Hamburger Metal Dayz 2018, Markthalle vom 21.9.2018 – 22.09.2018

“Und wieder vereinen sich Reeperbahn Festival und Metal Dayz!“

Eventname: Hamburger Metal Dayz 2018

Bands: Beyond The Black, Battle Beast, Ondt Blod, Sibiir, Rezet, Skindred, Audrey Horne, Jesper Binzer, Bonfire, The Hirsch Effect, Warpath, Syndemic, Fight The Fight

Ort: Markthalle, Hamburg

Datum: 21.09. – 22.09.2018

Kosten:  59 € Kombiticket, 39,50 € Tagesticket

Genre: Rock, Hard Rock, Heavy Metal, Classic Rock, Thrash Metal, Black Metal, Death Metal, Hip-Hop, Raggae, Post Grunge

Veranstalter: ICS Festival Service GmbH

Links: www.hamburg-metal-dayz.de
www.ics-int.com

Die nächste Ausgabe der Hamburger Metal Dayz steht an. Wie schon in den vergangenen Jahren finden diese zeitgleich zum Reeperbahn Festival statt. Zwei Tage lang wird es Konzerte, Meet & Greets, Workshops und Expertenrunden rund um das Thema Metal geben. Musikalisch darf man sich auf die Jennifer Haben Truppe Beyond The Black und die sympathischen Finnen Battle Beast freuen. Für die harten Töne sorgen dann Syndemic aus Hamburg, die 2016 beim Wacken Metal Battle einen beachtlichen vierten Platz belegten. Auch Rezet werden mit am Start sein. Gespannt bin ich auf Audrey Horne, denn die sehe ich zum ersten Mal. Auch mit von der Partie sind Bonfire, die gerade erst in Bordesholm (hier geht´s zum Artikel) zu sehen waren und der gute Jesper Binzer, der uns schon den ganzen Sommer auf diversen Festivals erfreut hat. Aber beginnen wir mal ganz locker am Freitag.

Die Markthalle ist noch überschaubar leer und so gibt’s erst mal einen kurzen Überblick. Wie im letzten Jahr sind im Foyer der Wacken Foundation Stand und der Merchandise Bereich zu finden. Ebenfalls dort untergebracht ist der Tattoo Stand von Black Pearl aus Flensburg, schöne Designer Drucke von Killustrations und die Meet & Greet Area. Im Verlaufe der zwei Tage wird Maschine hier noch die Trash Bingo Spiele und die abschließende Verlosung der Foundation durchführen. Wie im vergangenen Jahr ist im darüberliegenden Stock die VIP-Lounge, in der viele Künstler, Veranstalter und eben VIPs sich austauschen können. Da kommt man aber nur mit dem entsprechenden Bändchen rein.

Musikalisch geht es mit Rezet los. Die haben einen halben Slot von 30 Minuten und geben mächtig Gas. Die Schleswiger waren bereits bei mehreren Veranstaltungen dabei und erspielen sich eine stetig wachsende Fangemeinde. Seit 2003 existiert die Band und hat bereits diverse Demos, EPs und auch schon drei Alben veröffentlicht. Guter Auftritt, der leider vor überschaubarem Publikum stattfindet.

Für uns geht es danach ins Marx, wo sich Holger Hübner und Thomas Jensen den Fragen von Christoph Leim und dem Publikum stellen. Das Besondere dabei ist die Liveübertragung per Stream ins Internet und auch von da können Fragen gestellt werden. Souverän, wie man ihn kennt, moderiert Christoph die Stunde. Das Interesse ist groß, da hier auf bestimmt Ankündigungen für das Wacken Line-Up 2019 gewartet wird. Natürlich wird nach Metallica und Rammstein gefragt, aber eine Zusage kann hier nicht bestätigt werden. Es gibt Gespräche in alle Richtungen, aber nix konkretes wird bekannt gegeben. Dafür verkünden die beiden einige andere Acts wie Opeth, Primordial, Hammerfall oder Queensryche. Einige erhalten spontanen Beifall, andere werden eher verhalten aufgenommen. Das abgeforderte Resümee zu Wacken 2018 fällt positiv aus und auch die eingeführten Neuerungen wie das Gaming Zelt oder Maschines Late Night Show werden erwähnt. Die Fragen der Zuschauer werden alle mehr oder weniger ausführlich beantwortet und so ist das eine informative Veranstaltung. Dadurch schaffen wir nur einen kurzen Blick auf Sibiir, die bereits um 17:00 Uhr angefangen haben. Die Norweger liefern einen Blackend Post Hardcore Metal und der hat es in sich. Da muss der gewillte Zuhörer eine Portion Toleranz mitbringen, um den Klängen zu lauschen. Nicht mein Genre, deshalb reicht mir die Viertelstunde vollkommen aus.

