At The Gates – To Drink From The Night Itself Tour Europe 2019 am 08.12.2019 im Hamburger Hochbunker

Melodic Death Metal Pioniere auf Besuch in Hamburg

Eventname: At The Gates – To Drink From The Night Itself Tour Europe 2019

Headliner: At The Gates

Vorband(s): Nifelheim und Deserted Fear

Ort: Übel & Gefährlich, Hamburg

Datum: 08.12.2019

Kosten: ab 40,05 € VVK, 45 € AK

Genre: Death Metal, Melodic Death Metal, Black Metal

Besucher: ca. 270 Besucher

Veranstalter: Kingstar Music (https://www.kingstar-music.com/)

Links: http://atthegates.se/
https://www.desertedfear.de/
http://www.nifelheim-official.com/

Setlisten:

Nifelheim:

  1. Infernal Flame Of Destruction
  2. Unholy Death
  3. From Hell`s Vast Plains
  4. Evil Blasphemies
  5. The Burning Warpath To Hell
  6. Bestial Rites
  7. Storm Of The Reaper
  8. Sodomizer
  9. The Bestial Avenger
  10. Satanic Sacrifice
  11. Possessed By Evil
  12. The Final Slaughter

At The Gate:

  1. Intro: Der Widerstand
  2. To Drink From The Night Itself
  3. Slaughter Of The Soul
  4. At War With Reality
  5. A Stare Bound In Stone
  6. Could
  7. The Colours Of The Beast
  8. Intro: El Alter Del Dios Desconocido
  9. Death And The Labyrinth
  10. Daggers Of Black Haze
  11. Under A Serpent Sun
  12. The Swarm
  13. Raped By The Light Of Christ
  14. Heroes And Tombs
  15. Nausea
  16. The Mirror Black
  17. Suicide Nation
  18. The Book Of Sand (The Abomination)
  19. Kingdome Gone
  20. Blinded By Fear
  21. The Night Eternal

Am letzten Tag des Hamburger Winterdoms findet im Hochbunker am Rande des Heiligengeistfelds das Konzert der Pioniere des Melodic Death Metal statt. At The Gates geben sich die Ehre an der Elbe. Die Schweden waren bereits zu Beginn des Jahres in Hamburg. Hier allerdings als Support für Behemoth in der Grossen Freiheit 36. Heute gibt es also eine Headliner Show im Übel & Gefährlich. Als Support sind Deserted Fear aus Thüringen sowie Nifelheim aus Schweden mit am Start.

Laut Übel & Gefährlich und Eintrittskarte ist Einlass um 19 Uhr und Beginn um 20 Uhr. Hamburger Konzerterfahrung lässt mich aber mal gegen kurz vor sieben bereits am Club aufschlagen. Hier geht es wieder in den vierten Stock des Hochbunkers und auf die mobile Kommunikation muss nun für die nächsten Stunden verzichtet werden. Ein Bunker ist halt ein Bunker – da kommt nix rein und nix raus. Einlass ist dann gegen 19.15 Uhr. 20 Minuten später stehen dann Deserted Fear auf der Bühne. Zu dem Zeitpunkt ist der Club natürlich nur spärlich gefüllt. Deserted Fear ist im deutschen Death Metal alles andere als eine unbekannte Nummer. Ob man hier evtl. die Kommunikation bzgl. der Anfangszeit etwas verbessern könnte? Die sympathische Truppe aus Thüringen freut sich ganz bestimmt über ein paar mehr Zuhörer (die dann im Laufe der Show eintrudeln).

Deserted Fear liefern wieder mal in Hamburg einen absolut gelungenen Auftritt ab. Natürlich ist es als Opener in einem sich langsam füllenden Saal alles andere als optimal. Die bekannten Songs Battalion Of Insanities und Bury Your Dead von dem Album My Empire sind ebenso in der kurzen Setlist, wie The Final Chapter vom neuen Album Drowned By Humanity. Acht Songs sind der deutschen Death Metal Band vergönnt – hätten von meiner Seite auch ein paar mehr sein dürfen. Nach knapp 40 Minuten Spielzeit müssen die vier Herren die Bühne leider räumen. Deserted Fear sind ja offiziell ein drei Mann Unternehmen (Manuel, Fabian und Simon). Live ist der Bassist Seppi jeweils mit dabei. Manuel sorgt für ein Lacher im Publikum. Er muss beim Wechseln der Gitarre jeweils den Gurt an die nun zu benutzende Gitarre anbringen. Umgurten ist das Schlagwort – der Ersatzgurt liegt @home in Iron Hill. Das Publikum dankt ihren Auftritt mit viel Bewegung, Pommesgabeln und fliegenden Haaren in den dünn besetzten Reihen. Die Band ist durchaus des Öfteren in Hamburg zu sehen und liefert am heutigen Abend neben gutem Sound auch noch witzige Dialoge – gerne wieder und gerne auch ein paar Songs mehr. Dann ggf. auch wieder in kleinen Locations wie Knust oder Bambi Galore.

