Das Interview mit Narbeleth Mastermind Dakkar zum aktuellen Album „Svmma Cvm Nox Arcana“ (Deutsche Version)

Kubanischer Black Metal Visionär im Kreuzverhör

Artist: Narbeleth

Herkunft: Havanna, Kuba

Genre: Black Metal

Label: Folter Records

Link: https://www.facebook.com/Narbeleth.BlackMetal

Bandmitglieder:

Gesang, Bass, Gitarre – Dakkar
Schlagzeug – Vindok

Time For Metal / René W.:
Hallo, mein lieber Dakkar, sieben Jahre ist es her, als wir unser erstes und bislang letztes Interview geführt haben. Ich hoffe, es geht dir gut und du hast dich an deinen neuen Mitstreiter Vindok gewöhnt, der dich seit 2017 begleitet. Wie kam es dazu, dass du deine Solokarriere zu einem Duett verändert hast?

Narbeleth / Dakkar:
Hallo zusammen! Das ist wirklich eine lange Zeit! Mir geht’s ganz gut, danke. Und ja, Vindok hat sich in Narbeleth festgesetzt wie ein Legostein und das kam auf ganz natürliche Weise. Wir haben uns 2014 kennengelernt, als ich das erste Mal nach Europa kam, und seither ist eine starke Freundschaft zwischen uns entstanden. Schließlich bat ich ihn, das Schlagzeug für Indomitvs aufzunehmen, und er stimmte zu. Einige Zeit später kam ich zurück, um ein paar Shows zu spielen. Ich fragte ihn, ob er dabei mitmachen wolle, und seitdem ist er Narbeleth Session-Drummer geblieben. Dann zog ich dauerhaft nach Spanien, und wir probten weiterhin regelmäßig. Aufgrund seines Engagements für Narbeleth und all der Zeit, die er der Band widmet, beschloss ich, ihn zu einem offiziellen Mitglied zu machen.

Time For Metal / René W.:
Neben dieser Veränderung gibt es weitere im Hause Narbeleth: Was gleich geblieben ist, ist das deutsche Label Folter Records, dem ihr weiter die Treue gehalten haltet. Nach dem Motto „Never change a running system“ seid ihr also auch ins fünfte Album gestartet, was hat dich abermals vom Label überzeugt?

Narbeleth / Dakkar:
Folter Records vertrauten Narbeleth beim ersten Album. Sie ließen uns in Europa spielen und gaben mir eine Chance, als Narbeleth noch fast unbekannt waren. Jörg ist ein sehr ehrlicher Mensch, und wir sind gute Freunde geworden. Es ist ein Label, das seine Bands auf eine sehr transparente und ehrliche Weise unterstützt. Ich bin sehr glücklich mit diesem Label und fühle mich extrem wohl, und ich schätze, das geht ihnen auch mit Narbeleth so. Und auch wenn sie ein sehr erfahrenes Label sind und mit großen Bands gearbeitet haben, bleiben sie dem Underground treu – das ist für mich sehr wichtig.

Time For Metal / René W.:
Kommen wir langsam auf Svmma Cvm Nox Arcana zu sprechen. Was als Erstes ins Auge fällt, ist das Artwork der Platte. Deutlich intensiver und umfangreicher, löst es die sonst eher einfachen Cover ab. Welche Story steckt hinter dem Design und wohin führt das Tor, das von eurem dunklen Lord weit aufgeschlagen wird?

Narbeleth / Dakkar:
Ich bin so froh, dass du das fragst! Das Cover wurde von einer großartigen Künstlerin und Freundin von mir gemacht, Alba Porta. Es ist unglaublich, wie sie die Essenz der Ideen aufnimmt und sie mit extremer Genauigkeit zu Papier bringt. Die Illustration ist die visuelle Dimension der Themen, die im Album behandelt werden. Der Wanderer begibt sich in jene Welt, die parallel zu unserer Realität liegt. Aber dieser Wanderer kann auch der Hörer sein, der das Gehörte entsprechend seiner inneren Welt, seinen Erfahrungen und seinem Lebenshintergrund interpretiert und in sein eigenes Reich eintritt.

Time For Metal / René W.:
Acht Songs fügst du gemeinsam mit Vindok in über 40 Minuten zusammen und zementierst den skandinavischen Deckmantel, der ganz stark an der norwegischen Flagge rüttelt. Eure Wahlheimat wäre wohl am liebsten Norwegen, oder siehst du deine Kunst gar nicht so arg in Verbindung mit der Szene aus Oslo?

Narbeleth / Dakkar:
Auf jeden Fall. Meine Hauptinspiration ist die skandinavische Black Metal Szene der 90er-Jahre. Das habe ich immer klar gesagt. Das ist die Musik, die mich tief berührt, und die Musik, die ich machen wollte. Deshalb habe ich Narbeleth vor mehr als zehn Jahren gegründet.

Time For Metal / René W.:
Das Songwriting wurde deutlich im Vergleich zu älteren Tracks angepasst. Wie ist es, gemeinsam an neuen Schlachtwerken zu feilen? Hast du die Oberhand beim Erzeugen der neuen Kompositionen behalten und Vindok ist nur deine handzahme Marionette?

