Artist: Hämatom

Herkunft: Deutschland

Genre: Metal, Neue Deutsche Härte

Label: Sony Music

Link: https://www.facebook.com/haematommusic/?fref=ts

Bandmitglieder:

Gesang – Nord
Gitarre – Ost
Bassgitarre – West
Schlagzeug – Süd

Time For Metal / Rene W.:

Hallo Hämatom,

ich freue mich wirklich euch zum ersten Interview bei Time For Metal begrüßen zu dürfen. Wir haben eure Entwicklung lange verfolgt, über eure Alben berichtet und euch live erlebt. Umso schöner, dass wir unseren Lesern eure Band nach dieser Zeit in einem kleinen Gespräch noch näher bringen können.

 

Unser Hauptaugenmerk liegt beim kommenden Album Bestie Der Freiheit, in das wir bereits hereinhören durften. Als Erstes dennoch eine Frage, die ihr schon hundertmal gestellt bekommen habt: Was hat es mit den Richtungsangaben bei euren Künstlernamen auf sich und wie seid ihr bitte auf diese Idee gekommen?

Hämatom / Süd:

Hämatom hat sich von Anfang an als ganzheitliches Projekt verstanden. D.h. Wir wollten nie mit unseren bürgerlichen Namen und Straßenklamotten auf der Bühne stehen. Von Anfang an haben wir also mit Verkleidung und Masken gespielt und dafür dann natürlich Pseudonyme gesucht. Irgendwer von uns hatte dann den Einfall mit den vier Himmelsrichtungen, den wir alle gleich super fanden. Dann hat es sich schnell herausgestellt, dass die Verteilung von NORD, SÜD, WEST und OST mehr als leicht fällt und schon ward eine Idee etabliert, die man sich nicht mehr wegdenken möchte: WEST war der kapitalistische Autonarr, OST kommt aus Polen, NORD ist immer eher bleich im Gesicht und ihn zieht es dauernd gen Norden und ich, als SÜD war vor allem zur Entstehungszeit permanent im Süden auf Reisen unterwegs und meine private Homebase ist auch in München, also südlichster Punkt der vier Bandmitglieder.

Time For Metal / Rene W.:

Das optische Erscheinungsbild ist in eurem Genre der NDH wohl so wichtig wie in kaum einem anderen Sektor. Auch da die Frage: Wie kam es zu den jeweiligen Figuren, die ihr verkörpert und wie schwer war es ein harmonisches Bild zu erschaffen, ohne vielleicht sogar mit anderen Bands ins Gehege zu kommen?

Hämatom / Süd:

Es war ein langer Weg hin zum Erscheinungsbild, wie wir es heute kennen. Anfangs war WEST z.B. noch ein Tannenbaum, OST hatte Autoreifen auf den Schultern, NORD war frisch aus der Irrenanstalt ausgebrochen und ich lief als Bankräuber auf die Bühne. Klar, aufgefallen sind wir damals schon, aber die Stimmigkeit habe ich nicht ganz so empfunden, wie heute! Inzwischen hat sich das total etabliert, wir werden nicht mehr mit Slipknot verglichen, jeder hat seine Rolle gefunden und keiner kann sich mehr HÄMATOM ohne diesen optischen Auftritt vorstellen. Wir haben es wirklich geschafft die Menschen hinter den Masken in den Hintergrund zu stellen und NORD, OST, WEST und SÜD leben zu lassen – das ist schon abgefahren.

Time For Metal / Rene W.:

Mit dem neuen Material von Bestie Der Freiheit seid ihr bei keinem anderen Label als Sony Music gelandet. Erzählt einmal bitte, wie es zur Zusammenarbeit gekommen ist und wie sich diese auf das Einspielen des neuen Langeisens ausgewirkt hat.

Hämatom / Süd:

Da wir schon länger in Richtung Ausland schielen, wollten wir mal wieder einen Labelwechsel. Wir waren nicht unzufrieden mit dem alten, finden aber Veränderungen wichtig, um mal wieder frischen Wind durch eingefahrene Automatismen zu blasen. Unser Management hat dann mal bei Sony vorgefühlt und ist da sofort auf Interesse gestoßen, so dass wir zu ersten Kennenlerngesprächen geladen wurden und sich diese Zusammenarbeit entwickelt hat. Sony bietet einen internationalen Vertrieb, den wir gesucht haben, nachdem unser Gastspiel in Sofia mit Rammstein so gut funktioniert hat. Wir waren inzwischen in Polen und Rumänien unterwegs und starten im März auf eine Tour nach Tschechien und es gibt auch Pläne in Richtung Fernost und eine Russlandrutsche steht Ende Februar vor der Tür – Es bewegt sich also einiges im Nicht-Deutschsprachigem-Raum. Auf das Einspielen des neuen Longplayers hat sich dieser Wechsel zu Sony ehrlich gesagt gar nicht ausgewirkt, da war mehr die Zusammenarbeit mit Vincent Sorg (Die Toten Hosen, Broilers, In Extremo) entscheidend, bzw. einflussreich.

