Messiah – Fracmont

Das Thrash-Urgestein aus der Schweiz ist wieder auferstanden

Artist: Messiah

Herkunft: Baar, Schweiz

Album: Fracmont

Spiellänge: 49:23 Minuten

Genre: Death Metal, Thrash Metal, Extreme Metal

Release: 11.09.2020

Label: High Roller Records

Links: https://www.facebook.com/MESSIAHthrashingmadness
https://www.messiah-thrashingmadness.ch
https://messiah1984.bandcamp.com/music

Bandmitglieder:

Gesang – Andy Kaina
Gitarre – Brögi
Bassgitarre – Patrick Hersche
Schlagzeug – Steve Karrer

Tracklist:

  1. Sacrosanctus Primitivus
  2. Fracmont
  3. Mort Al Dente
  4. Urbi Et Orbi
  5. Singularity
  6. Children Of Faith
  7. Dein Wille Geschehe
  8. Miracle Far Beyond Disaster
  9. My Flesh – Your Soul
  10. Throne Of Diabolic Heretics

Die 1984 gegründete Schweizer Thrash Legende Messiah hat sich schon in den späten 80er-Jahren mit den Meilensteinen Hymn To Abramelin (1986) und Extreme Cold Weather (1987) ihren Platz in der Extreme Metal Szene gesichert. Diese Alben produzierten sie damals noch über ihr eigenes Label Chainsaw Murder Records. Bis Mitte der 90er-Jahre lieferten sie dann noch drei Longplayer: Choir Of Horrors (1991), Rotten Perish (1992) und Underground (1994). Danach wurde es lange Zeit ruhig um die Band. Andy Kaina (Gesang), Brögi (Gitarre und Gründungsmitglied), Patrick Hersche (Bass) und Steve Karrer (Schlagzeug) legten ihre Zusammenarbeit auf Zeit auf Eis. 2017 starteten sie mit ihrer Re-Union im selben Line-Up wie schon 1990 neu durch. Eigentlich wollten sie nur für ihre Schweizer Fangemeinde wieder Musik machen, dann kam es aber anders als geplant. Die ersten beiden Studioalben wurden zunächst über das aktuelle Label High Roller Records neu veröffentlicht. 2018 entschieden sich Messiah am sechsten Studioalbum Fracmont (benannt nach dem Berg Pilatus, ehem. Fracmont), zu arbeiten. Damit die Fans nicht zu lange auf die neue Scheibe warten müssen, gab es als Vorgeschmack die EP Fatal Grotesque Symbols – Darken (Review hier). Darauf sind Neuaufnahmen der Songs Space Invaders, Hymn To Abramelin und Extreme Cold Weather zu hören.

Mit der Veröffentlichung von Fracmont vor rund 14 Tagen feierte die Schweizer Legende gleichzeitig ihr Comeback. Aufgenommen wurde die Scheibe im Little Creek Studio. Produzent V.O. Pulver übernahm das Mixing und Mastering, der auch schon für Bands wie Destruction und Burning Witches hinter dem Mischpult stand. Das faszinierende Artwork entstammt der Feder von Björn Gooßes, der schon auf viele hochwertige Metal-Cover stolz sein kann. Musikalisch haben die Thrash Urgesteine das Rad nicht neu erfunden. Die insgesamt zehn Songs sind laut Aussage von Gründungsmitglied Brögi schon „typisch“ Messiah. O-Ton Brögi: „Ich hechle keinen aktuellen Trends hinterher, habe auf der anderen Seite aber auch nicht versucht, mein jüngeres Ich zu kopieren. Das neue Material ist sehr heavy, aber insgesamt wesentlich strukturierter als unsere frühen Werke.“ Ich bin gespannt, was mich in den knapp 50 Spielminuten alles erwartet.