Narbeleth / Dakkar:
Ich komponiere immer noch alle Songs und schreibe die Texte. Ich gebe Vindok ein Demo, mit einer programmierten Schlagzeugspur, und er arbeitet damit, dann proben wir zusammen. Auch wenn ich alles komponiere, ist die Energie, die er in die Musik einbringt, ein sehr wichtiges und starkes Element. Es ist, als würde man die richtigen Gewürze ins Essen geben.

Time For Metal / René W.:
Viel haben wir um Svmma Cvm Nox Arcana herumgeredet. Nun wollen wir mehr darüber erfahren. Wo liegen die Unterschiede zum vier Jahre alten Indomitvs? Welche Thematik bildet die Säule des Silberlings und welche Abgründe wollt ihr den Hörern aus dem Nichts auftun?

Narbeleth / Dakkar:
Offensichtlich ist es ein anderes Album, aber die Essenz ist die gleiche. Es ist eine lange Zeit, und natürlich wird es in irgendeiner Weise anders klingen. Aber Narbeleth ist da, und ich werde von denselben Gefühlen bewegt, seit ich das Dark Primitive Cult-Demo aufgenommen habe. Etwas, das sich verändert hat, ist das lyrische Thema, so habe ich mich in den letzten Alben mehr auf okkulte und mystische Dinge konzentriert, mehr aus einer spirituellen Sichtweise heraus.

Time For Metal / René W.:
Kuba und Black Metal bleibt weiter eine exotische Kombination. Wie hat sich die Szene in den letzten sieben Jahren verändert, konntet ihr eine Fanbase aufbauen? Und wie vermarktet man ein Extreme Metal Album in Havanna, ohne Probleme mit den Behörden zu bekommen?

Narbeleth / Dakkar:
Glücklicherweise ja. Narbeleth haben eine starke Fanbase, die die Botschaft versteht und sich mit ihr verbindet, und das ist das Wichtigste; den richtigen Empfänger deiner Kunst zu erreichen, sich auf der gleichen Ebene zu verbinden.

Und im Gegensatz zu der vorherrschenden Meinung, gibt es in Kuba kein politisches Hindernis, extremen Metal zu spielen. Solange man sich nicht in die Politik einmischt, hat man kein Problem.

Time For Metal / René W.:
Der Schwerpunkt dürfte der Blick nach Europa sein. Welche Hoffnung habt ihr auf die Black Metal Szene? Wann werdet ihr versuchen, die ersten Shows nach dieser extrem beeinträchtigenden Zeit durch die weltweite Pandemie zu spielen?

Narbeleth / Dakkar:
Alle freuen sich wieder auf Liveshows! Narbeleth werden so bald wie möglich spielen. Wir sind bereits für die nächste Ausgabe des De Mortem Et Diabolum Festivals bestätigt, das im kommenden Dezember in Berlin stattfinden wird. Wie es aussieht, werden wir auch schon früher eine weitere Show in Deutschland spielen. Ich denke, wenn die Dinge wieder in den Normalzustand zurückkehren, werden die Liveshows und Festivals an Kraft und Publikumszuspruch gewinnen.

Time For Metal / René W.:
Apropos Beeinträchtigung: Wie schwer hat der Covid-19-Virus Havanna erwischt und gab es dadurch erschwerte Auflagen, die bei der Produktion von Svmma Cvm Nox Arcana für größere Hürden gesorgt haben?

Narbeleth / Dakkar:
Ich bin vor drei Jahren nach Spanien gezogen, und die Pandemie hat sich auf das neue Album ausgewirkt, vor allem wegen des Lockdowns und der verhinderten Proben für einige Zeit. Kuba war in jeder Hinsicht viel schlimmer betroffen als Europa, vor allem, weil die Wirtschaft des Landes auf dem Tourismus basiert, und die Pandemie hat diesen stark getroffen.

Time For Metal / René W.:
Musiker aus dem Genre gelten oft als verschlossen, das wäre in eurer Heimat wohl fatal. Reagiert ihr auf Nachrichten eurer Anhänger über Social-Media-Kanäle oder ist diese Art der Kommunikation keine Option?

Narbeleth / Dakkar:
Ich antworte auf jede einzelne Nachricht von unseren Followern mit absoluter Sorgfalt. Das ist das Mindeste, was ich für jemanden tun kann, der Zeit damit verbringt, unsere Musik zu hören und sein hart verdientes Geld für den Kauf unserer Alben auszugeben. Sie unterstützen uns und haben meine ganze Dankbarkeit.

Wir befinden uns im digitalen Zeitalter, und das ist nicht schlecht, nur müssen wir die positiven Seiten davon nutzen und dürfen nicht zulassen, dass es unser Leben beherrscht. Wir müssen verantwortungsvoll mit diesen sehr nützlichen Werkzeugen umgehen und dürfen nicht zulassen, dass sie die Kontrolle über uns übernehmen.

Time For Metal / René W.:
Ich bedanke mich für ein spannendes neues Werk mit dem Titel Svmma Cvm Nox Arcana, welches meine heimischen Grundmauern gut durchgerüttelt hat. Das letzte Wort gehört jedoch wie beim letzten Mal schon ganz alleine dir und das kannst du an deine Anhänger und unsere Leser wenden.

Narbeleth / Dakkar:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Danke an alle Narbeleth-Fans auf der ganzen Welt für die Unterstützung und das tolle Feedback zum neuen Album. Wir werden uns sehr bald wiedersehen.

Keep the Black Metal Underground!

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