltrack von Roots wummert aus den Boxen. Der Sound ist, wie bei der Vorband auch schon, sehr gut und kommt mit mächtig Druck aus den Boxen. Allerdings bin ich etwas von Max Cavalera irritiert. Gesanglich bekommt er seinen Teil hin, am Ende besser als am Anfang. Und er feuert auch immer wieder das Publikum an. Aber ab und zu wirkt er irgendwie geistesabwesend oder er hat einfach zu viel gekifft. Das würde auch den Marihuana Geruch erklären, der alle zwanzig Minuten durch die ersten Reihen wabert. Noch merkwürdiger ist Tatsache, dass er seine Gitarre anscheinend nur zur Zierde durch die Gegend trägt. Selten greift er wirklich in die Saiten, oftmals zupft er ein wenig rum und das war es dann auch schon. Entweder man kann alle Songs auf Roots mit nur einer Gitarre spielen oder das böse Gerücht, dass kurz nach dem Auftritt die Runde machte, ist wahr. Die Gitarre von Max sendete kein Signal und seine Gitarrenparts kamen aus der Konserve. Igor am Schlagzeug macht einen prima Job und zerlegt sein Drumkit nach allen Regeln der Kunst.

Sehr sympathisch auch, dass der Drummer im Trikot des FC St. Pauli hinter seiner Schießbude sitzt. Während Igor und seine Kollegen Marc Rizzo und Johny Chow Höchstarbeit verrichten, lässt Bruder Max es eher ruhig angehen. Eine kurze Ansage hier, ein kleine Aufforderung da, das war es dann auch schon. Nachdem Roots in seiner gesamten Lämge gespielt wird, folgen noch zwei Coverversionen. Zum einen Procreation Of The Wicked und Ace Of Spades. Bei beiden muss man sagen, dass man diese Songs auch mit etwas mehr Anstand spielen kann. Aber nun ja, das Publikum feiert es ab und darauf kommt es an. Als allerletztes kommt eine neue Version von Roots von der Band, die aber noch peinlicher ausfällt als die beiden Coversongs. Blastspeed vom Schlagzeug, dazu undefinierbares Geschredder von Gitarre und Bass. Max nuschelt irgendwas ins Mikro und brüllt dann plötzlich Roots, Bloody Roots. Naja.

Als Pressemensch ist heute ein ganz schöner Heckmeck wegen nichts passiert. Die zahlenden Zuschauer sind hingegen uneins. Zum einen ist das wenig „value for money“ gewesen, andererseits wird es Sepultura mit den Cavaleras wohl nie mehr geben. Die Chance, die Platte noch mal so live zu hören, ist verschwindend gering. Und über die T-Shirt-Preise hüllen wir auch mal lieber den Mantel des Schweigens…..

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