Lacrima Mortis – Posthumous

Brasilianischer Death / Doom

Artist: Lacrima Mortis

Herkunft: Blumenau, Santa Catarina, Brasilien

Album: Posthumous

Genre: Death / Doom Metal

Spiellänge: 47:57 Minuten

Release: 27.05.2020

Label: Talheim Records

Link: https://www.facebook.com/LacrimaMortisDoom/

Bandmitglieder:

Schlagzeug – Scavenger
Bass – Reverend Reaper
Gitarre – Baud
Gitarre – Requiem
Gesang – Dread

Tracklist:

  1. Miserere
  2. The Ruins Of Desolation
  3. Distress & Decadence
  4. Words Of Blood
  5. Saudade
  6. Imprisoned In Death
  7. Optare Mortem
  8. Shades Of Destiny
  9. Dereliquit Deum (Outro)

Schon seltsam, da habe ich gerade erst das Review zum Debütalbum der australischen Black Metaller Abstract The Light gemacht (hier), ploppt bei uns im Reviewpool ein weiteres Album einer Band des Labels Talheim Records auf. Dieses Mal sind es die Brasilianer Lacrima Mortis mit ihrem Debüt Posthumous, welches bereits am 27.05.2020 durch Talheim Records veröffentlicht wurde. Dieses Mal ist es jedoch kein Black Metal, sondern (klassischer) Death Doom, den uns diese brasilianische Band serviert.

Posthumous ist das Debütalbum von Lacrima Mortis. Geheimnisvoll wird im Promosheet verraten, dass die Band sich 2016 gründete, es mehrere Line-Up Wechsel und plötzliches Verschwinden einzelner Bandmitglieder gab, bevor man sich in dieser Besetzung zusammenfand und sich an einen verächtlichen Death/Doom Sound begab.

Im Falle von Lacrima Mortis zelebrieren fünf Kapuzenfiguren mit schwarzen Masken einen okkult wirkenden Death/Doom Metal. Die Idee stammt von Requiem, einem der fünf Kapuzenmänner, so etwa Ende der 90er-Jahre entstanden. Zunächst als Nebenprojekt seiner alten Band Dying Embers – die Idee hielt damals jedoch nicht lange an. Über ein Jahrzehnt später, mit einigen Veränderungen in seinem persönlichen Leben, entschied er, dass es Zeit sei, die damaligen Kompositionen zurückzubringen, so wurde Lacrima Mortis 2016 wiedergeboren. Schon vor Lacrima Mortis wollte jener Requiem eine Art Gewand verwenden, um auf die Fans/Menschen zu wirken. Denn die Musik, wie sie Lacrima Mortis machen, ist keine Mosh-Pit-Musik und so muss man die Fans anders erreichen. Die Musiker sehen sich von solchen Bands wie Sunn O))), The Funeral Orchestra und Tyranny inspiriert.

Seit Veröffentlichung dieses Albums gab es an den Drums anscheinend noch einmal ein Line-Up Wechsel, denn am 02.11.2020 wurde ein Split mit dem Titel The Last Breath Ov Fading Consciousness mit den russischen Doomern Omnivoid veröffentlicht. Bei dieser Aufnahme befindet sich ein gewisser Priest Condemned am Schlagzeug. Ob jetzt das mysteriöse Verschwinden weitergeht!?

Langsam und zeremoniell wirkend bahnt sich ihr Death/Doom Metal zäh wie ein Fluss seinen Weg.  Sehr dunkle, nicht immer unbedingt verständliche Vocals begleiten die Songs. Diese Vocals zu verstehen ist auch nicht unbedingt notwendig, denn der Hörer bekommt direkt ein Gefühl, um was es geht. Eine dunkle, aber trotzdem ästhetisch wirkende Atmosphäre tut sich auf. Diese bösartigen Growls sind so tief gestimmt, dass sie den Hörer regelrecht nach unten ziehen. Der Gesang verfehlt in dieser langsam vor sich hin ziehenden Doom-Prozession, die sich auf dem Weg der gesamten CD windet, nicht. Er passt exzellent zum Rest der Musik und kann auch eben nur bei solch einem Tempo funktionieren, bei reinem Death Metal würden diese Vocals wahrscheinlich ihre Wirkung verfehlen. Überhaupt muss ich feststellen, dass der doomige Aspekt auf Posthumous klar im Vordergrund steht. Selbst ein Song wie Distress & Decadence, der Death Metal like beginnt, ist nach ein paar Akkorden als Opener sehr schnell entschleunigt und das tut ihm richtig gut.

