Call It Tragedy im Interview über Bartpflege, das neue Album „Penumbra“ und die Verbindung zur Band „Alesana“

Artist: Call It Tragedy

Herkunft: Marburg und Gießen, Deutschland

Genre: Metalcore

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/CallItTragedy

Bandmitglieder:

Gutturaler Gesang – Jörn Engelhardt
Bassgitarre & klarer Gesang – Harvey Stemmler
Gitarre – Thorsten Mootz
Schlagzeug – Daniel Schepp

Time For Metal / Kai R.:
Hallo Call It Tragedy,
Ich hoffe, euch geht es gut?
Ich starte eigentlich immer mit einer lockeren Frage – also: Wie bekommt Sänger Jörn Engelhardt seinen Bart so hin und benutzt er dafür Bartpflege – wenn ja, welche?

Call It Tragedy:
Das wird Jörn lustigerweise oft als Erstes gefragt. Er benutzt zur Bartpflege eine Stückseife und Jojobaöl und zum Styling einen sehr starken Haarkleber.

Time For Metal / Kai R.:
Am 24.04.2020 erschien mit Turbulence euer aktuelles Album. Das zweite Release hat bei uns mit 8,5/10 Punkten mehr als ordentlich abgeschnitten. Wie viel Arbeit steckt hinter dem Album?

Call It Tragedy:
Es steckt definitiv viel Arbeit hinter dem Album. Die größte Hürde war wohl der Moment so circa Anfang 2018, wo wir beschlossen haben, eine Handvoll Songs, an denen wir gearbeitet haben, „wegzuwerfen“, weil wir dachten, dass wir in der Lage sind, bessere Songs zu schreiben. Kurz darauf entstanden dann ein paar neue Songs, darunter auch Immortal, und dann wurde uns im Prozess klar, wie das Album denn etwa klingen soll. Im Spätsommer/Herbst 2018 ging es dann in die Pre-Production Phase und im Frühling 2019 haben wir dann endlich das finale Album aufnehmen können.

Time For Metal / Kai R.:
Was ist die Kernaussage des Albums? Steckt ein Konzept dahinter?

Call It Tragedy:
Ursprünglich wollten wir eine Konzept EP machen, allerdings haben wir dann genug Songs für ein volles Album geschrieben und stattdessen beschlossen, die Konzept EP in das Album zu integrieren. Wer eine CD von Turbulence besitzt, der wird vielleicht die römischen Zahlen an manchen Songs auf der Tracklist bemerken, das sind die Songs der Konzept EP, auf welche nun das ganze Album basiert. Diese Songs erzählen die Geschichte eines Paares, welches in die Drogenwelt flieht und sich darin verliert. Einer der beiden schafft es, sich wieder zu fangen und Boden zu fassen, während der andere sich weiter in der Drogenwelt verliert. Diese Geschichte ist umschrieben als zwei junge Vögel, die ihren ersten Flug wagen (Wings), dies auch schaffen, sich aber schnell in einem Sturm verfangen (Storm) und starken turbulenten Strömen ausgesetzt sind (Turbulence). Schließlich schafft es der eine Vogel, sich aus dem Sturm zu kämpfen und sicher zu landen, während der andere Vogel weiter im Sturm gefangen bleibt (Feather).

Time For Metal / Kai R.:
Zum ersten Release Penumbra sind vier Jahre vergangen. Wie lange habt ihr am neuen Album gearbeitet und wo zur Hölle wart ihr die ganze Zeit? ?

Call It Tragedy:
Ganz still waren wir ja nicht, seit Dezember 2018 haben wir immerhin vier neue Singles veröffentlicht, darunter zwei mit Musikvideos, die auch echt gut ankamen und regelmäßig haben wir auch Auftritte gespielt. Nach dem Release des ersten Albums Penumbra gab es sehr viele Besetzungswechsel in der Band, was wohl auch dazu geführt hat, dass eine längere Zeit kein Album kam. Andere Bands hätten sich wahrscheinlich aufgelöst oder den Namen gewechselt, wir sind aber sehr froh, seit Ende 2018 eine sehr stabile und starke Besetzung zu haben.

Time For Metal / Kai R.:
Für Tubulence habt ihr mit Christoph Weczorek zusammengearbeitet. Wie kam diese Kooperation zustande und wie arbeitet es sich so mit dem Mastermind hinter Annisokay?

Call It Tragedy:
Wir finden den Sound seiner eigenen Band sehr fett und professionell und haben uns dann noch ein paar andere Mixes seiner Arbeit mit Sawdust Recordings angehört. Im deutschen Raum ist er definitiv einer unserer Favoriten in diesem Genre. Mit der Single Immortal haben wir es damals mit ihm ausprobiert und uns dann auch dazu entschieden, dass er das ganz Album mixen wird. Wir haben ihn einfach angeschrieben und so kam die Zusammenarbeit zustande. Leider haben wir ihn in dem Prozess nie persönlich gesehen, die Kommunikation erfolgte über E-Mails. Die Zusammenarbeit und die Kommunikation mit ihm war immer schnell, zuverlässig und problemlos!