Somit geht es zur Autogrammstunde von Battle Beast, die bereits brav hinter der Absperrung sitzen. Es gibt eine Schlange, trotzdem darf ein jeder sein Autogramm holen, auch wenn der eine oder andere Musiker eher genervt scheint. Egal. Das ist nun mal der Job. In der großen Halle haben inzwischen Ondt Blood aufgebaut und legen los.  Die Hardcore Formation aus Norwegen gibt ordentlich Stoff und kann viele positive Reaktionen verbuchen. Die Songs mit norwegischen Titeln sind Natur, Storma oder Ulva. In der Zwischenzeit findet im Marx die Lesung von Stefan Kleinkrieg und Kai Havaii statt. Aus dem Buch Hart Wie Marmelade werden Anekdoten der frühen Tage von Extrabreit und der Zeitgeschichte der Siebziger und Achtziger präsentiert. Dabei kommt auch die Musik nicht zu kurz. Dazu gibt es diverse Extrabreit Songs in einer speziellen Unplugged Version, die unterhaltsam eingestreut werden.  Da wir diese bereits kennen, treibt es uns zum Auftritt von Battle Beast.

Mit Spannung erwarten wir die Band um Frontfrau Noora Louhimo. Es geht gleich mit Straight To The Heart los. Danach schnell weiter mit Bringer Of Pain und der familiären Hölle, Familiar In Hell. Es werden keine Neuerungen geboten, geschweige denn die Setlist großartig umgestellt. Altbewährtes wird hier gespielt, das können sie und das machen sie gut. Die eine Stunde Spielzeit wird hervorragend genutzt und der Saal ist entsprechend voll.

Danach wird umgebaut für die Jennifer Haben Truppe. Wir werden uns das nur kurz ansehen, da sie ja nun schon auf vielen anderen Festivals gespielt hat. Auch da gibt es keine Überraschungen. Beyond The Black haben schon am frühen Abend bei der Autogrammstunde eine gute Figur gemacht. Das setzt sich hier auf der Bühne fort. Mit Heart Of The Hurricane von der gleichnamigen neuen CD geht es los. Danach kommt das ebenfalls ein neues Stück Hysteria und das etwas ältere Written In Blood. Nach diesen drei Songs, müssen wir den Graben verlassen. Aber man merkt es an der Präsenz der Medien, dass Beyond The Black der Tagesheadliner ist. Somit haben sie auch den längsten Slot von anderthalb Stunden und es kommen natürlich viele Songs der bisher erschienenen Platten. Dabei sind dann noch When Angels Fall, Lost In Forever oder auch Running To The Edge. Aber wie gesagt, solange bleiben wir nicht, sondern schauen noch kurz beim Hardbone Ersatz Fight The Fight rein. Deren Metal passt gut in das kleinere Marx, das auch gut voll ist. Nach ein paar Liedern fahren wir aber trotzdem nach Haus.

Fazit des ersten Tages: gutes Programm ohne wirkliche Highlights. Rezet und Battle Beast konnten überzeugen und natürlich war das Treffen mit den Kollegen toll. Die Infos der beiden Wacken Gründer waren interessant und ließen auch Ausblicke auf künftige Neuerungen zu. Gefreut habe ich mich auch nach so kurzer Zeit den Christoph Kiebe von Tuxedoo getroffen zu haben. Da kann man mal ein wenig quatschen. Mal sehen, was der morgige Tag bringt. Das Programm erscheint etwas besser als heute.

