Heidevolk – :Wederkeer:

Von Schildwällen, Auerochsen und kalten Nächten

Artist: Heidevolk

Herkunft: Arnheim, Niederlande

Album: :Wederkeer:

Spiellänge: 52:02 Minuten

Genre: Pagan Metal

Release: 24.02.2023

Label: Napalm Records

Link: https://www.facebook.com/heidevolkofficial

Bandmitglieder:

Gesang – Jacco „Bühnebeest“ de Wijs
Gesang – Daniël Wansink
Gitarre – Mat van Baest
Gitarre – Koen „Vuurdichter“ Romeijn
Bass – Rowan „Roodbaert“ Middelwijk
Schlagzeug – Kevin van den Heiligenberg

Tracklist:

1. Hagalaz
2. Drink Met De Goden (Walhalla)
3. Klauwen Vooruit
4. Schildenmuur
5. De Strijd Duurt Voort
6. Oeros
7. Wederkeer
8. Ijzige Nacht
9. Raidho
10. Ver Verlangen
11. Holda
12. Zomervuur


Da sind meine Lieblings-Niederländer ja endlich wieder. Geschlagene fünf Jahre ist es her, dass die Mannen aus Arnheim mit Vuur Van Verzet ihren extrem eingängigen Pagan Metal unters (Heide-)Volk gebracht haben.
Ein richtig gutes Substitut in Form der Lokalkollegen :Nodfyr: erblickte vor ziemlich genau zwei Jahren das Licht der Scheibenwelt; die Nähe zum großen Bruder ist nicht nur durch die Sprache und die Besetzung auszumachen. Wen es interessiert, das Review auf Time For Metal gibt es hier.

Aber gut, kommen wir zurück zum eigentlichen Thema.
Die Coverartworks von Heidevolk mögen früher eventuell etwas, nun, „ganz ok“ gewesen sein, spätestens mit dem Vorgängeralbum wurde es aber deutlich hochwertiger. Auch :Wederkeer: wartet mit einem kleinen Kunstwerk auf und entführt uns direkt aus dem warmen Wohnzimmer in ein kühles Wald- und Wiesenambiente. Nur mit dem Unterschied, dass zumindest ich nicht nackig in der entlaubten Weide hänge, sondern dem Wetter entsprechend bekleidet bin. Aber ich schweife ab.

Wusstet ihr eigentlich, dass Hagalaz auch als Winterrune bezeichnet wird? Zumindest ergibt das meine kurze Recherche. Sie steht u.a. für Zerstörung, Freiheit und Veränderung. Mit dieser Überleitung des Todes kommen wir mit dem frisch erworbenen Halbwissen sofort zum gleichnamigen Opener des Albums, das uns übrigens erst nach 52 Minuten wieder entlässt.
Verändert im Hinblick auf die letzte Scheibe hat sich vor allem die Produktion. Deutlich fetter und klarer als noch auf Vuur Van Verzet schmettern Heidevolk uns die bekannte Mischung aus tiefem, zweistimmigem Gesang, druckvollen Männerchören, Blastbeats und knallharten Metalriffs ums Gebälk. Nicht zu vergessen die folkigen Akustiksongs.
Schon alleine durch die niederländischen Texte entsteht der typische „alte“-Sound, den man eben mit Bands aus diesem Subgenre verbindet. Dass die Herren ein Gespür für exzellente Melodien haben, ist ja grundsätzlich bekannt.

Bester Beweis dafür ist eine der vier Vorab-Singles, die wahrscheinlich die meisten auch schon mal gehört haben: Drink Met De Goden (Walhalla).
Thematisch ganz weit weg von Gruppenhäkeln und Diskussionsrunden im AStA, wird schon im Titel klar, worum es geht.
Also hoch die Hörner und viel Spaß mit dem Video:

Für mich jetzt schon einer der Songs des Jahres. Nicht, dass man das alles richtig mitsingen könnte, das „Walhalla“ kriegt man aber definitiv fehlerfrei hin. Könnte wohl zum größten Hit der Band aufsteigen.

Wer Lust auf einen klassischen Midtempo-Banger hat, wird sich dann bei Klauwen Vooruit einen Ast freuen. Wenn dann noch nach der Hälfte die Blastbeats einsetzen, ohne(!) die Melodie kaputt zu prügeln, macht es einfach ungemein Spaß. Auch muss ich immer wieder die Gesangsarbeit von Jacco und Daniël loben. Die beiden sind zusammen einfach der Garant dafür, dass wirklich jeder Song zündet.

Das nur aus Gesang, Chor und Trommeln bestehende kurze Schildenmuur erzeugt durch die eindringlichen Stimmen sofort passende Bilder im Kopf. Wer hat dabei nicht die lauten „Schildwall!!“-Rufe aus so ziemlich jeder Wikinger-Serie im Kopf?

Dem ruhigen Titeltrack wurde vorab ebenfalls ein stimmiges Video gewidmet. Die Szene könnte irgendwie dem Cover der Somewhere Far Beyond von Blind Guardian entnommen worden sein. Ihr wisst schon … die Barden sitzen des Nachts im Wald um ein Licht und fideln sich gegenseitig einen vor. Wederkeer ist ein akustischer Bardensong und zeigt die Band von ihrer ruhigen Seite.

Wurde auf dem letzten Album noch vereinzelt auf Englisch gesungen, findet das hier nun gar nicht mehr statt. Was auch ok ist, wahrscheinlich würde ein weiterer Song sonst einfach nur „Beef“ heißen und nicht Oeros. Zumindest wisst ihr nun, wer seine Hörner der damaligen Trinkgefäßindustrie zur Verfügung stellen musste.

Und so geht es munter weiter. Ijzige Nacht wartet mit einem fiesen, leicht an langsame Emperor erinnernden klirrenden Strophenriff auf, was auch irgendwie zum eisigen Titel passt. Und wieder wird das Metalgewitter durch einen ruhigen Part aufgelöst, den auch die großartigen frühen Skyclad nicht besser hinbekommen haben. Episch, mit dunklem Sprechgesang und mehrstimmigen Chören unterlegt und in ein wunderbar klares Gitarrensolo übergehend, ein weiteres Highlight.

Apropos Highlight: Holda, eingeleitet durch das kurze Instrumental Ver Verlangen, bietet schon fast versöhnliche Melodien mit viel Streichereinsatz und gefühlvollen Gesangslinien und lässt den geneigten Hörer bzw. die geneigte Hörerin mit einem absolut positiven Glücksgefühl zurück.

Das abschließende Sommerfeuer Zomervuur könnte auch der Soundtrack zur Abschlussszene eines Fantasy-Epos sein. Ein ganz ruhiger, hochmelodiöser Akustiksong, der die Ruhe aus Holda mit über die Ziellinie bringt und das Album würdevoll abschließt.

Heidevolk – :Wederkeer:
Fazit
Heidevolk sind nach wie vor eine Macht im Pagan-Bereich und melden sich nach einigen Jahre der Ruhe eindrucksvoll zurück. :Wederkeer: punktet nicht nur durch den bisher besten Sound der Arnheimer, sondern vor allem mit den zwölf starken Songs, die durch die Bank begeistern und voll überzeugen. Man spürt in jeder Sekunde das Herzblut und die Leidenschaft, die das niederländische Sextett in die musikalische Umsetzung des heidnischen "Spirits" legen. Viel besser kann man das einfach nicht machen.

Anspieltipps: Drink Met De Goden (Walhalla), Wederkeer und Ijzige Nacht
Andreas B.
8.4
Leser Bewertung0 Bewertungen
0
8.4
Punkte