Interview mit Blues Pills zum neuen Album „Holy Moly!“

Die gesamte Band ist angereist, um sich den Fragen der Presse zu stellen

Artist: Blues Pills

Herkunft: Örebro, Schweden

Genre: Rock, Blues Rock

Label: Nuclear Blast

Link:  https://bluespills.eu/

Bandmitglieder:

Gesang – Elin Larsson
Gitarre – Zack Anderson
Bassgitarre – Kristoffer Schander
Schlagzeug – André Kvarnström


Zur Veröffentlichung des neuen Albums Holy Moly! hatten wir Gelegenheit, ein Interview mit Blues Pills führen. Im Hamburger Hard Rock Café treffe ich auf die gesamte Band, die sich einen Tag vor Veröffentlichung den Fragen der zahlreich erschienenen Presse stellt.

Time For Metal / Kay:
Glückwunsch zum neuen Album, das ja morgen erscheint. Ich hatte bereits die Gelegenheit, es zu hören und hab mir auch schon die DeLuxe Box bestellt. Leider ist die noch nicht da.

Aber nun meine erste Frage zu der neuen Platte. Wer hat die meisten Songs geschrieben?

Blues Pills / Zack Anderson:
Das war eigentlich wie immer. Wir haben da eine gute Zusammenarbeit und teilen uns das. Ich bin viel in Irland und habe da einiges geschrieben. Aber ansonsten ist das eine gemeinsame Arbeit zwischen Elin und mir. Das haben wir schon immer zusammen gemacht.

Time For Metal / Kay (zwinkernd):
Ok, dann vermute ich, dass Kristoffer da noch nicht beteiligt war.

Blues Pills / Zack Anderson:
Das ist richtig, er kam ja erst zu uns, als das Album bereits aufgenommen war.

Time For Metal / Kay:
Dann ist das in der Tat schwierig, aber beim Nächsten wird er bestimmt involviert werden.

Blues Pills / Zack Anderson:
Davon gehe ich mal stark aus. Er wird sich da bestimmt mit guten Ideen einbringen.

Time For Metal / Kay:
Ich hoffe, das dauert diesmal keine vier Jahre. Ich habe mir das Album ja angehört und habe versucht, auch die Texte zu verstehen, was für mich manchmal recht schwierig ist. Es scheint aber, dass vieles davon als autobiografisch bezeichnet werden kann, stimmt das?

Blues Pills / Elin:
Ja, das ist richtig, in den letzten vier Jahren ist viel passiert und das haben wir zum Teil in den Songs verarbeitet.

Blues Pills / Zack Anderson:
Wir sind da diesmal auch anders ran gegangen. Bei Lady In Gold sind wir ins Studio gegangen, ohne einen einzigen Song fertig zu haben. So haben wir dann alles im Studio gemacht. Bei Holy Moly! hatten wir bereits die Songs, die sich durch viele Gegebenheiten und die Zeit bereits entwickelt hatten.

Time For Metal / Kay:
Ok, das ist eine andere Herangehensweise. Dann hab ich auch gleich eine Frage zu Pretty Woman ach nein, das ist ja ein Film (sorgt schon für Erheiterung bei Elin) ich meine Proud Woman. Der Song hat ja für einiges Aufsehen gesorgt. Es gab gerade von Frauenhassern viele negative Kommentare in den sozialen Medien, da der Song davon handelt, dass Frauen stolz darauf sein sollten, dass sie Frauen sind.

Blues Pills / Elin:
Die Reaktionen, die wir, vor allem ich, darauf bekamen, hatten nichts mehr mit der Musik oder dem Song zu tun. Das waren einfach nur noch frauenverachtende und Hasskommentare, auch rassistische Stimmen wurden laut. Das ist schon sehr befremdlich.

Time For Metal / Kay:
Das ist natürlich nicht gewollt gewesen und auch zu verurteilen. Denkst du, dass sich solche Individuen auch auf die Konzerte begeben werden?

Blues Pills / Elin:
Ich hoffe nicht und denke auch, die sind nur in der Anonymität so mutig. Ansonsten trauen die sich das nicht. Die sind nur am PC stark.

Blues Pills / Zack Anderson:
Das vermute ich auch. Die Reaktionen waren so nicht vorherzusehen, aber in den Konzerten werden die nicht auftauchen.

