Dark Troll Festival 2025 vom 29.05. bis 01.06.2025 in der Burgruine Schweinsburg

Wo Black Metal auf Burgenromantik trifft – Das Dark Troll Festival im Überblick

Festivalname: Dark Troll Festival 2025

Bands: Abglanz, Baldrs Draumar, Demonical, Ereb Altor, Furor Gallico, Gjaller, Horn, In Vain, Inquisition, Manegarm, Myrdal, Senntus, Severoth, Solstafir, Sun Of The Sleepless, Sworn, Tarabas, The Committee, The Vision Bleak, Thjodrörir, Totenwache, Vansind, Vintersorg und Wolfchant

Ort: Burgruine Schweinsburg, Bornstedt bei Eisleben, Sachsen-Anhalt

Datum: 29.05. bis 01.06.2025

Kosten: 99,00 € + Gebühren und Camping

Genre: hauptsächlich Black Metal in allen Ausprägungen von Folk über Celtic, Pagan, Viking bis Epic und Atmospheric. Das Festival bietet einen guten Querschnitt über die Breite des Genres

Besucher: ca. 1.000 Besucher

Veranstalter: In Fiction Entertainment

Link: https://www.darktroll-festival.de/

Was ist das Dark Troll? Da wohl nur wenige der Leser dieses Festival schon selbst besucht haben, hier ein kurzer Überblick. Das Dark Troll ging in diesem Jahr in seine vierzehnte Ausgabe, findet traditionell am Himmelfahrtswochenende statt. Ort des Geschehens ist wie immer die Burgruine der Schweinsburg oberhalb des Dorfes Bornstedt, das nahe bei Eisleben liegt. Und das wiederum ist der Hauptort des Mansfelder Landes im Süden von Sachsen-Anhalt. Gespielt wird vor allem Black Metal in verschiedensten Abstufungen. Von Folk über Pagan, Epic, Viking, Atmospheric Black Metal bis hin zu Black & Death oder Post Black Metal. Und immer auch die eine oder andere Band, die vielleicht nicht in dieses Genre passt, das Line-Up aber hervorragend abrundet. Das werden wir später noch sehen. Die Location allein ist schon ein besonderes Highlight für sich, denn es gibt nur wenige Festivals, die in einer – doch recht romantisch und urig wirkenden – Burgruine stattfinden, noch dazu umgeben von Wald. Das kommt der Atmosphäre ganz besonders zugute, wenn Bands aus dem Folk- und Pagan-Bereich auftreten. Um diese besondere Stimmung des Festivals noch zu verstärken, lagern in einem besonderen Bereich der Burg in jedem Jahr einige Germanen. Natürlich als Reenactment samt Nachmittagsprogramm für die Besucher wie Schildwallvorführungen, Wikingerschach und abends Lagerfeuer, inmitten ihres Zeltlagers. Apropos Zeltlager: Die Besucher verteilen sich auf drei provisorisch errichtete Zeltplätze. Einer oben an der Burg, diese Wiese dient sonst als Fußballplatz. Zwei weitere befinden sich unterhalb der Burg in der Ortslage auf größeren freien Bereichen inmitten des Dorfes. Überhaupt: Das gesamte Festival wird in Zusammenarbeit mit den Vereinen aus dem Dorf Bornstedt geplant und durchgeführt und kann auch nur so funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen.

Nachdem man jedenfalls endlich vom Dorf aus die sprichwörtlichen Treppen von Cirith Ungol hoch zur Burg erklommen hat (direkt an Kankras Lauer vorbei und dank Geländer wird man vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt), ist man sozusagen im Himmel der Black-Metal-Live-Musik angekommen. Und während überall mehr oder weniger angetrunkene Möchtegern- und echte Väter durch die Lande ziehen, bleibt man im Folk- und Black-Metal-Universum des Dark Trolls davon unbehelligt. Auch wenn natürlich auch hier die Crews der Bierwagen gut zu tun haben. Aber es bleibt doch alles im Rahmen. Was des Nachts dann auf den Campingplätzen rund um das Festival passiert sein mag, darüber mag sich der Mantel des Schweigens ausbreiten …

Donnerstag

Der diesjährige Opener Gjallar versteht sich als Tribute-Band. Und zwar für die Musik von Falkenbach, den man wohl nie live sehen wird. Sie bestreiten beim Dark Troll ihren ersten Bühnen-Auftritt. Und sie bringen die Folk- und Viking-Metal-Atmosphäre richtig gut rüber. Das kleine Infield des Festivals auf der Burg ist sofort proppevoll. So wird zum Beispiel vom 1996er-Album …En Their Medh Riki Fara… der Song Ultima Thule gespielt.

Die Schwarzmetaller von Abglanz haben im letzten Jahr ihr Debütalbum Dawn Of Eternal Existence veröffentlicht, und aus diesem spielen sie auch einige Songs. Die Band aus Goslar ballert angemessen aggressiven Black Metal von der Bühne und die Besuchermeute ist darüber natürlich hochzufrieden.

Vansind – 2025 – Dark Troll

Es folgt mit Vansind die erste Band, die nicht aus Deutschland kommt. Und das ist beim Dark Troll kein Einzelfall. Die Veranstalter suchen sich tatsächlich auch mindestens europaweit Bands, die musikalisch zum Festival passen. Es ist in jedem Jahr eine Freude, zu sehen, woher überall die großartige Musik kommt, die man hier zu hören bekommt. Vansind kommen aus Dänemark, es gibt sie seit 2019 und sie spielen Folk Metal. 2023 haben sie ihr erstes Album Mørket veröffentlicht, in den Jahren vorher schon diverse Singles. Vansind treten mit zwei Vokalisten auf. Neben dem harshen Gesang von Sänger Joachim Asmussen übernimmt Sängerin Line Burglin die klaren Gesänge. Die Band singt größtenteils auf Dänisch, denn schließlich speist sich ihr Folk Metal aus den Geschichten Dänemarks. Beim Publikum kommt die Band sehr gut an.

Seit nunmehr knapp 20 Jahren und sieben Alben sind Demonical unterwegs und die Death-Metal-Band aus Schweden zeigt dabei keine Müdigkeitserscheinungen. Letztes Jahr gab es noch ein Livealbum mit Aufnahmen von ihrer Lateinamerika-Tour und in diesem Jahr haben sie auch schon eine Split mit den Black-Metal-Kollegen von Inquisition aus Seattle veröffentlicht. Auch im beschaulichen Bornstedt reißen sie metaphorisch die Bühne ein und sorgen für ein sehr zufriedenes Publikum. Klassischer Schweden-Death, wie man ihn so ähnlich auch von Dismember, Entombed etc. kennt, noch angereichert mit ein wenig Melodeath geht immer, erst recht, wenn er live mit noch viel größerer Wucht rüberkommt als aus den heimischen Brüllwürfeln. Genau dazu hat man ja Livemusik. Starker Auftritt!

In Vain – 2025 – Dark Troll

Weiter geht es mit In Vain aus Kristiansand in Südnorwegen. Ihr Progressive Death/Black Metal passt ganz hervorragend zum Dark Troll. Die Band gibt es weit 2004 und sie hat bis jetzt fünf Alben veröffentlicht, zuletzt im letzten Jahr Solemn. Als Progressive Death/Black-Bands gibt’s weder Corpsepaint noch lange Haare. Hier geht es nur um die Musik und nicht um ein Gesamtkunstwerk. Überraschenderweise treten sie heute ohne Live-Bassisten auf, um ihren kraftvollen melodischen Black/Death zu schmettern und dabei einen hervorragenden Eindruck zu hinterlassen. Wirklich ein großartiger Auftritt.

The Vision Bleak bieten Kontrastprogramm. Ihr horroresquer Gothic Metal, der mit einer Prise Doom eine melancholische Note erhält, ist wirklich ganz anders als der Sound, den die meisten anderen Bands auf dem Festival verbreiten. Es ist eines der Projekte von Markus Stock a.k.a. Schwadorf mit Sänger Konstanz. Schwadorf wird hier noch mit einer weiteren seiner Bands auftreten, doch dazu kommen wir später. Zuerst einmal sehen wir, dass auch ein Gothic-Metal-Einschub beim Publikum hervorragend funktioniert. Der musikalische Tausendsassa Schwadorf hat, denke ich, einen großen Stein im Brett der Musikfans, die seine verschiedenen Projekte zu schätzen wissen. The Vision Bleaks letztes Album Wierd Tales besteht aus einem einzigen 41 Minuten langen Stück und erschien nach acht Jahren Pause.

Vintersorg – 2025 – Dark Troll

Ihre erste Show in Deutschland seit 15 Jahren liefern nun Vintersorg ab. Und die ist wirklich historisch. 25 Jahre alte Perlen wie Vildmarkens Förtrollande Stämmor. Im nicht viel neueren Naturens Galleri wird die Schönheit von Tropfsteinhöhlen besungen. Aber es bleibt nicht bei alten Perlen der Folk-Musik, denn mit Troll Mörkret wird auch ein brandneuer, extra für das Dark Troll geschriebener Song aufgeführt. Den zahlreichen Fans gefällt es!

Grima – 2025 – Dark Troll

Die sibirische Millionenstadt Krasnojarsk ist uns allen sicherlich als Geburtsort von Helene Fischer wohlbekannt. (Nein, Spaß! Wer weiß denn sowas?) Auch das Zwei-Mann-Projekt Grima kommt von dort und hat für seine Europatour sicher die weiteste Anreise hinter sich. Das Zwei-Mann-Projekt mit Livemusikern beeindruckt durch seine Masken ebenso wie durch die Atmosphäre der Musik. Klassischer Black Metal mit klagenden Melodien und beklemmendem Gekeife lässt die Herzen der auf der Schweinsburg versammelten Jünger höherschlagen. Songs wie Siberian Sorrow oder Impending Death Premonition werden von der Menge vor der Bühne gefeiert.

Den Abschluss des Tages übernehmen Houle. Die französische Band aus Paris ist noch jung, erst letztes Jahr haben sie ihr erstes Album Ciel Cendre Et Misère Noire veröffentlicht. Hier dreht sich thematisch alles um den Menschen und das Meer, Schiffbrüche, Seekämpfe, unheimliche Gestalten aus dem Wasser, die Mühsal der Seeleute … Ihre Themen setzt die Band gekonnt mit der eigenen Aufmachung als eine Art Wasserleichen im Ölzeug und natürlich in ihrem schön-schaurigem Black Metal mit dichter Atmosphäre um. Ein toller Tagesabschluss.

Freitag

Alle haben natürlich noch lange nicht genug und so ist der Bereich vor der Bühne auch zu Beginn des Freitags schon wieder mit Musikhungrigen gefüllt. Thjodrörir, ganz aus dem Norden von Deutschland, spielen passend zur Herkunft Viking Metal. Seit ihrem letzten Auftritt 2022 haben sie zwar leider noch kein neues Material veröffentlicht, aber es ist trotzdem ein großer Spaß, zu sehen, wie sich das Infield zur frühen Stunde schon gut füllt.

Convictive – 2025 – Dark Troll

Eine Naturgewalt sind Convictive, die den Staffelstab als nächste bekommen. Bei der Band aus dem Ruhrgebiet bilden Optik und Musik ein durchkomponiertes Gesamtkunstwerk. Dazu trägt natürlich auch Sängerin Nova bei. Außer im Symphonic Metal sind Sängerinnen ja leider eher die Ausnahme als die Regel, und im Black Metal ist das erst recht so. Convictive haben natürlich Songs aus ihrem letzten Album Rastlos von 2024 mitgebracht, mit dessen ersten Songs Genesis und Epos sie auch gleich losprügeln und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Furor Gallico kommen, anders als der Name vielleicht den einen oder anderen vermuten lässt, nicht aus Frankreich, sondern aus Italien, denn auch in Norditalien waren einst keltische Stämme ansässig. Kenner wissen das alles natürlich längst, ist die Band doch eine der italienischen Speerspitzen für Folk Metal. Ihr Konzert bestreiten sie vor allem aus den Songs ihres aktuellen Albums Future To Come und fahren dabei eine Menge auf. Nicht nur zwei Sänger (Live-Sängerin Claudia Beltrame für die Clean Parts und Davide für das Growling), sondern auch diverse Instrumente wie Bouzouki und verschieden tief gestimmte Konzertflöten, die Massimo Volonè spielt. Den Festivalbesuchern gefällt es und auch diese Band wird angemessen gefeiert.

Es folgen Sear Bliss. Die Band aus Ungarn mit dem Alleinstellungsmerkmal Posaunenbläser war 2019 schon einmal hier. Seitdem haben sie ein neues Album namens Heavenly Down veröffentlicht und bringen nun ihre neuen Songs daraus zu Gehör. Die Posauneneinlagen sorgen auch weiterhin für einen im Metalbereich eher ungewöhnlichen Sound, der unter den Zuschauern viele Freunde hat. Insgesamt sind Sear Bliss absolute Veteranen mit über 30-jähriger Bandgeschichte.

Nytt Land – 2025 – Dark Troll

Jetzt wird’s ungewöhnlich. Nytt Land aus Kalachinsk in Sibirien lassen sich dem Nordic Ritual Folk zuordnen. Das ist zwar gar kein Metal, aber natürlich trotzdem hochinteressant und wird von der Festivalcrowd gerne angenommen. Und die Walking Acts von den Schattenwelten Südharz, die mit ihren ebenso fantasievollen wie gruseligen Sagengestalten-Kostümen wie dem Geist des Tugimar oder dem Holdrie von Thüringen schon den ganzen Tag über das Festival schreiten und harmlose Metalfans erschrecken (na gut, eher zu Fotos animieren), passen da auch wunderbar mit auf die Bühne und bereichert die Schamanen-Optik der Band. Mit Songs Of The Shaman hat die eigentlich fünfköpfige Band, von der hier aber nur Anatoly und Natalya Pahalenko sowie ihr Drummer auftreten, erst Mitte Mai ihr neuestes Album veröffentlicht, das sie hier vorstellen.

Ereb Altor sind eine Instanz, und sie auf dem Dark Troll zu sehen, ist eine besondere Freude. Sie haben uns erst im Februar ein weiteres Mal ihren epischen und melodischen Viking Metal mit ihrem neunten Album Hälsingemörker um die Ohren geballert. Oder auch dem zehnten, wenn man Blot, Ilt, Taut von 2016 mitzählt, das jedoch ausschließlich aus Bathory-Covern bestand. In über 20 Jahren Bandgeschichte sind jedenfalls schon einige Perlen zusammengekommen. Im Konzert schöpft die Band auch kräftig daraus. Neben dem brandneuen Vi Är Mörkret, das schwermütig ballernd daherkommt, sind auch alte Schätze wie Fenris oder Queen Of All Seas dabei. Die Band wird selbstredend stark genossen und gefeiert.

Sun Of_The_Sleepless – 2025 – Dark Troll

Es folgt ein alter Bekannter. Wie Sear Bliss traten auch Sun Of The Sleepless 2019 schon einmal auf der Burg auf. Das ist auf jeden Fall schon recht lange her und deshalb war es schon allein aus historischen Gründen höchste Zeit, Ulf Schwadorf auch mit diesem Projekt hier wieder einmal auftreten zu lassen. Und wo er schon gerade mit The Vison Bleak beim Dark Troll ist … Sun Of The Sleepless, das Soloprojekt von Ulf Schwadorf, in dem er Musik und Gedanken verarbeitet, die nicht zu seinen anderen Bands wie The Vision Bleak passen, ist auf dem Festival äußerst gut aufgehoben. Der eher ruhige Atmospheric Black Metal der Band hebt sich auch sehr von seinen anderen Projekten ab. Da seit 2019 noch kein neues Album erschienen ist, wird der Gig auch diesmal mit Songs wie The Owl oder Phoenix Rise vom Album To The Elements bestritten. Und es ist wahrscheinlich noch ein wenig großartiger als beim Auftritt vor einigen Jahren, den melancholisch-harten Songs zu lauschen.

Sicher für viele ein Höhepunkt: Der Auftritt des Tagesheadliners Månegarm. Auf dem Dark Troll erwartet sie wie immer, wenn sie nach einigen Jahren mal wieder hier auftreten, ein auf ihre Songs begieriges Publikum. Heute spielen sie zum Beispiel den zwanzig Jahre alten Klassiker Segervisa vom Album Vredens Tid, haben aber mit Edsvuren auch einen ganzen neuen Longplayer im Gepäck. Spätestens, als Martin Björklund mit seiner Violine auf der Bühne auftaucht, erkennen auch nicht so Kundige den typischen Sound der Viking-Metaller wieder. Falls es solche hier überhaupt gibt. Das Infield ist natürlich brechend voll, denn Månegarm will sich kaum jemand entgehen lassen. Sogar die Germanen vom Reenactment-Lager im oberen Burgbereich sind jetzt hier, um zu lauschen und zuzuschauen.

Totenwache – 2025 – Dark Troll

Den Slot des besonderen After-Headliners haben heute Totenwache. Die Band fährt eine ganze Kerzen- und Räucherstäbchenarmada auf, um die gewollte Stimmung zu ihren Songs bestmöglich rüberzubringen. Die Dunkelheit tut ein Übriges dazu, dass ihr um Tod, Dunkelheit und Vergehen kreisender Black Metal das Publikum beeindruckt. Mitnichten ist die Fläche vor der Bühne nach dem Headliner leer geworden. Auf dem Dark Troll wird jede Band gefeiert und findet ihr zahlreiches Publikum.

Samstag

Mit Irem eröffnet den dritten und letzten Tag eine Band, die einmal nicht von weither angereist ist, sondern aus dem nahen Halle und Leipzig kommt. Seit über 20 Jahren aktiv, haben sie ein mittlerweile fünf Alben starkes Portfolie vorzuweisen. Das Letzte ist allerdings auch schon wieder drei Jahre alt. Es ist der erste Auftritt von Irem auf dem Dark Troll und wie beim Festival üblich, gibt es auch beim Eröffnungs-Act kein leeres Infield. Der Name Irem kommt von orientalischen Überlieferungen einer in der Wüste versunkenen Stadt, und auch H. P. Lovecraft erwähnt eine Stadt Irem in einigen seiner Werke. Die Band spielt Black Metal wie aus dem norwegischen Lehrbuch: röchelnder Gesang, Gitarrenriffs aus der Hölle, Blastbeats. Da bleibt kein Auge trocken.

Nach diesem fulminanten Einstieg kann es kaum viel besser werden. Wird es auch nicht, sondern stattdessen anders. Senntus aus der Steiermark halten sich nämlich an keine Genre-Grenzen und mischen Gothic Metal mit Melodic Black Metal und mixen sogar noch hin und wieder etwas Death mit hinein. Das hört sich überaus erfrischend und abwechslungsreich an und die gute Laune und Freude am Auftritt, die Frontmann Jürgen Mayr ausstrahlt, sorgt ganz Black-Metal-unziemlich für übergreifend frohe Gesichter. Obwohl Senntus schon 2011 gegründet wurden und bislang vier Alben abgeliefert haben, ist der Auftritt heute auf Burg Bornstedt ihr Deutschland-Debüt. Man glaubt es kaum.

Tarabas – 2025 – Dark Troll

Tarabas haben uns nach 14 Jahren Veröffentlichungspause im Juni 2024 mit einer neuen EP Ära beglückt. Zuletzt traten sie 2010 an diesem Ort auf. Das war dann wohl noch auf dem Vorgängerfestival Black Troll. Natürlich spielen sie heute die Songs ihrer neuen EP und auch der Melodic Death, der aus ihren Gitarren fließt, wird von den Besuchern des Festivals gebührend gefeiert. Es ist immer wieder schön, auch alte Legenden wieder auferstehen zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass Tarabas nicht wieder 14 Jahre warten mit einer neuen Veröffentlichung und auch hin und wieder einmal live spielen.

Ruadh aus Schottland sind nach 2022 zum zweiten Mal auf dem Festival. Ruadh liefern wie schon bei ihrem ersten Auftritt zuverlässig ihren Celtic Folk Metal ab. Ihr aktuelles Album von 2023 mit dem Namen 1296 handelt von den Unabhängigkeitskriegen im Mittelalter. 1296 nutzten die Engländer unter Edward I. die schottischen Thronwirren und eroberten Schottland. Infolgedessen kam es in den Jahren danach zu diversen Aufständen und Kriegen. Man denke nur an John Balliol (Spottname Toom Tabard: „Leerer Wappenrock“), William Wallace und Robert The Bruce. All diese Geschichten über die schottische Selbstbehauptung vor 700 Jahren dienten dem Album als Inspirationen, und auf der Bühne der Schweinsburg schmettern nun Ruadh ihre epischen Songs und begeistern das Publikum.

Sworn sind meine Überraschung des Tages. Die Band hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Nach einigen Alben recht purem Black Metals haben sie in den letzten Veröffentlichungen immer weiter zum Atmospheric Black Metal gefunden. Ein wenig lässt sich ihre Musik vielleicht mit Enshine oder Slumber vergleichen. Aber ohne die ausufernden Keyboard-Passagen. Hier wird noch vornehmlich die Gitarre geschrottet. Das ist löblich. Interessant sind die Wechsel zwischen Black-Metal-lastigen Gitarren-Riffs und Blastbeats und dann wieder ruhigen Passagen. Das verleiht den Songs Spannung. Und außerdem können sie Melodiebögen. Großartiger Auftritt der Norweger aus Bergen.

Wolfchant – 2025 – Dark Troll

Und nun eine der wenigen Bands, die hier alle paar Jahre erneut aufschlagen. Üblicherweise trifft das auf die meisten Bands auf dem Dark Troll nicht zu. Hier sieht man in jedem Jahr wieder größtenteils Bands, die noch keinen Auftritt auf diesem Festival hatten. Wolfchant hingegen waren zuletzt 2017 und 2022 auf der Schweinsburg. Mit ihren zwei Sängern haben sie durchaus schon deswegen ein Alleinstellungsmerkmal. Die Zuschauer jedenfalls feiern die Band sehr. Da füllt sich der Platz vor der Bühne noch etwas mehr als es vorher schon der Fall war. Die Bayern haben im August letzten Jahres erst ihr zweites Album A Pagan Storm von 2007 noch einmal neu aufgenommen und als Doppelalbum (Re-Recorded und Original) veröffentlicht. Der Auftritt auf dem Dark Troll bietet natürlich eine gute Gelegenheit, einige Songs daraus zu schmettern.

Horn, mittlerweile auch schon seit über 20 Jahren und zehn Alben unterwegs, geben sich nun ein Stelldichein auf dem Dark Troll. Die Band (eigentlich ein Projekt von Nerrath mit Live-Musikern) bietet Pagan Black Metal mit etwas Melodic-Death-Einschlag. Horn ist einer der großen Namen im deutschen Pagan-Metal-Bereich und dementsprechend haben auch viele der Besucher auf diesen Auftritt gewartet, zu dem Nerrath tief in die Kiste mit den Schätzen greift. Songs aus dem Album Feldpost von 2015 (das sich kritisch mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzt und das nicht nur Jahre vor dem aktuell so beliebten Kanonenfieber, sondern auch mit deutlich wortgewaltigeren Texten) werden ebenso gespielt wie The Fading Landscape’s Glory vom allerersten Album Jahreszeiten. Der Song kam auch auf der Compilation zum 20-Jährigen noch einmal zu neuen Ehren.

Primordial – 2025 – Dark Troll

Nach diesem beeindruckenden Auftritt folgt mit Primordial der Headliner des letzten Tages. Auch die Iren sind schon lange im Geschäft und haben sehr viele Fans. Seit 1992 verbreiten sie ihren Celtic Black Metal und sind eine Band, die einen großen Anteil an der Entwicklung dieses Subgenres hat. Auch ihr charismatischer Frontmann A.A. Nemtheanga ist schon seit 1993 dabei. Die Band spielt aus ihrem reichhaltigen Œuvre Stücke wie Heathen Tribes und Empire Falls aus dem 2007er-Werk To The Nameless Dead oder auch To Hell Or The Hangman vom neueren Exile Amongst The Ruins) und bringt das Publikum so richtig zum Feiern.

