„Slowenischer Nebel schützt sich vor der Sonne am Abgrund“

Artist: Mist

Herkunft: Ljubljana / Slowenien

Album: Free Me Of The Sun

Genre: Doom Metal

Spiellänge: 48:18

Release: 01.06.2018

Label: Soulseller / Soulseller Records

Link: https://www.facebook.com/mist.doom

Bandmitglieder:

Gesang – Nina Spruk
Gitarre und Backgroundgesang – Ema Babošek
Gitarre – Blaž Tanšek
Bassgitarre – Neža Pečan
Schlagzeug – Mihaela Žitko

Tracklist:

1. The Ghoul
2. Ora Pro Nobis
3. White Torch
4. December
5. Altar Of You
6. Disembody Me
7. The Offering
8. Demonized
9. Delirium
10. Free Me Of The Sun

 

Als bekennender Doom Metal Fan bin ich mal wieder an was Exotisches geraten. In die Hände gefallen ist mir das Debütalbum Free Me Of The Sun der slowenischen Doom Metal-Band Mist. Exotisch bezieht sich hier im Übrigen auf die Herkunft, nicht auf die Musik. „Was für’n Mist“ werdet ihr denken, aber Mist heisst aus dem Englischen übersetzt Nebel. Der Bandname passt ausgezeichnet zur Band und der Musik die sie machen, denn die ist astreiner Doom Metal. Erschienen ist das Album bei Soulseller Records als CD und als limitiertes (300 Stück) Vinyl.

Fast eine All Female-Band (nur Gitarrist Blaž Tanšek ist ein Mann) kommen sie musikalisch wie ein Hexenzirkel daher. Der englische Begriff für Hexenzirkel ist ja bekanntlich Coven. Bei Coven sind wir schon fast richtig. Denn da sind Mist irgendwie / irgendwo angesiedelt – zwischen Jinx’s Coven, Pentagramm und Jex Thoth. Und ein paar Exkremente Black Sabbath sind auch noch dabei. Da haben wir also die üblichen Verdächtigen, die immer dann genannt werden, wenn es um psychedelischen und/oder okkulten Doom Metal geht.

Mist überzeugen auf Free Me Of The Sun mit einer Art Okkult Doom. Magisch, psychedelisch und okkult. Ich habe mal etwas nachgeblättert. Mist gibt es schon satte sechs Jahre (seit 2012). Vor ihrem ersten Album Free Me Of The Sun haben sie nur Demos veröffentlicht. Liveerfahrung gibt es jedoch zu Genüge. Sogar mit Größen wie Jex Thoth und Uncle Acid & The Dead Beats war man unterwegs.

Sängerin Nina Spruk kann bereits mit dem Opener The Ghoul stimmlich überzeugen. Sie wirkt sehr authentisch und intensiv. Herausragend empfinde ich ihre Perfomance gerade in solchen Songs, wie White Torch und Disembody Me, in denen sie äußerst kraftvoll agiert. Sehr emotional und gefühlvoll präsentiert sie ihre Stimme in Songs wie December und Free Me Of The Sun. Da sträuben sich mir wohlig die Nackenhaare. Ihre Stimme wirkt manchmal desillusioniert, ein anderes Mal jedoch betörend predigend. Sie ist eindeutig die „Upper witch in the Coven“.

Neben Nina Spruk fällt besonders Gitarrist Blaž Tanšek auf. Seine Gitarrenarbeit, in Kooperation mit den anderen Saiteninstrumenten, zeichnet sich dadurch aus, dass hier wirklich alles auf den Punkt gebracht wird. Die Instrumentenfraktion schafft wirklich alles mit einer tollen Coolness. In Songs wie Disembody und The Offering sind sie wuchtig und treibend anzutreffen. Disembody ist so ein richtig wuchtig schmerzender und treibender Doom Metal-Song. Den kann ich immer wieder hören. Zurückhaltend und melodisch ist die Band in Songs wie Dilirium und vor allem im Rausschmeißer und Titelsong Free Me Of The Sun. Dieser Song ist geradezu ein würdiger Abschiedssong der Platte. Er ist recht emotional und sphärisch, wenngleich er im Mittelteil wieder ein wenig an Dynamik aufnimmt.

Mist bauen auf Free Me Of The Sun in den Songs eine spannende Atmosphäre auf. Es wird nie langweilig. Für Doom Songs sind diese recht kurz gehalten. Es gibt keinen Song über sechs Minuten Länge. Das ist für ein Doomalbum doch recht ungewöhnlich. Das hat natürlich den Vorteil, dass die Songs in ihrer Dramatik nicht künstlich überbeansprucht werden. Wobei ich für mich schon sagen muss, dass ich im Doom Metal gerne die ellenlangen Dinger mag. Dabei müssen sie im Spannungsaufbau wirklich gut gemacht sein. Vielleicht schenken uns Mist ja beim nächsten Album solch einen Song.

Mist – Free Me Of The Sun
Fazit: Mist schaffen es auf ihrem Debütalbum Free Me Of The Sun, sich im Nebel von der Sonne zu befreien. Leichte Sonnenstrahlen, die den Nebel durchbrechen wollen, flackern auf. Sie haben aber letztlich keine Chance, diesen Doom schützenden Nebel zu durchbrechen. So können Mist ihren okkulten psychedelischen Doom hinter der Nebelwand des Bilsenkrauts zelebrieren. Besonders Sängerin und Upper witch Nina Spruk kann in diesem Hexenzirkel überzeugen, wobei die restlichen Bandmitglieder sie dabei tatkräftig unterstützen. Als Erstlingswerk richtig klasse! Diesen Coven muss ich mir unbedingt mal live anschauen!

Anspieltipps: White Torch, Altar Of You, Disembody Me
Juergen S.9
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