Volter – High Gain Overkill

Coming home with Volter

Artist: Volter

Herkunft: Hannover

Album: High Gain Overkill

Spiellänge: 38:44 Minuten

Genre: Rock ’n‘ Roll

Release: 22.01.2021

Label: Volterzone

Link: www.volterzone.de

Bandmitglieder:

Gesang, Bass – Gregor Musiol
Gitarre – Jake Wegener
Schlagzeug – Anton Herrmann

Tracklist:

  1. High Gain Overkill
  2. The Road Is Mine
  3. Kiss My Ass
  4. Black Skies
  5. Damage Dealer
  6. Shake
  7. Nothing
  8. Boogie Ride
  9. Crimson Sky
  10. Rockstar
  11. Messiah’s Call

Ohne zu wissen, was mich erwartet, habe ich mir heute Volter für eine Rezension ausgesucht. Während ich noch im Netz nach Infos der Band suche, läuft High Gain Overkill an und mit den ersten Takten denke ich, ich hätte aus Versehen Motörhead angeworfen. Ich bin sofort in meiner Wohlfühlzone. Und stelle zeitgleich fest: ein Trio aus Hannover… Wie sollte es anders sein… Ich lande ständig bei Bands aus Hannover. Gegründet 2014 waren sich die Bandmitglieder von Anfang an im Klaren, dass der Stil in Richtung Motörhead gehen soll. Und verdammt: JA! Das hier ist definitiv von Anfang an richtig gut. Kein blöder Abklatsch, kein Coverkram. Ich habe das Gefühl, Lemmy hat da von oben mitgemischt.

Das Album High Gain Overkill beginnt mit dem gleichnamigen Track und es wird wirklich kompromisslos der Sound von Motörhead zelebriert. Auch die Stimme von Sänger Gregor tendiert hart in Richtung des Originals. Mit The Road Is Mine geht es genauso fett weiter. Nun könnte man meckern, dass es an Blasphemie grenzt, wenn man so nah am Original vermarktet, ich glaube eher, die Jungs haben einen tiefen Zug von Lemmys Asche inhaliert und machen dort weiter, wo er es nicht mehr tun konnte. Kiss My Ass knallt aus den Boxen und meinen Arsch hält es kaum noch auf dem Stuhl. Das Album macht richtig Bock. Black Skys nimmt mich zwar nicht so mit, aber bevor ich überhaupt richtig drüber nachdenken kann, warum, ballert Damage Dealer los und ich bin wieder voll dabei. Das Stück endet einzig mit der eindrucksvollen Stimme von Gregor und ich habe einmal kurz Entenpelle. Doch ohne Verschnaufpause gibt es mit Shake den nächsten Knaller. Rock ’n‘ Roll!!! „I’m On Fire“ – ja das bin ich… und ich bin irgendwo zwischen Trauer um einen Metal-Gott und Dankbarkeit für dieses Album. Hier sind definitiv keine Musik-Legastheniker am Werk, sondern Menschen, die voll und ganz wissen, was sie tun und wie sie es tun. Nothing bremst meine Euphorie ebenso wenig wie Boogie Ride. Der Sound zieht mich immer weiter. Die Power, mit der die Musik mich einhüllt, macht einfach Spaß und unfassbar Lust, mal wieder richtig abzufeiern. Der Lautstärkeregler wandert mit jedem Song ein Stück weiter nach rechts. Crimson Sky ist wieder Rock ’n‘ Roll ohne Kompromisse und es könnte ewig so weitergehen. Leider erreiche ich mit Rockstar schon das vorletzte Stück und habe tatsächlich immer noch nichts zu meckern. Das Album endet mit Messiah‘s Call und ich bin in einer seltsamen Wolke aus Glück und Trauer, Freude und Verwirrung. Darf man das jetzt wirklich gut finden oder sollte man meckern? Ist das jetzt dreiste Sound-Coverei? Muss man den Zeigefinger erheben und auf mehr eigenen Stil drängen? Ich glaube, hier ist gar kein komplett eigener Stil gewollt. Hier sind Musiker am Werk, die versuchen, eine großartige Band weiterleben zu lassen, ohne deren Platz streitig machen zu wollen. Die nicht nach den Texten greifen und als Coverband durchs Land ziehen, sondern das Lebensgefühl, das Motörhead vermittelt haben, in ihrer Musik zelebrieren. Der Sound von Volter und die Stimme von Gregor sind so nah dran und trotzdem nehme ich es nicht übel. Irgendwie bin ich eher froh, dass endlich jemand weitermacht. Dass man, wenn das Original schon nicht mehr verfügbar ist, nicht auf den alten Platten hängen bleiben muss, sondern frischer Wind durchs Plattenregal weht. Ich habe folgendes Ritual: Wenn Lemmy im Radio läuft, bleibt das Auto an, bis der letzte Ton verhallt. Egal wie eilig ich es mal wieder habe. Ich bin da also eigentlich recht streng mit mir. Aber das hier gönne ich mir voll und ganz und genieße mit einem winzigen bisschen Wehmut, dieses rundum gute Album!

Volter – High Gain Overkill
Fazit
Ja, Volter sind sehr nah an Motörhead. Nein, es ist nicht dreister Coverismus. Wer Motörhead geliebt hat, hat hier die Chance, vielleicht noch mal auf ein Livekonzert zu gehen, das sehr stark an die Vorbilder erinnert, ohne sich ständig aufregen zu müssen, dass der Song im Original „aber viel besser“ war. Denn es sind neue Songs, aber sie fühlen sich trotzdem so an, als würde man nach Hause kommen. Ich kann mich da voll drauf einlassen. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne meckern. Ich freu mich einfach!

Anspieltipps: High Gain Overkill, Kiss my Ass und Shake
Alex D.
9
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