Rockhard Festival vom 06.06. bis zum 08.06.2025 – Tag eins

Im Zeichen des Thrash

Festivalname: Rock Hard Festival 2025

Bands: W.A.S.P., Dirkschneider, Myrath, Victory, Deserted Fear, The Crypt, Hiraes, Tailgunner, Dismember, Crimson Glory, Nile, Threshold, Dool, The Gems, The Night Eternal, Amethyst, Exodus, Geoff Tate, Death Angel, Municipal Waste, Attic, Sanhedrin

Ort: Amphitheater Gelsenkirchen, Grothusstr. 201, 45883 Gelsenkirchen

Datum: 06.06.2025 – 08.06.2025

Kosten: Festivalticket ab 149,50 €, Tagesticket ab 60,50 €

Genre: Heavy Metal, Power Metal, Melodic Metal, Thrash Metal, Hard Rock, Death Metal, Progressive Metal, Progressive Rock, Melodic Rock, NWoBHM, Hard Rock

Besucher: ca. 5000 Besucher (grobe Schätzung)

Veranstalter: Rock Hard Event GmbH

Link: https://www.rockhard.de/rhfestival

Rund um das Amphitheater in Gelsenkirchen

Ein sehr etabliertes Metalfestival geht seit 2003 in Gelsenkirchen über die Bühne. Aber auch in den 90ern gab es bereits ein Rock Hard Festival, unter anderem Indoor in Berlin oder Lichtenfels. Immer zu Pfingsten geht es seit mehr als 20 Jahren nach Gelsenkirchen. Dass der Ruhrpott nicht nur Kohlehalden und Wohnsiedlungen zu bieten hat, sollte sich mittlerweile in den hintersten Ecken Europas herumgesprochen haben. Der Strukturwandel sorgt dafür, dass alte Zechengelände zu Brachstädten wurden. Eine dieser ehemaligen Kohleabbaustellen ist der Nordsternpark in Gelsenkirchen. Wie der Name es schon ausdrückt, war hier früher die Zeche Nordstern, aus der mit der Bundesgartenschau 1997 eine Art grüne Lunge wurde. Mitten in dieser grünen Lunge befindet sich das Amphitheater Gelsenkirchen.

Aber auch ohne die Musik bietet der Nordsternpark einige interessante Dinge. Die Integration eines ehemaligen Zechengeländes in einen Park lässt die Industriekultur des vergangenen Jahrtausends erkennen und integriert auch ein Neubaugebiet in dieses Szenario. Wer durch den Park und seine Umgebung schlendert, bekommt einen anderen Eindruck als direkt hinter der Bahnlinie im Stadtteil Horst, wo alles eng und dicht bebaut ist. Dazu ist die Besucherschaft ständig auf Brücken unterwegs. Der Fluss Emscher (das ist der kleinere Fluss) und der Rhein-Herne-Kanal (das ist der große Fluss hinter der Bühne) sind ebenso Teil des Geländes wie ein Hotel und ein Biergarten.

Death Angel – Rock Hard Festival 2025

Zurück zum Amphitheater und dem Festival. Lange war es unklar, ob das Festival 2025 überhaupt über die Bühne gehen kann. Was gehört zu einem Open-Air-Festival? Genau, der Campground. Da der Nordsternpark für die Gartenschau 2027 verändert wird, stand kein Campingareal zur Verfügung beziehungsweise nicht mehr das Areal, auf dem bisher gecampt wurde. Die Organisatoren fanden aber eine Lösung. Die Fläche ist kompakt, sodass die Metalheads dicht zusammenrücken müssen. Es geht einmal über die Brücke, dann ist das Campingareal erreicht. Viele Fans sind aber auch in den umliegenden Hotels zu finden, in denen keine utopischen Summen zu Pfingsten aufgerufen werden. Vielleicht mal eine Idee, zum Rock Hard Festival, anstatt nach Hamburg oder Berlin zu pilgern?

Eine Besonderheit ist auch die Bühne im Amphitheater. Die hat eine Begrenzung nach hinten durch den Rhein-Herne-Kanal. Das bedeutet, dass die Anfahrt für das Equipment sehr eng ist. Trucks werden teilweise bereits 100 Meter vor der Bühne entladen und das Equipment manuell zur Bühne gebracht, wo Tetris spielen angesagt ist. Hinter der Bühne ist Wasser. Das neue Equipment bleibt am Bühnenrand, bis das Material von dem vorherigen Gig entfernt ist. Logistisch ist das eine Meisterleistung und eine andere Aufgabe, als eine Halle auszustatten.

