Bonfire – Roots

Bonfire nehmen in der Pandemie eine almost unplugged Scheibe auf, die mithilfe eines Crowdfunding Projekt realisiert werden konnte

Artist: Bonfire

Herkunft: Ingolstadt, Deutschland

Album: Roots

Spiellänge: 104:14 Minuten

Genre: Hard Rock

Release: 26.02.2021

Label: AFM Records

Link: http://www.bonfire.de

Bandmitglieder:

Gesang – Alexx Stahl
Gitarre, Background Gesang – Hans Ziller
Gitarre, Background Gesang – Frank Pané
Bass, Background Gesang – Ronnie Parkess
Schlagzeug –André Hilgers

Tracklist:

  1. Starin‘ Eyes
  2. American Nights
  3. Let Me Be Your Water
  4. The Price Of Loving You
  5. Comin‘ Home
  6. Ready 4 Reaction
  7. Give It A Try
  8. Sleeping All Alone
  9. Who’s Fooling Who
  10. Why Is Never Enough

  1. Fantasy
  2. When An Old Man Cries
  3. Love Don‘t Lie
  4. Lonely Nights
  5. Under Blue Skies
  6. You Make Me Feel
  7. No More
  8. The Devil Made Me Do It
  9. Without You
  10. Your Love Is Heaven To Me (Bonus)
  11. Piece Of My Heart (Bonus)
  12. Youngbloods (Bonus)
  13. Our Hearts Don’t Feel The Same (Bonus)
  14. Wolfmen (Bonus)

Knapp ein Jahr nach Fistful Of Fire (Review hier) kommen Bonfire bereits mit einem neuen Doppelalbum um die Ecke. Das mag zwar verwunderlich sein, ist es aber dann doch nicht. Die Corona-bedingt abgesagte Tour im Jahre 2020, in der das Erfolgsalbum ausgiebig promotet werden sollte, ließ die Band um Hans Ziller überlegen, welche Optionen es gibt. So entschloss man sich kurzfristig, ein Akustikalbum zu realisieren. Dazu wurde ein Crowdfunding-Projekt gestartet, um das Album aufnehmen zu können. Es wurden 19 Songs aus der Bandgeschichte ausgewählt, die in einer neuen Interpretation auf das Doppelalbum gepresst werden sollten. Dazu gibt es fünf neue Songs, die eben über das Crowdfunding-Projekt finanziert und aufgenommen wurden und als Bonussongs auf der CD ihren Platz gefunden haben. Des Weiteren wurde in diesem Zuge über eine StartNext-Kampagne versucht, Geld in die knappe Bandkasse zu spülen. Darüber konnten und können seltene, kostbare oder originelle Memorabilien aus dem Fundus der Band ersteigert werden. So können neben dem eigenen Namen im Booklet der neuen CD, auch ein exklusives Akustik-Wohnzimmer-Konzert oder auch Bühnenoutfits der Musiker erworben werden. Mastertapes oder Verstärker kamen ebenfalls in den Fundus und stehen teilweise noch immer (Link) zur Disposition. Schaut man sich diese Kampagne an, dann ist eigentlich für jeden etwas dabei und unterstützt die Ingolstädter. Selbst ein Dankeschön in unterschiedlichen Ausprägungen kann mit einer Spende erworben werden. Solche Aktionen sollen dem Künstler in der schweren wirtschaftlichen Lage helfen und auch andere Bands haben diese Möglichkeit für sich adaptiert.

