Music & Stories, Andy Scott präsentiert: Uriah Heep, Nazareth, Wishbone Ash am 23.01.2020 in der Alsterdorfer Sporthalle

Über 150 Jahre Musikgeschichte unter einem Hallendach

Eventname:  Music & Stories 2020

Bands: Andy Scott präsentiert: Uriah Heep, Nazareth, Wishbone Ash

Datum: 25.01.2020

Ort: Alsterdorfer Sporthalle

Kosten:  67,90 VVK, 72 € AK

Zuschauer: ca.1000

Genre: Rock, Hard Rock

Veranstalter: Paco Agency

Links: http://www.uriah-heep.com/
https://www.nazarethdirect.co.uk/website/
http://wishboneash.com/
https://music-and-stories.com/
https://www.pa-co.eu/

Setlisten:

 Wishbone Ash

  1. The King Will Come
  2. Warrior
  3. Throw Down The Sword
  4. We Stand As One
  5. Jail Bait
  6. Phoenix
  7. Blowin‘ Free

Nazareth

  1. Miss Misery
  2. Razamanaz
  3. This Flight Tonight (Joni Mitchell Cover)
  4. Dream On
  5. Change
  6. Beggars Day (Crazy Horse Cover)
  7. Changin‘ Times
  8. Hair Of The Dog
  9. Tattooed On My Brain
  10. Love Hurts (The Everly Brothers Cover)
  11. Morning Dew (Bonnie Dobson Cover)

Uriah Heep

  1. Grazed By Heaven
  2. Too Scared To Run
  3. Take Away My Soul
  4. Rainbow Demon
  5. Gypsy
  6. Look At Yourself
  7. July Morning
  8. Lady In Black

Zugabe:

  1. Sunrise
  2. Easy Livin‘

Ich bin ja nun schon im gemäßigten Alter und demzufolge sind mir die Namen, die bei diesem Event aufgelistet sind, nicht unbekannt. Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep sind zusammen auf Tour und gastieren im Rahmen der Music & Stories Tour auch im hohen Norden, na ja, nicht ganz so hoch, in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg. Das Wetter ist nieselig, als wir mit Freunden von Kiel nach Hamburg fahren. Zunächst aber halten wir im Montgomery Champs, einem Diner an der B4, um zu futtern. Da alle drei Bands ihre Spielzeit haben wollen und sollen, ist der Beginn der Veranstaltung auf 18:30 Uhr festgelegt worden. Wir wollen spätestens um 17:00 Uhr da sein, damit Sitzplätze gesichert werden können. Die bessere Hälfte meines Freundes kann einfach nicht so lange stehen. Als wir dann bei der Halle sind, gibts zunächst, zu meiner Verwunderung, diesmal keinen separaten Presseeingang. Auch stehen vor der Halle erst so knapp 50 Leute. Als dann um 17:35 Uhr die Türen geöffnet werden, ist immerhin eine beachtlich gewachsene Schlange hinter uns. Der Zugang erfolgt problemlos und ich bekomme als Fotograf meine Order. Pro Band die ersten drei Songs, kein Blitz, also wie immer – aber nun kommts. Nach jedem Mal fotografieren müssen die Fotografen aus der Halle, die Kamera entweder an der Garderobe abgeben oder ganz nach draußen. Vorgabe des Veranstalters. Puh. Das ist schon umständlich. Aber was soll´s, so ist das Reglement, also durch, wenn ich Bilder machen will. Nun die zweite Überraschung, es sind nur zwei Fotografen angemeldet. Eine Ehre oder eher Desinteresse? Zweiteres scheint der Fall zu sein. Ich frage noch nach, wie viele Zuschauer erwartet werden, bekomme aber keine Aussage, denn dazu gibt es seitens der örtlichen Agentur keinen Kommentar. Warum, werde ich noch merken.

