Earthless, Support Trip am 13.05.2026 im Vortex in Siegen 

Nicht von dieser Welt, eine kosmische Eskalation

Bands: Earthless, Trip

Ort: Vortex Music Surfer Club, Auf den Hütten 4, 57076 Siegen

Datum: 13.05.2026

Kosten: ab 16,90 Euro VVK

Genre: Heavy Psych, Acid Rock, Blues Rock, Hard Rock

Veranstalter: Vortex Surfer MusikclubRock Freaks e.V. 

Link:  https://www.facebook.com/events/2058342435015661/?active_tab=about

Der Vortex Surfer Musikclub lädt heute Abend zu einer Reise tief hinein in die Welt aus Heavy Psych, Fuzz und endlosen Jams ein. Wir sind gerne für Time For Metal dabei. Am Einlass erwarten und begrüßen uns wieder einige Freunde und Bekannte, die wir ansonsten auf dem Freak Valley Festival und anderen Stoner-Festivals im Sommer treffen. Wieder einmal ein Clubabend unter Freunden.

Trip: Hypnotischer Heavy Psych mit Seele und Groove

Bevor Earthless den Vortex Surfer Musikclub in einen psychedelischen Ausnahmezustand versetzen, sorgt bereits der Support für offene Münder: die saarländische Formation Trip. Was das Quartett um Sänger und Gitarrist Yann André, Organist und Gitarrist John Eastwolf, Bassist Manuel Gérard und Schlagzeuger Tom Stocky auf die Bühne bringt, ist ein wilder, intensiver und oft hypnotischer Mix aus Heavy Blues, Hard Rock, Soul und Psychedelica, der sich bewusst jeder klaren Schublade entzieht.

Schon der Opener Catch Me If You Can zieht das Publikum mit schweren Grooves und ausufernden Jam-Passagen sofort in den Bann. Die Band lässt den Song immer weiter anwachsen, bis sich Gitarren, Orgel und Rhythmussektion zu einem dichten Soundteppich verweben. Besonders beeindruckend ist dabei, wie organisch die Musiker miteinander agieren. Jeder Blick, jede kleine rhythmische Verschiebung wirkt spontan und doch perfekt aufeinander abgestimmt.

Mit Green Light/Red Light vom letztjährigen Album Circadia schaltet die Band anschließend noch einen Gang höher. Zwischen bluesigen Riffs, psychedelischen Ausbrüchen und beinahe funkigen Passagen entwickelt sich der Song zu einem wilden Ritt, der das Publikum im Vortex zunehmend mitreißt. Frontmann Yann André überzeugt dabei nicht nur mit markanter Stimme und kantigem Gitarrenspiel, sondern auch mit einer angenehm ungekünstelten Bühnenpräsenz.

Trip, Vortex Siegen 2026, Pic by Big Simonski

Einen ersten echten Höhepunkt erreicht das Set mit Dream Destroyer – In B Major. Hier zeigt sich besonders eindrucksvoll die Stärke der Band für lange Spannungsbögen und improvisierte Eskalationen. Die Orgel sorgt immer wieder für spacige Klangflächen, während Bass und Schlagzeug stoisch groovende Fundamente legen. Der Song wirkt stellenweise fast tranceartig und entfaltet genau jene hypnotische Wirkung, die moderne Psychedelic-Rock-Konzerte so faszinierend macht. Auch Around My Mind funktioniert live hervorragend. Die Band nimmt hier spürbar Tempo raus und erzeugt eine dichte, fast schwebende Atmosphäre, bevor sie den Song erneut in ein massives Finale kippen lässt. Überhaupt lebt der gesamte Auftritt von Dynamik und dem Mut, Songs live ständig neu zu interpretieren, statt sie einfach nur nachzuspielen.

Zum Ende des Sets liefern Trip mit King Of The Subway noch einmal ein echtes Highlight ab. Besonders die Übergänge zwischen den beiden Teilen des Songs gelingen beeindruckend fließend. Was zunächst kontrolliert und grooveorientiert beginnt, steigert sich zunehmend in einen wilden, psychedelischen Strudel aus Feedback, Orgelwänden und ausufernden Gitarrenlinien. Das Publikum folgt der Band dabei bereitwillig auf jede noch so verschlungene musikalische Abzweigung. Trip schaffen es, den Club schon früh in einen musikalischen Rausch zu versetzen und die perfekte Grundlage für den späteren Auftritt von Earthless zu legen.