Da der Verkehr heute reibungsloser verlief, sind wir bereits kurz nach drei in der Markthalle. Syndemic eröffnen musikalisch den Tag. Bereits im Foyer hab ich schnell Lose für die Tombola geholt und noch an der Foundation Drehscheibe einen Hauptgewinn eindrehen können. Auch läuft uns Frank Pané über den Weg, denn nachher treten auch Bonfire auf. Der besorgt mir noch schnell die fehlenden Autogramme von den Hans Ziller, der am Donnerstag ja früher aus dem Bordesholmer Albatros ins Hotel musste. Zurück zu Syndemic, die als Lokalmatadoren fungieren und es nicht leicht haben, die Zuschauer zu früher Stunde zu motivieren. Auch heute führt Maschine durch den Tag und der hatte die Jungs professionell angekündigt und um regen Applaus gebeten. Deren Death Metal kommt vielleicht etwas zu früh, aber trotzdem machen sie das, zumindest für die Genreliebhaber, ganz ordentlich. Die können sich unter anderem über die Songs Amaurosis, Oblivision und Exileseeker freuen.

Danach steht im Marx die Geschichtsstunde mit Christoph Leim auf dem Programm. Der erzählt kuriose Anekdoten aus seinen Tagen beim Metal Hammer oder auch aus den Biografien von Mötley Crue oder Ozzy Osbourne. Die Zeit vergeht wie im Fluge und nach einer halben Stunde muss ich los um Bonfire zu sehen. Die fangen, wie bereits vor zwei Tagen mit Temple Of Lies an. Dieser Opener passt hervorragend, um die Herren Alexx Stahl, Frank Pané, Hans Ziller (heute scheinbar fitter), Ronnier Parkes und Tim Breideband ins rechte Licht zu rücken. Sie legen sich ordentlich ins Zeug und liefern auf den Punkt ab. Never Mind, Sweet Obsession, Sword And Stone und Ready 4 Reaktion lassen auch hier keine Zweifel aufkommen, dass sie eine höhere Aufmerksamkeit verdient haben. Aber das kann ja noch kommen. Sie spielen schnörkellosen guten Hard Rock, der Spaß macht. Leider viel zu kurz. Danach geht’s schnell zu Jesper Binzers Meet & Greet Session. Dabei unterhalte ich mich kurz mit dem Gitarristen Søren Anderson, der bereits mit Glenn Hughes auf Tour war und demnächst wieder ist. Bisher hatte ich den Søren noch gar nicht so auf der Reihe, aber durch diese Konstellation scheint der ja ziemlich gut zu sein. Davon werde ich mich später beim Gig überzeugen. Der Däne Jesper Binzer freut sich zumindest hier zu sein und spielen zu dürfen. Mit D.A.D. konnte er ja schon einige Erfolge einheimsen und nun ist seine Solokarriere auch ordentlich gestartet.

Die in der Zwischenzeit stattfindende Lesung mit Klaus Büchner und Christoph Stein-Schneider zeigt, dass die Herren mit Hanebüchner richtig liegen. Immer mehr Fans sind anzutreffen und erfreuen sich an dem Duo, das mit jeder Lesung besser wird. Es macht einfach Spaß zuzuhören. Nun aber schnell zum Beginn von The Hirsch Effekt. Die drei Mann aus Hannover spielen eine Mischung aus Metal, Prog, Core und Elektronik, das einem Hören und Sehen vergeht. Das mit dem Sehen merken die Fotografen sofort. Meist in nicht so tolles Licht gehüllt, toben Gitarristen Nils Wittrock und Bassist Ilja Lappin über die Bühne und stehen oft in Nebel gehüllt, mit rotem Licht angestrahlt auf einem kleinen Podest. Schlagzeuger Moritz Schmidt lässt sich an seinem Kit aus und das scheint einigen gut zu gefallen. Ich muss zugeben, mir ist das zu heftig und zu unmelodisch. Aber das soll den Fans von Hirsch Effect die Freude daran nicht nehmen. Zum Glück sind Geschmäcker unterschiedlich. Also warten auf Jesper Binzer, der hiernach dran ist und in der Zwischenzeit können wir noch etwas mit den Kollegen rumblödeln.

Um viertel vor sieben stehen die Dänen dann auf der Bühne. Dying Is Easy beginnt den kurzweiligen Auftritt. Gitarrist Søren Andersen zeigt, was er kann und das ist nicht von schlechten Eltern. Ein Rock Gitarrist, wie er im Buche steht. Lange Haare, Ausstrahlung und ein wenig Selbstverliebtheit gehören ebenso dazu, wie Virtuosität am Instrument. Jesper Binzer überzeugt auch als Entertainer, wenn er versucht in Deutsch das eine oder andere rauszuhauen. Nicht selten ist das so ein Kauderwelsch, das lautes Lachen und Szenenapplaus durch den Saal tönt. Das soll aber nicht von der Spielfreude und der Qualität der Songs ablenken. Planet Blue, The Future Is Now oder Tell Myself können überzeugen. Da wird bestimmt noch das eine oder andere von zu hören sein. Zunächst werde ich mir dann Søren Andersen noch mal ansehen, wenn er mit Glenn Hughes auf Tour ist. Das dürfte spannend werden. Da gibt’s dann Deep Purple Klassiker von einem Ausnahmesäger präsentiert.