Wir gehen in die Halle und erleben die dritte Überraschung. Die Bühne ist weit nach vorne in die Halle gezogen, die Ränge sind geschlossen und links und rechts gibt es ca. 450 Sitzplätze. Doch so wenig im Vorverkauf abgesetzt? Langsam, ganz langsam füllt sich die Halle. Ich ahne, dass es übersichtlich wird. Dann geht um kurz vor 18:30 Uhr das Licht aus und nur ein Spot beleuchtet einem Bistrotisch, der links am Rand auf der Bühne steht. Andy Scott kommt auf die Bühne, wünscht uns viel Spaß und sagt ohne viel Brimborium Wishbone Ash an. Ich durfte bereits vorher in den Graben und mit Beginn der Darbietung darf ich mich auch im Graben frei bewegen. Nächste Überraschung, der zweite Fotograf ist nicht da. Im Nachgang erfahre ich, dass der keine Kamera dabei hat. Also bin ich der Einzige, der im großzügigen, breiten Graben (lässt die Halle etwas voller aussehen) rumläuft. In den ersten Reihen sehe ich viele Wishbone Ash Shirts, einige davon noch mit den typischen Verpackungsknicken, die wurden wohl oben am Merch Stand gerade erst gekauft. Damit einher geht auch das Durchschnittsalter, das eindeutig jenseits der 50 liegen dürfte. Aber das ist klar, denn hier sind einige der Helden unserer Jugend, auch meiner, auf der Bühne. Wishbone Ash beginnen mit The King Will Come. Andy Powell, einzig verbliebenes Gründungsmitglied und natürlich Gitarrist, hat leichtes Spiel, denn den Song kennt und liebt jeder, der Wishbone Ash mag. Dann wird mit anderen Songs dem 72er Erfolgsalbum Argus gehuldigt. Die Songs von Wishbone Ash waren schon damals Longtracks, da sich in den Instrumentalpassagen die beiden Leadgitarristen gegenseitig die Bälle zuspielten und jammten. Das ist auch heute noch so. Als zweiter Gitarrero steht Mark Abrahams seit 2017 bei der Band unter Vertrag und ergänzt den typischen Twin-Gitarren Sound. Auf der Setlist stehen nur sieben Stücke, was zunächst auf eine kurze Spielzeit hindeuten könnte. Spätestens mit dem zweiten Song Warrior und dem folgenden getragenerem Trough Down The Sword, beide ebenfalls von Argus, wird klar, dass die Improvisationsfreude der Briten ungebrochen ist. Es folgt dann ein neuer Titel von dem Ende Februar erscheinenden Album Coat Of Arms. Der wird eher ruhig aufgenommen und ist verhältnismäßig kurz. Das ändert sich, als Phönix vom ersten Wishbone Ash Album angespielt wird. Da kommen die Hamburger aus sich raus und auch gemeinsamer Gesang ist drin. Drummer Joe Crabtree filmt derweil das klatschende Publikum und ist sichtlich erfreut ob des Zuspruches. Nach einer knappen Stunde verabschiedet sich die Band mit einer von Improvisationen nur so strotzenden Version von Blowin‘ Free, und versprechen, bald wieder in der Hamburger Fabrik aufzutreten. Das dürfte eine passendere Location sein, denn die nicht ganz volle Sporthalle lässt noch so recht keine Stimmung aufkommen. Trotzdem ist es schön, diese Truppe noch mal live zu sehen und zu hören.

Dann wird zügig umgebaut. Da das Trio nicht zum ersten Mal auftritt, weiß jeder, was zu tun ist und recht schnell wird die Bühne für Nazareth präpariert. Andy Scott ist indes wieder an seinem Platz an dem Bistrotisch und schaltet live in den Aufenthaltsraum (Backstage) von Uriah Heep, bei denen es scheinbar sehr gesittet zugeht. Außer Alkohol und Essen ist nicht viel zu sehen, der Raum ist eher karg eingerichtet. Auch Groupies scheinen nicht (mehr) anwesend zu sein. Dann kommen aber Mick Box und Bernie Shaw auf die Bühne und ein flottes Gespräch entwickelt sich. Die nach eigenen Worten nicht Four Non Blondes, sondern nur Three Blondes, alle drei sind mit der gleichen weißblonden Haarpracht (alles noch echt?) ausgestattet, bringen über 200 Jahre auf die Bühne und haben entsprechende Erfahrung und Geschichten erlebt. So juxen die Herren dann auch unterhaltsam rum, was dem Publikum merklich Freude bereitet. Es gibt diverse Anekdoten aus dem Musikerleben. Eine davon, so berichtet Bernie Shaw, stammt von einer Tour, bei dem sie auch in einem Gefängnis auftreten sollten. Dann ging es um die Songauswahl und Titel wie Stealin’ oder auch Too Scared To Run waren wohl eher unpassend. Auch Free Me stand auf der Kippe, denn im weiteren Text heißt es, Free Me From the Spell, was auch wie Free Me From The Cell verstanden hätte werden können. Solche Geschichten sind amüsant und das ist es, was dieses Konzept bewirken soll. Nach ungefähr zehn Minuten geht Bernie Shaw aber schon wieder Backstage und nur Mick Box und Andy Scott verbleiben. Es werden noch ein paar Worte zu dem besonderen Verhältnis, gerade zum deutschen Publikum, gewechselt. Die Verabschiedung sorgt nochmals für laute Lacher, als Andy Scott das Treffen der beiden auf der Bühne mit „Gandalf meets Dumbledore″ umschreibt. Leider geht diese Sequenz schnell vorbei, denn die Bühne muss für Nazareth frei gemacht werden.