Als Zweites sind die Schwarz Metaller Nifelheim an der Reihe. Dass es nun in Richtung Black Metal geht, zeigt sich schon bei der Dekoration der Bühne. Ein kleiner Sarg mit Schädel und etwas roter Farbe sind genauso zu sehen wie diverse Ketten rund um die Drums. Die schwedische Black Metal Band gibt es bereits seit knapp 30 Jahren und hat damit eine ähnlich lange Historie wie At The Gates. Am heutigen achten Dezember veröffentlichen Nifelheim eine neue EP mit zwei Songs. Titel: The Burning Warpath To Hell. Nach fünf Jahren Schaffenspause ein Lebenszeichen – für 2020 ist auch ein neues Album angekündigt. Los geht es aber mit Infernal Flame Of Destruction vom 2007er-Werk Envoy Of Lucifer. Die Reihen im Club sind wieder nicht unbedingt dicht gedrängt. Einige Besucher sind anscheinend nicht die großen Black Metal Sympathisanten und ziehen sich nach den ersten Songs in den hinteren Bereich des Clubs zurück. Zwischen zwei Death Metal Bands Old School Black Metal der 90er Jahre zu platzieren, ist auf jeden Fall ein gewisser Stilbruch. Nifelheim liefern eine Reise durch ihre Vergangenheit. Selbst ganz alte Titel wie Unholy Death aus dem Jahre 1993 schaffen es in die Setlist. Aber auch das gerade heute veröffentlichte neue Stück The Burning Warpath To Hell ist Bestandteil der Show. Dazu erinnert das Outfit irgendwie an eine Mischung aus Kiss und Venom. Nieten und Igel in Reinkultur. Eine Zeitreise in die 90er Jahre also auch vom Outfit. 12 Songs werden dargeboten und nach gut 50 Minuten Spielzeit endet der Auftritt. Richtig Stimmung will allerdings nicht aufkommen – dazu sind wohl zu wenig Black Metal Fans in der Crowd.

Nun wartet alles gespannt auf den Auftritt des Headliners und auch die Reihen vor der Bühne sind nun gut gefüllt. Mit reichlich Nebel und dem Intro Der Widerstand kommen Adrian Erlandsson (Drums), Tomas Lindberg (Gesang), Jonas Björler (Bass), Martin Larsson (Gitarre) und Jonas Stälhammar (Gitarre) auf die Bühne. Von dem 1995er Line-Up der Band sind also noch vier Bandmitglieder am Start. Nur der Bruder von Jonas Björler, Anders Björler, verließ die Band vor gut zwei Jahren. Los geht es dann mit dem Titeltrack des 2018er-Albums To Drink From The Night Itself. Mit Slaughter Of The Soul als zweiten Track bringt Tomas den Club auf Betriebstemperatur und der Moshpit dreht sich erstmalig am heutigen Abend. At The Gates springen dann zum 2014er-Record At War With Reality und den entsprechenden Titelsong. Natürlich sind die weiteren Klassiker des 95er-Meisterwerks wie Cold, Nausea, Suicide Nation und Blinded By Fear in der Setlist und sorgen für kräftig Bewegung beim Publikum. Aber auch jeweils einen Track der frühen Werke von 1992 bis 1994 schaffen es in die Show. So gibt es eine Old School Death Metal Zeitreise einer schwedischen Band die auch old school spielt. Als Zugabe wird u.a. mit Kingdome Gone ein Track des ersten Albums The Red In The Sky Is Ours aus dem Jahre 1992 dargeboten. Via Blinded By Fear und The Night Eternal endet der Auftritt von At The Gates nach knapp 90 Minuten Spielzeit. Das Publikum verabschiedet die fünf Schweden mit Pommesgabeln und Applaus.

Fazit: Zunächst ein Kritikpunkt zur Preisgestaltung für diesen Konzertabend. Die Eintrittskarte kostet ca. 40 € inkl. Gebühren im Vorverkauf, Abendkasse 45 € ohne HVV (Hamburger ÖPNV). Rechnen wir diesen Anteil mal mit dem Standardpreis von 3,30 € je Fahrt mit rein. Dann sind wir bei ca. 47 € für Karte und Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln an einem Sonntagabend. Zum Vergleich: Amon Amarth, Arch Enemy, Hypocrisy spielen am Freitag, den 13.12. in der Sporthalle Hamburg. Preis: 48,50 € inklusive HVV (alle Ringe). Jetzt kann jeder für sich selbst beurteilen, ob der Eintrittspreis für At The Gates und Support passend ist. Das Hamburger Publikum nutzt die Konzertangebote wie folgt: At The Gates = ca. 270 Zuschauer Amon Amarth = Sold out (ca. 4.800 Zuschauer) Genauso ist die Gestaltung der Preise für das Merchandising. 20 € für ein T-Shirt ist eigentlich der Standardpreis. Top Bands nehmen dann auch mal 25 €. Und was nehmen At The Gates? Genau: 25 €.

At The Gates liefert klassisch 90er Jahre Death Metal. Hier wird auf technischen Schnickschnack oder Keyboard verzichtet und kräftig in die Gitarren gegriffen. Da passt nicht jeder Ton oder Handgriff und der Sound ist auch nicht die absolute Perfektion. Wer also eher auf die Melodic Death Welt vom Göteborg Metal des neuen Jahrhunderts steht, wird von At The Gates weniger bedient. Für Freunde des rustikalen 90er Jahre Stils gute Unterhaltung. Dazu sind die alten Titel der Slaughter Of The Soul natürlich Ohrwürmer. Weiterhin macht ein doch recht starker Stilbruch mit Black Metal zwischen zwei Death Metal Bands nur bedingt Spaß. Es ist einfach eine andere Art von Musik. Positiv hervorheben möchte ich zum Abschluss noch mal Deserted Fear. Die Thüringer sind einfach eine gute Liveband.

Weitere Beiträge
Geistershow – Versus Goliath mit der Videopremiere am 27.05.2020 auf YouTube