Breakdowns At Tiffany’s – Gravity

“Das Aufbegehren gegen die Hoffnungslosigkeit“

Artist: Breakdowns At Tiffany’s

Herkunft: Krefeld, Deutschland

Album: Gravity

Spiellänge: 33:59 Minuten

Genre: Post Hardcore, Metalcore

Release: 30.09.2017

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/Breakdownsattiffanys/

Produktion: Megablaster Recordings, Marl von Timo Bonner (Recordings)

Bandmitglieder:

Gesang – Marius Wedler
Gitarre – Sebastian Dirckes
Gitarre – Alexej Seelinger
Bassgitarre – Paco Gruhlke
Schlagzeug – Daniel Heuken

Tracklist:

  1. Gravity
  2. Heart Of Darkness
  3. Constellations
  4. Square Shaped Circle
  5. Prismatic
  6. False Perceptions
  7. No Spit
  8. Ghost
  9. Smother
  10. Cleansing

 

Beim Bandnamen Breakdowns At Tiffany’s muss ich ja immer sofort an zwei Sachen denken: Zum einen an die Schweizer Band Breakdown Of Sanity – die ja leider verkündet haben, dass sie sich auflösen – und zum zweiten an Breakfast At Tiffany’s. Nein, ich meine jetzt nicht den Film mit der wunderbaren Audrey Hepburn aus dem Jahr 1961, sondern den Pop-Song der Band Deep Blue Something, der sich im Jahr 1995 zu einem wahren Ohrwurm entwickelte und von jeder Radiostation rauf- und runtergespielt wurde. Die Krefelder Band Breakdowns At Tiffany’s steht naturgemäß der Schweizer Band näher, und ich durfte ihre energiegeladene Show schon während des Krefelder Moshroom Festivals im Jahr 2016, während ihres Supportslots für Pro-Pain und beim Rock@Area 51 – jeweils in Duisburg – erleben. Jetzt hauen die Jungs am 30.09. ihr zweites Album Gravity raus, was auch mit einer Releaseshow im Magnapop in Krefeld gebührend gefeiert werden soll. Da sind wir von Time For Metal natürlich auch vor Ort, aber zunächst mal zum Album Gravity. Es ist das erste, auf dem Marius am Mikrofon steht. Er war im vergangenen Jahr zur Band gestoßen und hatte Kassim ersetzt, der nach acht Jahren bei Breakdowns At Tiffany’s das Mikrofon abgegeben hatte.

Mit einem wabernden Keyboard geht es los, bedrohlich tickt eine Uhr, der Titeltrack Gravity ist gleichzeitig das instrumentale Intro und macht mit seiner Spielzeit von ungefähr zwei Minuten definitiv Lust auf den ersten Moshpit.

Gleich zu Beginn von Heart Of Darkness darf man sich dann davon überzeugen, welch‘ unendlich tiefe Growls Marius von sich geben kann. Und was die Instrumentalfraktion hier schon liefert, ist beachtlich. Da wechselt sich die Saitenfraktion mit waberndem Bass, grandiosen Gitarrenläufen, Slidings, Pickings und Mutings ab und wird dabei von den sehr geilen Doublebass-Attacken vom Schlagzeug gepusht, dass mir der Mund offen steht. Vollkommen überrascht bin ich dann gleich mal bei Constellations, das inmitten all dieser aufeinanderprallenden und doch miteinander harmonierenden Töne der Instrumentalfraktion und den breakdown-ähnlichen Strukturen mit einem wunderbaren Klargesang aufwarten kann. Der kommt von Timo Bonner, der auch die Aufnahmen des Albums in seinem Studio Megablaster Recordings in Marl überwacht hat. Klargesang hätte ich nun bei Breakdowns At Tiffany’s nicht erwartet, ist aber leider der einzige Song, der damit um die Ecke kommt. Clean Singing ist ja nicht jedermanns Sache, ich mag es, vor allem, wenn es so klasse gemacht ist.

Bewegen sich die Songs ja überwiegend im Midtempo-Bereich, nehmen Square Shaped Circle – der Titel bringt den Inhalt des Unabänderlichen und der Unmöglichkeit wunderbar auf den Punkt – und Prismatic streckenweise ordentlich Fahrt auf – ich sehe die Meute schon durch den Saal toben –, wobei Breakdowns At Tiffany’s auch hier großen Wert auf Abwechslung legen, denn es wird nicht einfach nur stur aufs Gaspedal gedrückt. Apropos Abwechslung, False Perceptions kann mit einem wunderbaren Gitarrenspiel aufwarten – dass ich das mal im Zusammenhang mit einem Post Hardcore-Album schreibe! 😀 Bei No Spit – der im Gegensatz zu fast allen anderen Songs nicht von Verzweiflung und Trauer handelt, sondern von ziemlich tiefem Hass – überschlägt sich dann Marius in seiner gesanglichen Variabilität, die sehr krassen Wechsel zwischen Shouts und tiefsten Growls sorgen bei mir für wahre Gänsehautschauer. Dass der Song dann noch so etwas wie einen „Mitklatsch-Part“ liefert, tackert mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Da bin ich gespannt, was da live passiert!

Die zweite Single aus dem Album Gravity ist Ghost, und dass die Jungs da lange drum diskutiert haben, glaube ich eher nicht. Ein Post Hardcore-Song par excellence, wobei man Breakdowns At Tiffany’s nicht in diese eine Schublade stecken sollte, das würde den Jungs nicht gerecht. Davon könnt Ihr Euch hier überzeugen, zu Ghost haben die Jungs nämlich ein tolles Video veröffentlicht:

Zum Track False Perceptions haben Breakdowns At Tiffany’s bereits im Dezember 2016 ein Video rausgehauen, mit dem Marius als neuer Sänger vorgestellt wurde. Hier könnt Ihr Euch selbst anhören, was ich mit „wunderbarem Gitarrenspiel“ meine – Sebastian legt ab ca. 2:20 Minuten los… 🙂

Fazit: Bereits seit etwas über einem Monat läuft das Album bei mir rauf und runter und hat sich eigentlich nur mit dem letzten Meisterwerk von Rings Of Saturn abgewechselt. Bei jedem Hören bin ich aufs Neue fasziniert von vielen Dingen, angefangen von der grandiosen, sehr variablen Gesangsleistung von Marius – so tiefe und trotzdem klar verständliche Growls habe ich zuletzt tatsächlich bei Rings Of Saturn gehört – über die Virtuosität der Instrumentalfraktion bis hin zu den Songs an sich. Das ist nicht irgendein Einheitsbrei, das sind richtig klasse geschriebene Melodien und auch Texte, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt. Da denke ich bei Tiffany's dann doch noch an den für seinen hochwertigen Schmuck bekannten Laden, denn Breakdowns At Tiffany's haben hier ein absolut hochwertiges Album geliefert, von dem ich hoffe, dass es ein weiterer Schritt auf dem Weg nach ganz oben wird.

Anspieltipps: eigentlich alles, meine Favoriten sind Constellations und Prismatic
Heike L.
9.5
Leser Bewertung2 Bewertungen
9.5
9.5
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