Die restlichen Veranstaltungen im Marx lassen wir heute links liegen. Der Vortrag wie ein Festival gemacht wird oder der Poetry Slam Auftritt ist für uns nicht so interessant.

Nach einer kurzen Umbaupause kommen die mit Spannung erwarteten Audrey Horne. Die fangen mit This Is War vom letzten Album Blackout an. Der schwerst bunt tätowierte Sänger Torkjell Rød, mit weißem Hemd und modischer Kurzhaarfrisur, tobt über die Bühne. Mit noch kürzeren Haaren, nämlich gar keinen auf dem Kopf, nur einem fetten Bart, steht ihm Bassist Espen Lien zur Seite. Da wird noch richtig abgerockt und somit sind sie zu Recht ein würdiger Vertreter des klassischen Hard Rocks bzw. des Classic Rocks, nur alles etwas moderner. Das gefällt uns richtig gut und Torkjell Rød geht ab wie Schmidts Katze. Innerhalb kürzester Zeit ist sein weißes Hemd klatschnass und er tobt wie ein Derwisch über die Bühne. Da wird auch kein Halt vor der Bühnenkante gemacht und so ist er auch oft im Graben zu finden. Abklatschen, mitsingen lassen, Hände schütteln. Das gesamte Repertoire wird aufgeboten. Auch Gitarrist Thomas Tofthagen hält es nicht auf der Bühne und so steht er auch mal auf der Absperrung und spielt seine Licks. Beide Gitarristen schenken sich nichts und so werden sich immer mal wieder Face to Face Battles an den Klampfen geliefert. So muss ein Rock Konzert sein. Kein Stillstand, viel Bewegung und reinste Spielfreude. Out Of The City, California oder auch Blackout sind einfach nur Kracher. Das war mit der beste Auftritt heute. Gleich im Anschluss sind sie bei der Autogrammstunde. Da werden alle Interessierten mit Pics und Unterschriften versorgt.

Tja, was soll da noch kommen? Die von vielen erwarteten Skindread stehen noch auf dem Programm. Ich hatte mir das im Vorfeld schon mal angetan und festgestellt, dass es nichts für mich ist. Aber die Halle ist top gefüllt und so legen die fünf Briten um ihren Frontmann Benji Webbe los. Immerhin blicken die Skindreds bereits auf sieben Alben zurück und können da aus dem Vollen schöpfen. Big Tings, Rat Race und Pressure lassen wir über uns ergehen und stellen fest, dass es nicht wirklich besser wird. So beschließen wir in die Heimat zu fahren. Im Foyer hat bereits die Verlosung der Tombolagewinne stattgefunden und ein glücklicher Besitzer durfte eine von fast allen auftretenden Künstlern signierte Gitarre mitnehmen. Die meisten Stände haben bereits abgebaut und im Marx findet zum Abschluss noch der Auftritt von Warpath ohne uns statt.

Fazit: Mal wieder ein schönes Fest, mit einer Menge Bands. Gefühlt fand ich das Billing letztes Jahr besser, aber das mag an der doch sehr mächtigen norwegischen Präsenz liegen. Highlights für mich eindeutig Audrey Horne, Bonfire und Rezet. Weggucker waren für mich The Hirsch Effect und auch Skindred. Dazwischen mehr Schatten als Licht. Aber wie gesagt, das ist reine Geschmackssache. Das Rahmenprogramm war soweit ok. Und was ich niemals vermissen möchte, sind die netten Gespräche mit Künstlern und Kollegen. Also freuen wir uns schon auf die Metal Dayz 2019, die wie immer zeitgleich zu dem Reeperbahn Festival stattfinden werden.

Für Time For Metal waren unterwegs: Maren J. für das Lektorat, die moralische Unterstützung und zumindest eine Tour als Fahrerin, Norbert C. als der Fotomann und ich, Kay L., für die Worte.

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