Time For Metal / Kay:
Ich verstehe diese Reaktion auch nicht. Heutzutage sind, bzw. sollten auch alle gleich sein, auch wenn es Länder gibt, in denen das nicht so ist. Jeder kann stolz darauf sein, was er ist. Eine Frau hat dazu genauso ein Recht wie ein Mann.

Vielleicht verstecken die sich dann auch hinter Masken. Da komm ich gleich zur nächsten Frage, ihr seid ja gestern aus Schweden angereist. Wie ist es da derzeit bezüglich Corona?

Blues Pills / Zack Anderson:
Relativ entspannt. In Schweden wird mit der gesamten Situation ja anders umgegangen. Aber trotzdem haben wir schon eine beachtliche Zahl an Infektionen gehabt und auch viele sind an dem Virus verstorben. Natürlich nicht so extrem wie in Italien oder Spanien, aber es gab und gibt schon viele Erkrankte. Die Zahlen gehen aber runter, auch wenn es hier in Deutschland eine entgegengesetzte Strömung gibt.

Time For Metal / Kay:
Zurück zur Platte. Darauf ist mit Bye Bye Birdy ein Song über einen kleinen gelben Vogel, der ja immer auf dem Mischpult saß. Der Track gefällt mir ausgesprochen gut, da er sehr Heavy ist. Ich glaube, kein anderer erreicht diese Hardrockähnlichkeit. Zum anderen sind zwar noch psychedelische Spielereien darauf, aber nicht mehr so stark wie auf Lady In Gold oder eurer ersten Platte.

Hat das was mit dem Line-Up Wechsel an der Gitarre zu tun?

Blues Pills / Zack Anderson:
Eigentlich nicht. Unsere Songs haben sich leicht verändert und wir entwickeln uns weiter. Im Studio hat es sich halt so ergeben, dass die Tracks insgesamt etwas düsterer und etwas heavier sind. Gerade Bye Bye Birdy hat wohl davon am meisten partizipiert.

Time For Metal / Kay:
Ok, da stellt sich mir die Frage, ist es schwer, vom Bass an die Gitarre zu wechseln?

Blues Pills / Zack Anderson (lacht):
Nein, in Gegenteil. Gitarre ist recht einfach zu spielen, wenn du Bass kannst. Der Wechsel von der Gitarre zu Bass ist wesentlich schwieriger.

Time For Metal / Kay:
Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Interessant.

Ich hab euch 2017 in Kiel gesehen. Da seid ihr im Orange Club aufgetreten mit DeWolff als Vorband. Das war ein sehr guter Auftritt mit einer Elin, die schon eine laute mächtige Stimme hat. Das fällt beim neuen Song California besonders auf. Wenn du zunächst leise und verspielt singst und dann zu einem lauten ekstatischen Schrei ausbrichst, dann klingst du etwas wie Aretha Franklin oder auch Janis Joplin. Da kommt eine gehörige Portion Soul durch.

Blues Pills / Elin:
Oh danke, das ist ein großer Vergleich. Aber da mache ich mir gar keine Gedanken drüber. Das entwickelt sich einfach so…

Time For Metal / Kay:
Ihr habt ja nun das neue Line-Up und mit Kristoffer einen neuen Bassisten. Seid ihr glücklich damit und die Frage an Kristoffer: Wie ist es, bei Blues Pills zu sein?

Blues Pills / Kristoffer:
Was soll ich dazu sagen? Klar ist es toll, bei der Truppe zu sein. Wir kennen uns ja schon eine Weile. Ich habe bisher in meinem kleinen Studio die unterschiedlichsten Sachen gemacht und kenne die Band seit acht Jahren. Und nun freue ich mich, ein Teil davon zu sein und ein Teil von ihnen zu sein.

Time For Metal / Kay:
Das ist eine sehr diplomatische Auskunft.

Ihr seid eine Liveband. Wie ist es für euch, dermaßen ausgebremst zu werden, und wann denkt ihr, geht es wieder los?