Ein Problem ist das Parken rund um den Nordsternpark. Ein Parkhaus ist eine Lösung, der ÖPNV eine weitere. Die dritte Variante ist der frühe Vogel, der bekanntlich die freien Parkplätze im angrenzenden Wohngebiet schnappt. Metalfans sind erfinderisch und können improvisieren. Am Ende ist das Gelände gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft. Wie viele Fans tatsächlich vor Ort sind, lässt sich nur grob schätzen. Es ist kaum anzunehmen, dass bei einem der Acts alle Fans gleichzeitig auf dem Gelände waren. Das Programm ist abwechslungsreich, sodass sich das Publikum immer wieder austauscht.

Municipal Waste – Rock Hard Festival 2025

Kommen wir zu einem wenig schönen Thema des Festivals. Das Wetter ist zu Pfingsten 2025 – positiv ausgedrückt – durchwachsen. Ein Schauer ist kein Problem, auch wenn es mal von oben einen richtigen Guss gibt, ist alles okay. Der Sonntag mit Temperaturen von zwölf Grad und immer wieder einsetzendem Regen mit entsprechend böigem Wind setzt auch hartgesottenen Metalheads zu. Die Nächte sind im einstelligen Temperaturbereich und alles andere als trocken. Von Freitag auf Samstag beginnt der kontinuierliche Abstieg der Temperaturen und der Anstieg der Feuchtigkeit. Dazu gibt es eine Brise, die selbst für norddeutsche Empfindungen ordentlich ist. Die Location liegt in einer Art offenem Feld, auf dem der Wind vor allem auf den Stufen mächtig zuschlägt. Gegen Naturgesetze können die besten Finger an den Mischpulten wenig ausrichten. Die eine Band hat mehr Pech mit dem Sound (Exodus), andere haben Glück und stehen auf der Sonnenseite des Lebens (Dirkschneider). Aber auch hier schafft etwas Einfallsreichtum Abhilfe. Je nach Windrichtung gibt es 20 Meter weiter links oder rechts erhebliche Verbesserungen. Das gleiche Schauspiel ist direkt vor der Bühne auszumachen. Mal nahezu perfekt, dann bringen einige Schritte nach oben einen erheblichen Soundeffet (Crimson Glory).

Bier und Essen sind generell ein schwieriges Thema und immer zu teuer, zu schlecht oder was auch immer. Plastikflaschen bis zu einem Liter mit alkoholfreien Getränken sind erlaubt. Ist das kein Anreiz, auf das teure Bier zu verzichten und nicht nach dem ersten Festivaltag über das Gelände zu torkeln? Gleiches gilt für die Verpflegung. Gute zehn Minuten Fußweg gibt es einen Netto, der von vielen Metalheads besucht wird. Ein Kiosk bietet bis spätabends seine Produkte an. Wer aber das Bier an seinen Stand- bzw. Sitzplatz bekommen möchte, der zahlt mehr für die Dienstleistung als für das Getränk.

Ein Ärgernis ist der Fokus auf Cash von vielen Händlern. Bargeldlose Zahlungen werden mit einer zusätzlichen Gebühr belegt und die Kundschaft soll möglichst in bar bezahlen. Reicht das Ärgernis nicht schon aus, ruft das auch noch Gauner auf den Plan, die nachts wohl im Campground unterwegs waren. Nicht nur ein Fan beklagte den Verlust von Wertgegenständen.

Ebenfalls erfreulich sind die bestens organisierten und stark frequentierten Autogrammstunden, bei denen sich selbst die Headliner wie Dismember, Exodus und Dirkschneider Zeit für ihre Fans nehmen. Bis auf W.A.S.P. finden sich nahezu alle Bands ein und signieren Tonträger, Bilder oder sonstige Gegenstände oder Körperteile.

Dann zu weiteren erfreulichen Themen. Das Gelände und das Amphitheater an sich sind ein Traum als Location. Beste Sicht von allen Plätzen. Wenn der Wind gut steht, dann auch klasse Sound. Teilweise herausragende Auftritte und – wer nicht nach Gelsenkirchen kommen konnte oder wollte – einige Auftritte wurden als Livestream gezeigt. Sofern der Stream vom Rockpalast verfügbar ist, haben wir den Konzertmitschnitt verlinkt. Nun aber rein ins Vergnügen. Freitagnachmittag um 15 Uhr steht die erste Band auf der Bühne.