Die fangen mit Miss Misery an, den Beginn aller Shows in den letzten zwei Jahren. Es geht mit Razamanaz weiter, einem der Tracks, die zur Blütezeit von Nazareth entstanden. Die Halle hat sich nur unmerklich weiter gefüllt, während auf der Bühne Carl Sentance, Pete Agnew, dessen Sohn Lee an den Drums, und Gitarrist Jimmy Murrison ältere und auch neuere Sachen präsentieren wollen. Carl bemüht sich redlich, aber so recht will noch keine Stimmung aufkommen. Pete ist zwar unermüdlich am Bass und auch Lee, sonst eher der gelangweilt aussehend, zeigt einen Anflug von Lächeln, aber es fehlt der Funke. This Flight Tonight kann zwar punkten (ich muss nach dem Song erst mal wieder Kamera abgeben) aber erst mit Dream On tauen zumindest die Paare und Mädels auf. Trotz allem, nur wenig Aufregung im Publikum, es scheint fast so, als wenn nur auf einen Song gewartet wird, Morning Dew. Bis dahin dauert es noch etwas. Nach dem mäßigen Change und Beggars Day kommt mit Changing Times mein persönliches Highlight. Carl beginnt zwar noch mit Gesang, verschwindet dann aber von der Bühne. So nutzen die restlichen drei die Zeit, um ordentlich zu jammen, und das kommt gut an. Nicht, das Carl Sentance schlecht singt, aber die große Stärke sind die Instrumentalpassagen. Die Bassläufe von Pete sind schon cool und Jimmy an der Gitarre kommt auch vermehrt zum Zuge. Natürlich darf Hair Of The Dog nicht fehlen, bevor dann noch ein neuer Song von der letzten Platte wieder für einen Stimmungsabfall sorgt. Schnell noch Love Hurts, bei der die Herzen einiger Damen schmelzen und dann kommen zwei Bass-Töne. Jeder weiß sofort welcher Track. Endlich Morning Dew. Die Einfachheit des Rhythmus, der einzig durch den Bass hervorgerufen wird, ist prägend und hypnotisch. Das Bonnie Dobson Cover wurde 1971 auch als Single veröffentlich, da aber noch nicht so erfolgreich. Im Laufe der Jahre ist es zu einem Klassiker geworden. Damit endet, ebenfalls nach gut einer Stunde, der Auftritt. Die verhalten freundliche Reaktion des Publikums deutet aber an, dass mehr als ein o.K. für Nazareth nicht drin ist.
In der Umbaupause gehen wir kurz zum Merch und treffen da auf Carl Sentance, der seine eigene CD an den Mann, Frau oder Sonstiges bringen möchte. Der Ansturm ist eher verhalten, aber ich kann mich erwärmen. Dann geht es zurück in die Halle, in der bereits Andy wieder die Zeit überbrückt und mit Andy Powell und Pete Agnew zugange ist. Auch hier wieder einige Anekdoten und Einblicke in das Tour-Bus-Leben.

