Photo @ Negator

Negator: geben Bandauflösung mit einem Zitat von Reinhard Mey bekannt

Der Kreis schließt sich ein letztes Mal

Nachtgarm, Harlegrim, Richthaym, Thorfried, Axtwald, Kliffjård, Unholz, Berthelm, Tramheim, Trolfbert, Samebrann, Asgard, Ravnsturm, Finnskald, Hjalmort, Urzorn und Nechtan. Wenn es in den letzten 18 Jahren darum ging, sich als Musiker etwas lächerliche Pseudonyme zuzulegen, so waren die Hamburger Nachtschattengewächse von Negator fast unschlagbar. Zugegeben, sie haben uns alleine damit schon unterhalten, doch nun soll endgültig Schluss sein, denn die Hamburger Black Metal/Extreme Metal Band, die 2003 aus der Hamburger Symphonic Black Metal Band Pantheion hervorging, hat ihr Ende verkündet.

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Via Facebook teilte die Band Folgendes mit:

„Der Kreis schließt sich ein letztes Mal.
Nach 18 Jahren Band-Bestehen haben wir uns dazu entschieden, Negator zur Ruhe zu betten.
Dies ist – nebst anderen Gründen – dem Umstand geschuldet, dass Nachtgarm seinen musikalischen Ruhestand verkündet hat.
Wir hatten eigentlich noch einige Shows in Planung (und bereits bestätigt) und natürlich war auch eine Abschiedsshow geplant, jedoch hat die anhaltende Pandemie uns da leider einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Wir bedanken uns bei allen Bands, Produzenten, Labels, Veranstaltern und natürlich möchten wir uns bei euch bedanken: Unseren Familien, Freunden, Fans, Followern und Hatern. Ohne euch hätte es Negator in der Form nicht gegeben. Vielen Dank!
Unsere Musik bleibt weiterhin auf allen bekannten Plattformen verfügbar und auch unseren Shop wird es weiterhin geben.“

Nur wenige Stunden gab Frontmann Steve „Nachtgarm“ Marbs ein endgültiges Statement ab:

„Hurra! Ich habe den Prolog überstanden und es tatsächlich in den nächsten Abschnitt meines Lebens geschafft, aber was heißt das jetzt genau? HP -2, INT +0,5 und STM -4?
Es bedeutet auf jeden Fall, dass heute der Tag gekommen ist, an dem ich mich als Musiker offiziell zur Ruhe setze.
Wer jetzt noch Lust hat weiterzulesen, kann das gerne tun und erfahren, warum ich mich dazu entschieden habe aufzuhören und alle anderen – jene die das nicht interessiert – können mir einen netten Gruß dalassen und dann wieder im Daten-Nirvana verschwinden.
Bevor ich aber weiter auf meine Beweggründe eingehe, zwei Dinge vorweg:
1. Alle angefangenen Projekte, in die ich im Moment involviert bin, werden vollständig zu Ende gebracht, jedoch werde ich keine Live Shows mehr spielen (was Corona im Moment eh nicht zulassen würde) und
2. Hat mein Aufhören nichts mit der anhaltenden Pandemie zu tun, sondern ist bereits seit nunmehr ± 5 Jahren in Planung.
Nun zu meinen Beweggründen:
Bisher gibt es 19 Veröffentlichungen im Black- und Death Metal, an denen ich entweder als Gast teilnehmen durfte, oder denen ich komplett meine Stimme geliehen habe. Darüber hinaus habe ich das Glück gehabt, einem AAA Videospiel meine Stimme leihen zu dürfen und ich habe, zusammen mit anderen, ein Retrogaming OS entwickelt, Musikvideos gedreht, eine Dokumentation produziert, Webseiten und Online-Shops entwickelt und an zahllosen weiteren Projekten, die auf die eine oder andere Weise meinen Stempel tragen, gearbeitet.
Darüber hinaus hatte ich das Privileg, für das ich allerdings sehr hart gearbeitet habe, in mehr als 40 Ländern auf der Bühne stehen zu dürfen. Von Kanada und den USA über Südamerika, hin zu den Karibischen Inseln, weiter nach Europa bis hin nach China und Australien. Alle Länder im Detail aufzuzählen wäre nicht nur mühsam, sondern auch sterbenslangweilig für die meisten Leser. Für mich gehören diese Reisen jedoch zu den prägendsten, anstrengendsten, als auch schönsten Erinnerungen und Erfahrungen, die ich machen durfte und die ich mit in meinen musikalischen Ruhestand nehmen werde.
Das, was mich aber am meisten geprägt hat, sind die Menschen, die ich im Zuge all dieser Projekte und Reisen kennengelernt habe. Viele davon zähle ich heute zu treuen Begleitern und einige ausgewählte zu sehr engen Freunden, die ich keinen Tag in meinem Leben missen möchte. Alleine deswegen hat sich meine Reise bis hierhin schon gelohnt. Reicher werde ich nimmer.
Allerdings hat mein bisheriges Leben auch Spuren hinterlassen, mit denen ich heute zu Kämpfen habe, oder in der Vergangenheit zu kämpfen hatte. Die Palette reicht von psychischen Problemen, über physische Probleme hin zu zwischenmenschlichen Problemen. Nicht alles davon nehme ich, glücklicherweise, mit in meinen nächsten Abschnitt, aber ganz frei machen kann ich mich von ihnen leider noch nicht. Als Beispiel möchte ich hier meine Dysphonie und meine Diplophonie bemühen. Nicht nur, weil die sehr viel Einfluss auf mich als Sänger hatten/haben, sondern auch, weil ich erst kürzlich eine dreijährige logopädische Therapie beendet habe, um eben nicht die nächsten 40 Jahre weiter unter beiden Erkrankungen leiden zu müssen. Wer mich gut kennt weiß eh, welche Dämonen ich mit mir herumtrage und mit welchen von ihnen ich, metaphorisch gesprochen, gerne mal einen Trinken gehe.
Um aber nicht mit dem Schatten hinter mir, sondern mit der Sonne vor mir diesen Post zu beenden, möchte ich noch einmal hervorheben, dass noch einige Veröffentlichungen erscheinen werden, an denen ich auf die eine oder andere Weise gerade arbeite, oder die bereits abgeschlossen sind und nur auf ihre Veröffentlichung warten.
Schließen möchte ich mit einem Zitat von Reinhard Mey:
„Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu geh‘n.
Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Steh‘n.
Habt Dank für die Zeit, die ich mit euch verplaudert hab‘
Und für Eure Geduld, wenn‘s mehr als eine Meinung gab.
Dafür, dass ihr nie fragt, wann ich komm‘ oder geh‘,
Für die stets offene Tür, in der ich jetzt steh‘.“
Habt Dank und auf bald
Steve „Nachtgarm“ Marbs

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