Sanhedrin

Sanhedrin – Rock Hard Festival 2025

Ein Trio aus Brooklyn macht den Anfang. Erica Stoltz und ihre Mitstreiter sind aktuell auf gemeinsamer Tour mit Savage Master. An den Festivalwochenenden trennen sich die Wege. 40 Minuten hat das Trio und setzt den Fokus auf das aktuelle Album Heat Lightning. Im Gegensatz zum Vorgänger Lights On sind die Stücke anspruchsvoller, gehen aber nicht so ab wie Correction oder Scythian Women. Trotzdem sind die 40 Minuten viel zu schnell vergangen. Die Location ist bereits gut besucht und auch auf den Traversen sitzen viele Menschen und genießen noch das angenehme Wetter zur Musik. Der Schlusspunkt ist wie bei den Clubshows Riding On The Dawn aus den Anfangstagen der Truppe. Als Trio ist die große Bühne eventuell etwas zu groß. Die Energie der Musik ist in einem kleinen Club noch intensiver als heute in Gelsenkirchen.

Attic

Attic – Rock Hard Festival 2025

Ist King Diamond kurzfristig ins Programm gerutscht? Attic kommen aus Gelsenkirchen und machen aus ihrem Vorbild gar keinen Hehl. Der König aus Dänemark ist gerade auf Tour und Attic nutzen ihr Heimspiel. Wenn trotz starker Brise der Weihrauch auf dem gesamten Gelände zu riechen ist, dann haben die Herren eine ordentliche Packung abgefackelt. Tracks wie The Headless Horseman, bei dem The Black Horseman oder Legend Ot The Headless Rider (Mercyful Fate) mehr als nur Innovation ist, zeigen, dass es auch für den in die Jahre gekommenen King Ersatz gibt. Bockstark, was die Truppe aus dem Ruhrpott abliefert. Selbst bei Tageslicht kommt das okkulte Liedgut bestens rüber und Sänger Meister Cagliostro mit dem Corpsepaint dirigiert das Publikum wie der König der Diamanten. Wer auf King Diamond oder Mercyful Fate steht, sollte Attic unbedingt antesten.

Municipal Waste

Municipal Waste – Rock Hard Festival 2025

Der erste Festivaltag bietet einige Bands, die dem Genre Thrash Metal zuzuordnen sind. Der Auftakt dafür kommt aus Virginia, USA, und nennt sich Municipal Waste. Scheiben wie Waste ’Em All oder Hazardous Mutation verbinden Thrash Metal mit Elementen aus dem Crossover, sodass vor circa 20 Jahren angesagte Effekte des Nu Metal in die klassischen Spielarten des Metal Einzug hielten. Dazu gesellt sich eine ordentliche Hardcore-Attitüde, sodass ein schnelles und aggressives Spiel auf der Bühne zu erleben ist. Es ist die Zeit für Moshpit und Co. und die Anhängerschaft der schnellen Musik kommt auf Betriebstemperatur. Das US-Quintett liefert einen ordentlichen Abriss, bei dem das 2022er-Album Electrified Brain mit fünf von 14 Stücken den Hauptanteil liefert. Der Auftakt für den thrashigen Verlauf des Abends ist mehr als gelungen und vor allem das jüngere Publikum läuft Runde um Runde vor der Bühne.

Death Angel

Death Angel – Rock Hard Festival 2025

Kurz nach 18 Uhr geht es mit bekannten Gesichtern weiter. Die Death Angel um Sänger Mark Osegueda waren in den vergangenen Jahren eher zurückhaltend. Von 2013 bis 2019 erschienen alle drei Jahre Alben; zuletzt Humanicide. Osegueda scheint aktuell seinen Fokus etwas zu verändern. Kerry King wird auch noch im Laufe des Jahres 2025 live in unseren Breitengeraden spielen, sodass Death Angel anscheinend eine Nebenrolle zukommt.

Wie eine Nebenrolle kommt auch der Auftritt der Band rüber. Songs wie Buried Alive, The Dreams Calls For Blood oder das Medley Thrown To The Wolves / The Ultra-Violence sind über jeden Zweifel erhaben. Trotzdem will der Funke nicht so überspringen, wie vorher bei Municipal Waste. Ob der Wind den Sound verweht hat? Einige Probleme sind auszumachen, was aber nur ein Teil für die nicht so energetische Performance der Death Angel sein kann. Schade, hier wäre für Band und Fans mehr drin gewesen.

