Niflhel – Under The Banner Of Blood

Die Krieger marschieren

Artist: Niflhel

Herkunft: Hamm/Westfalen, Deutschland

Album: Under The Banner Of Blood

Spiellänge: 42:02 Minuten

Genre: Melodic Death Metal, Viking Metal

Release: 13.07.2019

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/Niflhel-170595379702046/

Produktion: Beefy Audio, Mönchengladbach von André Bodewein

Bandmitglieder:
Gesang und akustische Gitarre – Michael Gruen
Gitarre und Backgroundgesang – Carsten Nachtigall
Gitarre – Dominik Zillmann
Bassgitarre und Backgroundgesang – Robin Vieler
Schlagzeug – Simon Althoff

Tracklist:

  1. Stones And Bones
  2. Without Fear
  3. Under The Banner Of Blood
  4. Berzerker Rage
  5. Dead Around Me
  6. Ride Along The Bifrost
  7. Gods Of Asgard
  8. Around The Oaken Table
  9. Fimbulwinter
  10. Hel – Goddess Under Ice
  11. Fenris Wolf 2019

 

Schon seit dem Jahr 2012 sind die Jungs von Niflhel aus dem westfälischen Hamm am Start, wobei von den Gründungsmitgliedern nur noch Michael Gruen und Simon Althoff dabei sind. Trotz der Wechsel im Bandgefüge haben bereits zwei Alben das Licht der Welt erblickt. In 2016 gab’s das Debütalbum A Warrior Comes Home, vor knapp zwei Wochen erschien das zweite Album. Es trägt den Titel Under The Banner Of Blood und ist thematisch ebenfalls, wie Albumtitel und auch das Cover schon ahnen lassen, von der nordischen Mythologie und ihren Kriegern beeinflusst. Die Jungs beziehen sich musikalisch noch auf den Göteborg-Stil, versuchen aber, diesen nicht 1:1 zu übernehmen, sondern ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einzubringen und so einen eigenen Sound zu entwickeln.

Furchtlos stürmen die Fünf also los, nach dem gesprochenen Intro Stones And Bones geht es Without Fear in die Schlacht. Ein paar In Flames-Riffs hier und da, auch der Gesang von Michael erinnert stellenweise ein wenig an den von Anders Fridén auf den Alben aus den frühen 2000er Tagen. Was auch sofort auffällt, ist der sehr organische Klang, der da aus den Boxen kommt. Solide produziert von André Bodewein, der sich damit auch von anderen produktionstechnischen Herangehensweisen abhebt. Dass dabei die Basedrum manchmal ein bisschen zu viel in den Hintergrund tritt, wird durch die natürlich immer sehr präsente Gitarrenfraktion dann zumindest teilweise wieder gutgemacht – ich bin halt Schlagzeugfan! 😀

Musikalisch heben sich Niflhel zumindest dadurch ab, dass sie ihren Melodic Death Metal auch sehr oft mal in Viking Metal-Gefilden wandeln lassen. Speziell in den Refrains der sich gern im oberen Midtempo abspielenden Songs bin ich doch manchmal kurz davor, die Faust hochzurecken und lauthals mitzugrölen. Dazu bietet sich tatsächlich oft die Gelegenheit, nur bei dem sehr kurzen, sehr ruhigen Zwischenstück Ride Along The Bifrost ist Schweigen angesagt, denn hier gibt es nur akustische Gitarre auf die Ohren. Bei der Thematik, mit der sich Niflhel beschäftigen, entsteht vor meinem geistigen Auge gleich ein Nachtlager, in dem die Krieger dann ihre müden und kampferprobten Knochen zur Ruhe betten können. Die Nachtruhe hält aber nicht lange an, die Gods Of Asgard werden angerufen und mit einem viel zu kurzen, weil sehr geilen Gitarrensolo um Beistand gebeten.

Wo wir ja jetzt schon in der zweiten Albumhälfte angekommen sind, zeigt sich dann auch immer klarer, dass Niflhel definitiv in der Lage sind, richtig gute Songs zu schreiben, die das Herz eines Melodic Death Metal- aber auch eines Viking Metal-Fans schneller schlagen lassen. So ganz lösen können sie sich von den Großen des Genres nicht – ein wenig Amon Amarth und die oben bereits erwähnten In Flames der weit zurückliegenden Vergangenheit klingen des Öfteren durch – aber das muss Niflhel ja nicht zum Nachteil gereichen. Es gibt Tempo- und Rhythmuswechsel, ein manchmal etwas wacklig klingendes aber insgesamt tolles Spiel der Gitarrenfraktion und eine Mannschaftsleistung, die definitiv danach geschrien hat, das Ganze ordentlich einzuspielen und auf einem Silberling festzuhalten.

Zum Titeltrack Under The Banner Of Blood haben die Jungs jetzt auch ein Video veröffentlicht, das ihr hier sehen könnt:

Fazit
Es gibt ja immer so gewisse Vorurteile gegenüber Bewohnern bestimmter Landstriche. Die Westfalen gelten hier in Nordrhein-Westfalen so ein wenig als stur, wenn auch ehrlich und bodenständig. Im "Wintermärchen" von Heinrich Heine gibt es dazu eine Textpassage, die auch wunderbar auf die Jungs von Niflhel und auch auf dieses Album passen könnte: "…Sie fechten gut, sie trinken gut, / Und wenn sie die Hand dir reichen / Zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie; / Sind sentimentale Eichen." Ob Niflhel auch gefochten haben, als diese Aufnahmen eingespielt waren, weiß ich nicht, getrunken haben sie sicherlich, und das haben sie sich auch verdient. Das Rad des Genres haben sie nicht neu erfunden, aber ihm ihren ganz eigenen Stil hinzugefügt, und der macht Spaß.

Anspieltipps: Gods Of Asgard und Fimbulwinter
Heike L.8
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