Pünktlich um 21:20 Uhr beginnen Uriah Heep mit Grazed By Heaven vom 2018 erschienenen gleichnamigen Album los. Bernie Shaw, im typischen Bühnenoutfit, performt ab der ersten Minute. Auf der linken Bühnenseite steht Mick Box mit getönter Brille, und ist eindeutig der Herr im Ring. Rechts Bassist Davey Rimmer, mit echter langer dunkler Mähne, und im Hintergrund steht Phil Lanzon an den Keys und entlockt die markanten Heepschen Keyboardpassagen. Daneben, verdeckt durch das große Schlagzeug, Russel Gilbrook, der über die beiden Bass Drums den wuchtigen Sound beisteuert. Der insgesamt gut abgemischte Ton macht das Unterfangen Uriah Heep zu einem hörenswerten Ereignis. Nach Too Scared To Run, wir erinnern uns an den Auftritt im Knast, und Take Away My Soul, kommen die älteren Sachen. Darauf haben alle gewartet. Rainbow Demon, von Demons & Wizards, Gypsy von Very ‚Eavy Very ‚Umble und Look At Yourself gehen wie eine Rakete durch das Hallendach. Da wird gebangt, was die müden Nackenmuskeln noch hergeben. Die schütteren oder gar keine Haare werden geschüttelt und nicht wenige werden plötzlich wieder 15 Jahre alt. Genau das ist es, für das Uriah Heep stehen. Die liefern das gewohnt souverän ab und natürlich darf das Jammen nicht zu kurz kommen. Klasse Soloeinlagen von Mick Box, der oftmals am Bühnenrand steht, seiner Gitarre verzerrte Klänge entlockt oder mit beschwörender Geste dem Instrument Leben einhaucht. Als danach die ersten Töne der Hammondorgel das Intro von July Morning ankündigen ist kein Halten mehr. Der Track lebt von seinen wechselnden Tempi, mal getragen dann wieder schneller, rhythmisch und mit Platz zum Jammen. Das ist der Song von Uriah Heep, der als locker als Begründer von episch symphonischem Rock angesehen werden kann. Damals noch von David Byron eindringlich gesungen, macht heute Bernie Shaw das hier mindestens genauso gut und dass er das kann, das beweist er nun schon seit über 30 Jahren. Dieser Song war schon Anfang der 70er Jahre einer meiner Lieblingssongs. Wie July Morning darf natürlich auch der Überhit von Uriah Heep nicht fehlen. Mick bekommt die Akustische gereicht und sofort weiß ein jeder, was dran ist. Lady In Black. Über den Song braucht man keine Worte zu verlieren. 1971 erschien der wohl bekannteste Song der britischen Band auf der LP Salisbury. David Byron weigerte sich damals, den einzusingen, und so übernahm das Keyboarder Ken Hensley. Ob das der Grund für den Erfolg war? Wohl kaum. Der Song ist einfach zeitlos, auch wenn er doch schon arg strapaziert ist. Trotzdem singt hier die Halle mit und wird dirigiert von Bernie, der mal links mal rechts das aaaaahaaaahaaaah singen lässt. Und dann ist Ende. Für mich nicht ganz unerwartet, denn ich habe mir im Vorfeld schon mal die Setlist angesehen. Somit weiß ich aber auch, dass es noch Sunrise und Easy Livin‘ geben wird. Schnell sind die fünf zurück und nach nicht ganz zehn Minuten ist auch die Zugabe durch. Das wars. Knapp 70 Minuten, aber dafür waren es ja auch drei gleichberechtigte Bands.

Fazit: Das Format ist eigentlich ganz interessant, aber ich hätte mir da noch etwas mehr Unterhaltung gewünscht. Andy Scott, als Moderator war ganz ok, aber eigentlich hätte es dem nicht bedurft. Und wenn, dann sind die eigentlichen Stories zu kurz gekommen. Das ist zwar kurzweilig, aber eben zu wenig. Eigentlich ist es eine Show mit einem Headliner und zwei gleichberechtigten Supportbands. Dass nur knapp 1000 Zuschauer den Weg in die Sporthalle gefunden haben, mag daran liegen, dass gerade Nazareth derzeit oft als Gast in den kleineren Locations sind und auch Uriah Heep waren gefühlt erst vor einem halben Jahr da. Wishbone Ash residieren ja des Öfteren in der Hamburger Fabrik, und so war das eben nicht so interessant. Auch die angepriesene Ausstellung von Didi Zill Bildern m Foyer ist eher übersichtlich gewesen. Trotzdem hat es mir recht gut gefallen und als einziger Fotograf hatte ich auch noch viel Platz und sogar ansprechendes Licht.

Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast

Where To Listen: