Revolt! Celebrating 40 Years Of NWOBHM mit Demon, Praying Mantis und Girlschool am 30.10.2019 im Kulturpalast Hamburg

Drei Bands zum Preis von einer

Event: Revolt! Celebrating 40 Years Of NWOBHM

Artist: Demon Taking The World By Storm Show

Vorbands: Girlschool, Praying Mantis

Datum: 30.10.2019

Genre: Heavy Metal, NWOBHM, Heavy Metal, Hard Rock, Progressive Rock

Besucher: 800 Sold Out

Ort:, Kulturplast Hamburg

Kosten: VVK 20 €, AK 28 €

Links: http://girlschool.co.uk/
http://www.prayingmantis.rocks/
https://www.demon-official.com/
http://kulturpalast.live/

Setlisten:

Girlschool:

  1. Demolition Boys
  2. C’mon Let‘s Go
  3. Guilty As Sin
  4. Action
  5. Future Flash
  6. Kick It Down
  7. Take It Like A Band
  8. Nothing To Loose
  9. Race With The Devil (Gun Cover)
  10. Bomber (Motörhead Cover)
  11. Emergency

Praying Mantis:

  1. Captured City
  2. Praying Mantis
  3. Believable
  4. Panic In The Streets
  5. Restless Heart
  6. Fight For Your Honour
  7. Keep It Alive
  8. Mantis Anthem
  9. Highway
  10. Dream On/Lovers To The Grave
  11. Time Slipping Away
  12. Turn The Tables
  13. Letting Go
  14. Children Of The Earth

Demon: 

  1. Commercial Dynamite
  2. Taking The World By Storm
  3. The Life Brigada
  4. Remembrance Day (A Song For Peace)
  5. What Do You Think About Hell
  6. Blue Skies In Red Square
  7. Time Has Come
  8. Sign Of A Madman
  9. Total Possession
  10. Life On The Wire
  11. Night Of The Demon
  12. Don’t Break The Circle

Zugabe

  1. One Helluva Night

Der heutige Abend steht im Zeichen traditionellen Heavy Metals und der NWoBHM Ära. Drei hochkarätige Acts haben sich für das Kulturzentrum in Hamburg angesagt und da dies erwartungsgemäß richtig viele Leute anzieht, ist das Event in den großen Saal gelegt worden und findet nicht in der Bambi Galore statt. Trotzdem läuft es unter dem erfolgsverwöhnten Namen Revolt! Neben den beiden Headlinern Demon, die das gesamte Album Taking The World By Storm spielen, und Praying Mantis, konnten noch die Damen von Girlschool verpflichtet werden. Diese beginnen heute, fangen aber bereits mit 15 Minuten Verspätung an. Der Saal ist gut gefüllt und an der Bühne drängen sich viele, vor allem männliche Gäste. Lieg es an den sexy Klamotten oder ist es die Erinnerung an die guten alten Zeiten? Egal. Es ist voll und es gibt leider keinen Fotograben. Somit heißt es an der eingenommenen Stelle an der Bühne ausharren, und fototechnisch das Beste daraus zu machen.

Es geht gleich rasant mit Demolition Boy, C’mon Let’s Go und Guilty As Sin los. Direkt vor uns agiert Gitarristin Jackie Chambers und verströmt ungemein gute Laune. In der Mitte steht Kim McAuliffe am Mikro und auch ihr ist der Spaß am Auftritt anzumerken. Im Hintergrund, fast vollkommen hinter dem großen Drum Kit verschwunden, sitzt Denise Dufort. Beide sind sie die letzten verbliebenem Gründungsmitglieder und somit bereits seit 41 Jahren zusammen in der Band. Seit Januar ist dann wieder Bassistin Tracey Lamb als festes Mitglied dabei, einer Position, die sie in der Vergangenheit schon öfters bekleidete. Der gesamte Auftritt ist rockig, laut und professionell. Musik hält eben jung. Auch, wenn der eine Amplifier muckt, überspielen sie das lässig und gekonnt. Immerhin können die Mädels auf eine lange erfolgreiche Geschichte zurückblicken, in der sie 13 Alben rausgebracht haben und bestimmt auch sehr viel erlebten. Dazu gehört auch ihre Verbundenheit zu Lemmy und Motörhead. Das bleibt natürlich nicht unerwähnt, und führt zu einem Beifallssturm, als sie ihm einen Song widmen. Richtig schnell wird es dann beim Gun Cover Race With The Devil. Dem schließt sich das Motörhad Cover Bomber an. Mit Emergency verabschieden sich die vier Mädels nach einer guten Dreiviertelstunde und hinterlassen zufrieden Gesichter.

