Agent Fresco – Destrier Tour September 2015 am 26.09.2015 im Underground, Köln

Eventname: Destrier Tour September 2015

Headliner: Agent Fresco

Vorband: Lake Cisco

Ort: Underground, Köln

Datum: 25.09.2015

Kosten: 12,00€ VK

Genre: Progressive Rock

Besucher: ca. 200 Besucher

Veranstalter: Euroblast, prettyinnoise.de und nothingbuthopeandpassion

Link: https://www.facebook.com/events/1613368025568989/

2015 09 26 - Veranstaltungsfoto

Zum ersten Mal seit ewigen Zeiten geht es heute für mich mal wieder nach Köln. Die isländische Band Agent Fresco ist nämlich auf der Destrier Tour unterwegs. Das Album hat ja bei uns die Traumnote von 10 Punkten erhalten (Review: https://time-for-metal.eu/agent-fresco-destrier/). Diese Tour umfasst nur drei Termine – bevor Agent Fresco nach Köln gekommen sind, gab es schon Shows in Berlin und beim Reeperbahn Festival in Hamburg. Zum Ende des Jahres geht es dann auf große Europatournee.

Gruß- und wortlos betreten zunächst aber Lake Cisco die Bühne. Die Band durfte Agent Fresco schon während der vorangegangenen Europatournee supporten und ist auch heute einem Großteil der Besucher bekannt. Ich kenne sie zwar nicht, aber ich mag es, wenn die Supportbands einen ähnlichen Sound haben, wie die Hauptband, und so ist es bei Lake Cisco definitiv. Selbst der Gesangsstil von Florian Sczesny ist ähnlich, im Gegensatz zu Arnór Dan Arnarson singt er aber nicht nur sondern spielt auch noch Gitarre. Auf Rückfrage bei Florian gibt es für den heutigen Abend keine Setliste, und leider erhalte ich diese auch nicht nach dem Konzert. So kann ich nur sagen, dass einige Songs wohl von dem in Arbeit befindlichen neuen Album stammen. Lake Cisco liefern eine sehr mitreißende Show, die zwar viele ruhige Momente hat, für mich aber hauptsächlich von den abrupten Ausbrüchen lebt, bei denen die drei Jungs von der Saitenfraktion vollkommen aus sich herausgehen.

In Anbetracht der Tatsache, dass das Underground gut gefüllt ist, verlasse ich meinen Platz direkt an der Bühne in der Umbaupause nicht und sehe zu, wie Lake Cisco ab- und Agent Fresco aufbauen. Da alle Hand in Hand arbeiten, ist die Bühne für Agent Fresco schnell hergerichtet, und dann geht es auch schon los. Auch wenn wir hier auf der Tour für das aktuelle Album Destrier sind, starten Agent Fresco mit dem Song Paused vom Vorgängeralbum A Long Time Listening. Auch in der weiteren Folge gibt es immer wieder Songs von diesem Album, so dass die Setlist insgesamt fast genau zur Hälfte aus älteren und neuen Songs besteht. Im Gegensatz zu Florian Sczesny ist Arnór Dan Arnarson allerdings relativ gesprächig und erzählt immer wieder kleine Anekdoten zur Tour oder zu den Songs. Zunächst bedankt er sich aber bei Lake Cisco, die auch einen Teil der Ausrüstung zur Verfügung gestellt und so die „armen Isländer“ netterweise unterstützt haben. Auch zu diesem Kurztrip nach Deutschland, der ja nur drei Shows umfasst, hat Arnór Dan Arnarson eine kleine Geschichte zu erzählen. Da es bei der Anreise nach Deutschland insofern ein Problem gab, dass es von Island keine Flüge nach Berlin gab, musste man nach Frankfurt fliegen und von dort weiter nach Berlin reisen. Für so viel Aufopferung gibt es natürlich vom Publikum spontan einen Sonderapplaus 😀 Immer wieder überrascht bin ich über den Kontrast zwischen der normalen Stimme und der Singstimme von Arnór Dan Arnarson. Das stelle ich mir doch ziemlich anstrengend vor.

Und weiter geht es in der emotionalen Achterbahnfahrt, die insbesondere den Jungs auf der Bühne alles abverlangt. Arnór Dan Arnarson ist nur unterwegs, mal links, mal rechts, dann wieder am Piano, auf dem er im Wechsel mit Þórarinn Guðnason spielt. Aber nicht nur er, auch die anderen Jungs müssen regelmäßig die bereitliegenden Handtücher benutzen und auch zu den Wasserflaschen greifen. Dabei scheinen alle während der Songs in ihre ganz eigenen Welten abzutauchen, und auch der Blick in einige Gesichter im Publikum verrät, dass es hier ganz ähnlich ist.

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung von Destrier hatte Arnór Dan Arnarson zu zwei Songs die spezielle Geschichte erzählt. Einen ganz besonders traurigen Anlass hat Wait For Me, in dem es um den Tod des Vaters nach langer Krebserkrankung geht und die Mutter ihre Gefühlswelt beschreibt. Auch der Song See Hell hat einen bedrückenden Hintergrund, denn unter anderem hier verarbeitet Arnór Dan Arnarson den körperlichen Angriff, der auf ihn ausgeübt wurde. Allein, wie der Sänger scheinbar sehr allein am Bühnenrand steht und die Worte spricht „I wanted to kill him, but that would be illegal“, verursachen sicherlich nicht nur bei mir eine Gänsehaut. Dabei noch ein Lächeln im Gesicht zu haben, erscheint mir dann fast schon surreal.

Aber es gibt natürlich auch weitere lustige Momente. Da Schlagzeuger Hrafnkell Örn Guðjónsson am 23.09. Geburtstag hatte, wird der Song A Long Time Listening einfach mal zum Geburtstagsständchen umfunktioniert, und alle im Publikum singen lauthals mit. Und wie ich auch schon in meinem Review und in einer meiner Interviewfragen (Interview: https://time-for-metal.eu/das-interview-mit-agent-fresco-zum-aktuellen-album-destrier/) schrieb, ist bei Agent Fresco trotz der emotionalen Achterbahnfahrt niemals das Gefühl der Depression oder Frustration zu spüren, sondern es gibt immer Hoffnung. So sorgt die Atemlosigkeit von Arnór Dan Arnarson nach dem Song Angst auch für einige Lacher im Publikum, denn er steht sichtlich ausgepumpt an einer der Boxen und bittet um eine kurze Pause. Das tut er aber in einer dermaßen unnachahmlichen Art und Weise, dass man einfach nicht anders kann, als sie ihm lächelnd zu gewähren.

Das ist dann leider auch schon das vorletzte Lied des Abends. Man muss pünktlich aufhören, da nach dem Konzert noch eine Disco im Underground stattfindet und so werden wir alle um kurz vor 23 Uhr mit einem Lächeln in die Nacht entlassen.

Setlist Agent Fresco:

  1. Paused
  2. Howls
  3. Pyre
  4. Silhouette Palette
  5. Destrier
  6. Wait For Me
  7. Implosions
  8. Citadel
  9. See Hell
  10. A Long Time Listening
  11. Translations
  12. Dark Water
  13. Tempo
  14. Angst
  15. Eyes Of A Clound Catcher

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