Künstler: The Amity Affliction

Vorband(s): Alazka, Counterparts, Casey

Ort: Backstage Werk, München

Datum: 01.12.2017

Kosten: 29, 70 € VVK ,

Genre: Metalcore, Melodic Hardcore, Hardcore, Post Hardcore,

Veranstalter: Backstage Concerts GmbH

Link: https://www.muenchenticket.de/guide/tickets/21mcv/The+Amity+Affliction+Alazka.html

Manche Bands sieht man fast schon zu häufig, so schwer es auch ist, so etwas zuzugeben. Andere wiederum scheinen nicht häufig genug im Lande zu sein: So ist es meiner Meinung nach mit der Band The Amity Affliction, die sich nun zum Ende des Jahres doch noch mal mit einer saftigen Tour durch Europa bewegt. Saftig sind dabei nicht unbedingt die Termine, dafür aber die Supports: Mit im Gepäck sind nämlich Alazka, Counterparts und Casey. Das schreit bereits nach einer emotionalen Post-Hardcore Party.

Vor dem Backstage, wohl die beste Location für jeglichen Metal in München, hat sich bereits bei Ankunft eine recht ordentliche Schlange gebildet trotz des kalten Wetters. Ja, so langsam merkt man, dass es Winter ist. Scheint die Besucher heute aber nicht zu stören, ein paar stehen sogar im T-Shirt da (das würde mich allerdings sehr stören). Der Einlass verläuft ohne weitere Probleme und nur wenig später heißt es warmes Backstage Werk, welches sich recht schnell recht ordentlich füllt. Schon bereits bei der ersten Band des Abends ist dann auch kaum noch Platz – ja, das Werk ist voll. Und somit kann der Abend mit Casey losgehen.

Casey sind als Band vielleicht eher kleinere Bühnen gewohnt bzw. sieht man sie eher auf solchen spielen. Ein wenig merkt man dies zu Beginn, doch die Jungs lassen sich natürlich nicht weiter davon verunsichern. Sie liefern vor allem sehr gefühlvollen Post-Hardcore, der dem Publikum sehr gut zu gefallen scheint. Sänger Tom Weaver gelingt es dabei jegliches Wort mit Wahrheit in seiner Stimme zu versetzen, womit man, ob mit der Band vertraut oder nicht, sofort persönlich mitgerissen wird. Casey wären wohl nicht nur als Opener sehenswert, sondern dürften auch auf eigener Clubtour sehr gut ankommen, insbesondere, wenn sie dann etwas kleinere Locations bedienen. Soundmäßig und vom Gefühl gehören sie auf jeden Fall zu den Großen, wenn sie so manchem Zuschauer vielleicht auch eine Spur zu sanft daherkommen.

Definitiv nicht zu sanft zeigt sich da die nächste Band. Und um ehrlich zu sein, war diese Band im Line Up bereits im Vorfeld recht überraschend: Mit brachialem Hardcore räumt nämlich Counterparts als nächster Act jetzt erst mal das Publikum auf. Alle, die also während Casey in das Land der Träume versetzt worden sind, dürfen spätestens jetzt um ihr Leben rennen – oder springen halt! Counterparts fackeln nicht lange, liefern Breakdowns und rufen das Publikum auf die Bühne. Dieses reagiert natürlich auch sofort darauf und so werden die Texte auch ab und zu von dem einen oder anderen Besucher zum Besten gegeben. Der Pit lebt, und wie er lebt, und so mancher Übereifriger schmeißt sich doch direkt kopfüber in die stehende Menge. Man bemerkt schnell, was für eine gewaltige Präsenz Counterparts live besitzen. Dennoch besitzen sie genauso Gefühl wie Casey zuvor, nur eben etwas wütender. Ganz ins Line Up passen die Herren eher nicht, so wären sie doch bei Stick To Your Guns oder auch Architects etwas besser aufgehoben – Letztere werden auch von Counterparts Anfang nächsten Jahres begleitet. Ein Wiedersehen, auf welches man sich jetzt schon freuen kann.

Nachdem Counterparts also in die Vollen gegangen sind, schraubt der Abend wieder ein paar Gänge zurück mit der deutschen Gruppe Alazka, welche früher Burning Down Alaska hießen. Den Jungs ist es gelungen sich in den letzten Monaten eine ordentliche Fanbase aufzubauen, was man vor allem an dem vielen Alazka Merchandise bemerkt sowie an der Freude des Publikums. Alazka, die melodischen Hardcore noch einmal in Sache Melodic auf die Spitze treiben, sind gern gesehene Gäste und haben auch erst vor wenigen Monaten ihre ganz eigene Headliner Tour mehr als erfolgreich absolviert. Das Geheimkonzept? Zunächst sind da natürlich zwei Vocalists: Tobias, der für die Hardcore Vocals verantwortlich ist und Kassim, der erst 2016 zur Band kam und mehr als nur berührende Clean Vocals abliefert. Was jetzt aber hier als klare Linie beschrieben wird, verschwimmt live dann doch ganz gerne mal, denn auch Kassim ist des Screamens mächtig. Die beiden liefern ein sehr eingespieltes Team und suchen vor allem die Nähe des Publikums, beide natürlich auf ihre ganz eigene Weise: Während Kassim gemeinsam vorne mit dem Publikum singt, stürzt sich Tobias kopfüber von der Bühne ins Publikum. Alazka zeigen insbesondere live, was sie so besonders macht und es könnte durchaus sein, dass sie noch um einiges an Bekanntschaft und Größe wachsen werden. Musikalisches Potenzial und Bühnenatmosphäre sind auf jeden Fall gegeben. Übrigens zeigen sich auch ihre Musikvideos in sehr hoher, filmischer Qualität.

Last but not least: The Amity Affliction werden schon gespannt vom Publikum erwartet und so dauert es keine 2 Sekunden, bis die Band mit Jubelgeschrei begrüßt wird. Die Australier legen auch sofort los und liefern quasi alle Songs, die die Fans lieben – von Bring The Weather With Me, Open Letter oder auch Pittsburgh (mein persönlicher Favorit) ist einfach alles dabei. Kurze technische Probleme müssen sie zwar direkt zu Beginn überwinden, schaffen dies aber auf ganz professionelle Art und Weise und machen mit der Show, ohne mit der Wimper zu zucken, weiter. Große Reden schwingen die Jungs dabei nicht unbedingt, scheinen aber sichtlich glücklich ihre Show zu spielen und bedanken sich gefühlte Tausend Mal beim Publikum und fordern dieses zum Singen und auch zum Springen auf. Die Halle, welche prall gefüllt ist, bebt – und auch wenn der Pit während The Amity Affliction etwas sanfter ausfällt als bei Counterparts, so sollte dieser dennoch alle zufriedenstellen, die es gerne mögen etwas Energie loszuwerden. Auch an Crowdsurfern mangelt es im Publikum nicht und genügend Plektren werden ins Publikum geschmissen. The Amity Affliction gehören zwar nicht zu den härtesten Bands im Genre, schaffen es aber dennoch etwas härteren Post-Hardcore zu präsentieren, der sich nicht nur wunderbar anhört, sondern auch textlich so einige Traumzitate für das nächste Tattoo bereithält. Eine Tatsache, die übrigens alle Bands an diesem Abend gemeinsam haben. Die Emotionen sind dabei nicht nur für das Publikum spürbar, sondern auch die Band sieht häufig sehr bewegt aus.

The Amity Affliction haben hier eine ordentliche Tour zusammengestellt: Zusammmen mit Casey, Counterparts und Alazka erlebt man einen Abend, der gefühlvoller wohl nicht sein könnte. Diese Kombination hat sich am Ende des Abends mehr als bewährt, auch wenn Counterparts ein wenig aus dem Rahmen fallen, aber es soll ja auch Abwechslung gegeben sein. Und am Ende des Abends hat man eigentlich nur noch den Wunsch, sie möglichst bald wieder zu sehen – und zwar alle! Das Wiedersehen mit Counterparts ist mit der Tour von Architects zusammen mit While She Sleeps schon fest, die anderen Bands werden hoffentlich nicht zu lange wegbleiben.

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