Phil Campbell – Old Lions Still Roar

Überraschendes Soloalbum mit Staraufgebot

Artist: Phil Campbell

Herkunft: Wales

Album: Old Lions Still Roar

Spiellänge: 41:07 Minuten

Genre: Rock, Hardrock

Release: 25.10.2019

Label: Nuclear Blast

Links: http://www.philcampbell.net/
https://www.nuclearblast.de/de/

TracklisteBandmitglieder:

  1. Rocking Chair – (feat. Leon Standford (Gesang), Todd Campbell (Gitarre), Will Davies (Bass)
  2. Straight Up – (feat. Rob Halford (Gesang), Tyla Campbell (Bass), Dane Campbell (Schlagzeug)
  3. Faith In Fire – (feat. Ben Ward (Gesang), Tim Atkinson (Bass), Robyn Griffith (Schlagzeug)
  4. Swing It – feat. Alice Cooper (Gesang), Chuck Garric (Bass), Dane Campbell (Schlagzeug)
  5. Left For Dead – feat. Nev MacDonald (Gesang), Mark King (Bass), Danny Owen (Keyboard), Tyla Campbell (Acoustic Gitarre), Dane Campbell (Schlagzeug)
  6. Walk The Talk – feat. Nick Oliveri (Gesang, Bass), Danko Jones (Gesang), Ray Luzier (Schlagzeug)
  7. These Old Boots – feat. Dee Snider (Gesang), Mick Mars (Gitarre), Chris Fehn (Schlagzeug), Todd Campbell (Gitarre)
  8. Dancing Dogs (Love Survives) – feat. Whitfield Crane (Gesang), Tyla Campbell (Bass), Dane Campbell (Schlagzeug)
  9. Dead Roses – feat. Benji Webbe (Gesang), Will Davies (Bass), Matt Sorum (Schlagzeug)
  10. Tears From A Glass Eye – feat. Joe Satriani (Gitarre)

Phil Campbell

Philip oder auch kurz Phil Campbell muss man eigentlich nicht vorstellen. 30 Jahre war der Waliser an der Seite von Lemmy Kilmister bei Motörhead. Das allein sollte Visitenkarte genug sein. Schon zu diesen Zeiten schwelte der Gedanke an ein Soloalbum, komplett ohne Lemmy oder Mikkey Dee. Immer wieder dazu ermuntert, kommt es jetzt mit einem Konzept, das dem vom Iommy oder Slash ähnelt. Jeder der zehn Songs ist einem anderen „Gaststar“ auf den Leib geschrieben. Seit 2016 arbeitet er an diesem Album. Als Backgroundmusiker agieren natürlich wieder seine Söhne, mit denen er dann 2020 ein neues Album herausbringt und auch wieder auf Tour geht. Phil Campbell & The Bastard Sons sind als Band mittlerweile schon eine eingeschworene Gemeinschaft und hatten mit dem letzten Album schon einen riesigen Einstiegserfolg.

Alice Cooper

„Ich wollte doch nur ein gutes Album machen“, meint Phil Campbell fast schüchtern und zuckt mit den Schultern. Ein Album, wohlgemerkt, bei dem mal eben Rob Halford (Judas Priest), Ben Ward (Orange Goblin), Alice Cooper, Danko Jones mit Nick Oliveri (Mondo Generator) oder Dee Snider (ex-Twisted Sister) mitgemacht haben. Ohne mit der Wimper zu zucken, versteht sich. Campbell stellt seine Gitarrenkünste komplett in den Hintergrund. Jeder Titel hat seinen eigenen Stil. Schon beim Schreiben hatte er die Idee, wer ihn singen könne, so Campbell in einem Interview.

Dieses Album beginnt mit Rocking Chair. Der autobiografische Text über seinen bisherigen musikalischen Werdegang wird von Leon Stanford gesungen. Der junge, talentierte Sänger spielt mit Tyla Campbell zusammen bei The People The Poet. Es ist ein Einstieg aus der Schublade Country Style. Passagen, die sich anhören wie eine Slide Guitar, wurden mit einer Gibson aus den 40ern vom Meister eingespielt.
Der zweite Titel Straight Up geht dann direkt nach vorne. Kein Geringerer als Rob Halford von Judas Priest verleiht diesem Titel seinen harmonischen Gesang. Eine eingängige Melodie, ein Song, der nach vorne geht. Eines der Glanzstücke des Albums.
Nummer drei ist Faith In Fire. Eine Midtempo-Nummer mit klaren Bass Riffs, gesungen von Ben Ward von Orange Goblin. Sein dunkler Gesang zeichnet diesen Song mit einer eingängigen Melodie aus.
Altmeister und Gruselrocker Alice Cooper persönlich zeichnet sich für Song vier Swing verantwortlich. Ein typischer Cooper Song, der auch in seine gerade gelaufene Tour gepasst hätte. Rasant, stimmig. Hat meinen Kopf sofort bewegt. Von diesem Song wurde vorab ein animiertes Lyric-Video veröffentlicht. Schaut doch mal rein:

Song fünf, Left For Dead, ist der längste Song des Albums. Fünfeinhalb Minuten hat Blues Röhre Nev MacDonald, der früher bei Skin am Mikro stand. Es ist eine eingängige, radiotaugliche Ballade mit Schunkelfaktor.
Walk The Talk mit Nick Oliveri von Mondo Generator schließt sich an. Als weiterer Gastsänger versteckt sich der Kanadier Danko Jones. Hämmerndes Schlagzeug und eingängige Gitarren prägen den Song. Leider mag ich diese Art Sprechgesang nicht, sie zerstören den eigentlich tollen Titel.
Ein weiteres Juwel des Albums ist Song Nummer sieben. These Old Boots, intoniert von Ex-Twisted Sister Sänger Dee Snider und veredelt von Mick Mars (Mötley Crüe). Ein eingängiger, schneller Song ganz im Stile von Motörhead lässt mich schon beim ersten Anspielen aufhören. Dee Snider schrieb einen Text über all die am Projekt beteiligten alten Musiker. Musiker die nach langer, langer Zeit immer noch im Rockgeschäft sind.
Dancing Dogs (Love Survives) beginnt mit einem wummernden Bass als Intro. Mit dem Gesang von Whitfield Cane von Ugly Kid Joe fällt dieser Song. Für mich so ein Grunge-Style Mitläufer, der nicht im Kopf haften bleibt.
Der vorletzte Titel ist Dead Roses featuring Benji Webbe von Skindred. Dieser Song ist eine eingängige Soul Ballade. Gut hörbarer Mainstram, der zu jedem Radiosender passt.
Titel Nummer zehn, der letzte Song des Albums, ist einerseits der kürzeste, andererseits ohne Gesang. Das Gitarrenoutro Tears From A Glass Eye des Großmeisters Joe Satriani erinnert mit einigen Riffs an das Monumentale von Pink Floyd.

Das Album ist bei Nuclear Blast nicht nur als CD, sondern auch auf Vinyl erhältlich. Zusätzlich zum normalen Black Vinyl gibt es limitierte Auflagen in Clear- und Gold Vinyl.

Phil Campbell – Old Lions Still Roar
Fazit
Ein Album ohne stilistische Grenzen. Es ist kein Mainstream. Prädikate: überraschend, vielschichtig, kurzweilig. Ein klarer Daumen nach oben!

Anspieltipps: Straight Up, Swing und These Old Boots
Norbert C.
8
Leserwertung1 Bewertung
7.2
Pro
Contra
8
Punkte
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