Geoff Tate

Die ehemalige Stimme von Queensrÿche hat die Position des Co-Headliner am ersten Festivaltag. Hier geht es nicht mehr um die Geschichte von Queensrÿche und Geoff Tate, das Thema wurde oft genug durchgekaut. Das Backdrop macht aber klar, um welches Thema es heute geht: Operation: Mindcrime.

Geoff Tate – Rock Hard Festival 2025

Ein Blick auf die Bühne sorgt zunächst für eine Überraschung an den Drums. Dort sitzt ein bekanntes Gesicht von Avantasia und früher Edguy. Felix Bohnke war bereits 2019 Bandmitglied bei der Band Operation: Mindcrime. 2025 ist er einer der Begleitmusiker von Geoff Tate.

Die Platte aus dem Jahr 1988 kennt jeder Metalhead und gehört zu den herausragenden Alben des progressiven US-Metal. Der Anfang mit Revolution Calling und dem Titeltrack kommt vom Gesang passabel rüber, auch wenn Tate – mittlerweile Mitte 60 – bei den Höhen nicht mehr ganz den Ton trifft. Bei der Band gibt es vor allem Abstriche. Hier agieren kein Michael Wilton und Chris DeGarmo an den Saiten. Spätestens bei Eyes Of A Stranger ist die Gesangperformance eher suboptimal. Klar, positiv ist, dass Tate live singt und keine Backing-Tracks nutzt. Aber so, wie Tate Eyes Of A Stranger und später Queen Of The Reich performt, geht den Stücken die Magie verloren. Ganz anders bei Silent Lucidity. Das Ding scheint Tate auf den Leib geschneidert zu sein und kommt vom Gesang nahezu perfekt an. Das Thema Begleitband hatten wir schon. Trotzdem ein umjubelter Auftritt einer Ikone des progressiven US-Metal, der aber den Zahn der Zeit nicht aufhalten kann.

Exodus

Den Strich unter den ersten Festivaltag machen Exodus mit einem der Gitarren-Heroes des Thrash Metal. Seit Gary Holt wieder an der Gitarre arbeitet, haben Exodus vor allem live einen besonderen Status. Leider gibt es auch hier eine Veränderung in der Band, die nicht bei allen Fans auf Zustimmung stößt. Rob Dukes übernimmt erneut das Mikro von Steve „Zetro“ Souza, wie bereits 2005. Oder einfach ausgedrückt: Seit 2001 nennt sich der Exodus-Sänger entweder Sousa oder Dukes.

Exodus – Rock Hard Festival 2025

Dass die Truppe sonst aber auch gar nichts verlernt hat, macht der Einstieg mit Bonded By Blood und Brain Dread klar. Der Circle Pit dreht sich früh und für die Fotografenschar vor der Bühne wird es eng durch die ankommenden Crowdsurfer. Dukes ist ein anderer Shouter als Souza. Mehr NY-Hardcore-Attitüde und bei fünf Euro Spende je Wort, das mit F beginnt und nur vier Buchstaben hat, würde aus Dukes heute einen armen Menschen machen. Dass mit Deathamphetamine und Blacklist Songmaterial im Set ist, das aus der ersten Dukes-Zeit stammt, überrascht nicht, genauso wenig wie das Ende mit A Lesson In Violence, Toxic Waltz und Strike Of The Beast. Das kurze Anspielen von Raining Blood durch Holt, reißt selbst die Menschen auch auf den Traversen von der Sitzgelegenheit. Es wäre interessant, wie Exouds den Slayer-Klassiker intonieren würden.

Trotz der Beeinträchtigung des Sounds durch den aufkommenden Wind gelingt Exodus ein starker Tagesabschluss. Gegen 23 Uhr strömen die Fans in Richtung Ausgang und der erste Tag des Rock Hard Festival 2025 geht zu Ende. Noch wird das Wetter als allgemein positiv aufgenommen. Die Vorhersage war schlechter. Der Freitag bot nahezu perfekte Festivalbedingungen. In der Nacht zum Samstag ändert sich dieser Sachverhalt jedoch.

Hier (Klick) geht es zum zweiten Tag.