FB 1964 – German Steel

Fünftes Regenwald Charity Projekt aus Niedersachsen

Artist: FB 1964

Herkunft: Langwedel-Völkersen, Deutschland

Album: German Steel

Länge: 72:38 Minuten

Genre: Hard Rock, Heavy Metal, Melodic Metal, Power Metal

Release: 19.03.2021

Label: Bornkamp Records / Eigenvertrieb

Link: www.facebook.com/Bornkamp.Fearless/

Bandmitglieder:

Gitarre – Frank Badenhop
Sonst keine Angaben

Tracklist:

01. Hoch Auf Dem Gelben Wagen
02. Evil
03. Neon Nights
04. How Many Tears
05. Frame Of Mind
06. When The Rainbow Meets The Eye
07. Crazy
08. Ragin‘ Waters
09. Dreamer
10. Save Yoursef
11. Trisomie XXI
12. We’ll Burn The Sky
13. Behind The Mask
14. Chains And Leather (Running Wild)

Metal hören und den Regenwald aufforsten? Das geht nicht nur, indem man Bier aus Krombach trinkt!

Bereits zum fünften Mal bringen FB 1964, um nicht zu sagen Frank Badenhop, geboren 1964, ein Konzeptalbum mit namhaften Gaststars für den guten Zweck heraus. Wieder ist über die Künstler oder das Projekt kaum etwas Informatives zu erfahren. Kein Info-Sheet, kein Flyer, keine Booklet-Scans, kein Promo-Video. Nur 14 Titel und ein paar Bildchen auf Facebook. Wie schafft es Frank Badenhop immer wieder, namhafte Künstler für seine Projekte zu generieren, wenn diese anschließend keiner kennt?


Quelle: FB 1964

Nun aber zurück zu dem neuesten Werk aus dem Bornkamp Studio in Langwedel-Völkersen bei Verden an der Aller. Frank Badenhop ist auch Gitarrist und Kopf der Heavy Metal Coverband Headbangers Nightmare. So wundert es nicht, dass es hier musikalisch klassischen, traditionellen Heavy Metal in diversen Gangarten gibt. Dazu kommen eine Reihe mehr oder weniger namhafter Gäste. Das aktuelle Album ist auch wie Irish Steel ein Coveralbum. Hat er uns also ein Headbangers Nightmare Album kredenzt?
Als Opener Volksmusik mit Hoch Auf Dem Gelben Wagen in einer Metalversion zu bringen, zaubert schon einmal ein Grinsen auf das Gesicht. Keine Angst, es ist eine Instrumentalversion und die Blockflöte erinnert daran, wie man selbst mit sechs und ’nem Keks die ersten Versuche gestartet hatte. Weiter geht es mit „Lost and Found“ Metalperlen und seltene Stücke aus deutschen Landen. Evil von Warlock aus dem Jahr 1985 ist der erste Song. Druck- und kraftvoll gespielt, kommt er musikalisch an das Original heran. Allerdings fehlt die Stimme von Doro Pesch dann doch, denn hier singt ein Mann. Weiter geht es mit Neon Nights von Accept. Im Original von 1982 war es ein für mich prägender Song. Warum singt das jetzt eine Frau? Vertauschte Rollen? Wer die alten Schinken nicht so gut kennt, dem wird es nix ausmachen. Mich stört es. Der Song klingt frisch, er kommt an das Gitarrensolo von Wolf Hoffmann nahe dran. Aber erst Doro durch einen Mann und nun Udo Dirkschneider mit einer Frau zu ersetzen? Da kann Sängerin Gaby Weihmayer gar nicht mal etwas dafür, das geht gar nicht. How Many Tears stammt im Original von Halloween. Das 1985er Album Walls Of Jericho war damals Halloweens Debütalbum und gehörte zu meinen Lieblingsscheiben. Ich muss zugeben, dieser über siebenminütige Song mit all seinen Facetten hat tatsächlich mit dem neuen Gewand gewonnen. Den neuen Gesang hat der chilenische Frontmann von Rainbow, Ronnie Romero, übernommen. Frame Of Mind stammt im Original von der Düsseldorfer Band Streight Shooter. Die Band kam irgendwie nie über den „Geheimtipp-Status“ heraus. Der Song ist ein psychedelisch-progressiver Song aus dem Jahr 1980. Mit einem Joint im Kopf war das die Musik, die in unserem „Club“ damals gespielt wurde. Gott habe das Abraxas in Kiel seelig. Heute steht da ein Einkaufszentrum. Ich schweife mal wieder ab in die Erinnerungen… Badenhops Interpretation nimmt dem Song (wieder weibliche statt männlicher Stimme) das Psychedelische. Er mach da einen Elektro-Rock-Song draus. Nun noch männlicher Gesang und wir wären bei Depeche Mode… Durchaus positiv. Von dem folgendem Titel hatte ich bisher noch nie etwas gehört. When The Rainbow Meets The Eye von der Band Waxx. Die Band war eine Female Frontend Heavy Metal Truppe aus Augsburg und der Song stammt aus deren 1991er Demo The Second Time. Klarer Punkt an Badenhop. Was er aus dieser unbekannten Perle gemacht hat, ist aller Ehren wert. The Renegades kenne ich nur als britische Band in den 60ern. Über eine deutsche Gruppe dieses Namens finde ich nischt heraus. Also bleibt der Song Crazy unbewertet. Schlecht ist er aber definitiv nicht. Irgendwo im Netz finde ich, dass Rainbows ehemaliger Sänger Graham Bonnet hier diesen Song singt. Bestätigen kann ich es nicht. Weiter mit den unbekannten Perlen der Zeitgeschichte. Mandrakes Song Ragin‘ Waters ist von 1988 und ebenso ein bisher unbekanntes Juwel. Hier fand ich im Netz, dass Sister Sin Frontfrau Liv Jagrell dem durchaus ansprechenden Song die Stimme leiht. Ein Song, der in andere Gefilde vorstößt. Dreamer von Lucifer: Stopp, denn jetzt bin ich irritiert. Song von 2018, Band aus Schweden? Nicht ganz. Sie wurden 2014 in Berlin und London gegründet, sagt Wikipedia. Na gut. Wer den Part von Sängerin Johanna Sadonis bei der Neuauflage dieses ruhigen Titels übernimmt, lässt sich ohne Original-Booklet nicht ergründen. Auf jeden Fall gewinnt der Song an Volumen. Auch die Stimme ist dunkler und kräftiger, was durchaus positiv ist. Die McAuley Schenker Group von 1989 ist mit Save Yourself nächstes Opfer auf der Badenhop Plünder-Tour. Um den für viele „besten Gitarristen der Welt“ Michael Schenker zu covern, gehört es schon etwas. So schlecht macht er seine Sache nicht, hat er doch auch hier namhafte Unterstützung. Tim „Ripper“ Owens lässt den fetzigen Song in einem völlig neuen Glanz erstrahlen. Es geht wieder mit einer eher unbekannten Perle weiter. Trisomie XXI von der Band Secrecy gehörte bisher nicht zu meinem Wissensschatz. Das Album Art In Motion der  Bremer Thrash-, Power- und Progressive-Metal-Band erblickte 1990 das Licht der Welt. Auch hier wird nah am Original gearbeitet. Die Neuaufnahme wirkt frisch und unverdorben. Das Female Frontend gewinnt durch Lea Diekmann (Dark Lightning). Sich an den Scorpions zu versuchen, ist wieder einmal gewagt. Mit We’ll Burn The Sky vom fünften Album Taken By Force, das Ende 1977 herauskam, hat er sich einen der frühen Klassiker der Hannoveraner herausgesucht. Mit fast acht Minuten ist es das längste Stück auf der CD. Was mich als Erstes irritiert, ist die Sängerin. Ja, Klaus Meine singt auch hoch, aber… Mir wird immer nachgesagt, ich hänge an dem alten Zeug. Da ich nie großer Fan von den Wüstentieren war, fällt es mir hier wirklich nicht schwer, den Punkt an Herrn Badenhop zu geben. Modern, frisch, herrliches Gitarrensolo, kurze Geigenunterstützung. Wenn so die Hannoveraner klingen würden, hätte der Wind eine Chance mehr… Johnny Gioeli, Sänger unter anderem bei Axel Rudi Pell, verleiht einem weiteren großartigem Song seine Stimme. Fragte ich nicht vorhin nach Badenhops Coverband Headbangers Nightmare? Behind The Mask ist ein Titel von ihnen aus 2009. Uschi Hertzberg am Mikro covert sich hier im Doro-Stil also selbst. Den Abschluss bildet Chains And Leather, ein 1983er Frühwerk der Hamburger Running Wild. Diesen herrlichen Metaltitel macht die kindliche Stimme von Victoria Glück leider völlig kaputt.

