Welicoruss – Siberian Heathen Horde

Neues aus Sibirien

Artist: Welicoruss

Herkunft: Prag, Tschechien

Album: Siberian Heathen Horde

Spiellänge: 47:36 Minuten

Genre: Symphonic Black Metal

Release: 27.03.2020

Label: El Puerto Records

Links: https://de-de.facebook.com/welicoruss/
http://www.welicoruss.org/
https://www.instagram.com/welicoruss.official/

Bandmitglieder:

Gesang – Alexey Boganov
Schlagzeug – Ilya Tabachnik
Bass – Tomas Magnusek
Gitarre – Tomas Nesrs

Tracklist:

  1. Spellcaster
  2. Siberian Heathen Horde
  3. Path Of Seduction
  4. Frostbounded
  5. Metaphysical
  6. Tree Of Nations
  7. Crossroad Of Life (orchestral instrumental)
  8. The Prophecy
  9. Hymn Of Lost Souls

Wer sich im Symphonic Black Metal heimisch und wohl fühlt, wird um die sibirischen Welicoruss nicht herumkommen. Die Band, 2002 von Sänger Alexey gegründet, ist vor Kurzem ins nicht ganz so kalte Prag gezogen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Europa einzunehmen. Mit ihrem vierten Album Siberian Heathen Horde starten sie den ersten Lauschangriff, um mit ihrer sibirischen Horde in die Metalszene einzufallen.

Das Cover verspricht schon einmal eine epische Schlacht und mit dem Auftritt beim letztjährigen Wave Gotik Treffen im Hinterkopf freue ich mich, das neue Werk anzuspielen. Live sollte man die Herren zumindest schon einmal erlebt haben, so viel kann ich an dieser Stelle verraten.

Nun aber zu Siberian Heathen Horde. Die Platte beginnt mit Trommeln, kampfeslustigen Hörnern und einem russischen Schwur. Orchestrale Elemente, Klavierspiel und die typischen Metal Instrumente wechseln und gehen ineinander über. Spellcaster heißt der erste Song und so klingt es auch. Fast wie eine Beschwörung, ein Einstimmen, bevor es in den Kampf geht.
Nummer zwei auf der Tracklist gibt dem Album seinen Namen. Wer Welicoruss kennt, dem wird auffallen, dass die Herren nun auch überwiegend englisch singen. Ein Vorteil, denn nun versteht man die Texte zumindest, der Akzent von Sänger Alexey lässt dennoch nicht an der Herkunft zweifeln. In Siberian Heathen Horde kommt jedoch nicht nur der Sänger zu Wort. Refrain und einzelne Passagen werden von allen Bandmitgliedern gesungen. Auch auf instrumentaler Ebene passiert hier viel. Der orchestrale Teil zieht sich durch das ganze Lied, übertönt aber den Rest nicht. Hier und da wurden noch ein paar folkloristische Instrumente hinzugefügt, um die Kampfatmosphäre zu verstärken. Zum Abschluss hört man dann auch noch einen Wolf heulen. Da haben Welicoruss nun wirklich jegliche Munition ins Gefecht geworfen. Siberian Heathen Horde wird seinem Namen gerecht.

Die nächsten zwei Lieder, Path Of Seduction und Frostbounded, plätschern so dahin und schon sind wir bei Track fünf angekommen. Hier ertönen die ersten Klänge von Metaphysical. Eine klare Stimme erklärt uns unter anderem, wie unsere Energie und Atmung fließen sollen. Man fühlt sich fast schon wie in einer Yogastunde. Kurze Zeit später legen Welicoruss dann aber ordentlich an Tempo zu und lassen nicht mehr viel Zeit für Entspannung. Ein Highlight von Siberian Heathen Horde. Kleines i-Tüpfelchen: Rob Carson, Sänger der Symphonic Black Death Metal Gruppe Xoan, ist als Gastsänger mit am Start und haucht dem typisch wuchtigen Welicoruss Sound noch ein kleines bisschen Death Metal ein. Ein gelungenes Experiment, das man sicher weiter ausbauen könnte.

Tree Of Nations ist mal wieder ein Song, indem überwiegend russisch gesungen bzw. gesprochen wird und bietet etwas mehr an Härte. So kennt man Welicoruss. Crossroads hingegen ist ein rein instrumentales und orchestrales zweiminütiges Werk. Auf jedem Album bauen die Sibirier mindestens ein solches Stück ein, welches die Stimmung des ganzen Albums ganz gut einfängt.
The Prophecy folgt und wartet mit mitsingbaren Vocals und eingängigen Melodien auf. Das sollte sich vor allem live ganz gut machen. Gepaart mit gut arrangierten Gitarren- und Schlagzeugsparts eine runde Sache. Den Abschluss von Siberian Heathen Horde hören wir Hymn Of Lost Souls. Ein eher melancholisches Klavier stimmt die ersten Minuten ein, um dann von wuchtig epischem Symphonic Black Metal abgelöst zu werden.

Der Angriff der sibirischen Horde ist nach neun Songs vorüber. Anhänger des Genres wird es eine willkommene Ergänzung in der Sammlung sein. Episch-mystische, heroische Arrangements und ordentlich wuchtig harte Parts mischen sich hervorragend in den einzelnen Stücken. Das Gefechtsthema zieht sich durch alle Songs und trotz überwiegend englischer Texte geht der sibirische Einfluss nicht verloren. Welicoruss haben hier gut abgeliefert. Auf Dauer wird mir dies aber insgesamt zu viel. Auf meine persönliche Playlist schaffen es aber dennoch ein, vielleicht auch zwei Songs. Bleibt abzuwarten, wie das Ganze live wirken wird. Eine umfangreiche Albumtour ist zumindest geplant, soweit es die aktuelle Situation zulässt.

Welicoruss – Siberian Heathen Horde
Fazit
Mit Sibirian Heathen Horde haben Welicoruss den Angriff auf die europäische Metalszene gewagt und werfen ein gut gelungenes Symphonic Black Metal Album in den Kampf. Nicht jedes Lied ist ein Meisterwerk, dennoch sind ein paar wirklich gute Stücke dabei, die vor allem live richtig gut rüberkommen sollten.

Anspieltipps: Metaphysical, Siberian Heathen Horde und Tree Of Nations
Martha K.
7.5
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7.5
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