Dread Sovereign – Alchemical Warfare

Die irischen Doomer packen sich etwas Heavy Metal obendrauf

Artist: Dread Sovereign

Herkunft: Dublin, Irland

Album: Alchemical Warfare

Genre: Doom Metal, Heavy Metal

Spiellänge: 51:52 Minuten

Release: 15.01.2021

Label: Metal Blade Records

Link: https://www.facebook.com/DreadSovereign

Bandmitglieder:

Gesang, Bass – Nemtheanga
Gitarre – Bones
Schlagzeug – Jk

Tracklist:

1. A Curse On Men
2. She Wolves Of The Savage Season
3. The Great Beast We Serve
4. Nature Is The Devil’s Church
5. Her Master’s Voice
6. Viral Tomb
7. Devil’s Bane
8. Ruin Upon The Temple Mount
9. You Don’t Move Me (I Don’t Give A Fuck) *CD+Digital Bonus Track only

Primordial’s Mastermind Alan Averill Nemtheanga ist endlich mit seinem Doom Nebenprojekt Dread Sovereign zurück. Am 15.01.2020 erscheint das dritte Album der Band mit dem Titel Alchemical Warfare über Metal Blade Records. Verfügbar sein wird es als CD und Vinyl in folgenden Varianten:

180g black vinyl (EU exclusive), slate blue / grey marbled vinyl (EU exclusive – limited to 200 copies), raisin rouge marbled vinyl (EU exclusive – limited to 150 copies), gold / black dust vinyl (Kings Road exclusive – limited to 100 copies), white / black marbled vinyl (US exclusive). Bei dieser wirklich superben Auswahl sind die Sammler wohl gezwungen, tief in die Tasche zu greifen!

Dread Sovereign wurden 2013 in Dublin in Irland von Primordial-Sänger Nemtheanga gegründet, als er sich schmutzigem, altem Cvlt-Doom und Black Metal mit traditioneller Schlagseite widmen wollte. Ihre erste EP Pray To The Devil In Man erschien 2013 auf Roadburn/Burning World Records, wo die Band auch ihr Livedebüt feierte. Bald danach erschienen zwei weitere Alben auf Van Records: All Hell’s Martyrs (2014) und For Doom The Bell Tolls (2017). Heute schon sind diese Alben Klassiker für alle Doom Jünger.

Nun also der dritte Geniestreich des rastlosen Iren, der zudem noch bei der internationalen Band Twilight Of Gods tätig ist.

Dread Sovereign scheinen auf Alchemical Warfare etwas mehr Gas geben zu wollen. Das bestätigt Sänger/Bassist Nemtheanga im Promo zum neuen Album sogar selbst: „Anfangs lautete unser Motto ‚The world is doomed‘, und nun scheint das Leben die Kunst nachzuahmen, weshalb wir wie dreckige Propheten dastehen! Die neue Platte von Dread Sovereign war mehrere Jahre in der Mache und kommt nun pünktlich, falls nächstes Jahr die Welt untergeht, was durchaus sein kann, falls ihr es noch nicht wisst. Wir haben ein bisschen mehr Tempo als früher, bleiben aber eine Doom-Band. Das Album ist halt etwas Venom– und Motörhead-lastiger, denn wenn schon alles vor die Hunde geht, dann wenigstens mit ausgestrecktem Mittelfinger, nicht wahr?“

Nach dem Hören der Platte kann ich es bestätigen. Dread Sovereign haben mit Alchemical Warfare eine neue/andere Stufe des Doom erreicht. Diese Stufe möchte ich die Stufe des Heavy Dooms bezeichnen. Das Trio gibt wirklich ein Stück mehr Gas, wirkt dabei Heavy und lässt ein Stück mehr Heavy Metal einfließen. Jetzt aber nicht in dem Maße, dass man sagen könnte, das wäre nun Heavy Metal mit einem Schuss Doom. Nein, das ist schon immer noch starker Tobak (ich meine Doom), was das Trio da fabriziert und da bin ich auch froh drum. Mit Tränen in den Augen sehe ich da noch das Abdriften der einst von mir geliebten Amerikaner Spirit Adrift, die aus dem Doom kamen und zum Heavy Metal mutierten. Das ist uns hier bei Dread Sovereign Gott sei Dank (wegen mir auch dem Teufel sei Dank) erspart geblieben.