Wer auf improvisationsfreudigen Heavy Psych mit Seele, Groove und Mut zum Risiko steht, dürfte an diesem Abend definitiv einen neuen Favoriten entdeckt haben.

Earthless: Kosmische Eskalation zwischen Fuzz und Ekstase

Nun verwandelt sich der Vortex Surfer Musikclub in einen brodelnden Kessel aus Fuzz, Schweiß und psychedelischer Ekstase. Mit Earthless gastiert hier eines der intensivsten Live-Trios der modernen Psych- und Stoner-Rock-Szene in Siegen und liefert einen Auftritt ab, der weniger Konzert als vielmehr musikalischer Ausnahmezustand ist.

Schon beim Betreten der Bühne macht die Band klar, was hier heute Abend geschehen wird. Gitarrist Isaiah Mitchell, der einem Kind vor der Bühne ein Plek in die Hand drückt, flankiert von Bassist Mike Eginton und Drummer Mario Rubalcaba, lässt sein Instrument bereits vor dem ersten Ton sirren und fiepen, während sich im Club ein dichter Nebel aus Erwartung und Verstärkerhitze ausbreitet. Earthless benötigen keine großen Ansagen, keine Visuals, keine Showeffekte. Ihre Sprache ist der Sound: laut, hypnotisch und kompromisslos.

Ein Song wie Uluru Rock gerät sofort zu einem über zwanzigminütigen Strudel aus donnernden Riffs und frei schwebenden Jam-Passagen. Isaiah Mitchell spielt sich dabei mit einer Mischung aus Hendrix-Exzess und Space-Rock-Transzendenz in einen regelrechten Rauschzustand. Jeder Ton scheint aus dem Moment geboren, nie geschniegelt, nie kalkuliert. Während Mike Eginton stoisch pulsierende Basslinien unter die Gitarrenlawinen legt, drischt Rubalcaba mit unfassbarer Präzision und Wucht auf sein Kit ein, mal treibend, ein anderes Mal eruptiv explodierend.

Earthless, Vortex Siegen 2026, Pic by Big Simonski

Besonders beeindruckend ist, wie organisch die Band ihre Stücke wachsen lässt. Songs dienen lediglich als Ausgangspunkte für ausufernde Improvisationen, die sich ständig neu formieren. Violence Of The Red Sea entwickelt sich von einem schweren Doom-Groove zu einem fast meditativen Psychedelic-Trip, ehe die Band das Publikum mit einer finalen Lärmwand förmlich überrollt. Dabei zeigt sich auch, wie konsequent Earthless wieder zu ihren instrumentalen Wurzeln zurückfinden. Nachdem frühere Veröffentlichungen zeitweise mit Gesang experimentieren, steht diesmal erneut die pure Kraft des endlosen Jammens im Mittelpunkt. Und genau darin liegt die wahre Stärke der Band: Sie erschafft Klanglandschaften, die gleichzeitig archaisch und kosmisch wirken.

Das Publikum im nahezu ausverkauften Vortex hängt der Band vom ersten bis zum letzten Ton gebannt an den Lippen, beziehungsweise an den Verstärkertürmen. Viele schließen die Augen, lassen sich treiben, nicken tranceartig im Takt der monströsen Grooves. Andere stehen einfach fassungslos vor der Bühne und beobachten, wie sich drei Musiker gegenseitig immer weiter in einen kollektiven Ausnahmezustand spielen. Mit Cherry Red steigert sich das Konzert noch einmal in eine letzte Eskalationsstufe. Cherry Red wirkt wie ein finaler Befreiungsschlag: wild, chaotisch, ekstatisch – und doch jederzeit kontrolliert. Als die letzten Feedback-Schleifen langsam verklingen, hinterlässt die Band ein Publikum zwischen Erschöpfung und Euphorie.

Earthless beweisen in Siegen eindrucksvoll, warum sie seit Jahren als eine der besten Live-Bands des psychedelischen Heavy Rock gelten. Der Gig ist ein rauschhafter Trip durch die Geschichte des Heavy Psych: roh, laut und überwältigend

Fazit

Der Konzertabend im Vortex zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und mitreißend moderner Psychedelic- und Heavy-Rock heute noch sein kann. Trip eröffnen den Abend mit mutigen Improvisationen, Groove und atmosphärischer Tiefe, bevor Earthless das Publikum endgültig in einen kollektiven Klangrausch versetzen. Zwei Bands, zwei unterschiedliche Ansätze, und doch verbindet beide die Fähigkeit, Musik nicht nur zu spielen, sondern sie erlebbar zu machen.

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