Don Broco – Technology

                                               „Zwischen Mainstream und Nische“

Artist: Don Broco

Album: Technology

Release: 02.02.2018

Genre: Alternative, Alternative Rock, Post-Hardcore

Label: SharpTone Records

Link: https://www.donbroco.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Rob Damiani
Gitarre – Simon Delaney
Schlagzeug, Gesang – Matt Donnelly
Bass – Tom Doyle

Tracklist:

  1. Technology
  2. Stay Ignorant
  3. T-Shirt Song
  4. Come Out To LA
  5. Pretty
  6. The Blues
  7. Tightrope
  8. Everybody
  9. Greatness
  10. Porkies
  11. Got To Be You
  12. Good Listener
  13. ¥
  14. Something To Drink
  15. Blood In The Water
  16. Potty Mouth

Aus dem schönen UK kommen wohl die meisten meiner Lieblingsbands – Architects, While She Sleeps, Neck Deep oder auch Bring Me The Horizon, um nur einige zu nennen. Und häufig zeigt sich eine Band aus der UK eben doch als besonders und irgendwie einzigartig in dem was sie da produzieren – zumindest laut der britischen Presse. Die Band Don Broco wird als solche gesehen. Mit ihrem inzwischen dritten Album Technology haben sie für so einigen Gesprächsstoff gesorgt, indem sie eben nicht wiederholen, was da schon Tausende vor ihnen gemacht haben. Aber was macht Technology jetzt so besonders?

Der Opener Technology könnte in den ersten fünf Sekunden durchaus die ersten Alternative Menschen abschrecken – dieses komische Electrotrommeln, das da erklingt, verbindet man definitiv nicht mit Genres, die sich an Rock anlehnen. Aber dann setzen auch schon Gitarre und Schlagzeug wuchtig dazu ein und schon fühlt sich das eigene Ohr etwas wohler. Der Gesang von Rob steht dabei im Fokus und der Stil erinnert ein wenig an Nothing More, was natürlich ein Pluspunkt ist. In die volle Härte gehen Don Broco mit Technology nicht – und genau das verwirrt zunächst.. Weil irgendwie ist der Song heavy, ohne heavy zu sein. Selbst auf Breakdowns verzichtet er nicht. Er macht einfach nur Spaß – und das Video zeigt sich doch als erstklassig, also besser gleich mitnehmen.

Stay Ignorant ändert gesanglich genug, dass man fast das Gefühl hat, nun eine andere Gruppe präsentiert zu bekommen. Auch hier dauert es einige Momente, um in den Song reinzukommen. Bis nach dem ersten Chorus, dass der Song auch wieder mit seiner Instrumentalität die Intensität steigert, und beginnt so richtig zu gefallen. Insgesamt hält sich Stay Ignorant mehr zurück. Der Post-Hardcore Faktor scheint hier weitaus präsenter. Stay Ignorant überzeugt mit Gefühl, bleibt aber nicht unbedingt spannend beim mehrfachen Anhören.

T-Shirt Song untermalt im Titel, was Don Broco bisher auch ausgestrahlt haben: Eigentlich nimmt sich diese Gruppe nicht zu ernst. Doch gerade T-Shirt Song kommt vom reinen Feeling tatsächlich mit einer spielerischen, ernsthaften Note. Die Riffs und Songstrukturen erinnern hier ein wenig an Punk Rock, der eben eine gewisse Leichtigkeit mit sich bringt. Und tatsächlich auch Trompeten! Ja, so läuft das bei Don Broco. T-Shirt Song ist wohl fast eine Liebeshymne und darf auch durchaus so genossen werden. Ebenso ist es ein Song, der mir persönlich immer stärker ans Herz wächst. Dies gilt übrigens für die komplette Platte. Der Hauptgrund, warum die Fertigstellung einer „Endwertung“ sich hier länger als üblich gezogen hat, aber dazu später mehr.