Sacrosanctus Primitivus beginnt mit andalusisch angehauchten Gitarrenklängen, die dann in epischen Bombast übergehen. Ein gregorianischer Frauen- und Männerchor untermauert die immer dramatischer werdende Stimmungskurve. Bei Fracmont wandelt sich der Sound sogleich in typische Messiah Klänge. Es folgt ein rasanter Geschwindigkeitsrausch, der plötzlich wieder in den Bombast-Gregorian-Modus zurückkehrt, um dann erneut in die thrashige Richtung einlenkt. Die Nummer ist ausladend und zugleich kraftstrotzend geraten. Weiter geht es mit Morte Al Dente, dessen Intro an einen Horrorschocker erinnert, bedrohliche Klänge verstärken die Anspannung. Es folgen Nackenbrecher-Riffs sowie ein Thrash-Death-Mix mit reichlich Geballer und Doublebasspower. Zeitweise biegt der Song in groovige Gefilde ab, die rasante Kehrtwende zu üppigen Rifflandschaften folgt aber auf dem Fuße. Dem Song mangelt es wahrlich nicht an Abwechslung. Urbi Et Obi setzt jetzt zunächst auf gleichförmige Gitarrensounds, doch dann geht die wilde Fahrt mit ultraschnellem Leadgefrickel ab! Der Bass gibt hier ganz klar den Ton an. In Sachen Songwriting fällt dieser Track zwar eine Nummer kleiner aus, hat aber durchaus Potenzial für einen Circle Pit. Singularity prescht mit einem Slide-Intro vor und setzt die rasante Route unvermindert fort. Children Of Faith beginnt besonnen und stimmungsvoll, dann treibt das straffe Riffing die heroische Melodie wieder voran. Dein Wille Geschehe erinnert an Metallicas frühe Tage – wieder einmal schöne Gitarren- und Bassläufe. Ihre Instrumente haben die Herren an den Saiten voll im Griff. Der Zweieinhalbminüter Miracle Far Beyond Disaster dient durch wuchtigen aber auch durchgängigen Starkstromsound als Pausenfüller, der sich auch bei My Flesh – Your Soul fortsetzt. Stumpfes Doublebass-Geballer und das zeitweise aufdringliche Schlagzeuggedängel stressen ein wenig meine Hörnerven. Der Wechsel zu einer groovigen Melodie erweist sich als Wohltat, dann übernimmt der Bass die Herrschaft – es wird düster. Throne Of Diabolic Heretics ist mein Highlight zum Schluss – eine richtig druckvolle Nummer, wovon ich gerne mehr gehört hätte. Hier wird ordentlich Mosh-Potenzial rausgelassen – das Ding haut noch einmal mächtig rein! Es geht ganz dicht an die Kante des Abgrunds mit einer guten Portion wuchtiger als auch doomiger Klangkulisse – ein wahrlich mächtiger Rausschmeißer, der zu gefallen weiß.

Ich habe zwei Durchläufe gebraucht, bevor dieses Album bei mir gezündet hat, aber dann ist es doch eingerastet.

Formate: Slipcase CD, Digital Album (MP3, Flac etc.), LP (splatter, neon violet, white, swiss flag)

Messiah – Fracmont
Fazit
Fracmont ist ein solides Album alter Schule mit nur wenigen Überraschungen. Genauso war es auch beabsichtigt. Es sollte ein typisches Messiah Werk werden. Man darf durchaus von einem gelungenen Longplayer dieser Thrash Legende sprechen. Fans der ersten Stunde werden in jedem Fall daran Gefallen finden. Für Hörer, die sonst abseits dieser Stilrichtung zu Hause sind, bedarf es schon einer gewissen Einhörphase, spätestens beim zweiten Durchgang ist man im Fahrwasser. 2021 soll es auf Tour gehen. Drei Termine stehen auch schon fest. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die aktuell schwierige Zeit für die gesamte Musikbranche bis dahin entspannt und die Konzerte auch tatsächlich stattfinden können.

Anspieltipps: Fracmont, Dein Wille Geschehe und Throne Of Diabolic Heretics
Sandra R.
7.9
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