The 69 Eyes und Lacrimas Profundere am 17.11.2019 im Z7 in Pratteln

Goth-Rock-Siegeszug trotz nicht ausverkauftem Haus

Event: West End Tour 2019

Headliner: The 69 Eyes

Support: Lacrimas Profundere

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 17.11.2019

Kosten: 35,50 € VVK

Besucher: ca. 350

Genre: Dark Rock, Gothic Rock, Gothic Metal, Hard Rock

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/348899525766318/

Setlisten:

Lacrimas Profundere:
01. Intro
02. Dead To Me
03. Like Screams In Empty Halls
04. Celestite Woman
05. My Release In Pain
06. Again It`s Over
07. The Kingdom Solicitude
08. My Velvet Little Darkness
09. The Letter
10. Ave End
11. Father Of Fate

The 69 Eyes:
01. Two Horns Up
02. Never Say Die
03. Black Orchid
04. Perfect Skin
05. Betty Blue
06. Borderline
07. Hell Has No Mercy
08. Crashing High
09. The Chair
10. Cheyenna
11. Wasting The Dawn
12. 27 & Done
12. Feel Berlin
13. Brandon Lee
14. Framed In Blood
15. Dance D`Amour
16. Lost Boys

Der 17.11.2019 ist ein düsterer, nebeliger, trostloser Herbsttag …, was liegt da näher, als sich über die Schweizer Grenze zu begeben und sich in der Konzertfabrik Z7 dem Dark Rock von The 69 Eyes und Lacrimas Profundere hinzugeben. Gesagt, getan, jedoch schon auf der Autobahn bereue ich den Entschluss, denn plötzlich schüttet es wie aus Kübeln und es geht nur noch im Schritttempo Richtung Basel. Die Helsinki Vampire waren zuletzt im April 2016 im Z7 zu Gast und so wird es zum 30-jährigen Bandjubiläum und mit neuem Album West End im Rücken doch mal wieder Zeit. Das Schweizer Publikum hat es heute jedoch nicht ganz so eilig, denn zum Einlass um 19:00 Uhr kommen die dunklen Gestalten nur sehr zögerlich aus ihren Löchern.

Bevor die pechschwarze Jubiläumsfeier jedoch startet, dürfen erst einmal die Szenekollegen von Lacrimas Profundere ran, die ziemlich pünktlich um 20:00 Uhr die Bühne entern. Die Dark Rocker aus Waging am See legen nach einem kurzen Intro mit Dead To Me, einer etwas älteren Nummer vom 2013er-Album Antiadore los, sicherlich um den Schweizern gleich zu Beginn ordentlich einzuheizen. Das Publikum ist jedoch noch immer sehr übersichtlich, vielleicht so etwa 200 People haben sich im weiten Rund vor der Bühne eingefunden, wobei tatsächlich mehr Shirts der Opener als vom finnischen Headliner auszumachen sind. In den ersten zwei Reihen entsteht dann auch tatsächlich so etwas wie Konzertstimmung, während man weiter hinten eher abwartend herumsteht und beobachtet. Der neue Frontmann Julian Larre, der erst im letzten Jahr den langjährigen Sänger Roberto Vitacca ablöste, erweist sich als eine gute Alternative, denn er ist ziemlich agil unterwegs und entpuppt sich als echte Rampensau. Mit Like Screams In Empty Halls und Celestite Woman folgen dann die ersten zwei Songs des aktuellen Albums Bleeding The Stars und die Kostprobe wird gut aufgenommen, wobei – viel falsch machen können die Düster-Rocker heute sowieso nicht, denn die Spielfreude überträgt sich auf das Publikum. Auch Wirbelwind Larre zeigt sich nun richtig gut bei Stimme und ich muss zugeben, der Mann gefällt mir besser als sein Vorgänger, was aber immer Geschmackssache ist und jeder anders sehen wird. Der Junge bringt richtig Schwung in die Band und auch die Songs, denn auch ältere Nummern wie My Release In Pain und Again It`s Over klingen frisch und entstaubt. Die derzeit dreiköpfige Stammband hat sich für die Tour erneut mit Live-Bassist Ilker Ersin verstärkt, doch immer wieder ist es der erst 26-jährige Larre, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Immer wieder schwingt er sich hinunter in den Graben und sucht den direkten Kontakt zum Publikum, so auch bei der dritten aktuellen Nummer The Kingdom Solicitude. Er feiert die Songs regelrecht mit den Fans und ja, man kann es nicht anders sagen, der Mann ist eine echte Bereicherung für die mittlerweile etwas angestaubten Gothic Rocker. Jedoch vergisst man natürlich auch die Evergreens nicht. My Velvet Little Darkness wird von den Fans lautstark gefeiert und auch The Letter und Ave End erzeugen viel Kopfnicken vor der Bühne. Einzig zum Finale überraschen Lacrimas Profundere noch einmal, denn anstatt eines großen Klassikers folgt zum Schluss nach ziemlich genau 40 Minuten Spielzeit mit Father Of Fate noch schnell eine aktuelle Nummer, bevor die Band sich verabschiedet und noch viel Spaß mit The 69 Eyes wünscht.

