Crazy Diamond am 06.12.2019 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Das musikalische Erbe von Pink Floyd

Event: Pink Floyd Tribute Night

Band: Crazy Diamond

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 06.12.2019

Kosten: 52,60 CHF VVK, 55,00 CHF AK

Genre: Rock, Progressive Rock, Psychedelic Rock, Art Rock

Besucher: ca. 1000

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/320769612114762/


Pink Floyd gründeten sich 1965 in London und schufen mit ihrer Musik und der visuellen Gestaltung ihrer Bühnenauftritte einen unverwechselbaren und seinerzeit völlig neuartigen Stil des Progressive- und Psychedelic Rock. Sie trafen den Zahn der Zeit, entwickelten sich zu einer der größten Rockbands aller Zeiten und verkauften über die Jahre annähernd 300 Millionen Alben. Scheiben wie z.B. The Wall, Wish You Were Here oder The Dark Side Of The Moon sind Klassiker und gehören in jede gut sortierte Plattensammlung. Während Roger Waters, David Gilmour und Nick Mason noch gelegentlich auf Solopfaden wandeln, ist die Band eigentlich seit dem Ausstieg Roger Waters im Jahr 1985, spätestens jedoch seit 2015, endgültig Geschichte.

Nicht jedoch das musikalische Erbe von Pink Floyd – denn immer, wenn große Bands in Rockerrente gehen, finden sich meist jüngere Tributebands zusammen, die weiterhin die Flagge hochhalten und die Songs der legendären Vorbilder auf die Bühne bringen. So gibt es natürlich auch eine ganze Reihe von Pink Floyd-Cover- und Tributebands, von denen eine heute in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln spielt. Als ich kurz nach Türöffnung an der Schweizer Kultlocation ankomme, zeigt sich, dass die britische Band bis heute, obwohl sie seit Jahren aufgelöst ist, nichts von ihrer Faszination verloren hat, denn der Andrang ist recht groß.

Im Laufe der nächsten Stunde füllt sich das Z7 zusehends. Pünktlich um 20:15 Uhr geht es los, Crazy Diamond aus dem Raum Zürich betreten die Bühne und steigen mit Sorrow vom 1987er-Album A Momentary Lapse Of Reason in ihr erstes Set ein. Die Bühne ist in blaues Licht gehüllt und mit dem Einsatz der Nebelmaschine geht man ein wenig zu großzügig um, aber im Hintergrund ist dennoch die Pink Floyd-typische, runde Leinwand zu erkennen, wenn auch in abgespeckter Version. Das Original war natürlich wesentlich opulenter, doch die Briten haben auch auf den allergrößten Bühnen gespielt, was unter den Pink Floyd Tributebands sonst wohl nur The Australien Pink Floyd Show schaffen. Die Schweizer habe ich noch nie live gesehen, obwohl sie heute schon zum siebten Mal in der Konzertfabrik spielen. Die Band bezeichnet sich selbst als sehr originalgetreue, authentische Tributeband und deshalb bin ich sehr gespannt. Der Bühnenaufbau wirkt zunächst einmal wenig opulent, doch musikalisch können mich die Schweizer vom ersten Moment an überzeugen. Würde man die Augen schließen, würde wohl nur ein eingefleischter Fan erkennen, dass hier nicht das große Original auf der Bühne steht. Der Sound ist perfekt, doch um den ins rechte Licht zu rücken, wurde auch ein Camion voller Technik ins Z7 gekarrt. Selbst die Stimmen der Jungs sind ähnlich und durchaus würdig, die Originale zu imitieren, doch gerade da beißt die Katze sich in den Schwanz, denn macht man die Augen wieder auf, so fehlt den Musikern so jede Ähnlichkeit zu den Herren Gilmour, Waters und Co. Also, besser Augen wieder zu und den brillanten Sound genießen. Das Publikum sieht zufrieden aus, doch tatsächlich ist das nur schwer einzuschätzen. Bei Metalheads, die vor der Bühne richtig die Sau raus lassen, ist es relativ einfach den Stimmungspegel zu bestimmen, doch die sind heute wenig vor Ort. Das Publikum ist völlig bunt gemischt, von alt bis jung, vom Hippie bis zum Anzugträger ist so ziemlich alles vertreten und tatsächlich auch eine paar wenige langhaarige Bombenleger in Metalshirts. Zu hören gibt es heute Abend alle großen Hits, aufgeteilt in zwei Sets: Another Brick In The Wall, Shine On Your Crazy Diamond, Mother, Money, Wish You Were Here, Run Like Hell, Time, On The Turning Away, Comfortably Numb … u.v.m. Bis hierhin kann ich gut mitgehen und unterschreiben, dass Crazy Diamond sehr originalgetreu agieren, jedoch fehlt mir einfach die Show, die Pink Floyd auf die Bühne gebracht haben und die unweigerlich zur Band und zur Musik gehört. Auf der Leinwand gibt es nur minimalistische Videoeinspielungen, so wird zu Shine On You Crazy Diamond ein Diamant auf die Leinwand projiziert und mit einer Lasershow untermalt, aber größtenteils sind auf der Leinwand nur die Musiker in Nahaufnahme zu sehen. Zu Another Brick In The Wall fehlt mir irgendwie der Teacher, oder auch das rosarote Schwein zu Pigs. Die Aktivitäten beschränken sich bei Crazy Diamond auf das Spielen der Instrumente und den Einsatz der Stimmen und auch wenn hier alles im grünen Bereich ist, fehlt einfach ein nicht unwichtiger Baustein. Wer von sich behauptet, authentisch und sehr nah am Original zu sein, der muss abliefern und im Falle von Pink Floyd heißt das klotzen und nicht kleckern. Ein weiterer Punkt, der mich stört, ist das Schwitzerdütsch in den Ansagen, denn das kann ich nicht in Einklang mit Pink Floyd bringen. Okay, wir sind hier in der Schweiz und der allergrößte Teil der Besucher sind Schweizer, aber mir rollen sich die Fußnägel auf und da nutzt es mir wenig, die Augen zu schließen. Aber das ist meckern auf hohem Niveau, denn zuallererst geht es natürlich um das musikalische Vermächtnis von Pink Floyd und die Ohren der Besucher werden heute auf besondere Weise verwöhnt. Die Zeit vergeht rasend schnell und wirklich unzufrieden dürfte heute niemand nach Hause gehen. Und für alle, die es heute verpasst haben, oder sich noch einmal auf Zeitreise begeben möchten, für die spielen Crazy Diamond morgen Abend gleich noch einmal in der Konzertfabrik Z7. Wer es aber wirklich authentisch mag, dem sei The Australien Pink Floyd Show empfohlen, die unter den Pink Floyd-Tributebands das Nonplusultra sind.

Weitere Beiträge
Medientag mit Mono Inc. in dem Hamburg Dungeon, anlässlich der Veröffentlichung von The Book Of Fire