Hypocrisy + Support am 21.04.2026 im Gruenspan in Hamburg

Eventname: Mass Hallucination Tour 2026

Headliner: Hypocrisy

Vorbands: Abbath, Vomitory und Vreid

Ort: Gruenspan, Hamburg

Datum: 21.04.2026

Kosten: 44,00 € zzgl. Gebühren VVK, 55,00 € AK

Genre: Extreme Metal, Death Metal, Black Metal

Besucher: ca. 900 Besucher

Veranstalter: STP Hamburg Konzerte GmbH

Link: https://hamburgkonzerte.de/konzerte/hypocrisy/

Setliste Hypocrisy:

  1. They Will Arrive
  2. Fire In The Sky
  3. Inferior Devoties
  4. Chemical Whore
  5. Carved Up
  6. Children Of The Gray
  7. End Of Disclosure
  8. Killing Art
  9. Eraser
  10. Deathrow (No Regrets)
  11. Adjusting The Sun
  12. Fractured Millennium
  13. Warpath
  14. Roswell 47

Am heutigen Dienstagabend macht die Mass Hallucination Tour 2026 endlich Halt in der Hansestadt Hamburg. Bei bestem Frühlingswetter bildet sich eine Schlange vor dem legendären Gruenspan, die schnell ihren Weg in das alte Theater findet. Mit am Start auch die Gewinner unserer Ticketverlosung, die mit dem Veranstalter STP Hamburg Konzerte GmbH durchgeführt wurde. Nahezu ausverkauft versammeln sich gut 900 Metalheads, um ein druckvolles wie energisches Quartett durch den Abend zu tragen.

Vreid – 2026 – Hamburg

Den Anfang machen Vreid aus Norwegen. Sie starten pünktlich um 18:30 Uhr mit Sirenenklängen in ihr gut 30 Minuten starkes Set. In den letzten 21 Jahren haben die melodischen Extreme Metaller viele Höhen und Tiefen durchlebt. Spätestens mit dem aktuellen Longplayer The Skies Turn Black hat man die Männer um den Bassisten Jarle „Hváll“ Kvåle wieder auf dem Zettel. Nach dem zweiten Werk Pitch Black Brigade habe ich die Truppe etwas aus dem Auge verloren, wie ihr Hier! im Review von The Skies Turn Black nachlesen könnt. Umso cooler, dass sie nach Speak Goddamnit mit dem intensiven Pitch Black nachlegen. Typische norwegische Black-Metal-Kunst trifft auf scharfe melodische Wände, die von den ersten Headbangern gefeiert werden. In dunkelblaues Licht getaucht, lassen Vreid ihre Atmosphäre für sich sprechen. Die Reihen im Gruenspan sind dichtgedrängt, die Formation wird alles, aber nicht als einfacher Opener empfangen und wahrgenommen. Dankbar schieben sie den Titeltrack The Skies Turn Black des aktuellen Studioalbums nach. Durchaus agil versuchen die Musiker auch das Publikum mit in die Schlacht zu nehmen. Dieses gelingt ihnen und die Stimmung könnte für einen solchen kurzen Slot kaum besser sein. Die Widmung der Nummer an den Großmeister Ozzy Osbourne geht zweifelsohne unter die Haut. Viel Zeit bleibt jedoch nicht, und so schließen Vreid das Set mit dem Trio Into the Mountains, From These Woods und Lifehunger ab. Ein kurzweiliger wie intensiver Auftritt.

Vomitory – 2026 – Hamburg

Die biervernichtenden Vomitory entern nach kurzer Umbaupause die Bretter. Die Schweden aus Forshaga saufen sich fleißig durch Europa und lassen ihre Fans mit humorvollen Videos täglich daran teilhaben. Müde wirken die vier Death-Metal-Protagonisten heute in Hamburg jedenfalls nicht und lassen gleich die bekannten Muskeln sprechen. Der Sound wird knallhart angerührt. Revelation Nausea und Terrorize Brutalize Sodomize schießen unheilvoll aus den Boxen. Vomitory wissen, wie man kalten Todesblei zelebriert, und verziehen keine Miene bei ihrer Vollgas-Show. Vor der Bühne wird es wilder. Kleine Pits und fliegende Fäuste bekommen die Musiker als Zeichen der Zufriedenheit zurückgeschenkt. Auf der Bühne liefern die Bewegungen kein Feuerwerk, dafür sprechen die Death-Metal-Salven, die immer wieder die Balken zum Biegen bringen. Die Fans saugen diese Power auf und gehen zu den kernigen Hooks nur zu gerne steil. Die teilweise statische Death-Metal-Schlacht lebt von einem guten Klangbild, das die Köpfe fleißig zum Nicken bringt. Auch Vomitory müssen mit einer guten halben Stunde Stagetime arbeiten und bringen mit Chaos Fury ihren Auftritt sicher ins Ziel, bei dem das aktuelle Album In Death Throes (das Review findet ihr HIER!)  stiefmütterlich behandelt wurde. 