Time For Metal / Kai R.:
Zum Song Blackout habt ihr euren Fans ein Musikvideo kredenzt – wie liefen die Aufnahmen und wo fand der Dreh statt?

Call It Tragedy:
Das Video haben wir im Januar 2020 gedreht. Der Dreh war echt hart, es war verdammt kalt und da wir diese Nachtaufnahmen haben wollten für die zweite Hälfte des Videos, wurde es auch ein langer Drehtag, aber es hat sich gelohnt! Das Video haben wir in Herborn (Hessen) gedreht, ist von uns etwa 30 Minuten mit dem Auto entfernt. Die Location haben wir über einen Bekannten bekommen. Lustigerweise steht das Gebäude, in dem wir gedreht haben, nicht mehr. Das wurde zwei Wochen nach dem Dreh abgerissen.

 

Time For Metal / Kai R.:
Was hört ihr privat für Musik? Was sind eure Lieblingsbands?

Call It Tragedy:
Das ist bei jedem unterschiedlich, aber bei Bands wie Veil Of Maya, Bullet For My Valentine, The Devil Wears Prada oder Dance, Gavin Dance kommen wir auf einen gemeinsamen Nenner.

Time For Metal / Kai R.:
Die Corona-Krise hat die Musikwelt fest im Griff – wie vertreibt ihr euch die Zeit während der weltweit größten Homeoffice-Phase? (Irgendeine lustige Idee für unsere Leser?)

Call It Tragedy:
Da das Album-Release bevorsteht, sind wir natürlich damit beschäftigt, das Release über das Internet so gut es geht zu promoten, verschiedene Magazine anzuschreiben usw. Langweilig wird uns also noch nicht, außerdem haben wir auch schon ein paar neue Songs schreiben können. Wir schauen auch momentan durch alte Livevideos, um zu schauen, was für Content wir für unsere Abonnenten veröffentlichen können, den es online noch nicht gab.

Time For Metal / Kai R.:
Dann habe ich mir gedacht, dass Call It Tragedy irgendwie ein wenig traurig klingt. Was soll man nun eine Tragödie nennen und was verbindet ihr mit dem Namen?

Call It Tragedy:
So viel Bedeutung steckt tatsächlich nicht hinter dem Namen. Jörn hatte die Idee für den Namen von einem Alesana Songtitel und wir fanden, dass es ein cooler Bandname wäre.

Time For Metal / Kai R.:
Abschließend lasse ich gerne den Bands ein wenig Platz, um selbst eine Frage zu stellen. Gibt es etwas, was ihr schon immer von einem Online Magazin wie Time For Metal wissen wolltet?

Call It Tragedy:
Ihr berichtet viel über Newcomer-Bands in der Szene und habt in viel Musik reingehört. Was fehlt euch persönlich in der Deutschen Metal-Newcomer Szene? Und noch etwas: Denkt ihr, dass es in 2020 als kleine Band noch schlau ist, Alben zu veröffentlichen?

Time For Metal / Kai R.:
Das sind zwei sehr gute Fragen. Meiner Meinung nach fehlt der Metalszene (egal ob aus Deutschland oder international betrachtet) der Mut, mal neue Wege zu gehen. Genremixes und Wandel sind sicher nicht immer leicht und man weiß zu Beginn nicht, ob so etwas die breite Masse erreichen wird. Doch wenn, dann hat man ein Alleinstellungsmerkmal. Heute wird der Markt mit neuer Musik überschwemmt und der einzelne Track geht am Ende einfach unter. Ich glaube, dass es notwendig ist, dass man aus der Uniformität ausbricht und eben nicht ein „glattpoliertes“ Standardwerk ablegen darf, um aufzufallen. Das ist aus meiner Sicht aktuell die größte Herausforderung und das, was leider vielen Bands fehlt.

Zur zweiten Frage: Ich meine, dass eine Band natürlich etwas veröffentlichen muss, damit sie auffällt. Es bringt ja nichts, nur einen Gig zu spielen – dann kann ein gewonnener Fan die tolle Erfahrung nicht teilen. Der Markt ist heute absolut offen für Neues und dazu ist es so günstig wie noch nie, eine eigene Platte zu produzieren und diese dann über digitale Wege zu teilen. Ob man heute noch im CD-Laden sein Werk anbieten muss, das würde ich als Metalcore-Fan infrage stellen – doch da bin ich absolut kein Benchmark. Ich selbst sammle keine CDs mehr und habe alle Sammlungen weitestgehend aufgelöst. Wenn ich die Kollegen frage, dann werden diese jedoch sicher sagen, dass etwas nur dann einen Wert hat, wenn es als die 6.666ste CD in der Sammlung steht. Kurzgesagt: Ja!

Vielen Dank für die Zeit und natürlich wünsche ich euch #stayhealthy,

Kai

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