Lacrima Mortis verwenden auf diesem Album sogar Streicher, oder auch Tasteninstrumente ganz dezent im Hintergrund, was dem morbiden Charakter dieses Werkes einen schmalen Anstrich süßer Harmonien verleiht. Die Songs sind zwar voller schwarzem Donner, zeigen jedoch einen Hauch von morbidem Charme, welcher den Songs einen melancholischen Stempel aufdrückt.

Die Songs haben alle eine ordentliche Länge, wobei der Song Words Of Blood mit fast elf Minuten der längste und für mich auch der beeindruckendste Song auf dem Album Posthumous ist. Dabei wirkt er sehr ausgereift, die doomige Stimmung ist kaum auszuhalten. Noch morbider wird dieses Werk (so will ich diesen Song einfach nennen) durch Chöre im Hintergrund, die einen leichten gregorianischen Touch haben. Diese Chöre drängen sich jedoch zu keinem Zeitpunkt auf, sie halten sich dezent im Hintergrund. Eine akustische Gitarre lässt diesen Song wunderbar ausklingen und wird in den folgenden Track Saudade mit hinübergenommen. Saudade ist mit unter zwei Minuten kaum als eigenständiger Song zu bezeichnen, er lockert die düstere und morbide Stimmung jedoch ein wenig auf. Saudade kommt fast einer Ode an die Fröhlichkeit gleich, ohne die verwobene Düsterniss des Albums wirklich aufzubrechen.

Insgesamt zeigt sich das Album wie aus einem Guss und immer in einer stetigen Bewegung vergleichbar einem Fluss. In den einzelnen Songs kann es zu wasserfallartigen Abgängen kommen, die dazu führen, dass sich das Wasser für einen kurzen (und wirklich nur einen sehr kurzen) Moment schlagartig und schnell bewegt. Nach solch einem Abgang sammelt sich jedoch das Wasser erneut, schwillt an und setzt seinen eingeschlagenen Weg fort. Diese Phasen kommen nicht abrupt, sondern gehen insgesamt mit den Songstrukturen einher, ohne diese aufzubrechen.

Und jetzt bitte festhalten: In dem Song Optare Mortem erkenne ich in ein paar Akkorden das Grundthema des Soundtracks zu David Lynchs Twin Peaks, aber natürlich in Death Doom. Irgendwie irre, aber es ist da.

Posthumous ist ein richtig gutes Death/Doom Metal Album geworden. Man merkt, dass sich die maskierten Brasilianer hier eine Menge Zeit genommen haben, um entsprechend abzuliefern. Posthumous macht kaum Fisimatenten und weicht wenig von traditionellen Death Doom Strukturen ab, da ist man schon eher Old School. Allerdings erwähnte ich ja bereits, dass man den Doom-Anteil sehr in den Vordergrund stellt, was ich persönlich toll finde.

Lacrima Mortis – Posthumous
Fazit
Ein Death/Doom Metalalbum aus Brasilien, welches sehr gefallen kann. Bereits mit dem Debütalbum Posthumous heben sich Lacrima Mortis aus der Masse heraus, ohne hierbei große Experimente neben den genretypischen Songstrukturen zu machen. Der Doom-Anteil ist bei diesem Werk jedoch von exponierter Stellung.

Anspieltipps: Miserere, Words Of Blood und Optare Mortem
Juergen S.
8.4
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8.4
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