Kommen wir gleich zu einem Song, welchen man sich am besten mit Video gönnt. Come Out To LA fokussiert noch einmal diese leicht seltsame, aber unglaublich ansteckende Kombination zwischen harter Instrumentation und dem lockeren Gesang – visuell wird hier wohl eine mehr als interessante Geschichte erzählt, die man beim reinen Song so erst mal eher nicht im Kopf hat. Also anschauen! Auch Don Broco selbst haben bereits in Interviews ihre Liebe zum Song ausgedrückt.

Wer Musik zum Stressabbau benötigt, dem dürfte Pretty eventuell sehr gut helfen. Der hier noch mehr spielerisch angelegte Gesang gibt nicht nur dem Song, sondern auch Don Broco selbst einen leicht ironischen Charakter. Dennoch versprüht Pretty eine wütende Energie, die immer wieder aufgerissen wird. Und genau dieses Aufreißen wird quasi bei The Blues weitergeführt, so spielen Don Broco weiterhin diese Mitte zwischen eben Mainstream Pop und Nische – und zugegebenermaßen, beim ersten Anhören ist man vielleicht nicht sicher, was man davon hält. Aber wie gut, dass man Alben auf Dauerschleife laufen lassen kann.

Als besonderer Ohrwurm und Energie Power Song zeigt sich auch Everybody, der besonders instrumentell spielt. Don Broco verstehen es, eine gewisse Portion positive Motivation in vielen Songs hervorzurufen und eine gewisse Gleichgültigkeitseinstellung, welche definitiv bei Liveshows zu dem einen oder anderen wilden Mosh Pit führen wird. Dies zählt bei Greatness auch, wobei dieser weitaus ruhiger an diese ganze Sache rangeht. Insgesamt zeigte sich die Platte Technology bisher als sehr unterschiedlich und fast schon willkürlich. Greatness bleibt aber durch eben die etwas ruhigere Note ein wenig zurück hinter anderen Singles.

Der letzte Track der Platte, Potty Mouth, zeigt sich mit fast 7 Minuten auch direkt als längster Song, was sich beim ersten Anhören als sehr positiv und zum Ende als Trick herausstellt, so nehmen sich Don Broco hier noch einmal Zeit für ein ruhiges Opening, bevor wieder recht kräftig losgelegt wird. Lediglich textlich hätte man hier mit „lalala“ durchaus etwas Kreativeres an so manchen Stellen finden können – aber es gehört natürlich auch zur Message des Songs. Eine besondere instrumentelle Note bekommt der Abschluss dann in der zweiten Hälfte – also noch mal ausrasten! Und wen das Ende verwirrt – es gleicht quasi einer Marvel After Credit Scene!

Fazit: Wenn ein Album so viele Songs hat, dass eine einzelne Besprechung der jeweiligen Songs wohl den Rahmen hier sprengen würde, so ist das schon einmal ein positives Zeichen. Mit insgesamt 16 Tracks und einer Mission beweisen Don Broco mit ihrem neuen Album Technology, wie man die Mitte zwischen Mainstream Pop Musik und Nische findet - also quasi, dass man sich gar nicht für ein Genre entscheiden muss. Die härteren Riffs und schnellen Passagen, gepaart mit dem spielhaften und recht wild angelegten Gesang stehen den Engländern dabei wunderbar und strahlen eine zusätzliche Lockerheit aus, die definitiv nicht von der Hand zu weisen ist. An der einen oder anderen Stelle hätte man sich als eher Metal Fan dann doch etwas mehr Schwung und Breakdowns gewünscht, doch Don Broco verfolgen hier ein mehr als interessantes Konzept, welches vor allem live sehr viele unterschiedliche Gruppen anziehen dürfte und sicherlich ein Erlebnis wert ist. Im Auge sollte man die Jungs auf alle Fälle halten. <br/<
Anspieltipps: T-Shirt Song, Welcome to LA, Stay Ignorant
Anabel S.
9
Leser Bewertung2 Bewertungen
10
9