Greydon Fields – Warbird

Auch mit dem dritten Longplayer bleiben die Männer auf Kurs

Artist: Greydon Fields

Herkunft: Essen, Deutschland

Album: Warbird

Spiellänge: 53:40 Minuten

Genre: Heavy Metal, Thrash Metal, Power Metal

Release: 02.05.2020

Label: Roll The Bones Records

Link: https://www.facebook.com/GreydonFields/

Bandmitglieder:

Gesang – Volker Mostert
Gitarre – Gregor Vogt
Bassgitarre – Patrick Sondermann
Schlagzeug – Marco Vanga

Tracklist:

  1. Death From Within
  2. Empire Of The Fools
  3. Usurpation
  4. Keyboard Warrior
  5. Rise Of The Underground
  6. Breakdown
  7. Memento
  8. Orphan
  9. Warbird
  10. Cathedrals (Bonus Track)

Als in meinem Newsfeed plötzlich die Meldung auftauchte, dass Greydon Fields mit einem neuen Album in den Startlöchern stehen, war ich tatsächlich sehr überrascht. Der Vorgänger Tunguska ist ja gerade mal zwei Jahre alt. Aber kreative Köpfe kennen wohl keine Pause. Mit der gleichen Besetzung wie auf Tunguska treten Greydon Fields auch zum Veröffentlichungsdatum 02.05.2020 für Warbird an, das dann auch in seiner vollen Pracht auf Spotify zu hören sein wird. Von der Ursprungsbesetzung, mit der ich sie im Frühjahr 2014 kennengelernt habe, ist nur noch Gregor übrig geblieben. Es hat dem Tatendrang der Männer allerdings in keiner Weise geschadet. Wie auch schon auf Tunguska holen sich Greydon Fields für Warbird Verstärkung ins Studio, bei Usurpation spielt Cemile Jakupoglu die Violine.

Und jetzt gibt es für mich tatsächlich mal eine Premiere. Einer meiner guten Bekannten, der selbst Fan und auch ein guter Freund der Band ist, hatte bereits vor geraumer Zeit einen Text auf seiner privaten Facebook-Seite veröffentlicht, in dem er in einer Art Track-By-Track-Kommentar seine Meinung zu Warbird kundgetan hat. Da er selbst Musiker ist, hört er die Songs natürlich mit anderen Ohren als ich und kann seine Gedanken dazu besser – oder sollte ich vielleicht fachmännischer sagen – formulieren. Überwiegend spricht er mir damit aber aus dem Herzen, darum überlasse ich jetzt Markus S. das Wort und habe nur seine Einzelbewertungen (in Punkten) zu den Songs rausgenommen:

Death From Within. Der Start des Albums überrollt mich sofort mit den ersten Takten. Was für ein gnadenloses Monster. Sofort fällt auf, dass die zuletzt etwas dünnen Gitarren (einziger Mini-Kritikpunkt beim Sound von Tunguska) diesmal nicht mehr in Erscheinung treten. Es dominiert das perfekt ausbalancierte, fette Brett. Marco doublebasst sich die Waden dick und Volker hat schon bei diesem Song einige feine Gesangslinien aus dem Hut gezaubert. Ohnehin scheint beim Gesang viel Liebe zum Detail zum Zuge gekommen. Der Chorus läuft gut rein. Bärenstark!

Empire Of The Fools. Es wird einen Gang runter geschaltet. Der Groove übernimmt. Und wie! Ich war ja schon immer ein großer Fan dieser Facette der Band. Der Refrain hat Weltklasse-Niveau. Diese unterschwellige Melancholie packt einen sofort. Der Text ist aktueller denn je (Titel selbsterklärend!). Tolles Solo von Gregor. Highlight!

Usurpation. In ähnlichen Gefilden geht es weiter. Da ist sie wieder, die relaxte Doublebass, die langsam zum Markenzeichen von Marcos Drumming wird. Volker traut sich immer mehr, auch mal eine höhere Stimme unterzumischen. Gute Entscheidung. Seine Frau darf ein wenig Violine hinzufügen, was ich immer wieder erfrischend finde. Die Hook setz sich erneut direkt im Hirn fest. Im Mittelteil gibt es zum ersten Mal ein wenig Thrash-Feeling, was aber überaus stimmig wirkt. Die zahlreichen Gitarren sind noch detailverliebter ausgearbeitet als zuvor. Großes Kompliment an Gregor.

Keyboard Warrior. Da nun die einzige echte Thrash-Keule des Albums folgt, ergibt der Mittelteil von Usurpation noch mehr Sinn. Hier gibt es richtig was auf die Nase. Alles wirkt perfekt durchkomponiert. Doch eines will ich nicht verschweigen: Der Songtitel irritiert mich auf etwas kranke Weise. Natürlich kenne ich wegen des Textes den Bezug zum Inhalt, doch ich habe jedes Mal einen Thomas Anders mit Umhänge-Keyboard in kriegerischer Pose vor Augen, wenn ich den Song höre. Und ab jetzt wird es Euch auch so gehen. Jede Wette! – Anmerkung Heike L.: Stimmt! 😀 Das ändert natürlich nichts daran, dass es sich wieder um einen Ohrwurm oberster Kategorie handelt. Künftiger Live-Kracher!

Rise Of The Underground. Dieses kleine Juwel haben Greydon Fields bereits vorab veröffentlicht, und es fasst alle Stärken der Band perfekt zusammen. Ich weiß zwar nicht, ob es dieses Aufbäumen des Undergrounds wirklich gibt. Wenn ich mich so umschaue, wage ich dies manchmal zu bezweifeln. Aber als Wunschtraum geht es durch. Erneut ein starkes Solo. Ich bin gespannt, ob sich die Band irgendwann doch noch mit einem zweiten Gitarristen verstärken wird, um diese Riff- und Sologewalt noch besser umsetzen zu können. Man darf ja wohl noch träumen.

