Ministry live auf dem M´era Luna 2018

Artist: Ministry

Herkunft: Chicago, USA

Auftritt: M´era Luna 2018

Genre: Industrial Metal

Label: Nuclear Blast Records

Link: https://www.facebook.com/WeAreMinistry/

Bandmitglieder:

Gesang – Al Jourgensen
Gitarre – Cesar Soto
Gitarre – Sin Quirin
Bassgitarre – Tony Campos
Keyboard – John Bechdel
Schlagzeug – Derek Abrams
DJ – DJ Swamp

Da ich mich schon drei Konzerte vorher vor der Mainstage befand, um bei Ministry einen Platz so weit vorne wie möglich zu ergattern, sind meine Beine bis zu diesem Zeitpunkt schon sehr schwer geworden, allerdings kann ich das Konzert dadurch aus der zweiten Reihe genießen. Zur Unterstreichung der politischen Einstellung der Band werden ca. 2,5 Meter große, aufblasbare Figuren links und rechts neben der Bühne positioniert. Diese stellen einen Hahn dar, welcher die blonde Haartolle des amerikanischen Präsidenten Donald Trump statt eines Hahnenkamms auf dem Kopf trägt. Auf seinem Bauch jeweils ein großes, rot umrandetes und durchgestrichenes Hakenkreuz.

Nach leichten Technikproblemen, welche aber nach kurzer Zeit behoben werden konnten, wird das Konzert mit I Know Words, einem Song, der bloß vom Band abgespielt und nicht selber von der Band aufgeführt wird, gestartet. Das hat zwar etwas irritiert, war aber auch nicht weiter schlimm, als es danach nahtlos in Twilight Zone übergeht, und dann die Musiker auf die Bühne kommen und sofort anfangen zu spielen. Einzig und alleine der in Kürze 60jährige Sänger Al Jourgensen wartet noch auf seinen Einsatz und kommt erst dann mit wellenartigen Handbewegungen auf die Bühne. Auch, wenn ich mich schon vor deren Auftritt mit der Band ausgiebig beschäftigt hatte, war mir vorher entgangen, dass er auch in der Lage ist, Mundhamonika zu spielen, was er in Twilight Zone unter Beweis stellt.

Bei Vicims Of A Clown greift dann der Sänger selbst zur Gitarre. Die anderen Musiker, welche vorher noch maskiert waren, entledigen sich ihrer Masken und wenden sich auch dem Publikum zu. Dieser Song ist der erste, der mich richtig packt, vermutlich, weil jetzt zum ersten Mal Menschen Musik machen und nicht irgendwelche unerkennbaren, maskierten Personen oder eine Anlage. Trotzdem scheint es mir, als wäre ich der Einzige, der diese Musik richtig geil findet. Die umstehenden Personen wippen zwar im Takt mit, aber im meinem Umfeld scheint bis auf einzelne Ausnahmen keiner richtig begeistert.

TV5/4Chan ist ein Song, der zwar nicht sonderlich brutal klingt, aber mit der andauernden Rezitation der Zeile „Punch in the face, you need a punch in the face“ eine so aggressive Grundstimmung aufbaut, dass ein Freund von mir und ich uns gegenseitig anstoßen und am liebsten gemosht hätten, wenn das nicht 24 Stunden Bandverbot nach sich gezogen hätte. Auch die Rufe durch das Megaphon verstärken diese Stimmung. Während der nächste Song beginnt, schaut mir der Gitarrist von Ministry direkt in die Augen und macht eine entsprechende Kopfbewegung, sodass ich mich verpflichtet fühle, den Arm hochzunehmen. Als der Sänger sich ein ganzes Lied später auf den Weg zu den aufblasbaren Trump-Hühnern macht, kommt es mir so vor, als seien auch die letzten endgültig erwacht. Extrem lauter Jubel erfüllt den Platz vor der Mainstage, als Al Jourgensen die Figur mit den Füßen tritt, schubst und bespuckt.

„This is called Antifa!“

Zwei Leute mit großen Fahnen der Antifaschistischen Aktion sowie einer Anarchiefahne laufen über die Bühne und ich fange an, den Text mitzusingen, den ich auswendig kenne. Vielleicht war es da auch ganz gut, dass ich meine eigene Stimme nicht hören kann. Der Song packt so gut wie alle Leute und das, obwohl dieses Lied von Ministry sehr umstritten ist, da die Band sich indirekt für Linksextremismus ausspricht, mit Wörten wie „violence“, welche immer wieder aus dem Hintergrund des Tracks rauszuhören sind. Nach diesem Werk richtet der Sänger kurz das Wort an das Publikum und erklärt auf humoristische Weise, dass sich ihre Musik nie verändert hat und dass sie deswegen einen ihrer Hits aus den 90ern spielen würden. Dieser Song Just One Fix, der mich wirklich bereuen ließ, dass ich mir meine Haare habe abschneiden lassen, ich wollte unbedingt headbangen. Als Jourgensen dann zu Beginn ihres letzten Songs So What zum Klatschen auffordert, tun dies dann auch wirklich alle, und so ist die Stimmung zum Ende des Konzertes unglaublich gut. Nach diesem letzten Lied verlässt die Band recht zügig die Bühne und hinterlässt bei mir ein unglaubliches Dröhnen in den Ohren und ein Grinsen, weil ich endlich einmal Ministry live gesehen habe.

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