Time For Metal / Rene W.:

Bereits das Cover von Wir Sind Gott hat mir zugesagt. Schlicht, dennoch prägnant und mit einer ganz eigenen Handschrift. Gleiches kann man über das Artwork von Bestie Der Freiheit sagen. Wie geht ihr das Optische eines Releases an und welche Künstler unterstützen euch, bis das Design druckfertig abgegeben werden kann?

Hämatom / Süd:

Es gibt natürlich viele Unterhaltungen im Vorfeld, viel Brainstorming. Erst mal wird der Albumtitel gesucht, hier wird so lange probiert und vorgeschlagen, bis alle zufrieden sind und dann geht es an die Visualisierung dieses gefundenen Titels. Wir arbeiten seit Bandbestehen mit dem Künstler und Designer Fichte zusammen, der immer weiß, wie man passend zur Band visuelle Themen umsetzen kann. Es dauert natürlich eine Weile, bis es zum jetzt vorliegenden Endergebnis kommt, viele Varianten, viele Anläufe werden bei uns immer benötigt , aber am Schluss schaffen wir es dann doch etwas zu kreieren, mit dem wir alle happy sind.

Time For Metal / Rene W.:

Ich muss gestehen, mein Hauptfeld ist nicht die NDH, daher beäuge ich vielleicht zu kritisch das Schaffen vieler Bands und komme zu oft auf den Nenner, dass, bis auf wenige Ausnahmen, in eine Einbahnstraße gefahren wird. Lieber ein zufriedener Fan als mal zu versuchen was Neues zu schaffen. Daher war für mich Wir Sind Gott von vor gut zwei Jahren großartig. Ihr seid dem Umfeld treu geblieben, habt aber euren ganz eigenen Weg und lasst euch keine unnötigen Fesseln anlegen, geschweige denn ein Korsett aufbrummen. Wie schafft ihr so ein freies Songwriting und was dürfen eure Fans auf Bestie Der Freiheit erwarten?

Hämatom / Süd:

Wir stellen keine Grenzen auf, sehen uns auch nicht ausschließlich als NDH Band. Mit dem Gesamtsound der Szene gebe ich dir im Übrigen Recht: Es klingt alles gut, aber schon brutal ähnlich. Die Gitarrenriffs bieten wenig Abwechslung bei vielen NDH Bands und auch textlich wird wenig experimentiert. Aber man muss auch sagen, dass es wohl dafür eine große Szene gibt, die das abfeiert und vielleicht einfach genau diesen Sound hören möchte. Zurück zu uns: Wir kommen ja eigentlich vom Metal und lieben das Verspielte. Einen Rhythmus den ganzen Song stumpf durchzutreten würde uns langweilen. Wir hören auch alle sehr viele verschiedene Musikrichtungen, die teilweise sehr weit weg sind von NDH.

Time For Metal / Rene W.:

Erzählt bitte einmal mehr über Bestie Der Freiheit: Wo habt ihr euch inspirieren lassen? Entstanden einzelne Stücke bereits auf der letzten Tour und wie ist das allgemeine Prozedere im normal Fall beim Songwriting bzw. bei den Lyrics?

Hämatom / Süd:

Es gibt Anfangs immer einen Art Spatenstich des Songwritings. Zu diesem Zeitpunkt resümieren wir die vergangenen Jahre und loten aus, wo wir hin wollen. Wir fangen dann auch bei Null an, es gibt nichts auf Halde, was neu verwertet wird, sondern alles wird resetet. Wir haben uns dann auch die Zeit genommen nur als Band, also wir vier ohne Produzent, Techniker o.ä. nach Formentera zu reisen, uns in eine Hütte einzuquartieren und gemeinsam zu jammen. Zu dieser Zeit würde ich sagen ist auch die Idee gereift, textlich auf der Bestie Der Freiheit persönlicher und emotionaler zu werden. Also Hämatom will nicht nur den Spiegel vorhalten auf dem neuen Werk, sondern auch dazu Stellung beziehen und eigene Gefühle, Meinungen mit einfließen lassen. Dazu kam dann noch die intensive Zusammenarbeit mit dem neuen Produzenten Vincent Sorg, der von Anfang an, also in der Demophase der Songs schon intensiv mit Rat und Tat zur Seite stand, bzw. die Demos mehr als kritisch zerlegte, um sie in bester Form neu zusammenzubauen.

Time For Metal / Rene W.:

Nach den letzten wirklich tollen Songs habe ich nicht damit gerechnet, dass ihr sogar noch eine Schippe drauflegen könnt. Bestie Der Freiheit ist eins der besten Alben der letzten Jahre und braucht sich selbst vor Kollegen wie Rammstein oder Eisbrecher nicht zu verstecken. Könnt ihr einmal in einem kleinen Track By Track die einzelnen Kompositionen durchleuchten?

