Das Interview mit Serenity´s Leadsänger Georg Neuhauser im Zuge Keimels Metalldetektor Ausgabe Juli 2017

Artist: Serenity

Herkunft: Österreich, Italien, Deutschland

Genre: Symphonic Metal

Label: Napalm Records

Link: https://www.facebook.com/serenityaustria und http://www.serenity-band.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Georg Neuhauser
Gitarre und Backgroundgesang – Cris Hermsdörfer
Bassgitarre und Gesang – Fabio D’Amore
Schlagzeug und Backgroundgesang – Andreas Schipflinger

Im Zuge der Juli-Ausgabe von Keimels Metalldetektor lud Markus Keimel Serenity´s Leadsinger Georg Neuhauser zum Interview. Zur Kolumne inklusive Bandvorstellung der österreichischen Symphonic-Metaller geht es hier lang.

Time For Metal / Markus Keimel:

Ihr habt dieses Jahr mit dem Austrian Amadeus Music Award den größten Musikpreis Österreichs gewonnen. Was bedeutet diese Auszeichnung für Dich? Und ganz ehrlich, wie lange habt Ihr nach der Bekanntgabe gefeiert?

Serenity / Georg Neuhauser:

Wir haben uns natürlich sehr gefreut, weil es doch eine schöne Anerkennung für jahrelange harte Arbeit bedeutet. Realistisch gesehen heißt das jetzt zwar nicht, dass wir von heute auf morgen Superstars geworden sind, aber zumindest hat zum ersten Mal ein Großteil Österreichs die Band Serenity, und damit verbunden unsere musikalische Ausrichtung, Symphonic Metal, bewusst wahrgenommen. Selbstverständlich sind wir nach der Verleihung unmittelbar ins Bett gegangen… äh, oder doch nicht? So ganz genau wissen wir das nicht mehr… ☺

Time For Metal / Markus Keimel:

Wenn man sich Euren aktuellen Tourplan so ansieht, auch den der vergangenen zwei Jahre, stellt man fest, dass Ihr verdammt viele Shows spielt. Ihr seid mit Bands wie Kamelot, Xandria, Stratovarius oder Powerwolf getourt und habt große Festivals bespielt. Da jagt quasi ein Highlight das nächste. Was waren Deine persönlichen Magic Moments der vergangenen zwei Jahre?

Serenity / Georg Neuhauser:

Schwierige Frage… die 70000 Tons of Metal waren sicher ein ganz besonderes Highlight, mit über 3000 verrückten Metal-Freaks durch die Karibik zu kreuzen. Aber auch Festivals wie beispielsweise das Masters of Rock in Tschechien, Wacken, oder das kommende Metal on the Hill Festival in Graz waren mit Sicherheit weitere Highlights. Und nicht zu vergessen, die Double-Headliner-Tour mit unseren Freunden von Xandria.

Time For Metal / Markus Keimel:

Kann man davon ausgehen, dass Ihr Eure Tourneen in absehbarer Zeit auch auf andere Kontinente ausweitet? Ihr veröffentlicht ja beispielsweise auch in Japan wo Ihr, wie ich mir denken könnte, erstens eine nicht unbedingt kleine Fanbase haben dürftet und zweitens auch ein Genre bedient, das von den Japanern ziemlich gut aufgenommen wird, soviel ich weiß!

Serenity / Georg Neuhauser:

Für Japan gibt es tatsächlich schon Pläne, aber aufgrund der hohen Kosten ist es immer schwierig, diese Pläne in die Realität umzusetzen. Bereits fixiert ist unser zweites Gastspiel in den USA, beim heurigen ProgPower-Festival in Atlanta. Auch Südamerika ist bereits in Planung, und somit wird uns sicher nicht langweilig in nächster Zeit…

Time For Metal / Markus Keimel:

Euer aktuelles und zugleich bereits fünftes Album Codex Atlanticus ist nun gut eineinhalb Jahre alt. Für mich persönlich ein absolutes Hammerteil. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es relativ schwierig sein wird, dieses Album zu toppen, ohne neue Experimente zu wagen. Wie siehst Du das? Gibt es schon konkrete Pläne für ein nächstes Album?

Serenity / Georg Neuhauser:

Die gibt es in der Tat. Unser neues Album ist bereits fertig und wird am 27. Oktober über Napalm/Universal veröffentlicht. Danach geht’s gleich als Special Guest von Delain auf Tour, und im Februar folgt unsere große Headliner-Tour quer durch Europa. Die dürft Ihr keinesfalls verpassen!

Time For Metal / Markus Keimel:

Wie lief eigentlich der gesamte kreative Entstehungsprozess, also Songwriting, Lyrics und Arrangements, zu Codex Atlanticus ab? Für mich fast schon ein wenig irritierend, wenn ich in den Credits lese, wie viele Leute da eigentlich mitgewirkt haben.