In den 30 Minuten Umbaupause füllt es sich vor der Bühne noch etwas, und als die Finnen von The 69 Eyes dann die Bühne betreten und mit Two Horns Up vom aktuellen Album West End in ihr Set einsteigen, mögen sich so etwa 350 Fans versammelt haben. Die Band tritt komplett mit schwarzen Skelett-Oberteilen an, die aber eher im Schwarzlicht wirken würden und nicht in dem blauen, eingenebelten Bühnenbild des Z7. Dafür geht Two Horns Up umso besser ab und wird von den Fans vom ersten Moment an gefeiert. Die Nummer ist für die Bühne gemacht und funktioniert auch ohne Cradle Of Filths Frontmann Dani Filth. Die Band, die ja nur allzu oft als Goth-Pop abgetan wird, sollte sich bei Gelegenheit eines Besseren belehren lassen, denn was die Herren um Frontmann Jyrki 69 hier abliefern, ist definitiv Gothic Rock vom allerfeinsten. Im Anschluss folgt ein Potpourri aus alten und neuen Songs, Never Say Die, Black Orchid, Perfect Skin und Betty Blue. Ohne große Bühnenshow, aber perfekt aufeinander eingespielt, können die Helsinki Vampire überzeugen und haben das Schweizer Publikum längst auf ihrer Seite. Mit Borderline kocht die Stimmung dann ein erstes Mal so richtig hoch und ein neuer Song wie Hell Has No Mercy kann der Stimmung auch nichts anhaben. Die Songs passen sich gut in die Band-Klassiker ein und werden von den Fans genauso gefeiert. Während ähnlich gelagerte Bands wie z.B. The Sisters Of Mercy live nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, scheinen die Finnen von Jahr zu Jahr besser zu werden und es ist verwunderlich, dass sie nicht viel öfter als Headliner auf den einschlägigen Festivals der schwarzen Szene hierzulande anzutreffen sind. Auch ist Jyrki heute auffallend gesprächig und mit kehliger Stimme fordert er das Publikum weiter und feuert es an. Das ist jedoch gar nicht nötig, denn der Auftritt gleicht einem Siegeszug. Die Reise geht quer durch die Bandgeschichte und immer wieder werden mit Cheyenna oder 27 & Done aktuelle Nummern bedacht eingestreut, doch zuallererst wollen die Leute natürlich die großen Goth-Hits wie The Chair oder Wasting The Dawn hören, die dann großen Jubel auslösen. Band und Publikum werfen sich heute unablässig den Ball zu und ergänzen sich perfekt. Feel Berlin nutzen viele zum Bier holen, aber nur, um im Anschluss zu Brandon Lee wieder voll einzusteigen. Die Blessed Be-Nummer steigert sich zum heutigen Höhepunkt und die Band haucht dem untoten Körper gekonnt wieder neues Leben ein. Auch das weitere Finale ist gespickt von Band-Klassikern wie Framed In Blood, Dance D`Amour und dem Rausschmeißer Lost Boys. Damit bleiben dann kaum noch Wünsche offen, einzig das fehlende Gothic Girl ist für mich und andere nicht nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz dürfte heute jeder Besucher rundum zufrieden in die düstere Herbstnacht hinausgehen.

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