Das Lumpenpack – Emotions (Teil 1 von 3)

„Elvis lebt“ oder ein Review für Aufgewachte

Artist: Das Lumpenpack

Herkunft: Stuttgart, Deutschland

Album: Emotions (Teil 1 von 3)

Spiellänge: 14:33 Minuten

Genre: Rock, Pop, Comedy

Release: 26.02.2021

Label: Roof Records

Link: https://daslumpenpack.de/

Bandmitglieder:
Gesang – Jonas Frömming
Gitarre und Gesang – Max Kennel
Gitarre und Keyboard – Jason Bartsch
Bassgitarre – Lola Schrode
Schlagzeug – Alex Eckert

Tracklist:

  1. WZF?!
  2. Magst Oder Stirbst
  3. Hauskindbaum
  4. Ein Schlaflied Für Aufgewachte

Im Herzen waren sie schon immer eine Punkband, zumindest wollten sie immer Punks sein, wurden aber zu liebevoll aufgezogen. Nun haben Jonas Frömming (ehemals Meyer) und Max Kennel alias Das Lumpenpack endgültig die Akustik- gegen die Stromgitarre getauscht. Die Vergangenheit der Poetry-Slammer auf den Bühnen diverser Kleinkunsttheater, weicht den dreckigen Rockclubs der Nation. Unterstützt wird das Duo dabei, wie es sich für eine echte Rockband gehört, vom „neuen Rest der Band“ Jason Bartsch (Gitarre und Keyboard), Lola Schrode (Bass) und Alex Eckert (Schlagzeug).

Auf die erste Steil-Geh-LP im Jahr 2013 folgten die Alben Steil II, Die Zukunft Wird Groß und 2019 das Erfolgsalbum Eine Herbe Enttäuschung. Selbst das verrückte Jahr 2020 war für die Band ein großer Erfolg: Das erste Livealbum der Band Halbzeit erschien im März, im selben Monat spielte das Quarantäne-Konzert im Kölner Gloria Theater mehr als das zehnfache der angepeilten Crowdfunding-Summe ein und das Geld kam Pandemie-gebeutelten Veranstaltern, Locations und Clubs zugute. Im Mai erfolgte dann die Gründung des Lumpenclubs, um online mit den Fans in Kontakt zu bleiben und ihnen etwas zurückzugeben. Am 26.02.2021 präsentiert Das Lumpenpack das erste Drittel des neuen Albums Emotions (Teil 1 von 3). Der Album-Dreiteiler erscheint zunächst in digitaler Form und wird Ende des Jahres auch analog als gesammeltes Werk erhältlich sein.

Erst im letzten Jahr gab es meine erste Begegnung mit Das Lumpenpack und ihrer Hitsingle Hauch Mich Mal An. Selten gab es Musik, in die ich mich mit dem ersten Takt verliebte und die mir Ohrwürmer am Fließband bescherte. Pünktlich zum Ende des vergangenen Septembers weckte die Jahresabrechnung WZF?! Green Day Sänger Billie Joe Armstrong aus seinem Dornröschenschlaf. Der veränderte Sound als komplette Band stieß unter den Fans auf sehr viel Gegenliebe und die Metamorphose von Auftritten in Comedyclubs zu großen Festivals wie dem Open Flair scheint geglückt. Bald darf hoffentlich jeder Konzertgänger der Band lautstark „Was zum Fiiiiick“ entgegenbrüllen. Schade, dass es irgendwann einen „Einsendeschluss“ für die Themen des Songs gab – 2020 hätte noch mehr geniale Zeilen hervorgebracht wie diese: „Fuck es gibt Rassismus, bemerkten wir im Mai, wir posten schwarze Kacheln, dachten, jetzt ist es vorbei.“ In Magst Oder Stirbst widmet sich Das Lumpenpack ebenfalls ernsteren Themen: Hier geht es um die Abrechnung mit sogenannten Internetrambos, die das Netz als anonymen Deckmantel für ihre Hasskommentare nutzen. Eigentlich sollte man über diesen Dingen stehen, letzten Endes geht es einem doch nahe. Musikalisch bisher der düsterste Song aus dem Hause Frömming und Kennel.

Die erste Single des neuen Jahres Hauskindbaum markiert den bisher härtesten Meilenstein des Lumpenpacks mit Anleihen an den Pop-Punk der früher 2000er. Im Gegensatz zum treibenden Rhythmus fasziniert mich der Text nicht so sehr. Inhaltlich räumt man mit den stereotypen Gedanken auf, man(n) müsse ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen. Einzig die Textzeile „Ich grub mit meinen Händen rund einen halben Meter, legte eine Eichel rein und sagte dann: „Bis später“ – nach 25 Jahren kam ich dorthin zurück, statt einer schönen Eiche stand dort ein McFit“, ist wieder genial geschrieben.

Im November durfte ich ein Interview mit den sympathischen Jungs führen und Max sagte zu den Themen der zukünftigen Songs: „Wir wollen ja eigentlich keine Songs über Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker schreiben, aber es fühlt sich manchmal so an, als müssten wir´s.“ Gesagt, getan! So geht es im abschließenden Schlaflied Für Aufgewachte um die „Aluhutträger“ der heutigen Gesellschaft. Impfchips, Bill Gates, Staatskontrolle: Selten gab es in den letzten Jahrzehnten mehr fadenscheinige Gründe für „besorgte“ Bürger, ihren Standpunkt zu vertreten. Jetzt werden die Rockgitarren ausgestöpselt und der ruhige Song kommt passend zum Titel als Wiegenlied daher. Hier steht wieder die Wortkunst im Vordergrund: „Komm zur Ruh‘, der Atem flach, wie deine Erde auch.“ „Schlaf, mein Aufgewachter, schlaf bitte wieder ein – Die Nacht gehört den Schafen, die Wahrheit dir allein.“ Bleibt zum Abschluss noch zu sagen: „Elvis leeeeebt!“

Das Lumpenpack – Emotions (Teil 1 von 3)
Fazit
Nicht unbedingt die richtige Musik für den true Metalhead, aber definitiv für aufgeschlossene Rockfans mit Hang zu intelligenten Texten. Mir bereitet die Band jedes Mal sehr viel Freude, obwohl deutschsprachige Musik in meiner Playlist eher zu den Randerscheinungen gehört. Ich hoffe, dass die für Sommer und Herbst geplanten Konzerte stattfinden können. Bis dahin trällere ich noch fröhlich Lumpenpack-Songs im Homeoffice.

Anspieltipps: WZF?! und Magst Oder Stirbst
Florian W.
8
Leser Bewertung3 Bewertungen
9.1
8
Punkte
Podcast
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