Gemixt und gemastert wurde das Album von Lennart Jeschke in Wunstorf, Niedersachsen. Sein Studio gründete er zusammen mit Marcus Wichary von Terry Hoax.

Alle fünf Alben kosten jeweils nur zehn Euro. Zehn Euro, die in jedem Fall gut angelegt sind. German Steel kommt wie alle anderen CDs auch in einem Juwelcase daher. Hierin sind alle Lyrics und die Zuordnung der Musiker enthalten. Alle Einkünfte aus dem Projekt gehen wieder an Rettet Den Regenwald e.V.. Ihr erreicht den Verein über die Homepage Regenwald.org.

Zu erhalten sind die Alben direkt über Frank Badenhop. Bestellungen bitte direkt an bornkampstudio@aol.com.

FB 1964 – German Steel
Fazit
Ein Coveralbum mit viel Licht und dunklen Schatten. Wer das alte Zeug nicht kennt, kommt damit zumeist gut klar. Dann ist es ein fast durchgängig gut hörbares Heavy Metal Album. Mit über 72 Minuten überdurchschnittlich lang. So ollen Knochen wie mich empfehle ich einfach mal die Hörprobe. Wenn ihr euch die CD kauft, tut ihr zumindest dem Regenwald und eurem Nachbarn etwas Gutes. Eurem Nachbarn? Dem werdet Ihr das Album wahrscheinlich danach schenken... Trotzdem gehört in mein Fazit auch das nicht vorhandene Marketing von FD 1964. Aufwendig produziert, tolle Gastmusiker, ein durchaus unterstützenswerter guter Zweck, aber niemand kennt es. Springt keine Plattenfirma darauf an? Ihr bringt doch sonst jeden Sch... heraus! Macht endlich mal was!

Anspieltipps: How Many Tears, Save Yourself und Trisomie XXI
Norbert C.
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