Nach dem Umbau sind Praying Mantis aus England dran. Die haben wir erst vor Kurzem als Vorgruppe von Axel Rudi Pell gesehen und waren da schon mehr als nur positiv überrascht. Das war richtig geil und die Gottesanbeterin hat dem guten Rudi fast die Show gestohlen. Das ist eigentlich einer der Hauptgründe, warum wir heute hier sind. Die von den Brüdern Tino und Chris Troy 1979 gegründete Band, gilt als eine der Pioniere des NWoBHM. Durch vertragliche Probleme haben sie aber in der für das Großwerden wichtigen Zeit in den Achtzigern, nur ein Album veröffentlichen können. Danach war der Zug des NWoBHM bereits abgefahren und andere Genres fluteten den Markt. Deshalb haben sie zwar ihre Anhänger, sind aber nie so groß wie z.B Maiden, Priest oder Def Leppard geworden. Einerseits schade, andererseits gut, denn so sind sie noch nahbar und geerdet geblieben. An ihrer Spielfreude und Power hat das nichts geändert. Mit Captured City fangen sie den Saal sofort ein. Sänger John Cuijpers lässt keine Zweifel aufkommen, dass hier der Laden aufgemischt werden soll. Die lange Mähne, imposant wie bei einem männlichen Löwen, verleiht ihm ein raubtierhaftes Flair und wenn er dann noch ins Micro schreit, assoziiert man das mit dem König der Savanne. Im Gegensatz dazu ist der Glatzköpfige Tino Troy eher das flinke Wiesel, das aus seiner Gitarre Riffsalven durch den Verstärker jagt. Auf der anderen Seite der Bühne steht sein Bruder Chris am Bass und Mikro, sowie als zweiter Gitarrist Andy Burgess, die beide für das musikalische Gegengewicht sorgen.

Allen nachgelagert ist Drummer Hans In ’T Zandt, der für das kräftige Gerben der Felle sorgt. Nach dem Titel Praying Mantis scheint es technische Probleme zu geben. Das mobile Mikro von John streikt und er muss bei den anderen mitsingen. Das sorgt zunächst noch für Erheiterung, aber als auch beim dritten Song nix geht, wird das Konzert unterbrochen. Ein freundlicher Tontechniker kommt und installiert schnell ein neues Mikro. Dann geht es mit Panic In The Streets und Restless Heart weiter. Es wird nicht viel auf zusätzliche Show gemacht. Hier wird einfach mit ungemeiner Power und Spielfreude Rock ’n‘ Roll zelebriert. Man merkt ihnen an, dass sie voll hinter dem stehen, was sie auf der Bühne fabrizieren. Das steckt an und Fäuste und Pommesgabeln recken sich gen Decke und die Mähnen, sofern noch vorhanden, werden geschüttelt. Immer wieder gibt’s tolle Soloeinlagen, die mal von Tino, mal von Chris abgeliefert werden. Dabei stellen die sich immer in den Dienst des Songs und profilieren sich nicht. Das ist kurzweilig und macht einfach nur Spaß. Alle Jungs sind entspannt und spielen sich einfach in einen Rausch. Nach Highway wird es dann etwas melancholischer. Die Ballade Dream On sorgt für etwas Erholung und kommt genauso gut an wie die schnellen Stücke. Dann wird noch mal schnell auf den Merchstand hingewiesen und dass es dort auch die Musiker zum Anfassen gibt. Mit dem nächsten Titel, Time Slipping Away, wird schon mal auf das nahende Ende des Auftritts hingedeutet. Trotzdem gibt es, inklusiv der Zugabe, noch drei Songs. Letztendlich können die Engländer eine Spielzeit von 85 Minuten für sich verbuchen. Ich hätte ihnen noch glatt länger zuhören können. Absolut genial.