Breakdown. Geschwindigkeitstechnisch darf etwas durchgeatmet werden. Dafür drückt es aber ganz enorm. Und der Refrain ist für mich unter den Top 3 des gesamten Back-Katalogs. Der Wahnsinn! Spätestens im Mittelteil werden wohlige Erinnerungen an Nevermore wach.

Memento. Nicht viele Bands können achteinhalb Minuten füllen, ohne sich ständig zu wiederholen oder kompositorischen Müll unterzubringen. Greydon Fields schon. Auch eher im gediegenen Tempo angesiedelt verbreitet der Song eine seltsam bedrohliche Stimmung. Einige tolle Disharmonien und eine leicht irre Seite Volkers verstärken dieses Gefühl noch. Der Chorus ist mal wieder das Sahnehäubchen. Stärker geht es kaum. Im Mittelteil wird es flächig, episch und nackenbrechend zugleich. Eine Achterbahn der Gefühle. Wer zur Hölle waren noch mal Iced Earth? Mal gucken, wie Gregor sich live bei den Soli selbst ablöst 😉 Meisterwerk!

Orphan. Typisches Greydon Fields Groove-Futter. Beim ersten Hören ging der Song etwas unter. Die Melodieführungen wirkten zunächst etwas flach. Doch das Stück wächst mit jedem Durchlauf. Ja, sogar von diesem Song hatte ich mittlerweile einen stundenlangen Ohrwurm.

Warbird. Der Beitrag des Bassisten Patrick zum letzten Album beschränkte sich neben einem kurzen Zwischenstück auf The Island, bei dem er eindrucksvoll seine Qualitäten als Songwriter zur Schau stellen konnte. Diesmal durfte es sogar der Titelsong sein. Im zackigen Midtempo geht es voran, entwickelt sich zu einem Doublebass-Monster (neuerdings ADHS, Marco?) und geht gut ins Gebein.
Als Bay Area Hammer mit Schwerpunkt auf dem diffizilen Riffing kann der Song einiges. Einzig der Chorus, der anfangs nicht so leicht als solcher zu identifizieren war, mag nicht hundertprozentig zünden. Im Vergleich zu The Island hinkt das Stück ein kleines Stück hinterher, ohne im Mittelmaß zu versinken.

Cathedrals. Hello again! Krönender Abschluss des Debüts war Cathedrals vor Jahren schon. Damals noch mit Volkers, Patricks und Marcos Vorgängern. Live hätte ich mir das Stück jedes Mal gewünscht. Nur einmal wurden meine Gebete erhört. Nun hatte man sich entschieden, diesen frühen Schatz neu aufzunehmen und in die Gegenwart zu transportieren. Sehr gute Entscheidung. Cathedrals ist und bleibt einer der mitreißendsten Songs der Band. Bei der Gitarrenarbeit etwas aufgehübscht, mit Intro und Outro versehen und mit diesem unwiderstehlichen Ohrwurm-Refrain. Besser geht es nicht! Wenn dieser Knaller live erneut in Vergessenheit geraten sollte, muss er auf dem übernächsten Album zum dritten Mal erscheinen. Basta!

Soweit die Worte von Markus S., denen ich mich im Großen und Ganzen anschließen kann, die mir aber niemals so gut in die Tastatur geflossen wären.

Ich habe ja nicht immer das Glück, dass es zu meinen Anspieltipps auch Videos gibt, aber dieses Mal klappt es. Hier also Death From Within:

Greydon Fields – Warbird
Fazit
Markus S.:

Im Schnitt, wie beim Vorgängeralbum 9,2 Punkte. Soundtechnisch gibt es absolut nichts zu meckern. Viel besser kann man so eine Produktion kaum gestalten. Dickes Lob an Michael Streckbein und Dennis Köhne, die sich dafür verantworten dürfen. Stattliche 9 Punkte mit enormem Drang nach oben. Meine zu Beginn erwähnte leichte Skepsis haben Greydon Fields also professionell und fachgerecht weggeblasen, mit einer Wucht, die ihresgleichen sucht. Diesmal stimmt einfach fast alles. Kein einziger Song scheint verzichtbar. Nicht einmal Mittelmaß ist zu finden. Die Band muss unbedingt so weitermachen. Hier und da gibt es kleine, neue Nuancen. Wenn die Jungs es schaffen, diese immer weiter zu tragen und wachsen zu lassen, will ich gar nicht wissen, wo sie in ein paar Jahren stehen. Ja, ich bin ein Fan und objektiv kann man niemals sein. Aber das ist mir angesichts eines solchen Sahnestücks auch scheißegal. Gregor ist vielleicht einer der nerdigsten Tüftler. Und so jemanden braucht eigentlich jede Band. Doch die wenigsten haben einen. Auch bei jedem anderen Mitglied höre ich die Arbeit und den Fortschritt heraus. Da scheint sich niemand zurückzulehnen und sich mit dem Status Quo zufriedenzugeben. Bitte hört niemals auf und liefert uns weiterhin solch feine Kost. Bis zum nächsten Mal!



Heike L.:

Ich denke ja immer, dass ich eigentlich weiß, was mich bei Greydon Fields erwartet, aber dann schaffen es die Männer tatsächlich, immer noch ein Schippchen draufzulegen. Das ist ultrageiler, kraftvoller und energiegeladener Heavy Metal, der mir Oldschool-Muffel wieder mal mehr als nur ein anerkennendes Kopfnicken entlocken kann.

Anspieltipps Heike L.: Death From Within, Keyboard Warrior und Warbird
Markus S.
9
Heike L.
9
Leser Bewertung2 Bewertungen
7.2
9
Punkte
Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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