Bei Between The Buried And Me (BTBAM) weiß man nie, ob man träumen, moshen oder mit offenem Mund staunen soll. Die US-Amerikaner spielen eine anspruchsvolle Mischung aus Progressive Metal, Metalcore und Mathcore, bei der die Arrangements so komplex wie abwechslungsreich sind. Die Diskografie der Band ist reich an Stücken, die Fans und Kritiker gleichermaßen zu Lobeshymnen hinreißen: von ambitionierten Konzeptalben bis hin zu genreübergreifenden Klanglandschaften. Vertrackte Passagen mit brutalen Death-Riffs treffen auf fast poppigen Classic Rock, gejagt von rhythmisch einladenden Jazz-Interludes – und immer wieder veredelt durch Keyboard-Melodien, die den Tracks das gewisse Etwas verleihen. Das gilt auch für das im September erschienene elfte Studioalbum The Blue Nowhere.
Vier gewinnt?
Sänger und Keyboarder Tommy Giles Rogers beschreibt es als eine Sammlung von „Journal-Einträgen“ unterschiedlichster Stimmungen, zusammengehalten vom mysteriösen The Blue Nowhere, einem fiktiven Hotel. Es ist das erste Album ohne den langjährigen Gitarristen Dustie Waring und damit das Debüt von BTBAM als Quartett. Co-Gründer Paul Waggoner zeichnet für sämtliche Gitarrenparts allein verantwortlich. Macht sich das negativ bemerkbar?
Keineswegs. Der animierende Opener Things We Tell Ourselves In The Dark betört mit Funk-Elementen sowie 80s-Throwbacks und stößt das Tor zum „Blauen Nirgendwo“ vertrackt-poppig auf. Das heftige God Terror sorgt danach mit Industrial-Metal-Anleihen für einen aggressiven, düsteren Kontrast. Episch-hymnisch-chaotisch – oder einfach BTBAM-typisch – wird es mit dem zehnminütigen Absent Thereafter, das nach knüppeligem Start zur Halbzeit plötzlich Rockabilly, Surf-Rock und Bläser präsentiert. Ein Tollhaus von einem Song! Wer sich Sorgen um die Gitarrenarbeit gemacht hat, kann spätestens hier aufatmen.
Ideenreichtum und Experimentierfreudigkeit
Nach dem unheilvollen Interlude Mirador Uncoil heißt es: „Hereinspaziert in den musikalischen Zirkus!“ Wenn Tim Burtons Betelgeuse Prog hören würde, wären die elfminütigen Stücke Psychomanteum und insbesondere Slow Paranoia (das herrlich an Dog Fashion Disco erinnert) seine Lieblingslieder. Was die Band hier an Ideenreichtum und Experimentierfreudigkeit auffährt, rechtfertigt allein den Kauf des Albums. Dass die ständigen Geschwindigkeits- und Stilwechsel nie aufgezwungen oder anstrengend wirken, sondern stets harmonisch bleiben, ist die wahre Kunst dieser Band.
Der Titeltrack The Blue Nowhere überrascht schließlich als geradliniger Pop-Rock-Song mit reinem Klargesang, der – abgesehen von einem brillanten Solo – kaum Ausbrüche wagt, sich aber als echter Ohrwurm festsetzt. Mit dem hymnischen, synthlastigen Beautifully Human trägt uns die Band schließlich davon.
HIER! geht es für weitere Informationen zu Between The Buried And Me – The Blue Nowhere in unserem Time For Metal Release-Kalender.



