Dayseeker – Dreaming Is Sinking /// Waking Is Rising

Das Spiel zwischen Gefühl und Energie!“

Artist: Dayseeker

Herkunft: Orange, Kalifornien

Album: Dreaming Is Sinking // Waking Is Rising

Spiellänge: 44 Minuten

Genre: Metalcore, Post Hardcore,

Release: 14.07.2017

Label: Spinefarm Records

Link: https://de-de.facebook.com/dayseeker/

Bandmitglieder:

Gesang – Rory Rodriguez
E-Gitarre – Alex Polk
E-Gitarre – Gino Sgambelluri
E-Bass – Andrew Sharp
Schlagzeug – Mike Karle

Tracklist:

  1. Dreaming Is Sinking
  2. Vultures
  3. Cold, Dark Winter
  4. Abandon
  5. Sleep In The Sea Part Two
  6. Six Feet Under
  7. Hanging By A Thread
  8. Desolate
  9. Carved From Stone
  10. Come Hell Or High Water
  11. Counterpart
  12. Waking Is Rising

Im Genre des Metalcores kann man nicht unbedingt von einer Bandarmut sprechen, ganz im Gegenteil, scheint es doch so, als würden sich viele Bands innerhalb des Genres bewegen und versuchen auf sich aufmerksam zu machen. Bekannte Namen wie While She Sleeps, Architects oder auch Memphis May Fire dürften da wohl einigen Lesern bzw. Zuhörern einfallen. Eine Band, die da bisher eher unter dem Radar lief, so zumindest bisher, ist die kalifornische Gruppe Dayseeker, die nun mit Dreaming Is Sinking /// Waking Is Rising ihre inzwischen dritte Platte veröffentlicht. Ist dies nun endlich das Erwachen der Zuhörer oder gehen Dayseeker eher weiter im Genretrubel unter?

Das Intro, das bereits den ersten Teil des Titels trägt, Dreaming Is Sinking, arbeitet ausschließlich mit Sprachgesang, der schnell an Pfad aufnimmt und gnadenlos in den ersten richtigen Track Vultures überleitet. Sofort fallen die mehr als perfekt abgelieferten Vocals auf, welche gekonnt zwischen Screams und Cleans im Wechsel arbeiten. Hätte man hier als Neuhörer eventuell eher „Anfänger“ Klänge erwartet, so wird man schnell eines besseren belehrt. Dayseeker wissen genau, was sie tun und halten sich dabei gewählt instrumentell im Hintergrund – eine Tatsache, die Vultures erst richtig den Ausdruck und das Gefühl verleiht, welcher der Song benötigt, um die Zuhörer zu fesseln.  Als solcher fühlt man sich ein wenig an Alazka erinnert, wobei hier insbesondere die Screams weitaus weniger dem Melodic Hardcore folgen, wie das bei Alazka der Fall ist. Dayseeker scheinen dabei etwas stärker am typischen Metalcore dran. Fans von Alazka dürften aber auf jeden Fall schon mit dem ersten Song verliebt sein.

Der Übergang zu Cold, Dark Winter geschieht ähnlich wie zu Beginn zwischen Intro und Vultures fast unbemerkt – eine Tatsache, die jedes Album als Gesamtwerk noch einmal aufwertet. Auch hier halten sich Dayseeker an Kraft zurück, lassen die Energie dann jedoch vor allem zum Ende noch einmal heraus. Der Band gelingt es, eine gewisse Spannung und Atmosphäre zu kreieren.

Mehr Energie liefert dann auch der Nachfolger Abandon, der die Screams aus dem letzten Song direkt mitnimmt – die Verknüpfungen sind genial umgesetzt und wenn man nicht darauf achten würde, so wäre es schwierig Anfang und Ende eines Songs zu bestimmen. So liegen die Stärke und Energie der Screams hier am Ende und am Anfang, während der Rest von Abandon weitaus sanfter in der Grundstimmung ist – an dieser Stelle muss auch ein Lob an Sänger Rory gehen, der sowohl mit Screams als auch Cleans gnadenlos auf beiden Ebenen überzeugt.

