Es gibt sie ja, diese seltsamen Bandnamen, die eben nur in der einen oder anderen Sprache funktionieren. To The Dogs würde wahrscheinlich nicht funktionieren, aber „vor die Hunde“ ist im deutschsprachigen Raum durchaus bekannt. Wo geht ihr denn hin? Vor die Hunde! Ja, das sehe ich, aber ich meine, zu welcher Band heute Abend? Vor Die Hunde! Schlechte Wortspiele müssen eben sein. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass das Quartett aus Kaufland, welches seit dem Jahre 2017 unterwegs ist, mit zwei Alben mit den glorreichen Titeln Ein Gehirn Wäscht Das Andere und Auch Opfer Unter Den Deutschen angefangen hat. Okay, die Burschen haben sich dabei was gedacht, erfinden immer wieder interessante Songnamen und üben politische und sozialkritische Kritik in ihren Texten. Auch auf ihrem dritten Album namens Weltmarktführer Befiehl – Wir EntFolgen! ist dieses der Fall. Das Album wird bei Defying Danger Records erscheinen. Ein kleines Label, welches aber immer geile Sachen am Start hat, wie z. B. Infest, Depression oder Necromorph.
Und die Titel sprechen für sich, aber bei den ganzen pseudointellektuellen Weltverbesserer-Texten darf man nicht vergessen, dass es im Grunde immer noch um die Musik geht. Wenn es zusammen geht, dann ist es umso schöner. Und auf den ersten beiden Alben hat die Band schon gezeigt, was in ihr steckt.
Sarkasmus im Grind-Crust-Stil
Mit dem Opener Kaufrunstinfarkt zeigt man sich gleich von der sarkastischen und lustigen Seite. Ein Intro und am Ende erliegt der Kunde seinem Herzinfarkt. Bei der Online-Promotion sind die Texte mit dabei. Zu diesem Song auch, was mich verwunderte. Allerdings handelt es sich um ein Bild, welches eine Einkaufskasse enthält, und das Anzeigefeld enthält folgende wichtige Information.“Boooah, Kasse bitte!“ “Sehr verehrte Kunden. Wir öffnen Kasse 404 für Sie!“. Für die, die es nicht wissen. 404 steht für „Nicht gefunden“. Und so soll es wohl gemeint sein. Respekt!
Okay, jetzt aber zur Musik. Los geht es mit dem Song Deutscher Rasen und man ist natürlich auch wieder witzig. Der Anfang wird immer schneller und schneller und das wiederholt sich im Song. Dies wird dann vom Gesang auch zum Besten gegeben. Genau mein Ding. Die Burschen knüppeln sich wild durch den Song und werden eben immer schneller und liefern dann zwischenzeitlich progressive Gitarrenklänge an. Am Ende, wie passend, erklingt noch viermal „Schneller Tod“. Nach knappen sechzig Sekunden ist es der Spaß auch vorbei.
Man sollte sich die Texte natürlich auch durchlesen, um die Band nicht falsch verstehen zu wollen. Leider gibt es da draußen ja welche, die es immer gerne mögen. Der Song Siegheilpraktiker wäre zum Beispiel dafür geeignet. Wieder in knappen sechzig Sekunden runtergeprügelter Grindcore. Ohne Punkt und Komma. Einfach nur drauf und voll in die Magengrube. So steht es geschrieben und so soll es sein. Das Quartett geht zwar ungestüm zur Sache, weiß aber, was es macht. Sie sind weit davon entfernt, stumpf oder einfach zu agieren. Die Riffs sind schon fett und mit einem Blastbeat-Gewitter macht man meiner Meinung nach nie was verkehrt. Ein bisschen dissonant zu wirken, ist ja auch nicht verkehrt.
Zu dem Song fällt mir auch noch ein schlechter Wortwitz ein, welchen ich schon in den Neunzigern gebracht habe. „Ein faschistischer Baustoffhändler – HeilPraktiker!“ So viel dazu. Ich höre jetzt auch auf.
Aufhören sollte die Band natürlich nicht und es folgt natürlich noch so einiges. Wie man bei den schon gehörten Songs feststellen konnte, sind die Männer, die ansonsten noch bei Bands wie Sloow oder Distatse ihr Unwesen treiben, richtig fit an ihren Instrumenten.
Iso-Nonkonform ist dafür ein gutes Beispiel. Natürlich ist der Song nicht gerade lang, aber für ihre Verhältnisse dann eben doch ein wenig abwechslungsreich. Grind- und D-Beat-Klänge treffen aufeinander und es kommt eben immer auf die Kleinigkeiten und Feinheiten an. In diesem Falle darf der Bass mal vorspielen oder das Tempo wird verschleppt bzw. verlangsamt. Dieses baut zusätzlichen Druck auf und am Ende befindet man sich wieder in einem bayerischen Dorf und die Sau wird da durchgetrieben.
Beim Track Weltmarktführer Befiehl – Wir Folgen lassen sie schön artig den Knüppel im Sack. Aber am Anfang drückt man im Hardcore-Manier einem erst einmal die Faust in die Fresse. Sehr druckvoll und auf den Punkt spielend. Auch hier klingt man ein wenig progressiv und auch ein wenig dissonant. Man bleibt im langsamen Midtempo und marschiert so durch den Song.
Bei Betriebsklimasünder gibt es ein paar Beckenschläge und dann haben sie ihren Knüppel wiedergefunden und verwenden diesen auch. Jawohl, das hat Hand und Fuß und dürfte zum Beispiel Fans von Nasum oder Rotten Sound absolut begeistern. Hier geht es absolut zur Sache. Das Tempo wird dann kurz herausgenommen, der Gesang übernimmt und dann groovt man im grindigen Stil um die Wette. Ich steh da absolut drauf. Das ist so fett und weit davon entfernt, stumpf zu klingen. Man lässt den Song ausklingen und am Ende gibt es noch Gelaber. Der Songnamen spricht für sich. Solch eine Person haben wir doch alle bei uns in der Firma, oder?
Und so geht es immer weiter und weiter und das Zuhören macht mir einfach nur Spaß, denn diese Mischung aus Grindcore, Crust und punkigen Anleihen passt total. Hört euch einfach mal Bonzenschussgerät an. Geil.
Perfekter Sound
Wenn man diese Musikrichtungen nicht mag, hat man natürlich ein Problem. Die Texte sollte man sich unbedingt durchlesen, sehr empfehlenswert, und am Ende sollte man den Song Sie Sagen nicht unbedingt ausschalten, wenn man meint, ausschalten zu müssen, denn mit acht Minuten geht er am längsten. Der Song ist auch ein wenig anders. Der Bass darf hier auch mal so richtig ran.
Erwähnen muss man definitiv, dass der Sound absolut perfekt zu Mucke passt. Ist im Grind ja nicht immer der Fall.
Hier geht es für weitere Informationen zu Vor Die Hunde – Weltmarktführer Befiehl – Wir EntFolgen! in unserem Time For Metal Release-Kalender.