Serenity / Georg Neuhauser:

Hauptverantwortlich für Lyrics, Konzept und Musik ist vor allem unser Gitarrist Chris, unser Produzent Jan Vacik und meine Wenigkeit, wobei auch unser Bassist Fabio immer wieder Lyrics beisteuert und beim kommenden Album für einen Song auch die Musik geschrieben hat. Die Orchesterarrangements erledigt der aus der Steiermark kommende Filmmusikkomponist Lukas Knoebl. Für die graphische Gestaltung zeichnet sich unser ungarischer Freund Gyula Havancsák verantwortlich. Fotos entstanden jeweils in Tirol bei Manuel „Janus“ Mair. Die generellen Ideen zu den Songs können einen oftmals ganz unerwartet an den unmöglichsten Orten übermannen; Gott sei Dank hat man heutzutage immer sein Handy mit Aufnahmefunktion zur Hand, um diese Ideen festzuhalten.

Time For Metal / Markus Keimel:

Wie betrachtest Du eigentlich die aktuelle Lage der österreichischen Metal–Szene? Gibt es für Dich ein paar Bands, die Dir besonders gefallen, denen Du eine internationale Karriere zutraust?

Serenity / Georg Neuhauser:

Es gibt einige hoffnungsvolle Bands in Österreich, die durchaus das Zeug hätten, auch international große Beachtung zu erfahren. Allerdings fehlt es vielen an Disziplin, Durchhaltevermögen und den absoluten Willen, über Jahre hindurch in eine Band zu investieren, sowohl Geld, Energie und beinahe die gesamte Freizeit. Deshalb werden es nur ganz ganz wenige schaffen. Generell ist jedoch zu sagen, dass Metal in Österreich vor allem in den größeren Medien und somit in der breiten Bevölkerung keine große Beachtung findet. Lustigerweise pilgert wiederum jeder „Depp“ zu den großen überteuerten Konzerten von AC/DC oder Guns N‘ Roses. Und im Gegensatz zur Schweiz, Finnland oder den Niederlanden werden einheimische Bands nicht unterstützt, sondern nur müde belächelt, es sei denn, sie schaffen den Durchbruch auf internationaler Ebene, weil dann hat man sie natürlich offiziell schon immer gekannt, und man wusste natürlich von Anfang an, dass diese Band der neue Stern am Musikhimmel sein würde.

Time For Metal / Markus Keimel:

Beatles oder Rolling Stones?

Serenity / Georg Neuhauser:

Queen. ☺

Time For Metal / Markus Keimel:

Wie laufen bei Euch eigentlich so die letzten 20 Minuten vor einer Show ab? Nicht wenige Bands halten vor den Auftritten verschiedenste Rituale ab. Gibt es so etwas auch bei Serenity?

Serenity / Georg Neuhauser:

Natürlich! Wir durchlaufen ein veganes Fitness-Programm und gehen spirituell in uns. Und wenn Du das nun wirklich glaubst, dann gute Nacht! ☺

Time For Metal / Markus Keimel:

Für mich persönlich ist klassische Musik die Meisterdisziplin der Musik, eine göttliche Urform von Kreativität und unerreichter Genialität. Eurem Genre nach, musst ja klarerweise auch Du ein großes Faible für Klassik haben. Hast Du ein paar Lieblingskomponisten, die Du uns nennen kannst?

Serenity / Georg Neuhauser:

Vivaldi, Beethoven, ältere Komponisten wie zum Beispiel Pallästrina, und Romantiker wie Richard Wagner.

Time For Metal / Markus Keimel:

Bier oder Wein?

Serenity / Georg Neuhauser:

Jägermeister! ☺

Time For Metal / Markus Keimel:

Du bist zweifellos ein grandioser Sänger. Ist das ein Ergebnis harter Arbeit oder Talent? Wie hältst Du Dich stimmlich fit?

Serenity / Georg Neuhauser:

Zu einem gewissen Grad ist es natürlich meine Erbanlage, die ich von meiner Mutter in die Wiege gelegt bekommen habe. Am meisten gelernt hab ich aber mit Sicherheit durch meine Erfahrungen in verschiedenen Coverbands. Wenn Du vor allem Rockstars aus den 80ern versuchst nachzusingen, musst Du Dich stimmlich einfach mit der Zeit verbessern, weil Dir sonst bei den alten Helden die Puste ausgeht.

Time For Metal / Markus Keimel:

Könntest Du Deine persönliche Dream-Band aus vier Musikern zusammenstellen – Drums, Bass, Gitarre & Stimme – wie würde die Besetzung dann aussehen?

Serenity / Georg Neuhauser:

Roger Tayler, John Deacon, Brian May und Freddie Mercury! ☺

Time For Metal / Markus Keimel:

Lieber Georg, herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche natürlich Euch alles Gute für die Zukunft.

 

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