Blues Pills / Zack Anderson:
Naja, die letzten vier Jahre waren wir schon noch einiges unterwegs, auch wenn es nach der Lady In Gold Tour etwas ruhiger wurde. Wir waren ausgebrannt und dazu kam dann noch die musikalische Veränderung durch den Ausstieg Dorians. Was die Zukunft bringt, kann man jetzt noch nicht sagen. Das weiß leider noch keiner. Wir hoffen inständig, dass es im kommenden Jahr wieder möglich ist, wie gewohnt aufzutreten. Geplant war es ja auch bereits heute, hier im Hard Rock Café ein kleines akustisches Set zu spielen, was dann aber aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen abgesagt wurde.

Time For Metal / Kay:
Oh echt? Das ist ja schade, hatte mich schon darauf gefreut. Was haltet ihr von Open Air im Autokino, also Drive-in Konzerte oder in Clubs unter erschwerten Bedingungen, wie etwa nur ein Viertel der normalen Zuschauer, dann auch nur Sitzplätze und kein Alkohol, ist das ’ne Möglichkeit?

Blues Pills / André Kvarnström:
Ich kann es dir nicht sagen. Es ist immerhin besser, als nichts zu machen. Es sind alle gefragt, alternative Möglichkeiten zu schaffen. Immerhin hängt eine ganze Branche davon ab, das wäre aber eine Option.

Time For Metal / Kay:
Der richtige Mann dafür steht im Hintergrund. Markus, vielleicht kannst du da was managen  (zwinker). Es gibt ja noch einen anderen Aspekt: der fehlende Verdienst. Immerhin kann das ja schon existenzielle Ängste beschwören.

Blues Pills / Zack Anderson:
Das darf auch nicht außer Acht gelassen werden. Wohl war. Sonst müssen wir andere Jobs annehmen.

Time For Metal / Kay:
Vielleicht als Kellner, dann komm ich euch besuchen und es gibt ordentlich Trinkgeld.

Blues Pills / Elin (lacht):
Das wäre bestimmt witzig, aber wir hoffen mal, dass das nicht nötig sein wird. Und in Schweden gibt’s auch kein Trinkgeld.

Time For Metal / Kay:
Stimmt, als wir da waren, wurde nichts gegeben. Alle zahlen mit Karte ohne Tip.

Ok das wollen wir nicht weiter ausführen. Was glaubt ihr, wird die neue Platte in die Charts einsteigen? Mit Lady in Gold wart ihr auf Platz eins und mit dem Debüt immerhin auf Platz vier in Deutschland. Das ist schon beachtlich.

Blues Pills / Zack Anderson:
Das ist nicht so wichtig. Natürlich freuen wir uns, aber es nicht das Ziel ein Nummer eins Album zu machen. Wir spielen die Musik, die uns gefällt. Wenn es den Fans gefällt und sie das Album kaufen –  toll. Aber wir gehen nicht ins Studio und sagen, das muss ’ne Platz eins Platte werden.

Blues Pills / Elin:
Genau. Wir sind stolz auf das, was wir gemacht haben und wenn das dann möglicherweise belohnt wird mit einem guten Platz, ist das noch besser. Aber wie Zack es sagte, es ist nicht das Wichtigste.

Time For Metal / Kay:
Ok, das verstehe ich, aber schön ist es trotzdem, könnte ich mir vorstellen und ihr habt ja auch gerade in Deutschland eine große Fanbase. Welches Land hat die meisten Fans? Ist es Deutschland?

Blues Pills / Elin:
Ich glaube, das ist in der Tat hier. Wir haben eine Menge Fans überall auf der Welt, aber Deutschland hat wohl die meisten Fans.

Time For Metal / Kay:
Ich glaube ja, das liegt daran, dass es hierzulande eine große Akzeptanz und Toleranz für die unterschiedlichsten Richtungen gibt und gerade der Retro Sound, der ja sehr angesagt, ist tut sein Übriges. Somit dürfte einem Erfolg der Platte, zumindest bei uns, nichts im Wege stehen. (Anm. Platz vier der deutschen Charts)

Tja, dann sind wir soweit auch durch. Ich habe keine Fragen mehr und in Anbetracht der Zeit soll das auch reichen.

Ihr habt gleich noch einen Termin bei Rockantenne Hamburg und sollt vorher noch essen. Vielen Dank für das Interview und eure Zeit.

Zum Schluss gibt es noch ein Bild und ein Autogramm auf die von Markus Müller mit überlassene CD. Danke dafür.

 

Damit endet das Interview mit Blues Pills.

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