Blessthefall & Support am 22. Juni 2018 in der Stadtmitte, Karlsruhe

“Eine kleine, aber starke Fangemeinde“

Headliner: Blessthefall

Support: Shvpes

Ort: Die Stadtmitte, Karlsruhe

Datum: 22.06.20187

Kosten: VVK ab 26,00 €, Abendkasse: 28 €

Genre: Post Hardcore, Metalcore, Screamo, Emo

Link: https://blessthefallmusic.com/

Häufig passiert es, dass Bands ihre Richtung ändern bzw. andere Elemente sowie Schwerpunkte in ihre Songs integrieren. Der Aufschrei nach zu weichgespültem Material und dem sehr schrecklichen „Soldout“ sind dabei immer stets sehr schnell zu finden. Manchmal gelingt es aber auch Bands sich so zu verändern, dass diese Veränderung offensichtlich ist und dennoch Fans sowie Kritiker weiterhin überzeugen kann, weil die Band eben im Kern noch immer das ist, was sie davor war.

Diesen März haben Blessthefall mit Hard Feelings ihr neuestes Album veröffentlicht und neben dem ungewöhnlich bunten Artwork hielt die Platte dann doch die eine oder andere Veränderung bereit. Genug, um Fans missmutig zu stimmen? Nun, spätestens innerhalb ihrer Europatour im Sommer zeigt sich dies wohl. Diese Tour, teilweise als Headliner, teilweise als Support, bringt die Band am 22. Juni 2018 auch nach Karlsruhe. In der kleinen Location Die Stadtmitte findet an diesem Abend eine der eher wenigen Headlinershows der Gruppe statt. Als Support und Opener haben sich die Jungs aus den Staaten Shvpes eingepackt. Die Stadtmitte füllt sich bereits recht schnell nach Einlass mit zahlreichen Fans, die mit extremer Vorfreude an diesem Abend aufgelegt sind. Ja, eine Tatsache haben Blessthefall in den letzten Jahren stets bewiesen: Auch wenn sie häufiger als Support und/oder in kleinen Locations anzutreffen sind, so haben sie doch eine sehr treue Fangemeinde – und genau die ist an diesem Abend zahlreich vertreten.

Doch bevor es mit dem eigentlichen Headliner des Abends losgeht, eröffnen Shvpes die Bühne, die momentan auch durch Europa ziehen und dabei unterschiedliche Bands supporten, so z.B. auch Bullet For My Valentine am 19. Juni in Hohenems, Österreich. Hier in etwas kleineren Verhältnissen nutzen die Jungs dennoch die komplette Bühne aus, soweit es Die Stadtmitte als Location eben zulässt. Die Bewegungsstärke des Publikums zeigt sich dabei zu Beginn noch sehr passiv, auch wenn Shvpes von erster Minute an Vollgas geben und auch die Energie und Bewegung vom Publikum fordern. Durch ein solides Set bewegt sich die Band durch ihre bekannten Songs sowie die neu veröffentlichten Singles – veröffentlichen sie doch am 6. Juli ihr nächstes Album Mixtape 1. Und was die Herren bisher davon präsentiert haben, weiß auf jeden Fall zu gefallen. Es ist vor allem die Energie auf der Bühne, welche Shvpes zu den perfekten Openern macht und auch hier könnte man sich durchaus eine eigene, kleine Headlinershow vorstellen.

Danach geht es dann auch recht zügig mit dem Headliner des Abends weiter: Blessthefall betreten die Bühne. Zuletzt tourten die Jungs zusammen mit Our Last Night durch Deutschland und als Fan ist man an dieser Stelle einfach froh, sie mal endlich als Headliner erleben zu dürfen. Sie starten ihr Set dabei direkt mit einem der wohl besten Lieder der neuen Platte: Wishful Sinking dürfte sich wohl nun für einige Zeit als perfekter Opener für die Gruppe etablieren. Dabei fällt auch direkt der überraschend überzeugende Sound auf, der durchaus bei vorherigen Konzerten eher weniger positiv auffiel. An diesem Abend stimmt die Balance zwischen Vocals und Instrumentation und das Publikum zeigt sich euphorisch – egal ob zur alten oder neuen Platte.

Was Blessthefall mit ihrem neuen Album trotz leichtem Soundwechsel richtig gemacht haben, beweisen sie live noch einmal auf ganzer Linie: So zeigen sie mit den Songs von Hard Feelings durchaus eine verletzlichere und stark emotionale Seite, wissen dabei aber typische Blessthefall-Strukturen innerhalb der Umsetzung beizubehalten. Live zeigt sich diese Tatsache noch stärker, auch wenn die größeren ‚Ausraster‘ im Publikum dann doch während der älteren Songs stattfinden. Insgesamt zeigt sich das Publikum etwas zurückhaltend an diesem Abend – da hatte man durchaus bereits aktivere Mengen. Diese Tatsache tut aber dem Abend natürlich keinen Abbruch.

Blessthefall bewegen sich recht zügig durch ihr Set, wobei vor allem Sänger Beau auch stets den Kontakt zum Publikum sucht, an einer Stelle sogar die Bühne verlässt, um einfach im Publikum weiterzusingen – genau für solche Momente liebt man die kleinen Locations ohne Barriere. Eine Zugabe gibt es am Ende nicht, aber zumindest wird das Ende auch deutlich angekündigt, womit man als Fan nicht seltsam in der Luft hängen bleibt. Und auch, wenn das Set dadurch insgesamt eher von kürzerer Dauer war, so bringen Blessthefall auch vor allem Energie auf die Bühne und halten mit ihrem Stil bzw. ihrer musikalischen Ausrichtung etwas am Leben, was in den 2000ern wohl noch um einiges häufiger vertreten war: Die Mischung aus Metalcore, Screamo und Emo drückt der Band sowie der Musik zwar einen gewissen Stempel auf, wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, kann sich auf jeden Fall darin verlieren. Die Fans und auch die Band scheinen mit dem Abend zufrieden – der nächste Besuch im Lande Deutschland soll dabei laut Band nicht zu lange auf sich warten lassen.

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