Nun kommen aber noch Demon. Auch hier geht der Umbau zügig vonstatten, denn es darf hier im Wohngebiet auch nicht zu spät Schluss sein. Das Besondere am heutigen Demon Auftritt ist, dass sie das gesamte Album Taking The World By Storm am Stück live spielen werden. Das gab es bisher noch nicht und ist somit eine Premiere. Commercial Dynamite eröffnet das Set. Sänger Dave Hill, der Demon im Jahre 1979 gründete, trägt einen roten Ledermantel und hat sich das Gesicht effektvoll geschminkt. Mit ihm sind die beiden Gitarristen Ray Walmsley und David Cotterill dabei und auch Bassist Andy Dale steht ihm zur Seite. Im Hintergrund liefert Tastenmann Paul „Fazza“ Farrington die notwendigen Keyboardeinlagen, um die progressiven Einflüsse, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hatten, abzubilden. Mit Remembrance kommt dann auch einer der Longtracks, die auf dem Album für den progressiven Touch sorgten. Das ist alles nicht so rasant und heavy wie bei Praying Mantis, aber trotzdem kommt es gut an und lässt lauten Beifall nach den einzelnen Songs aufbrausen. Demon haben sich von einer reinen NWoBHM Band zu einer vielseitigeren Combo entwickelt und das merkt man auch bei Time Has Come, welches mit über elf Minuten das letzte lange Stück auf der Platte ist. Danach geht es in ältere und heavyere Gefilde zurück. Es folgen vom 82er-Erfolgsalbum The Unexpected Guest die Songs Sign Of A Madman, Total Possession und als letzter regulärer Song der Klassiker Don’t Break The Circle. Dazwischen gibt’s noch nostalgisches mit Life On The Wire und Night Of The Demon. Im regulären Set wären noch The Plague und Liar dran gewesen, die aber wohl wegen der vorangegangenen Verzögerungen dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. Als Zugabe gibt’s dann noch One Helluva Night, das vom allerersten Demon Album stammt. Das ist ein gebührender Abschluss, passt der Titel doch zu diesem kurzweiligen Abend.

Fazit: Drei Bands zum Preis von einer. Wenn das nicht Geiz ist Geil in Vollendung ist. Eine noch lange nicht in die Jahre gekommene Damenkapelle, zwei Vertreter der so erfolgreichen Zeit des NWoBHM, wobei beiden leider der ganz große Erfolg verwehrt blieb. Das scheinen sie jetzt nachholen zu wollen und wenn man nach den Zuschauern geht, klappt das auch. Meiner persönlichen Meinung nach passt das bei Praying Mantis etwas besser, da sie sich dem 80er-Jahre Zeitgeist verschrieben haben und keine Experimente mehr machen. Auch Demon haben abgeliefert, obwohl sie sich etwas anders geben. Sie sind zwar noch heavy, aber lassen auch dem Prog Spielraum. Trotzdem haben sie genügend Power und konnten hier beweisen, dass es auch andere Entwicklungsmöglichkeiten geben kann. Nicht umsonst haben sie aber zur Speerspitze des klassischen New Way Of British Heavy Metal gehört. Gelungener Abend, getreu dem Motto: 40 Jahre NWoBHM.

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