Hämatom / Süd:

Oh, danke für das Kompliment!

Hier mal eine exemplarische Auflistung von sechs Songs, aber schaut auch in unser EPK rein, dort erfährt man sehr viel über genau den Entstehungsprozess und Inhalte der Songs:

Zeit Für Neue Hymnen – Aufbruchstimmung, wir sind zurück und reißen alle Grenzen und Mauern ein, die immer mehr in den letzten Jahren entstanden sind. Alle Gleichdenkenden kommt mit uns und lasst uns die Freiheit zurückerobern, die rückwärtsgewandte Rattenfänger mit scheinheiligen Parolen versuchen zu rauben Mein Leben- Meine Regeln – Boxen aufdrehen, der Song als Ventil um Frust rauszulassen, um sich zu bestärken das tun und sein zu lassen, was man wirklich will! Lange Nicht Perfekt – Wir sind zwar nicht perfekt, aber gemeinsam mit all unseren „Freaks“ (Bezeichnung der Hämatom Hardcorefans) verdammt nah dran.

Bis Zum Letzten Atemzug – Ein trauriger Song, der das Abschiednehmen eines guten Freundes verarbeitet, der 2017 gestorben ist. Ein Song, der aber Hoffnung machen soll. Wehleidige Monster – Der Song gegen die besorgten Bürger da draußen, die selbst glauben, sie würden zu einer Problemlösung beitragen, sind aber selbst ein Teil des Problems. Lichterloh – Hier wird die wohl wichtigste Zeit deines Lebens beschrieben. Die Zeit des Heranwachsens, bevor man in Alltag, Beziehungen und Pflichten versumpft. Man glaubt, die Welt aus den Angeln heben zu können und lässt sich von seinen Träumen gemeinsam in der Clique leiten. Eine Zeit, die man nie wieder reproduzieren kann.

Time For Metal / Rene W.:

Ich habe in meinem Hämatom – Bestie Der Freiheit Review in kleinen feinen Elementen die Toten Hosen ins Spiel gebracht. Was denkt ihr darüber?

Hämatom / Süd:

Tolle Band, die nicht nur Deutsche Musikgeschichte geschrieben haben, sondern auch nicht müde werden tolle Alben zu veröffentlichen. Das aktuelle Album finde ich persönlich eines ihrer besten seit Bestehen der Band und das ist schon mehr als lobenswert.

Time For Metal / Rene W.:

Bis zum Release dauert es noch ein paar Tage. Wie fiebert ihr dem 26.01.2018 entgegen und was werdet ihr an dem Tag machen?

Hämatom / Süd:

Wir rödeln gerade an allen Ecken und Enden, da wir begleitend zum Release eine Tour haben und auch noch Specialauftritte im Rahmen von Autogrammstunden absolvieren werden. Uns wird also nicht langweilig. Am 26.1. selbst haben wir die zweite Show unserer Release-Tour und da werden wir eine Autogrammstunde in Köln und Abends die Show in Köln haben und uns vom Vortagskater nach absolvierter erster Show zur neuen CD erholen 🙂

Time For Metal / Rene W.:

Wir Sind Gott hat es in den Charts auf Platz 5 geschafft. Was ist eure Prognose für Bestie Der Freiheit ? Platz eins könnte sogar drin sein oder?

Hämatom / Süd:

Keine Ahnung, da versuche ich mich auch ein Stück weit zu lösen und nicht zu verkrampfen. Wichtiger ist doch eh, dass es langfristig die Leute begeistert und große Kreise zieht, als nur in kurzer Zeit zu punkten.

Time For Metal / Rene W.:

Wie geht es weiter? Habt ihr bereits die nächste Tour geplant, um die neuen Songs live vorzustellen? Werden im Sommer Festivals geentert und mit welcher Gruppe würdet ihr gerne mal die Bühne für eine ausgedehnte Tour teilen?

Hämatom / Süd:

Der Zeitraum ist noch etwas zu früh, um auf weitere Live-Pläne einzugehen, aber im Sommer stehen einige Festivals an. Im März haben wir Russland und Tschechien auf der Uhr und die Bühne teilen würden wir gerne ein zweites Mal mit Rammstein, das hat Lust auf mehr gemacht!

Time For Metal / Rene W.:

Ich bedanke mich für eure offenen Antworten und werde euch für einen Nummer Eins Erfolg die Daumen drücken – verdient habt ihr es. Das letzte Wort gehört, wie bei mir üblich, ganz alleine euch und ihr könnt euch direkt an eure Fans und unsere Leser wenden!

Hämatom / Süd:

Danke für die abwechslungsreichen Fragen und ich hoffe wir sehen uns ab 25.1. auf einer der Shows, wenn die Bestie auf die Menschheit losgelassen wird.

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