Das almost unplugged Album ist nicht ganz unplugged und bietet eine Auswahl aus den unterschiedlichen Phasen der Truppe. Diese Songs erfahren durch die neuen Arrangements und Interpretierungen eine Aufwertung und können schon fast als neuwertig durchgehen. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat die Stimme von Alexx Stahl, der den Tracks seinen Stempel aufdrückt. An vielen Stellen kommen aber auch die anderen Herren zum Einsatz und steuern mehrstimmigen Backgroundgesang dazu. Gitarrist Frank Pané hält sich etwas zurück und liefert nur wenige verstärkte Soli dazu. Die vielen hauptsächlich akustisch untermalten Songs können trotzdem überzeugen. Die Musik bleibt natürlich Bonfire-typisch und in den Bonustracks kommt das auch elektrisch verstärkt zum Ausdruck. Mit dem sparsamen Einsatz von Instrumenten lassen es die Songs aber sehr gut angehen. Wer hier den musikalischen Vorschlaghammer erwartet, wird zunächst enttäuscht. Balladen wie Comin’ Home, Give It A Try oder die noch junge Version von When An Old Man Cries stehen im Fokus. Aber auch schnellere Nummern wie Ready 4 Aktion vom 87er-Werk Fireworks, da mit Claus Lessman am Mikro, oder American Nights erstrahlen in einem neuen Licht. Auch Starin‘ Eyes vom 1986 erschienenem Debüt Don’t Touch The Light ist als Opener außerordentlich gut gewählt, gelungen und lässt bereits angenehm aufhorchen. Dem aufmerksamen Zuhörer werden die vielen passenden Keyboard-Passagen in den Tracks auffallen. Hierfür ist Martin Ernst verantwortlich, der bereits bei den Fireworks Sessions seine Kunst beigesteuert hat. Das Ende des ersten Silberlings wird mit Songs von Point Blank aus dem Jahre 1989 erreicht und lässt die Vorfreude auf den zweiten Silberling steigen.

Zunächst dachte ich, es wird eine chronologische Reihenfolge, allerdings musste ich mich davon schnell verabschieden. Aber das ist eigentlich auch egal, denn die Songs sind teilweise so neu interpretiert, dass ein Rückschluss auf die Vergangenheit kaum nachvollziehbar ist. Fantasy, der erste Track der zweiten CD, ist wieder von Fireworks und wird dann mit einem Song vom letztjährigen Album fortgesetzt. Das herausragende Love Don’t Lie, beim dem Lydia Pané mit Alexx Stahl ein begnadetes Duett zum Besten gibt, ist eines der Highlights der Platte. Aber auch Lonely Nights von Byte The Bullet muss sich nicht verstecken. Nach der Rockhymne The Devil Made Me Do It wird mit Without You, ebenfalls vom 2017 erschienenen Byte The Bullet, der Ausflug in die Vergangenheit beendet. Es folgen die fünf Bonustracks, die auf Fanwunsch entstanden sind. Mit Your Love Is Heaven For Me und Piece Of My Heart ändert sich auch das bis dato vorherrschende akustische Gewand. Die Tracks sind typischer Bonfire Hard Rock mit ordentlich Strom auf den Verstärkern und in der Gitarre. Ein wie ausgewechselt klingender Alexx Stahl sowie die Gitarristen Frank Pané und Hans Ziller dürfen sich nun zumindest etwas austoben. Es folgen noch Youngbloods und Our Hearts Don’t Feel The Same, bevor der letzte Song Wolfmen, der exklusiv für den gleichnamigen Motorradklub geschrieben wurde und von dem es nur fünf CD-Singles gibt, das Album standesgemäß beschließt. Diese letzten Songs versöhnen all diejenigen, denen es bis dahin zu schmusig war. Das Album wird es als Doppel-CD und auch als farbige, auf 500 Einheiten limitierte Vinylausgabe geben. Da fehlen dann leider die Bonussongs.

Bonfire – Roots
Fazit
Wer Bonfire Songs mal etwas anders hören möchte, sollte hier zuschlagen. Die emotionalen Momente und Songs stehen im Vordergrund, obwohl auch Platz für rockigere Stücke vorhanden ist. Die fast unplugged gespielten Songs erfreuen sich durch die Interpretationen eines Jungbrunnens und gewinnen dadurch ungemein. Durch die Bonustracks kommen aber auch Hard Rocker zu ihrem Recht - somit bringen Bonfire ein beachtenswertes Album in Zeiten der Pandemie zu ihren Fans.

Anspieltipps: Comin‘ Home, Love Don’t Lie, Piece Of My Heart und Ready 4 Reaction
Kay L.
9
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7.6
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Punkte
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