Im Jahre 1983 verbreitete sich ein Song wie ein Lauffeuer in jenen Discotheken Berlins, die nichts gemein hatten mit den Nobeldiscos wie dem weltweit bekannten Big Eden am Kurfürstendamm und dem nicht weniger bekannten Cheetah in der Hasenheide. Die Rede ist von She’s In Parties der englischen Post-Punk- und Goth-Rock-Band Bauhaus, die auch mit Songs wie Bela Lugosi’s Dead oder The Man With The X-Ray Eyes im Underground Bekanntheit erlangt hatte und so schon mehr als nur ein Geheimtipp war. Noch heute kennt meine Begeisterung keine Grenzen, wenn ich mir diesen Song anhöre. Seit nunmehr über 40 Jahren warte ich schon auf einen ebenbürtigen Song in diesem düsteren Genre.
Und siehe da, seit dem 07.11.2025 gibt es ein Musikstück, das es mit She’s In Parties locker aufnehmen kann: I Will Wait von der Londoner Truppe Cold In Berlin. Kennt ihr nicht? Das solltet ihr ändern. Die vierköpfige Formation ist schon mehr als eineinhalb Jahrzehnte aktiv, das erste Album Give Me Walls wurde bereits 2010 veröffentlicht. Das aktuelle Line-Up sieht wie folgt aus: Die vielseitige Stimme gehört Maya Berlin. Das, was der Kehle der guten Frau entfleucht, liegt irgendwo zwischen Catherine Bush (Kate Bush), Björk Guðmundsdóttir (Björk), Siouxsie Sioux (Siouxsie And The Banshees) und Toyah Ann Willcox (Toyah). Adam Richardson ist für die Stimmungsmache mit seiner Gitarre verantwortlich. Die düsteren Klangwände erzeugt der Bassmann Lawrence Wakefied, der seinen Viersaiter brillant beherrscht. Und schließlich schafft Alex Howsons Schlagzeug eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Nicht zum Line-Up zählend, aber keinesfalls wegzudenken, sind die Synthesizerklänge, die vom Berliner Projekt Bow Church eingespielt wurden. Mischt man all das Können der Genannten zusammen, erhält man doomige, düstere und mystische Klänge, die den Hörer in die geheimnisvollen Welten der Dunkelheit führen. Legt eure Faltencremes weg, es kommt einer Verjüngungskur gleich, je öfter man das Album in sich aufsaugt.
Die neun Songs des fünften Albums Wounds der Engländer erstrecken sich über 42 Minuten und 30 Sekunden. Eigentlich wäre dies eine optimale Spielzeit für ein Vinyl, doch leider kann man das Meisterstück nur als Compact Disc und digital erwerben.
HIER! geht es für weitere Informationen zu Cold In Berlin – Wounds in unserem Time For Metal Release-Kalender.
Review von Jürgen K.



