Event: Dødheimsgard – Interstellar Horizons Europe Tour 2025
Bands: Dødheimsgard, Winterfylleth, Necronautical
Ort: Logo, Grindelallee 5, 20146 Hamburg
Datum: 22.10.2025
Kosten: VVK 30 € plus Gebühren, AK 37 €
Zuschauer: ca. 120
Genre: Avantgarde Metal, Progressive Metal, Folk Black Metal, Symphonic Black Metal, Black Metal, Industrial, Extreme Metal
Link: https://www.logohamburg.de/
Setlisten:
- First Light
- Dishonour Enthroned
- To The Edge Of Tyranny
- The Reckoning Dawn
- A Soul Unbound
- Upon This Shore
- The Imperious Horizon
- Whisper Of The Elements
- It Does Not Follow
- The Snuff Dreams Are Made Of
- Midnattskogens Sorte Kjerne
- The Crystal Spect
- The Paramount Empire
- Ion Storm
- Traces Of Reality
An einem Mittwoch sagt sich im Hamburger Logo eine besondere Band an. Dødheimsgard um Mastermind Vicotnik sind auf einer kurzen Tour durch Europa und beehren dabei auch den ehrwürdigen Club. Was machen Dødheimsgard eigentlich für Musik? Die T-Shirts der Fans geben einen interessanten Querschnitt: Voivod, Emperor, Ulver, Immortal – aber auch Amon Amarth, Communic oder Death. Wie die Bandbreite der T-Shirts, so ungefähr ist die Bandbreite von Dødheimsgard. Black Metal machen die auch, aber die Einflüsse sind derart vielfältig, sodass sich Meister Vicotnik und sein Gefolge in keine Schublade stecken lassen. Der Auftakt ist um kurz vor 20 Uhr auch mit einer Bandbreite unterwegs, die liegt jedoch primär im schwarzen Metal.

Necronautical dürften vielen Menschen kein Begriff sein. Es handelt sich um eine Band aus UK, bei der der Winterfylleth-Gitarrist Russell Dobson an Gitarre und Mikrofon agiert. Einige Minuten vor 20 Uhr stehen die Herren auf der Bühne und mixen ein schwarzes Gebräu, das diverse Einflüsse aufweist. Blast Beats gibt es genauso auf die Ohren wie symphonische und folkige Elemente. Die Drums kommen dann und wann klassisch metallisch aus den Boxen und insgesamt wirkt der circa 30-minütige Gig wie ein Durchforsten diverser Genres. Das Material ist aber insgesamt noch nicht so stimmig. Potenzial scheint in der Truppe zu schlummern, allen voran mit dem genreübergreifenden Agieren. Dazu passt auch das Outfit. Wer heute die üblich verkleideten und bemalten Schwarzmetaller erwartet, der erlebt auf der Bühne eine Überraschung. Es sieht eher nach einem Death- oder Heavy-Metal-Konzert aus.

Die Umbaupause ist knapp, kaum mehr als 15 Minuten sind für den Wechsel zu Winterfylleth eingeplant. Das Quintett aus UK ist deutlich bekannter als die vorherige Band. Folk Black Metal, bei dem es um die englische Natur geht, ist ein Punkt in der Diskografie. Aber auch die Geschichte des Landes nutzt die Band als Inspiration. Eine knappe Stunde haben die Herren für ihr Set und konzentrieren sich vor allem auf das neue Album The Imperious Horizon, das mit fünf Nummern den Löwenanteil zum heutigen Auftritt liefert. Da die Umbaupause zu lange gedauert hat, überspringen Winterfylleth auch noch A Valley Thick With Oaks. Der ehemals prägnante folkige Part gerät ins Hintertreffen. Die Interludes bestimmt Keyboarder Mark Deeks, der mit seinem Doom-Projekt Arð noch eine weitere Spielwiese beackert. Was sehr positiv auffällt, ist der Sound und die live gesungen Background-Vocals. Einzig die knappe Spielzeit bleibt am Ende als negativer Punkt. Warum die Vorband nicht eine halbe Stunde früher startet und damit den beiden Hauptbands mehr Zeit für Umbau und Set gibt, hinterlässt Fragezeichen.

Die finale Umbaupause ist ebenfalls knapp kalkuliert, dann steht Vicotnik als Alleinunterhalter auf der Bühne. Eine qualmende Zigarre in der Hand, ein Tuch über dem Kopf, eine glitzernde Jacke und ein bizarrer Auftritt. Dødheimsgard legen los, als wenn der Fronter die gesamte Bude einreißen will. Bei Sonar Bliss turnt der Sänger im Publikum umher, animiert, schneidet Grimassen und liefert eine exzellente Show. Die Musik als gewöhnungsbedürftig zu beschreiben, würde den Kern nicht treffen. Zwischendurch beruhigt sich die Szenerie mit einer ruhigen Passage, die an eine Untermalung bei einer Vernissage erinnert, um anschließend erneut zu explodieren. Der Balken in der Mitte der Bühne ist ein willkommener Anlaufpunkt für Vicotnik. Er schüttelt sein Haupthaar und peitscht mit seiner Haarpracht zunächst den Balken. Im Verlauf des Konzerts kommen auch die Fans in Kontakt mit der Haarpracht des Sängers.
Das Szenario ist bizarr, durchgeknallt, schräg und anders als viele andere Acts. Ob Black Metal, Progressive Metal oder Extreme Metal: Die Show steht im Vordergrund und die Energie von Vicotnik. Zum Ende tanzt der Fronter nochmals mit den Fans und gegen 23 Uhr endet ein mehr als schräger, aber unterhaltsamer Abend im Hamburger Logo.
Wer sollte sich Dødheimsgard ansehen? Interessant dürfte die Band vor allem für Fans sein, die gerne über den Tellerrand schauen, mit einer Vorliebe für eher extreme Töne. Die Show allein ist schon sehenswert. Aber auch technisch ist die Begleitband nicht zu vernachlässigen. Bei den sehr schnellen Passagen und den Umbrüchen zeigt sich nicht nur einmal die Fingerfertigkeit der Truppe, auch wenn nicht alles zu 100 % ineinandergreift.


























