Eine Thrash-Metal-Platte, die als einflussreich für den Death Metal gilt, feiert ihren 40. Geburtstag. Grund genug, uns den Klassiker aus dem Jahr 1986 etwas genauer zu betrachten. Da es verschiedene Versionen von Pleasure To Kill gibt, gleich eine Information vorab. Es geht hier um die LP, die im März 1986 via Noise Records in Deutschland veröffentlicht wurde. Diese LP umfasst neun Stücke. Nicht dabei sind Flag Of Hate oder Take Their Lives, die sich auf der EP Flag Of Hate befinden, aber auf diversen CD-Versionen von Pleasure To Kill als Bonus zu finden sind.
Kaum mehr als ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung des Debüts Endless Pain im Oktober 1985 folgt bereits die zweite Platte der Ruhrpott-Thrash-Metaller. Die Haupteinflüsse sind Scheiben wie Hell Awaits von Slayer oder Seven Churches von Possessed. Mit der Pleasure To Kill und dem Debüt Endless Pain haben Kreator genug Material für ihre erste Tour, die im Laufe des Jahres 1986 folgt.
Zombies und Pleasure To Kill

Das Thema der Lyrics dreht sich um Zombies und Gewalt, womit die Hörerschaft direkt angesprochen wird. Nur ein Schelm kommt auf die Idee, dass die Zombies 40 Jahre später Menschengestalt angenommen haben und oftmals sogar als Regierungschefs agieren. Kreator sind im Frühjahr 1986 eine junge, hungrige Band, die ihren Aggressionen ein musikalisches Ventil verschafft. Wer selbst in den 80ern aufgewachsen ist, der wird sich an ganz andere Dinge erinnern als Diskussionen über das Gendern. In den Schulen war das Mobbing von Mitschülern mit andersklingenden Namen und Geburtsorten nicht selten. Verschiedene Jugendgangs steckten die Reviere ab und Gewalt war ein begleitender Faktor. Miland Petrozza, Roberto Fioretti und Jürgen „Ventor“ Reil hatten bereits das Debütalbum eingespielt und teilten sich das Songwriting, wobei Petrozza den Löwenanteil liefert. Namen wie Michael Wulf oder Jörg Trzebiatowski sind auf der Pleasure To Kill nicht zu finden. Jörg Trzebiatowski stieg erst nach der Veröffentlichung der EP Flag Of Hate bei Kreator ein. Der ehemalige Sodom-Gitarrist Michael Wulf war nur wenige Tage in der Band und hat folgerichtig keine Credits. Wulf verunglückte 1993 bei einem Motorradunfall tödlich.
Eine weitere Besonderheit: Nicht nur Petrozza ist am Mikro aktiv. Reil übernimmt den Gesang bei Riot Of Violence und Command Of The Blade. Nach dem Intro Choir Of The Damned gibt es einen unfassbar aggressiven Einstand mit Ripping Corpse, bei dem Petrozza wie ein Berserker keift und das Trio derart auf das Tempo drückt, dass die Hörerschaft fast aus der Umlaufbahn geschleudert wird. Der Übergang zu Death Is Your Saviour ist fließend. Heute wäre das Ding angeschwärzter Thrash, wobei das Tempo nach wie vor sehr hoch ist und das Trio anscheinend seine gesamte Aggressivität in Tempo und Keifen verpackt.
Über den Klassiker Pleasure To Kill sind weitere Worte unnötig. Noch heute gehört die Nummer auf jede Setlist. Allerdings nicht mehr mit der Aggressivität wie vor 40 Jahren, dafür gibt es live des Öfteren Konfetti dazu, wenn Kreator einen Zombie besingen, der das Ziel hat, möglichst viele Menschen zu „nehmen“.
Etwas melodischer und stampfender wird es mit Riot Of Violence, bei dem Reil mit der Unterstützung von Petrozza am Mikro agiert und den Verfall der moralischen Welt beschreibt. Songs mit einer Laufzeit von über sechs Minuten hatten Kreator bereits in ihrer Anfangszeit im Repertoire. The Pestilence erklärt sich von selbst. Die Pest zerstört alle Kulturen. Der junge Petrozza keift und erinnert durchaus an die eine oder andere Death-Metal-Kapelle, die ebenfalls in den 80ern Thrash und Death Metal miteinander verweben. Kreator streuen eher Heavy-Metal-Einflüsse in das pfeilschnelle Spiel.
Satan ist bereits 1986 ein Thema, der gemeinsam mit den Zombies angeschwärzt das Verderben über die Menschheit in Carrion bringt, wobei die Zombies die noch lebendigen Menschen terrorisieren. Haben Kreator bereits vor 40 Jahren die richtige Glaskugel vor sich gehabt? Wie die Zombies in der Vision von Petrozza und Co. aussahen, ist leider nicht überliefert. Reil übernimmt nochmals bei Command Of The Blade das Mikro, bevor Under The Guillotine das Finale unter der Axt des Todes beschreibt.
Pleasure To Kill: nicht das Beste, aber das einflussreichste Kreator-Album

Der Blick 40 Jahre zurück zeigt eine junge, aber auch in Teilen ungestüme Band, die im Songwriting und an den Instrumenten noch nicht auf ihrem Zenit ist. Trotzdem gelingt Petrozza und seinen Mitstreitern mit Pleasure To Kill eine sehr einflussreiche Platte, die sowohl die weitere Entwicklung des Thrash Metal als auch des Death Metal mitbestimmt. Es überrascht nicht, dass ein halbes Jahr nach dem Release in Europa Kreator auch in den USA via Combat auf den Markt kommen. Zur Einordnung in die zeitliche Abfolge: Morbid Visions von Sepultura wird im November veröffentlicht, Slayer und Reign In Blood im Oktober 1986.
Das Medienecho zu Pleasure To Kill ist entsprechend. Vom ersten Bandklassiker ist die Rede, sogar die Einstufung als das einflussreichste Album aller Zeiten ist zu finden. Das grobartigste Thrash-Metal-Album haben gemäß schreibender Zunft viele Bands zum Kopieren veranlasst.
Diesen Statements ist insgesamt wenig hinzuzufügen. Wer die aktuelle Veröffentlichung Krushers Of The World neben das Original des Jubiläumsalbums legt, der wird nicht nur bezüglich der Produktion einen anderen Standard feststellen. Heute sind Kreator eine gereifte, so langsam in Richtung Rente driftende Kapelle, die verschiedene Genres miteinander kombiniert und noch immer mittelgroße Hallen füllt. Ohne Pleasure To Kill wären Petrozza und seine Mitmusiker heute nicht eine der noch aktiven Legenden der 80er-Jahre. Wir sind gespannt, ob Kreator sich etwas zum Jubiläum einfallen lassen. Im April sind Petrozza und Co. gemeinsam mit Exodus und Carcass in deutschen Hallen zu erleben.
Die Termine:



