The Spirit – Album Release Tour am 09.02.2020 im Bambi Galore, Hamburg

Sabine pustet nicht Metal weg

Eventname: The Spirit – Album Release Tour

Headliner: The Spirit

Vorbands: Karg und Firtan

Ort: Bambi Galore, Hamburg

Datum: 09.02.2020

Kosten: ab 19,15 € VVK, sold out

Genre: Heavy Metal, Atmospheric Black Metal, Black Metal, Death Metal, Progressive Metal, Shoegaze, Post Rock

Besucher: ca. 160

Veranstalter: M.A.D. TOURBOOKING GmbH (https://www.facebook.com/madtourbooking/; http://www.mad-tourbooking.de/)

Links: https://de-de.facebook.com/Firtanofficial/
https://de-de.facebook.com/kargband
https://de-de.facebook.com/thespiritband/
https://kulturpalast.live/

Setlisten:

The Spirit:

  1. Serpent As Time Reveals
  2. Strive For Salvation
  3. Cross The Bridge To Eternity
  4. Pillars Of Doom
  5. Repugnant Human Scum
  6. Illuminate The Night Sky
  7. The Path Of Solitude
  8. The Wide Emptiness
  9. Cosmic Terror
  10. The Clouds Of Damnation

Karg:

  1. Alaska
  2. La Tristesse Durera Toujours
  3. Alles Wird In Flammen Stehen
  4. Petrichor
  5. Tor Zu Tausend Wüsten
  6. Tod, Wo Bleibt Dein Frieden

Sonntag 09.02.2020: Die Nachrichtendienste überschlagen sich quasi mit Warnungen bezüglich des Sturmtiefs Sabine. Nun, Hamburg ist stürmisches Wetter durchaus gewohnt und geht sehr gelassen mit Winterstürmen um. Im Gegensatz zu anderen Städten, wo Konzerte abgesagt werden, findet in Hamburg alles soweit statt. Auch die U/S-Bahnen fahren fast normal. Wenn es Probleme gibt, dann gibt es Ersatzbusse. Für Menschen, die von außerhalb anreisen, ist es deutlich beschwerlicher. Hier fahren etliche Bahngesellschaften (inkl. der Deutschen Bahn) nicht. So ist der Club heute zwar ausverkauft, aber nicht wirklich voll. Ca. 40 potenzielle Gäste haben es nicht nach Billstedt geschafft. Die Kommunikation bezüglich Öffnungs- und Anfangszeiten ist vom Bambi Galore natürlich (wie immer) perfekt.

Headliner heute Abend sind eigentlich The Spirit aus Saarbrücken. Was fällt einem musikalisch zu Saarbrücken ein? Wahlweise ein Song der Ärzte (Madonnas Dickdarm) oder halt Powerwolf. Die Band wurde 2015 gegründet. Die Besetzung besteht aus dem Gitarristen AK, dem Gitarristen und Sänger MT, dem Bassisten AT und dem Schlagzeuger Manuel „MS“ Steitz. 2017 erschien das Debütalbum Sounds From The Vortex (zunächst self-released, Re-Released via Nuclear Blast). Via AOP Records erschien am 07.02.2020 der Zweitling Cosmic Terror (Review hier)

Das Album konnte mich als „Obernörgler“ sogar überzeugen. So war man also gespannt auf den heutigen Gig. Dass der Headliner anfängt, ist sicher auch nicht der normale Standard, aber nun gut. Der Opener ist Serpent As Time Reveals vom aktuellen Werk. Die Gitarren sind etwas breiig und der Sound nicht optimal. Wie beim Album geht es auch live mit Strive For Salvation weiter. Der Keller ist zu der frühen Uhrzeit auch noch nicht wirklich gefüllt und es trudeln nach und nach weitere Gäste ein. Alle Songs haben eine gewisse Langatmigkeit. Dazu scheppert es etwas zu heftig durch den Keller. Es werden drei Tracks vom Erstling und sieben Tracks vom aktuellen Zweitling dargeboten. Als Opener sicher ganz nett, aber mich hat das Quartett live nicht überzeugen können. Die Scheibe hört sich da besser an.

Umbaupause und weiter gehts mit Firtan, aus Lörrach, unweit der Schweizer Grenze. Seit 2010 ist die Truppe auf den Bühnen dieser Welt zu erleben. Man selbst schreibt über sich, dass man verschiedene Musikgenres zu einem treibenden, rohen und dennoch cinematischen Klangwerk mixt. Als einflussreiche Bands stehen dort Namen wie Thyrfing, Emperor, Windir, Moonsorrow, Enslaved, Opeth etc. – aber auch Johann Sebastian Bach! Zwei Full Length Alben haben die Herren bisher via AOP Records auf den Markt gebracht (Niedergang 2014; self released, re-released via AOP 2019; Okeanos 2018). So gibt es heute eine Mischung aus den beiden Werken live zu bewundern. Die Tracks haben Namen wie Seegang, Tag Verweil, Nacht Verweil, Zwischen Wahn und Sinn oder Siebente, Letzte Einsamkeit. Eine Setlist konnte ich leider nicht auftreiben. Der Schreigesang haut dem Besucher fast das Bier aus der Hand. Der Sänger kann mit seiner Stimme auf jeden Fall erschrecken. Alle Musiker haben eine Art „dunkle Bemalung“ im Gesicht. Düstere Musik mit düsteren Gesichtern. Zum Ende des Gigs taucht eine Geigerin als Frontfrau mit auf der Bühne auf. Das gibt dem Ganzen nochmals eine andere Note. Ja, also wahrlich ein Stilmix, der nicht in jeden Gehörgang passt. Nach ca. 60 Minuten Spielzeit verlassen die Damen und Herren die Bühne. Wirklich ein sehr spezielles, aber nicht uninteressantes Musikprogramm.

Als letze Band sind Karg an der Reihe. Karg veröffentlichten am 07.02.2020 ihr aktuelles Werk Traktat via AOP Records. Es ist bereits das siebte Werk und das dritte und abschließende einer Trilogie, die nach Weltenasche (2016) und der Fortsetzung Dornenvögel (2018) nun mit Traktat endet. Das Review zum neuen Werk von Karg gibt es hier.

Karg wurde 2006 als One Man Black Metal Projekt von J.J. gegründet. Über die Jahre entwickelte sich ein Stilmix aus Atmospheric Black Metal, Post Rock, Grunge, Shoegaze, Post Punk. J.J. hat die aktuelle Scheibe fast alleine eingespielt. Live geht das natürlich nicht. So hat er vier weitere Musiker mit an Bord. Der Opener ist mit Alaska Track Nummer vier vom neuen Werk. Mit ca. elf Minuten Laufzeit und einem wunderbaren Sound aus Black, Death und Prog Metal legen die Herren gut los. Es ist wirklich schwer zu beschreiben. Mit jedem Track steigt die Spannung der anwesenden Gäste, welche dem Quintett staunend lauschen. Musikalisch ist der Gig richtig großer Sport! Die Mitglieder der jungen Band sind allerdings nicht die großen Poser. Fast wie bei einem progressiven Metalkonzert performt die Band die Songs auf sehr hohem Niveau. Allerdings ist die Bühne im Bambi Galore mit fünf Personen auch gut gefüllt. Da ist kein großer Bewegungsradius mehr frei. Weiter geht es mit La Tristesse Durera Toujours (Dornenvögel, 2018). Der Stil bleibt gleich. Nach sechs Tracks und ca. 60 Minuten Spielzeit verlassen die Österreicher die Bühne und werden mit großem Applaus und Zugaberufen verabschiedet. Sechs Tracks in 60 Minuten sagt eigentlich schon alles aus. Tracks in dieser länge sind halt im progressiven Musikbereich nicht selten.

Die Meinung in den Gesprächen nach dem Konzert ist einstimmig. Gerade die Gitarrenarbeit bei Karg war einfach top. Also liebe Booker: Schreibt euch den Namen in die Notizbücher und holt die Truppe auf die Festivals und größeren Clubs. Die sind viel zu gut, als dass man die Truppe vor ca. 200 Leuten spielen lassen sollte. Irgendwann lässt der Regen nach und es geht auf den Heimweg.

Fazit: Stürmischer Tag, eiskalte Musik. Gerade Karg konnten voll und ganz überzeugen und waren für mich die Überraschung des Abends. Vielen Dank an das Bambi Galore – ist wie immer schön im Keller – und AOP Records für die unbürokratische Bereitstellung mir fehlender Informationen.

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