Gespenstisch teuflisch (vielleicht ein Hexenzirkel?) führt der Opener A Curse On Men in das Werk ein. Ebenso teuflisch eröffnet She Wolves Of The Savage Season. Dunkler Doom, schrille Gitarren. Spannung bis zum Erbrechen, bis dieser Zehnminüter nach den ersten drei Minuten voller Schwere zündet. Wie Pfeile und angespannt brechen diese She Wolfes wild umher aus ihren Verstecken. Ein doch irres Tempo. Da scheint eine Heavy Metal/Doom Schlacht im Gange zu sein. Natürlich gehen die Doom Strukturen nie verloren und kommen zum Ende wieder zurück. Anschließend wird dem großen Tier in The Great Beast We Serve gehuldigt. Dabei kommen die Riffs rituell und wellenartig, um die Ehre zu erbieten.

Die beiden folgenden über acht Minuten langen Nature Is The Devil’s Church und Her Master’s Voice sind Songs in epischer Doombreite. Das muss einfach sein. Solche Songs gehören zu den Glanzpunkten des Albums. Nature Is The Devil’s Church donnert und geht richtig steil. Dabei wird gleichzeitig das Tempo angezogen. Zwei Stufen in der Geschwindigkeit runter geht es mit Her Master’s Voice direkt im Anschluss. Bei diesem Song erzeugt das Trio eine unheimliche Fülle, die einen regelrecht erdrückt.

Mit Viral Tomb folgt ein atmosphärisches Interlude, bevor es mit Devil’s Bane fast so etwas wie einen Black Thrasher gibt. Den eigentlichen Abschluss bildet das äußerst geniale Ruin Upon The Temple Mount.

Mein persönlicher Favorit auf Alchemical Warfare ist dieses fast neunminütige Ruin Upon The Temple Mount. Der Song baut sich über fast vier Minuten teuflisch okkultig auf. Dieses „Intro“ würde ich fast als The Dance Of The Devil’s Whore bezeichnen, bevor das Stück seine Flügel zu einem epischen Lucifer Doom ausschwingt. Da nützen auch alle Kerzen und auch Candlemass nichts, denn die gehen aus. Aufgrund der bei Dread Sovereign „dreckigen“ Spielweise und des höllischen Gesangs gibt es hier kein Vertun. Kein Engel kann uns vor diesen teuflischen Gestalten und Geistern retten.

Beim abschließenden Bathory Cover You Don’t Move Me (I Don’t Give A Fuck) wird punkig-rockig-rotzig der Mittelfinger gezeigt. Ja klar, bad as fuck, das ist zwar ein Schmankerl, müsste aus meiner Sicht jetzt aber überhaupt nicht sein, denn das macht in seinem Stil jetzt ein wenig das vorher Erlebte beim Track Ruin Upon The Temple Mount kaputt. Der eigentliche Spirit des Albums geht hier ein wenig verloren. Das Bathory Cover ist wohl nur im CD-Digipack als Bonus vorhanden.

Dread Sovereign – Alchemical Warfare
Fazit
Auf Alchemical Warfare gibt es neben dem zu erwarteten diabolischen Doom so viel Heavy Metal wie noch nie von Dread Sovereign. Das ist ok und bereichert in einigen Sequenzen gewiss und ist gut anzuhören, aber bitte nicht mehr davon in Zukunft. Das Höchstmaß ist hiermit aus meiner Sicht bereits erreicht. Ich denke, da spreche ich wohl für alle Doomer!

Alchemical Warfare bleibt mit seinen vier ellenlangen Songs voller höllischer Finsternis auf jeden Fall Doom Side Of Life und stellt ein teuflisches Vergnügen dar!

Anspieltipps: She Wolves Of The Savage Season, Her Master’s Voice und Ruin Upon The Temple Mount
Juergen S.
9
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9.1
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