Protest The Hero – Palimpsest

Komplex, kreativ, Core und gesellschaftliche Kritik

Artist: Protest The Hero

Herkunft: Whitby, Ontario, Kanada

Album: Palimpsest

Spiellänge: 49:42 Minuten

Genre: Progressive Metal, Hardcore, Mathcore, Modern Metal

Release: 19.06.2020

Label: Fearless Records / Spinefarm Records

Links: http://www.protestthehero.ca
https://www.facebook.com/protestthehero
https://instagram.com/protestthehero

Bandmitglieder:

Gesang – Rody Walker
Gitarre, Keyboard und Backgroundgesang – Luke Hoskin
Gitarre, Keyboard und Backgroundgesang – Tim Millar
Schlagzeug – Mike Ieradi

Gastmusiker:
Bassgitarre – Cam McLellan

Tracklist:

  1. The Migrant Mother
  2. The Canary
  3. From The Sky
  4. All Hands
  5. The Fireside
  6. Soliloquy
  7. Reverie
  8. Little Snakes
  9. Gardenias
  10. Rivet

Protest The Hero (übersetzt dem Helden widersprechen) existieren bereits seit 1999 (als Happy Go Lucky). Die gerade einmal 14 Jahre alten Schüler Rody Walker, Tim Millar, Luke Hoskin, Moe Carlson und Arif Mirabdolbaghi waren die ersten Bandmitglieder.
Drei der Protagonisten (Rody, Tim, Luke) sind auch 21 Jahre später noch am Start. Dazwischen lagen vier Langrillen (Kezia (2005), Fortress (2008), Scurrilous (2011) und Volition (2013)), vier EPs und ein Livealbum. Man tourte unter anderem mit Größen wie Trivium oder Killswitch Engage. Musikalisch sind die Herren nur sehr schwer einzuordnen. Wenn es mit dem Genre schwierig ist, dann bekommt man ja meistens den progressiven Stempel. Es mischen sich aber sehr viele Einflüsse dazu, u.a. aus Punk, Hardcore, Post- und Modern Metal. So gibt es dann ja auch noch Mathcore als Ordnungsbegriff, wenn Progressive Metal auch nicht so richtig passt. Auf jeden Fall bewegt man sich gerne über Grenzen hinweg. Textlich ist man seit eh und je sozialkritisch unterwegs, so beschreibt das erste Album Kezia aus drei verschiedenen Sichtweisen die Hinrichtung einer jungen Frau. Rody erklärte dazu, dass man nicht explizit sagen würde, man hasst George Bush oder Tony Blair, aber die täglichen Verflechtungen zwischen Macht und Religion nehmen immer mehr zu.

Es hat also etwas gedauert bis zu einem neuen Release. Grund war, dass der Sänger nicht wirklich gut bei Stimme war und wohl etwas länger und intensiv trainieren musste. So gibt es in 2020 natürlich mehr als genügend Themen für Rody und seine Mitstreiter auf dem neuen Werk. Produziert wurde das gute Stück von Derya Nagle, für den Mix war Simon Grove zuständig und Ermin Hamidovic sorgte für das Mastering. Der Name des ersten Tracks gibt vom Songwriting die Richtung für die Scheibe gleich vor, und das Thema Migration wird musikalisch beleuchtet. Recht rund kommt der Opener aus den Boxen und ich würde die Nummer dem Modern Metal zuordnen. The Canary wird etwas progressiver, intensives Gitarrenspiel und auch Klänge eines Synthesizers begleiten den Gesang. From The Sky haut in die gleiche Kerbe. Der Gesang kommt sehr energetisch rüber, es gibt einen kurzen balladesken Teil, der einen melodischen, dramatischen Spannungsbogen nach sich zieht – passend zu der Thematik der Nummer, den Absturz des Luftschiffes Hindenburg. All Hands hat ein weiteres Stilelement am Start. Nun gibt es auch gutturalen Gesang zu hören, ansonsten ein progressiver Modern Metal Track, wo Pianoklänge das Ende des Songs einleiten. The Fireside kommt mit kräftiger Dynamik aus den Boxen. Rody überschlägt sich gefühlt fast bei der einen oder anderen Gesangspassage und es werden sehr viele verschiedene Stilelemente zum Einsatz gebracht, sodass hier der Begriff Mathcore wohl am besten passt. Mit Soliloquy gibt es eine weit weniger komplexe Nummer. Im Verhältnis zum Vorgänger ist die Musik recht rund, aber auch mit dem einen oder anderen knurrigen Core Element versehen und nicht anspruchslos. Reverie entführt uns dann in eine ganz andere Richtung. Es wird melodischer und etwas hymnisch im Refrain. Die Saitenfraktion liefert dazu einen progressiven Sound. Sehr interessante und außergewöhnliche Kombination und sicher nicht für jeden Gehörgang passend. Ich persönlich find das Ding sehr stark. Little Snakes ist insgesamt kompakter als andere Tracks, mit einem Midtempo und einem Core Part inkl. Schreigesang wird es keinesfalls langweilig oder simpel. Gardenias bewegt uns in Richtung Zielgrade, zu hören ist ein leichter Djent Einschlag und etwas mehr Core, im Grundton progressive Gitarrenarbeit und eine gute Prise Verschachtelung. Die Nummer dürfte wohl der am wenigsten zugängliche Track auf dem Werk sein. Der Rausschmeißer heißt Rivet, es gibt leichtere Kost in Richtung Modern Metal/Punk. So endet das fünfte Langeisen der Herren aus Ontario. Freunde von Hardware müssen sich allerdings noch bis zum 07.08.2020 gedulden. Der Grund dafür dürfte jedem bekannt sein.

Protest The Hero – Palimpsest
Fazit
Protest The Hero veröffentlichen ein anspruchsvolles Langeisen, welches sich für den Zuhörer nicht sofort erschließt. Ein wilder Mix aus verschiedenen Subgenres im progressiven Soundgewand. Technisch liefern die Herren ein sehr beachtliches Werk ab. Die Scheibe sorgt für reichlich Abwechslung und auch genügend eingängige Tracks, die den Herren neue Zuhörerschaft bescheren soll. Im Endeffekt liefern die Kanadier die bekannten Trademarks, evtl. etwas weniger kantig als bei den Vorgängerwerken. Liebhaber progressiver Musik können genauso mal ein Ohr riskieren wie Anhänger in Richtung Modern Metal/Mathcore.

Anspieltipps: From The Sky, Reverie und Gardenias
Jürgen F.
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