Mekong Delta – Tales Of A Future Past

Die Dichte von Nevermore und der Elan von Annihilator

Artist: Mekong Delta

Herkunft: Deutschland

Album: Tales Of A Future Past

Spiellänge: 55:41 Minuten

Genre: Progressive Metal, Metal

Release: 24.04.2020

Label: Butler Records

Link: https://www.facebook.com/mekongdeltagermany/

Bandmitglieder:

Gesang – Martin LeMar
Gitarre – Erik Adam H.
Gitarre – Peter Lake
Bassgitarre, Gitarre – Ralph Hubert
Schlagzeug – Alex Landenburg

Tracklist:

  1. Landscape 1 – Into The Void
  2. Mental Entropy
  3. A Colony Of Liar Men
  4. Landscape 2 – Waste Land
  5. Mindeater
  6. The Hollow Men
  7. Landscape 3 – Inharent
  8. When All Hope Is Gone
  9. A Farewell To Eternity
  10. Landscape 4 – Pleasant Ground

Das Mekongdelta im südlichen Vietnam ist ein riesiges Labyrinth aus Flüssen, Sümpfen und Inseln mit schwimmenden Märkten, Khmer-Pagoden und von Reisfeldern umgebenen Dörfern. Das wurde sicher schon oft in den letzten Jahren als Einleitung gewählt, um über die deutsche Progressive Metal Band Mekong Delta zu berichten. Als Labyrinth kann man auch die musikalische Handschrift vortrefflich beschreiben. Die fünf Musiker präsentieren seit Ende April ihr nunmehr elftes Studioalbum mit dem Titel Tales Of A Future Past, das das letzte Langeisen In A Mirror Darkly aus dem Jahr 2014 abgelöst hat. Gegründet wurde die düstere Truppe mit Heavy und Thrash Metal Einflüssen, die eine knallharte Progressive Nummer fahren, vor 35 Jahren. Zwischen ihren Alben bleibt stets genug Zeit, um die Ideenkanäle zu füllen und die Truppe neu zu erden.

Mekong Delta gleiten mit einem geheimnisvollen Intro, das 80 Sekunden andauert, in die zehn Sequenzen starke Scheibe. Wild wie eine Thrash Metal Kombo der 80er und zielstrebig wie Nevermore zu ihren guten Tagen, lässt das Quintett mit Mental Entropy nichts anbrennen. Gesanglich haut Martin LeMar gut einen raus, bleibt im Kampf mit den Instrumenten meist Sieger, und verleitet dem Geschoss eine weitere Zielscheibe. Mit dem Fadenkreuz in den Augen robben sie durch den Dreck zu A Colony Of Liar Men. Unter fünf Minuten geht hier kaum was. Nur im letzten Akt drehen Mekong Delta die Spielzeit der beiden Tracks A Farewell To Eternity und Landscape 4 – Pleasant Ground herunter. Bereits nach wenigen Werken merkt man, dass der gradlinige Weg weiterhin nichts für die Künstler ist. Ein weiterer positive Aspekt ist die Tatsache, dass weiter ein Entwicklungspotenzial vorhanden ist, und das trotz der langen Schaffensphase. Mit Landscape gibt es gleich vier Passagen, die immer wieder ineinandergreifen. Geschickt verflochten, bleibt die Spannung permanent am Brennpunkt. Trotzdem fehlt mir in diversen Situationen das Gefühl, noch mehr Atmosphäre aufzubauen. Das berühmte Nörgeln auf hohem Niveau darf man jedoch anbringen, mit der Anmerkung, dass auf Tales Of A Future Past ein hohes technisches Verständnis zusammengetragen für viele Lichtblicke sorgt. Selbst monotone Intervalle haben genug Atem, um beim Hörer anzukommen. Schwächere Auswüchse wie The Hollow Men bleiben die Ausnahme in einem spielfreudigen Langriller, dem zeitgemäß Leben eingehaucht wurde. Die pulsierenden Melodien bleiben, ebenso wie einige Refrains, in den alten Gehirnwindungen kleben.

Mekong Delta – Tales Of A Future Past
Fazit
Wenn man nicht zu den Top Acts des jeweiligen Genres gehört, aber nach über drei Jahrzehnten weiterhin gewissenhaft an seiner Kunst feilt, ist es alles andere als einfach, die vorher gebrachte Leistung zu bestätigen oder, im besten Fall, noch zu steigern. Mekong Delta dürften in vielen Belangen an kreative Grenzen im elften Studioalbum gekommen sein, welches jedoch keinen Schatten auf die Produktion wirft. Grenzen bleiben in allen Belangen des Lebens was ganz Natürliches. Man muss mit ihnen leben, kann diese aber oft mit Fleiß und Leidenschaft überschreiten - und da kommt Tales Of A Future Past ins Spiel. Vieles stammt aus bekannten Schubladen, wurde aber mit der eigen Idee versehen und kann gerade dadurch punkten. Man muss keine Glaskugel besitzen, um zu erahnen, dass alle vier Räder, auf denen Mekong Delta fahren, nicht neu erfunden wurden, die leidenschaftlichen Merkmale wiederum machen kleine Defizite wett und lassen ein gutes Album zurück, das man Progressive Metal Anhängern in diesem Jahr ruhig anbieten sollte.

Anspieltipps: Mental Entropy und A Farewell To Eternity
Rene W.
7.9
Leser Bewertung0 Bewertungen
0
7.9
Punkte
Weitere Beiträge
Die Neuerfindung des Rock ’n‘ Roll