Zu später Nacht stimmten als Abschluss noch The Committee ihre Gitarren. Die vier internationalen Mitglieder des Committees, die sich um Sänger Igor Mortis geschart haben, treten seit vielen Jahren mit Masken auf, damit sich der Zuschauer voll und ganz auf ihren Atmospheric Black Metal konzentriert. Der Künstler tritt hinter der Kunst zurück und so weiter … Sie spielen aus ihrem vorletzten Album Memorandum Occultus Songs wie Synthetic, Organic GodsWeapons Of Genocide oder auch AshesNorm vom letzten, mittlerweile auch schon wieder fünf Jahre zurückliegenden Album Utopian Deception. Und damit klingt das diesjährige Dark Troll aus.

Und wenn in meinem persönlichen Festivalranking das Dark Troll bisher schon ganz weit oben stand, dann hält es den Spitzenplatz auch in diesem Jahr souverän. Es war wirklich äußerst nahe dran am perfekten Festival. Ich gebe zu, ich bin bestochen worden durch die weltschnellste Bierwagencrew, die Wartezeiten nahezu eliminiert hat. Doch außerdem spürte man überall die Motivation, gute Laune und Herzlichkeit der Festivalcrew, sei es die Bühnensecurity, der Einlass oder die Bändchenausgabe. Und die gelassene und gelöste Art des Umgangs färbt eben auch auf die Besucher ab. Hinzu kam, dass anders als in manchen Vorjahren an keinem Tag eine nennenswerte Verzögerung beim Zeitplan auftrat. Das kann natürlich immer mal wieder passieren, meist sind es unvorhersehbare Komplikationen bei der Technik, die dann behoben werden müssen, doch in diesem Jahr blieben alle davon verschont. Es lief reibungslos wie ein Uhrwerk.

Gibt es gar keine Kritik? Doch, natürlich: In den letzten Jahren stand auf der Burg immer der Stand von Heimelich, wo man sich mit Burger und Lausitzer Plinse eindecken konnte. Und der Burger war immer sensationell. Allerdings kam der Betreiber – wie auch der Festivalveranstalter – aus der Lausitz und das ist kein unbeträchtlicher Anfahrtsweg. Da lohnte sich wohl einfach die lange Anfahrt nicht so recht. Zum Glück gibt es seit letztem Jahr auch den Stand von Brathahn statt Satan, der eine oder andere kennt ihn sicher auch von anderen Festivals. Funfact: Da der Wagen zu groß ist, passt er nicht durchs Burgtor und muss draußen bleiben. Aber auch so musste also niemand hungrig bleiben.

Der zweite Grund für kritische Worte ist das für meinen Geschmack in einem Punkt etwas empathielose Vorgehen bei der Bandbuchung. In heutigen Zeiten russische Bands gemeinsam mit ukrainischen Bands auf das gleiche Festival einzuladen, wird nun mal nicht funktionieren. Dass Severoth absagt, wenn man danach noch Nytt Land und Grima ins Line-Up stellt (egal, was die für eine Privatmeinung zum Krieg in der Ukraine haben, sie werden sie aus Selbstschutzgründen nicht öffentlich äußern, schließlich wollen sie zu Hause keinen Ärger bekommen), ist ungefähr so überraschend wie der tägliche Sonnenuntergang. Ich würde auch nicht mit Künstlern auf derselben Bühne stehen wollen, deren Land mein Heimatland gerade überfällt und vernichten will. Und so war es doch völlig vorhersehbar, dass Severoth nach der Ankündigung von Nytt Land und Grima seine Teilnahme abgesagt hat. Diese Volte in den Bandankündigungen hätte man sich also sparen können.

Wie auch immer, ich kann das Dark Troll jedes Jahr aufs Neue empfehlen, es ist ganz einzigartig in seiner Atmosphäre und hinterlässt bleibende Erinnerungen an großartige Live-Musik und ein entspanntes verlängertes Wochenende. Leider dauert es nun wieder ein Jahr bis zur nächsten Ausgabe. So lange müssen wir alle durchhalten.