Abbath – 2026 – Hamburg

Abbath stehen als Co-Headliner bereit. Wer den exzentrischen Sänger in den letzten Monaten erleben durfte, hat feststellen können, dass Abbath wieder voll auf der Höhe ist. Skurrile Einlagen lässt er sich trotzdem nicht nehmen und spielt nur zu gerne mit seinem Image. Nach der grandiosen Abbath plays Immortal Show auf dem Party.San 2024 sind die Erwartungen heute extrem hoch. Kann die Truppe diese erfüllen? Die Antwort lautet ohne Abstriche: ja. Headliner-würdig zerlegen sie das Gruenspan nach allen Regeln der norwegischen Black-Metal-Kunst. Das große metallische Logo sticht dabei sofort ins Auge, als mit To War! der Startschuss fällt. Abbath nutzt die ganze Breite der Bühne und bewegt sich meist aus dem Zentrum heraus zum Bühnengraben. Immer wieder streckt er seine Zunge heraus und grinst bis über beide Ohren. Das ist natürlich vollkommen true, bzw. Abbath darf das. Mit Acid Haze und Dream Cull donnern gleich zwei Kanonenschläge im alten Theater, bis es mit dem ersten Immortal-Cover richtig zur Sache geht. In My Kingdom Cold lässt alle Dämme brechen. Sowohl vor der Bühne als auch auf der Empore steigt die Stimmung auf den Siedepunkt. Einmal angestachelt, drückt Tyrants die Schweißperlen auf die erhitzte Haut. Spätestens jetzt haben Abbath das Publikum in der Hand. Ashes Of The Damned nimmt die Stimmung geschickt auf und setzt der Show früh die Krone auf. Noch ist Abbath mit uns nicht fertig. Seine Ansagen sind wie in der Vergangenheit nicht wirklich zu verstehen, und auch das scheint ihn mehr als zu belustigen. Dafür lässt er Dread R. / One by One für sich sprechen, der keinen Stein auf dem anderen lässt. Abbath sind live zurück und lassen keine Zweifel aufkommen. An der Messlatte müssen sich jetzt Hypocrisy beweisen. 

Hypocrisy – 2026 – Hamburg

Um 21:30 Uhr darf Peter mit seinem Gefolge die Fesseln sprengen. Schlechte Shows kennt man von Hypocrisy nicht. Einzig und allein die Tatsache, dass sie beim Party.San 2023 nur ihr Standard-Set durchgezogen haben, hat ein kleines Haar in die sonst so würzige Suppe fallen lassen. Dass auf dieser Tour kein Fokus auf den alten Werken liegt, war bekannt, auch wenn die Old-School-Fans nur zu gerne mal wieder Penetralia- und Osculum-Obscenum-Material live erleben würden. They Will Arrive vom immer noch aktuellen Langeisen Worship bringt die Schweden in Stellung. Auf einen großen Schlagzeugaufbau wird auf dieser Tour verzichtet. Schnell wird das Schlagzeug abgedeckt und die Stimmung ist sofort bei 100 Prozent. Peters Vocals knallen sofort. Fire In The Sky und Inferior Devoties bleiben im Kopf und sorgen für Interaktion. Letzter stammt von der gleichnamigen EP von 1994 und versprüht den früheren Death-Metal-Gedanken der Band. Mit dem neuen Hit Chemical Whore setzen sie den Siegeszug fort. Die Nummer ist auch nach fünf Jahren live absolut geil. Lust haben die skandinavischen Haudegen, das ist ab der ersten Sekunde klar. Hypocrisy springen in den Epochen und dringen mit der Carved Up Single von 1995 wieder in die frühere Phase. Die Fans danken es mit kräftigen Headbangaktionen. Der Sound macht vor der Bühne Spaß, aber auch oben auf der Empore kommen die Besucher nicht zu kurz. Melodischer wird es mit Children Of The Gray, der für euphorische Livesessions geschrieben wurde.  Mit End Of Disclosure lassen sie nicht nach und Peter beackert fleißig die Bühne. Fans in der ersten Reihe bekommen ihr Idol zum Anfassen. Mit Killing Art und Eraser folgt der doppelte Nackenschlag. Neben dem aktuellen Material haben Werke aus den späteren Neunzigern auf dieser Tour ihren Platz bekommen. Da darf Adjusting The Sun von The Final Chapter nicht fehlen. Als Zugabe gibt es mit dem Trio Fractured Millennium, Warpath und Roswell 47 keine Überraschungen. Zu Recht bleibt vor allem der letzte Track Roswell 47 ein Fanmagnet, der die letzten Reserven mobilisiert, bevor die zufriedenen Besucher verschwitzt in die frische Aprilnacht verschwinden.