Sleep In The Sea – Part II bringt endlich etwas mehr Energie und Screams, auf die man als Zuhörer bereits gehofft hat – bisher schienen alle Songs wie die Ruhe vor dem Sturm. Auch wenn dieser Song auf Cleans nicht verzichtet, so besitzt er dennoch bis dato eine der besten Energielevel im gesamten Album. Dayseeker beweisen, dass sie es wert sind, beachtet zu werden, sich nicht unbedingt hervorheben müssen, aber genau damit ihren ganz eigenen Sound um sich herum entwickeln. Insbesondere in Sleep In The Sea – Part II kommt ihre Mischung und Energie noch um einiges besser zum Tragen. Spätestes jetzt realisiert man, dass man hier eine unglaublich talentierte Band vorliegen hat.

Und wer erwartet, dass sich die Kalifornier mit diesem Song nun etwas versteifen würden oder gar ihre besten Seiten ausgespielt hätten, wird mit Six Feet Under mit dem Gegenteil belehrt. Noch stärker scheint die Linie zwischen Clean und Scream zu verwischen, das Spiel zwischen Gefühl und Energie, welches Dayseeker ohne Probleme aufrechterhalten und dabei um einiges mehr überzeugen können als so manche andere, bekanntere Kollegen.

Mit Hanging By A Thread wird der Band und auch dem Zuhörer eine musikalische Pause gegönnt – so ist der Song selbst weitestgehend ruhig und kommt zwar an die Stärke und Kraft seiner zwei Vorspieler nicht heran, muss er aber auch gar nicht – er scheint lediglich als kleine Ruhepause zu dienen und leitet dabei wieder am Ende die Energie in den darauffolgenden Track Desolate. Dieser arbeitet dann mit mehr Breakdowns, als man bisher genießen durfte, und bringt wieder den nötigen Aufschwung. Ebenso interessant, dass der vorherige Track Hanging By A Thread im Lyrics von Desolate erhalten und wohl weiter interpretiert wird. Desolate reiht sich in die Reihe der Alben- Favoriten, die mit jedem Song länger zu werden scheint.

Come Hell or High Water fährt instrumentell etwas stärker aus, als es Dayseeker bisher getan haben – die Grenzen zwischen Metalcore und Post Hardcore verschwimmen hier wohl am stärksten. Dem Song gelingt es zwar musikalisch nicht besonders stark hervorzutreten, jedoch eine eigene, düstere Atmosphäre um sich herum zu schaffen.

Der letzte Track liefert dann auch die zweite Hälfte des Titels: Waking Is Rising gleicht nach dem eher ruhigen Counterparts definitiv einem Erwachsen und schließt gleichzeitig den Kreislauf, welcher innerhalb des Albums Form angenommen hat. Der Titel selbst wird dabei auch als Lyrics verwendet. Wieder spielen Dayseeker das Spiel zwischen Energie und Gefühl perfekt aus – und am Ende kann man sich eigentlich gar nicht entscheiden, welcher Song nun am besten war.

Fazit: Mit Dreaming Is Sinking /// Waking Is Rising liefert die kalifornische Band Dayseeker nicht nur ein gutes Metalcore Album, sondern zeigt auch, dass sie definitiv im Genre selbst bei den großen Bands mitspielt und genau weiß, was sie tut. Sowohl Screams als auch Cleans werden perfekt und dennoch gefühlvoll abgeliefert. Das Album fließt vor sich hin und dennoch wird bei näherer Betrachtung dahinter ein Konzept sichtbar. Vor allem der letzte Song Waking is Rising scheint seinen Titel fast schon zu verkörpern, ist es doch ein Erwachen am Ende und genau dieses kommt dann für den Zuhörer auch eher überraschend. Zweifelsohne ein fantastisches Album!

Anspieltipps: Waking Is Rising, Six Feet Under, Sleep In The Sea - Part II
Anabel S.
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9.7
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